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Hintergrund: Die Krise

Die USA entdecken Atomraketen auf Kuba

  • Schiffe der US-Flotte (Quelle: dpa) Schiffe der US-Flotte am 22. Oktober 1962 vor der Küste Kubas (Quelle: dpa)

Am 14. Oktober 1962 entdecken U-2-Aufklärungsflugzeuge der USA erstmals sowjetische Raketen auf Kuba. Sie überfliegen die Insel auf 10.000 Meter Höhe. Auf den Fotos vom Westteil der Insel erkennt man Raketenrampen. Jedoch ist man sich im „Nationalen Photographic Interpretation Center“ der CIA noch nicht sicher: Neue Fotos müssen gemacht werden. Die Flüge sind illegal, denn man verletzt damit kubanisches Hoheitsgebiet. Und sie sind gefährlich: Bereits 1960 war über der Sowjetunion ein U-2-Spionageflugzeug der USA abgeschossen worden. Doch neue Aufnahmen bestätigen die ersten Einschätzung, dass auf Kuba Mittelstreckenraketen stationiert sind. Am 16. Oktober 1962 wird John F. Kennedy mit der sicheren Tatsache konfrontiert und bildet sofort einen Krisenstab mit hohen Regierungsbeamten und Militärs. Zwei Wochen lang wird die Gruppe, die auch als das Exekutivkomitee (ExComm) bekannt ist, Tag und Nacht mit dieser Angelegenheit beschäftigt sein. Zunächst beschließt der Krisenstab eine Geheimhaltung darüber, damit ausführliche Beratungen vor allem mit dem Verteidigungsminister Robert McNamara stattfinden und mögliche Reaktionen diskutiert werden können: Politischer Druck, Seeblockaden, Luftangriffe oder militärische Invasion? Man ist sich von Anfang an sicher, dass die Raketen nicht auf Kuba bleiben dürfen. Viele Berater des US - Sicherheitsrats befürworten einen schnellen Luftangriff auf die Raketenbasen – was einen Bodenkrieg auf Kuba nach sich ziehen würde. Doch Kennedy will eine Seeblockade, bei der sich alle sowjetischen Schiffe einer Kontrolle durch die US-Navy unterziehen müssen. Wenn sie dazu nicht bereit seien, würde geschossen werden.

Karte: Kuba (Quelle: SWR - Screenshot aus der Sendung)

Karte: Kuba liegt nur 150 Kilometer vom amerikanischen Festland entfernt (Quelle: SWR - Screenshot aus der Sendung)

Die Welt steht vor einem Atomkrieg

  • Kennedy im Gespräch mit McNamara (Quelle: dpa) John F. Kennedy im Gespräch mit US-Verteidigungsminister Robert McNamara am 28. Oktober 1962 vor dem Weißen Haus in Washington (Quelle: dpa)

Kennedy richtet sich am 22.Oktober 1962 in einer Fernsehansprache an die Öffentlichkeit und informiert sie über die sowjetischen Raketen auf Kuba. Gleichzeitig fordert er den sowjetischen Staatschef Nikita Chruschtschow dazu auf, diese „rücksichtslose und provokative Bedrohung des Weltfriedens“ rückgängig zu machen und verkündet die Seeblockade vor Kuba. Drei Tage später stoppt die US-Marine das erste sowjetische Schiff vor der kubanischen Küste. Es ist ein Tanker mit ausschließlich Öl an Bord. Die Amerikaner lassen es passieren. Am Tag zuvor war ein anderes sowjetisches Schiff, das 24 Atomsprengköpfe geladen hatte, der Blockade um wenige Stunden entgangen. Schiffe der US-Marine stehen den Frachtern der Sowjetunion gegenüber und die Situation ist extrem angespannt. Beide Seiten bringen ihre Streitkräfte in Gefechtbereitschaft. In den USA läuft die größte Mobilmachung der US-amerikanischen Streitkräfte seit dem Zweiten Weltkrieg. Die Sowjetunion und Kuba rechnen mit einer amerikanischen Invasion. Weltweit sind die Menschen in Sorge, dass zwei Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg erneut ein globaler Krieg, vielleicht sogar ein Atomkrieg ausbrechen könnte. Am 27. Oktober 1962 wählt Chruschtschows für seine Botschaften an die USA das Radio und somit den schnellsten Vermittlungsweg. In seiner Botschaft fordert er die USA auf ihre Waffen aus der Türkei abzuziehen und verlangt eine Versicherung, dass die USA auf eine Invasion verzichten. Erst dann würde er seine Waffen aus Kuba abziehen. Doch am selben Tag wird ein US-amerikanisches Überwachungsflugzeug von sowjetischen SAM-Boden-Luftraketen über Kuba abgeschossen. Dieser Tag geht als „Schwarzer Samstag“ in die Geschichte ein. Die Lage spitzt sich zu und die Berater Kennedy drängen zusehends auf eine Invasion Kubas.

Der geheime Deal

Während US-Präsident Kennedy unter enormem innenpolitischen Druck steht, nutzt er einen „diplomatischen Geheimkanal“. Er beauftragt seinen Bruder Robert Kennedy, den US-Justizminister, mit dem sowjetischen Botschafter Anatoli Dobrynin geheime Verhandlungen aufzunehmen. Darin werden die US-Raketen in der Türkei als möglicher Ansatz zur Lösung der zugespitzten Situation erörtert. Robert Kennedy erklärt Dobrynin den Ernst der Lage. Er vermittelt das Angebot John F. Kennedys, dass die Türkeifrage nicht öffentlich verhandelt werden dürfe, er im Gegenzug die Raketen aber abziehen würde. Als Dobrynins Bericht im Kreml eintrifft, wird klar, dass ein Krieg nur zu verhindern ist, wenn die Sowjetunion schnell handelt. Chruschtschows nutzt mit einer Radiobotschaft wieder den schnellsten Weg, seine Nachricht dem Weißen Haus zukommen zu lassen: „Die sowjetische Regierung hat angeordnet die Waffen, die Sie als Offensivwaffen bezeichnen, zu demontieren und in die Sowjetunion zurückzuschicken.“ Für die Öffentlichkeit ein bedingungsloser Rückzug. Kennedy steht als Held da. Fidel Castro erfährt erst aus dem Radio von Chruschtschows Entscheidung. Jahrzehnte lang wird die Öffentlichkeit glauben, dass die Sowjetunion nachgeben hat und die USA Sieger in diesem Machtpoker waren.