zum Inhalt.
zur Hauptnavigation.

Inhalt

Chronik: Nordirland

(Quelle: SWR - Screenshot aus der Sendung)

(Quelle: SWR - Screenshot aus der Sendung)


ca. 6000 v. Chr.
Die ersten Einwanderer kommen aus Schottland und siedeln sich im Norden Irlands an. Über ihre Lebensweise und Kultur ist wenig bekannt.

ab 1200 v. Chr.
Die Einwanderung der Kelten beginnt.

5. Jh. n. Chr.
Die Eroberung Irlands durch die Kelten ist abgeschlossen.

ca. 405 n. Chr.
St. Patrick, der spätere Nationalheilige der Iren, wird als Sklave nach Irland entführt. Sechs Jahre später kann Patrick nach Großbritannien fliehen, wo er die Priesterwürde erwirbt.

432
Patrick kehrt nach Irland zurück, um dort das Evangelium zu verbreiten.

ab 6. Jh.
Irische Missionare verbreiten das Christentum in England und in Europa.

9. Jh.
Die Wikinger kommen auf Beutezug nach Irland.

1014
Brian Boru, der sich im Jahr 1002 den Thron als irischer Hochkönig erkämpft hatte, besiegt die Wikinger in der Schlacht bei Clontarf.

1168
Diarmuid MacMorrough, König von Leinster/Irland, sucht bei einem Machtkampf mit dem irischen Hochkönig Hilfe bei Heinrich II. von England.

1171
Heinrich II. kommt nach Irland. Mit Zustimmung der Kirche und der alt-irischen Stammesfürsten errichtet er die "Lordschaft von Irland".

Anfang 14. Jh.
Die Normannen beherrschen zwei Drittel Irlands, doch die anglo-normannischen Siedler nehmen immer mehr die Lebensweise der Iren an.

1349 / 50
Die Pest löst eine Rückwanderung nach England aus. Dadurch gewinnen die Iren wieder die Oberhand.

Mitte 15. Jh.
Der englische Machtbereich ist auf das Gebiet um die Hauptstadt Dublin zusammengeschrumpft.

1541
Heinrich VIII. von England ernennt sich zum König von Irland und erhält die Zustimmung der irischen Stammesfürsten und des anglo-irischen Adels.

1560
Elisabeth I. erlässt Gesetze, mit denen die protestantische Kirchenordnung in Irland durchgesetzt werden soll.

1642
Englischer Bürgerkrieg. Karl I. gewinnt die Unterstützung der Rebellen. Irland bildet den Schauplatz für militärische Auseinandersetzungen der verfeindeten Lager.

1649
Oliver Cromwell landet als vom Parlament ernannter Lord-Leutnant mit einem Heer von 12.000 Mann in Irland.

1652
Mit der Kapitulation von Galway ist die Eroberung von Irland beendet.

1685
Der Katholik James II. besteigt den englischen Thron.

1688
"Glorreiche Revolution" in England: James II. wird von seinem protestantischen Widersacher Wilhelm von Oranien aus England vertrieben.

1690
In der Schlacht am Boyne wird König James entscheidend geschlagen.

Anfang 17. Jh.
Strafgesetze gegen die irischen Katholiken.

1782
Das englische Parlament mildert die Strafgesetze.

1791
Der protestantische Anwalt Wolfe Tone gründet die "United Irishmen".

1795
Gründung der radikal-protestantischen Oranier Orden ("Orange Orders"), die der englischen Krone treu ergeben sind.

1798
Erfolgloser Aufstand der "United Irishmen".

1. Jan. 1801
Irland wird durch die Unionsakte (Act of Union) mit England vereinigt.

1823
Daniel O'Connell gründet die "Catholic Association".

1829
Katholiken werden zum Parlament zugelassen.

1840
O'Connell gründet die "Vereinigung zur Aufhebung der Unionsakte" (Repeal Association).

1846 - 48
Die Kartoffelpest führt zu der größten Hungersnot in der irischen Geschichte.

1848
Der Aufstand der "Young Irelanders" scheitert.

1867
Ein Aufstand der Irish Republican Brotherhood scheitert.

1874
60 Vertreter der "Home-Rule League" werden ins britische Unterhaus gewählt.

1886
Der britische Premierminister William Gladstone bringt einen Gesetzesantrag auf irische Selbstverwaltung ein, der jedoch vom englischen Parlament abgelehnt wird.

1892
Gladstone bringt einen zweiten Antrag auf irische Selbstverwaltung im Parlament ein. Der Antrag wird vom Unterhaus angenommen, jedoch vom Oberhaus verworfen.

1905
Arthur Griffith gründet die katholische Partei Sinn Féin.

1914
Das Gesetz für irische Selbstverwaltung soll in Kraft treten. Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs wird es auf Eis gelegt.

23. April 1916
Osteraufstand: Proklamation einer unabhängigen Irischen Republik.

1918
Bei den Parlamentswahlen gewinnt Sinn Féin 73 von 105 Mandaten.

1919
Die Abgeordneten von Sinn Féin rufen die Republik Irland aus.

1919 - 21
Unabhängigkeitskrieg

11. Juli 1921
Ein Waffenstillstandsabkommen zwischen der "Provisorischen Regierung" Irlands und der Britischen Regierung wird unterzeichnet.

6. Dez. 1921
Anglo-Irischer Vertrag: Irland wird zum Freistaat und verbleibt im "Commonwealth", Nordirland bleibt Teil Großbritanniens.

Juni 1922
Die ersten Wahlen zum neuen Parlament enden mit einem Sieg der Befürworter des Vertrags, der Irland zum "Freistaat" macht. Große Teile der Irisch-Republikanischen Armee (IRA) lehnen den Vertrag ab. Es kommt zum Bürgerkrieg, den die Vertragsbefürworter gewinnen.

1926
Eamon De Valera gründet die "Fianna Fail" (Soldaten des Schicksals) und bricht mit der IRA.

1937
Irland erhält eine neue Verfassung, in der weiterhin Anspruch auf Nordirland erhoben wird. Douglas Hyde wird erster Präsident.

1939 - 45
Irland bleibt im Zweiten Weltkrieg neutral.

18. April 1949
Die Regierung ruft die Republik Irland aus und scheidet aus dem Commonwealth aus. Nach mehreren Jahrhunderten britischer Herrschaft ist Irland erstmals unabhängig – bis auf die sechs nordirischen Grafschaften der Provinz Ulster.

1956 - 62
Die IRA führt eine erfolglose Bombenkampagne gegen die Teilung Irlands ("Border Campaign").

1967
Die Bürgerrechtsbewegung wird in Nordirland gegründet.

14. Aug. 1969
Die britische Armee kommt nach Nordirland.

1970
Die IRA beginnt sich zu bewaffnen. Im April wird die gemäßigte katholische Sozialdemokratische Partei (SDLP) gegründet.

6. Feb.1971
Der erste britische Soldat wird bei einem Schusswechsel zwischen der Armee und der IRA in Belfast getötet.

30. Jan. 1972
Britische Fallschirmjäger eröffnen in Derry das Feuer auf Demonstranten, 14 Menschen sterben an diesem Tag ("Bloody Sunday").

Am 24. März
übernimmt London die direkte Herrschaftsgewalt und schafft ein Nordirland-Ministerium.

28. Mai 1974
Das Sunningdale-Abkommen scheitert am Widerstand der Protestanten.

1980 / 81
Hungerstreik der republikanischen Gefangenen in Long Kesh. Zehn Gefangene sterben.

1985
Unterzeichnung des anglo-irischen Abkommens, das ein Jahr später scheitert.

31. Aug.1994
Die IRA verkündet einen Waffenstillstand.

24. April 1995
Erstes offizielles Treffen zu "Erkundungsgesprächen" zwischen Sinn Féin und Mitgliedern der britischen Regierung.

Karfreitag 1998
Unterzeichnung des Belfaster Abkommens, das unter anderem eine Mehrparteienregierung unter Beteiligung der Sinn Féin vorsieht.

Okt. 2002
Die Mehrparteienregierung scheitert, die britische Regierung übernimmt wieder die Direktherrschaft.

Mai 2005
Die Democratic Unionist Party (DUP) des protestantischen Pfarrers Ian Paisley und die katholische Sinn Féin sind nach den britischen Parlamentswahlen die stärksten Parteien in Nordirland. Ian Paisley lehnt jedoch Verhandlungen mit Sinn Féin ab.

Sept. 2005
Die IRA zerstört ihr gesamtes Waffenarsenal.

März 2006
Die britische Regierung gibt den Parteien bis Jahresende Zeit, sich auf eine neue Mehrparteienregierung zu einigen. Andernfalls werden die nordirische Regierung und das Parlament auf unabsehbare Zeit aufgelöst.

11. – 13. Okt. 2006
St. Andrews Agreement: Auf einer Konferenz unter Beteiligung von Regierungsvertretern aus London und Dublin einigen sich die nordirischen Parteien auf Neuwahlen als Weg zu einem neuen Parlament und einer neuen Regierung und zur Beendigung der Londoner Direktherrschaft über Nordirland.

Okt. 2006
Die unabhängige Entwaffnungskommission erklärt, nach ihrer Ansicht habe die IRA dem Terrorismus abgeschworen.

Jan. 2007
Die Mitglieder der katholischen Partei Sinn Féin sprechen sich mit großer Mehrheit für eine Anerkennung des protestantisch dominierten Justizsystems in Nordirland aus.

7. März 2007
Parlamentswahlen in Nordirland. Die protestantische DUP (Democratic Unionist Party) wird mit 30,1% die stärkste Partei, gefolgt von der katholischen Sinn Féin mit 26,2%.

8. Mai 2007
Die Regierung wird in Belfast vereidigt. Ihr Ministerpräsident (genannt First Minister) ist der Protestant Ian Paisley von der Partei DUP (Democratic Unionist Party) sein Stellvertreter der Katholik Martin McGuinness von der Partei Sinn Féin.

31. Mai 2007
Nach rund 38 Jahren endet der Nordirland-Einsatz der britischen Armee. Sie ist von nun an nicht mehr für die innere Sicherheit zuständig, dies übernimmt die nordirische Polizei. Die verbleibenden 5.000 britischen Soldaten beschränken sich zukünftig auf Landesverteidigung und Auslandseinsätze.

4. März 2008
Ian Paisley von der DUP erklärt seinen Rücktritt von den Ämtern des Parteivorsitzenden und des Ministerpräsidenten (Erster Minister). Peter Robinson, ebenfalls DUP, folgt ihm im Juni in beiden Ämtern nach.

7. März 2009
Anschlag auf eine Kaserne in Massereene. Zwei britischen Soldaten werden erschossen, zwei weitere Soldaten und zwei Zivilisten schwer verletzt. Es ist die erste derartige Tat in Nordirland nach 12 Jahren. Die katholische RIRA (Real IRA), eine Abspaltung der IRA, bekennt sich zu der Tat. Die politischen Vertreter sowohl der Protestanten als auch der Katholiken verurteilen den Anschlag scharf.

9. März 2009
Ein Heckenschütze ermordet einen Polizisten in der nordirischen Grafschaft Armagh. Die katholische IRA-Abspaltung CIRA (Continuity IRA) bekennt sich zu der Tat.

24. Mai 2009
40 protestantische Extremisten ziehen nach dem Meisterschaftssieg des schottischen Fußballvereins Glasgow Rangers in der nordirischen Stadt Coleraine durch das Katholikenviertel und erschlagen dort einen Katholiken und verletzen seine Frau schwer.

5. Feb. 2010
Hillsborough-Abkommen: Die Verantwortung für die Justiz und Polizei in Nordirland geht von der britischen Zentralregierung auf die nordirische Provinzregierung über. Damit ist einer der umstrittensten Punkte des Karfreitagabkommens von 1998 umgesetzt.

15. Juni 2010
Der britische Premierminister David Cameron entschuldigt sich öffentlich für die Erschießung von 14 unbewaffneten Demonstranten am „Bloody Sunday“ 1972 im nordirischen Derry / Londonderry. Er bestätigt auch, dass die Demonstranten unbewaffnet waren und keinerlei Gefahr für die Soldaten darstellten.

2. April 2011
In der Stadt Omagh wird ein katholischer Polizeibeamter durch eine Autobombe getötet. Politiker aller Parteien verurteilen den Anschlag. Verantwortlich gemacht werden Kritiker des nordirischen Friedensprozesses, die sich von der IRA abgespalten haben.

27. Juni 2012
Die britische Königin Elizabeth II. besucht die nordirische Hauptstadt Belfast. Es kommt zu einem „historischen Handschlag“ mit dem Vize-Regierungschef Martin McGuinness, der ehemals ein führendes IRA-Mitglied war.

Juni 2012
Der „Flaggenstreit“ beginnt: Die Stadtverwaltung von Belfast beschließt, dass die britische Flagge nicht mehr wie bisher dauerhaft am Rathaus gehisst sein soll, sondern nur noch an den von der Londoner Regierung für ganz Großbritannien festgelegten Tagen. Dies soll ein Zeichen der Normalisierung sein. In Folge dieser Entscheidung kommt es immer wieder zu Krawallen radikaler Protestanten, die in der eingeschränkten Beflaggung eine Abkehr von Großbritannien sehen, die sie nicht akzeptieren wollen.

3. Jan. 2013
In Belfast brechen schwere Krawalle wegen des Flaggenstreits aus, meist begonnen von jugendlichen protestantischen Extremisten.

28. Feb. 2014
Im nordirischen Parlament wird über einen zuvor bekannt gewordenen Deal debattiert: Offenbar hat das britische Nordirland-Ministerium in den vergangenen 16 Jahren unter strenger Geheimhaltung 187 ehemaligen Kämpfern der IRA Straffreiheit zugesichert. Dies war mutmaßlich Voraussetzung für die Bereitschaft der IRA zur Entwaffnung.

1. Mai 2014
Der Vorsitzende der Sinn Féin, Gerry Adams, wird verhaftet und vor seiner Freilassung 4 Tage lang befragt. Er wird verdächtigt, am politisch motivierten Mord an der nordirischen Katholikin Jean McConville im Jahr 1972 beteiligt gewesen zu sein, bestreitet dies aber.

10. Sept. 2015
Regierungskrise in Nordirland, Ministerpräsident (First Minister) Peter Robinson, DUP, tritt zurück. Hintergrund ist eine Koalitionskrise zwischen der protestantischen DUP und der katholischen Sinn Féin. Zwischen beiden besteht u.a. ein Konflikt über die Kürzungen des Sozialbudgets.

18. Dez. 2015
Die bisherige Finanzministerin Nordirlands, Arlene Foster, wird zur Parteivorsitzenden der DUP gewählt.

11. Jan. 2016
Das nordirische Parlament wählt Arlene Foster zur Ministerpräsidentin. Sie leitet eine Einheitsregierung aus Protestanten und Katholiken. Ihr Stellvertreter ist weiterhin der Katholik Martin McGuinness von Sinn Féin.