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Hintergrund: Rechtsextremismus: Welche Rolle spielt „Gewaltbereitschaft“?

Klaus mag Fußball eigentlich überhaupt nicht, aber Fußballspiele bieten einen guten Rahmen für unzufriedene junge Männer, um „Dampf abzulassen“, sich zu prügeln. „Schlagen war Alltag, das war einfach jeden Tag“, erinnert sich Klaus in dem Film „Plötzlich ist man wer - Neonazi“. Heute ist Klaus Aussteiger und hat mit der rechten Szene nichts mehr zu tun. Für ihn war die Gewalt das entscheidende Motiv, sich der rechten Szene anzuschließen.

Woher seine Aggressionen kamen, weiß Klaus noch genau: „Das fing an in der Grundschule, dass ich gemobbt wurde. Das ging über Schläge bis hin zu Beleidigungen und Demütigungen. Ich würde sagen, da hat sich langsam der Hass gebildet, so mit 12/ 13 Jahren, als ich dann auch gemerkt habe, dass ich doch relativ viel Kraft habe und dass man sich dadurch auch genug Respekt verschaffen kann. Ich wollte, dass man immer Respekt vor mir hat (…) und ich habe schnell gemerkt, dass man das durch Gewalt ganz gut erlangen kann.“

Comicbild: Kindergesicht, im Hintergrund ein Haus mit einem erleuchteten Fenster, in dem zwei Menschen zu sehen sind. (Quelle: SWR – Screenshot aus der Sendung)

Klaus litt unter Gewalterfahrungen in der Kindheit. (Quelle: SWR – Screenshot aus der Sendung)

Dieses Motiv findet sich häufig bei rechtsextremen Jugendlichen, die sich ungeliebt und als gesellschaftliche Verlierer fühlen. Für sie ist der militante Kern der rechten Szene besonders interessant. Genau wie Klaus interessieren sie sich nicht für Politik oder NS-Ideologie. Sie benutzen diese als Vorwand, um aggressiv gegen politisch Andersdenkende wie Autonome, die Staatsmacht oder gegen Schwächere, wie Ausländer und Flüchtlinge, vorzugehen. Irgendeinen Vorwand für eine Prügelei habe man immer gefunden, erinnert sich Klaus, da käme jeder Sündenbock recht. Heute weiß er, dass Gewalt nicht die Lösung ist und zu immer noch mehr Gewalt führt.

Interviewbild von Klaus (anonymisiert) (Quelle: SWR – Screenshot aus der Sendung)

Klaus ist mit Hilfe eines Schutzprogramms aus der Szene ausgestiegen. (Quelle: SWR – Screenshot aus der Sendung)

Auch die Verbindung von politisch desinteressierten Hooligans und der rechten Szene ist eine relativ neue Protest-Erscheinung, die sich im Kontext der Debatte um Asylsuchende und islamistischen Terrorismus formiert hat. Die „Hooligans gegen Salafisten“, auch Hogesa genannt, traten im 26. Oktober 2014 erstmals bundesweit in Erscheinung. In Köln trafen sich rund 4.000 aggressive, gewaltbereite, alkoholisierte Hooligans und Neonazis zu einem Demonstrationszug – es kam zu Ausschreitungen und zu heftigen Zusammenstößen mit der Polizei. Die Situation geriet völlig außer Kontrolle. Die Musik für den „Kampf gegen Salafisten und radikale Muslime“ lieferte die rechtsextreme Hooligan-Band „Kategorie C“; unter diesem Kürzel stuft die Polizei gewaltbereite Fußballfans ein. Die Bewegung lebt heute noch weiter im Pegida-Umfeld, bei Demonstrationen von Neonazis oder bei dem Leipziger Pegida-Ableger, Legida. Hier dominieren aggressive Hooligans in weiten Teilen rechte Protestmärsche und reiten auf der Welle fremdenfeindlicher Gewalt mit. Laut Schätzungen des Bundesamtes für Verfassungsschutz aus dem Jahr 2016 sind von 24.350 Aktiven und Sympathisanten des rechten Spektrums, 12.100 gewaltbereit.

Nicht nur der Alkohol putscht rechtsextreme Neonazis und Hooligans auf, auch die Musik der rechten Szene ist gespickt mit volksverhetzenden Aussagen. Die Texte von Bands wie „Landser“ rufen unverhohlen und offen zur Gewaltausübung gegenüber Ausländern und Asylbe-werbern auf. Als 1992/93 in Städten wie Rostock, Mölln und Solingen die Unterkünfte von Migranten brannten, lief dazu der Soundtrack der Landser „Berlin bliebt deutsch“. Aussteiger Felix Benneckenstein weist zudem daraufhin, dass die Konzert und Glatzenszene gewaltbereiter sei als die Kameradschafts-Szene. „In Sachen Gewalt und Illegalität sind die ziemlich breit aufgestellt“, berichtet er im Interview.

Comicbild: Jugendliche hören Musik in einem Park (Quelle: SWR – Screenshot aus der Sendung)

Musik ist eines der wichtigsten Propagandamittel für die rechte Szene. (Quelle: SWR – Screenshot aus der Sendung)