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Unterricht: Philosophische Gedanken mit Richard David Precht

  • Richard David Precht vor einem Regal mit Tütensuppen. Ist es Freiheit, die Wahl zwischen hundert verschiedenen Tütensuppen zu haben? Rechte: WDR

Jeder der neun Clips eignet sich als Impuls für eine kurze Unterrichtseinheit, in der sich die Schülerinnen und Schüler mit dem Themenhintergrund des Clips, der dahinter stehenden philosophischen Debatte und passenden Originaltexten von Philosophen befassen. Die Arbeitsaufträge sind in Art und Methode unterschiedlich und decken ein möglichst breites Methodenspektrum ab. Einige Themen bauen aufeinander auf und können daher gut hintereinander betrachtet werden. Im Hintergrund von diesem Wissenspool gibt es zu jedem Thema einen erläuternden Text, den die Schülerinnen und Schüler als zusätzliche Informationsquelle nutzen können.

Freiheit

Precht wendet den Freiheitsbegriff der Aufklärung auf die heutige Konsumgesellschaft an. Bedeutet ein Mehr an Waren auch ein Mehr an Freiheit? Er verbindet die Idee Kants einer positiven Freiheit als Selbstgesetzgebung mit der Idee einer autonomen Person, die innerhalb der Warenwelt nicht an Selbstwert verliert. Im Hintergrund wird dieser Zusammenhang näher erläutert. Vor dem Ansehen des Films beschäftigen sich die Schülerinnen und Schüler daher mit der Unterscheidung von positiver und negativer Freiheit im Zusammenhang mit Kants Autonomiebegriff. Dazu können sie den Hintergrundtext nutzen. Sie finden Beispiele für positive und negative Freiheit und beziehen diese Begriffe im Anschluss an den Film auf ihr eigenes Konsumverhalten. Was bedeutet positive Freiheit in der Konsumwelt? Welche Waren helfen mir, einen individuellen Selbstwert zu erlangen und welche verhindern das eher? Kaufe ich einen Basketball, um selbst Basketball zu spielen oder einen Fernseher, um Basketballspiele im Fernsehen zu gucken? Die Schülerinnen und Schüler sollen ihre Gedanken möglichst konkret auf ihren eigenen Konsum und ihre eigenen Konsumwünsche beziehen. Das kann in Form eines kurzen Leitfadens für positive Freiheit in der Konsumwelt geschehen. Zu diesem Themenkomplex passen auch die Filme Eigentum, Glück und Identität.

Leistung

Vor dem Film diskutieren die Schülerinnen und Schüler John Rawls Gerechtigkeitsideen. Rawls schlägt vor, individuelle Leistungen und gemeinschaftliche Solidarität aufeinander abzustimmen. Die Schülerinnen und Schüler erarbeiten sich anhand eines Textauszugs (Arbeitsblatt 2) diese Idee. Der Film dient dann als Impuls zur Diskussion der Grenzen dieses Modells. Im Anschluss führen sie mit Arbeitsblatt 3 ein persönliches Gedankenexperiment durch: Wie wäre es, wenn sie selbst in allen Lebenslagen nur unter dem Gesichtspunkt ihrer Leistungen bewertet würden? Dazu führen sie einige Tage lang ein Tagebuch über ihre Leistungen in der Schule, in der Familie, im Freundeskreis, im Sportverein oder in anderen Situationen in ihrer Freizeit. Auf dieser Basis wird in der Klasse die Idee einer rein leistungsorientierten Bewertung diskutiert. Der Hintergrundtext geht über diesen Gedanken hinaus. Wenn die Entlohnung nach Leistung nicht der richtige Weg ist, was wäre, wenn die Menschen unabhängig von ihrer Leistung eine bedingungslose Grundsicherung erhielten? Wie würde dies das Verhältnis der Menschen zur Arbeit verändern?

Angst

Dass Emotionen etwas für unsere Welterkenntnis leisten, haben unter anderem Kierkegaard und die Existentialisten vertreten. Nach dem Film lesen die Schülerinnen und Schüler dazu Textauszüge auf Arbeitsblatt 4 und sammeln in einem Brainstorming Ideen an der Tafel: Was lernen wir durch Emotionen wie Angst? Im Hintergrundtext werden grundlegende Positionen von Philosophen beschrieben und der Unterschied zwischen Furcht und Angst erläutert.

Die Färbung unserer Gedanken durch Emotionen lässt sich auch gut anhand von Kunst und Literatur verdeutlichen. Dazu versprachlichen die Schülerinnen und Schüler auf Arbeitsblatt 5 die Emotionen eines Protagonisten oder einer Protagonistin, eines selbst gewählten künstlerischen Werks oder eines Werkausschnitts (Film, Bild, Gedicht, Prosa etc.). Dies kann ein Bild (klassisch zum Beispiel von Edvard Munch "Der Schrei"), eine Filmszene aus einem Krimi oder Horrorfilm oder einen Ausschnitt aus einem Buch sein. Sie können auf diese Art und Weise ausprobieren, wo die Sprache an ihre Grenzen stößt.

Verantwortung

Der Film dient diesmal als Einstieg ins Thema. Ohne vorher die Theoriekomplexe Pflichtethik und Utilitarismus zu kennen, erarbeiten die Schülerinnen und Schüler in Gruppen Motive für eine verantwortliche Haltung des Menschen innerhalb seiner Umwelt, indem sie Prechts Argumente rekonstruieren und mit Beispielen versehen. Die Motive werden auf Plakaten gesammelt und im zweiten Schritt mit den Textbausteinen von Kant, Mill und Bentham auf Arbeitsblatt 6 konfrontiert. Es empfiehlt sich, in diese Diskussion auch den Hintergrundtext einzubeziehen, der die Positionen der Philosophen einschließlich Prechts an den aktuellen globalen Problemen diskutiert. Am Ende steht gegebenenfalls die Erkenntnis, dass eine zeitgemäße Ethik ganz selbstverständlich Aspekte von beiden ethischen Modellen zusammenführen muss. In dieser Diskussion spielen auch Aspekte der Unterrichtseinheit zu Angst und Emotionen eine Rolle. Es bietet sich an, das Thema Emotionen ebenfalls zu besprechen. Auch der Folgefilm über das Gute schließt sich inhaltlich organisch an.

Das Gute

Im Zentrum steht hier der philosophische Streit: Was ist das Gute? Ist das Gute eine Vorschrift, die unabhängig von dem besteht, was die Menschen erleben und empfinden? Oder ist es eine von der menschlichen Empfindung und dem jeweiligen Nutzen abhängige Größe? Sollte oder darf Psychologie Bestandteil der Moral sein? Hier stehen sich Kant und Aristoteles gegenüber. Die Schülerinnen und Schüler informieren sich auf Arbeitsblatt 7 über die Positionen dieser beiden Philosophen und beschreiben die Unterschiede und die jeweiligen Argumente. Im Anschluss wird es in einer strukturierten Debatte konkret. Anhand von vier Fallbeispielen diskutieren die Schüler in Kleingruppen die metaethische Frage nach einer psychologischen Auseinandersetzung mit dem Guten. Die Fallbeispiele und die Anleitung zur strukturierten Debatte finden sich auf Arbeitsblatt 8.

Glück

Für Aristoteles ist Glückseligkeit das zentrale Ziel seiner Ethik. Was er darunter versteht, wird im Hintergrundtext erläutert. Was heißt das heute konkret? Wie können Menschen glücklich werden? Gibt es verallgemeinerbare Umstände, die Glück ermöglichen? Auf Arbeitsblatt 9 finden die Schülerinnen und Schüler Material, um diese Fragen zu diskutieren: Ergebnisse einer Studie über das Glücksempfinden der Deutschen, ein Ranking der glücklichsten Länder der Erde sowie einen Textauszug von Aristoteles. Im Anschluss an diese Diskussion sollen die Schülerinnen und Schüler dieser Frage für sich persönlich auf die Spur kommen. Über ein paar Tage führen sie darüber Tagebuch, in welchen Situationen sie sich glücklich gefühlt haben. Sie ziehen für sich selbst Bilanz: Was macht sie vor allem glücklich? Was gehört zu meinem Glück dazu? Es bietet sich an, auch noch einmal auf das Thema "Das Gute" zurückzukommen, da beide Themenkomplexe eng verbunden sind.

Identität

  • Eine Schaufensterpuppe mit dem Zitat von Dietrich Bonhoeffer /"Bin ich, was andere mir sagen? Bin ich, was ich selbst von mir weiß?/" Was ist der Mensch – das, was er zu sein vorgibt? Rechte: WDR

Was ist der Mensch? Auf diese Frage geben Philosophen vielfältige Antworten. Wie sich diese Antworten auf zwei Grundideen zurückführen lassen, beschreibt der Hintergrundtext. Er kann zusammen mit dem Filmclip von Precht diskutiert werden. Richard David Precht bezieht sich vor allem auf die heutige mediengeprägte Zeit, wenn er sagt: Wir sind das, was wir zu sein vorgeben. Nach einer ersten allgemeinen Diskussion folgt ein Selbstexperiment, bei dem auf eine Methode aus dem Deutschunterricht zurückgegriffen wird: Rollenbiografien. Sie ist den Schülern gut bekannt. Jede Schülerin und jeder Schüler schreibt zwei Rollenbiografien: eine über sich selbst und eine über einen anderen Mitschüler. Über welchen Mitschüler sie schreiben, wird ausgelost. Für die Rollenbiografien können sie Arbeitsblatt 11 nutzen. Anschließend werden die Texte in Gruppen verglichen. Stimmen Fremd- und Eigenwahrnehmung überein? Wie lassen sich Abweichungen und Übereinstimmungen erklären? In der Gruppendiskussion bleiben die Autoren der Rollenbiografien über andere Schüler anonym. Wenn gewünscht, können sich die Schüler aber nachher mit den Autoren in Zweiergesprächen austauschen.

Eigentum

Dieser Themenkomplex berührt die Staatsphilosophie von Locke, Rosseau und Marx. Die Zusammenhänge werden im Hintergrundtext erläutert. Mithillfe von Arbeitsblatt 12 arbeiten die Schülerinnen und Schüler die Positionen von John Locke und Karl Marx heraus: Gehört Eigentum zu den Grundbedürfnissen des Menschen und sollte der Staat Eigentum schützen?

In leitfadengestützten Interviews untersuchen die Schülerinnen und Schüler schließlich, welchen Stellenwert Eigentum, Erwerb und Arbeit für Menschen heute haben. Dazu überlegen sie sich Leitfragen und Personen, die sie befragen wollen. Es sollten Personengruppen sein, die je nach Einkommens- und Arbeitssituation unterschiedliche Positionen haben können. Handwerker haben zum Beispiel ein besonderes Verhältnis zum Ergebnis ihrer Arbeit. Zudem können bestimmte Orte für die Befragung wichtig sein, etwa ein Einkaufszentrum oder ein Museum. Eine ausführliche Anleitung gibt es auf Arbeitsblatt 13. Wenn ein Befragungsplan und Leitfragen für die Befragung erarbeitet wurden, führen die Schüler in Gruppen die Befragung von unterschiedlichen Personengruppen an unterschiedlichen Orten durch. Jede Gruppe präsentiert ihre Ergebnisse vor der Klasse. Anschließend kann in Gruppenarbeit ausgewertet werden, ob Einkommen, Beruf, Alter oder andere Daten die Einstellungen beeinflussen. Tragen die Positionen der Philosophen dazu bei, die Befragungsergebnisse zu erklären?

Krieg

Ist der Mensch ein friedliches Wesen – oder liegen Konflikte in der Natur des Menschen? Kant und Nietzsche haben sich unter anderen mit der Frage befasst, ob Krieg vermeidbar ist oder gar notwendig für die menschliche Rasse. Precht vertritt die Auffassung, dass Krieg nicht die Ausweitung der menschlichen Aggression mit stärkeren Mitteln ist, sondern aus Furcht und Misstrauen entsteht, die wir beherrschen lernen müssen, um Kriege zu vermeiden. Hier lässt sich ein Bogen schlagen zum Thema "Angst". Im Hintergrundtext werden die Gedanken der Philosophen beschrieben. Nach einer allgemeinen Diskussion von Film und Hintergrundtext kann ein Selbstexperiment weitere Erkenntnisse bringen, diesmal in Form von Rollenspielen. Ziel ist es, zu erfahren, wie Misstrauen und Furcht geschürt und zu einem Konflikt führen können.

Auf Arbeitsblatt 14 sind Szenarien für provozierende Rollenspiele zusammengestellt. Alternativ kann die Klasse sich auch eigene Szenarien überlegen. Indem sie diese Szenarien im Rollenspiel weiterführen, probieren die Schülerinnen und Schüler aus, wie weit Allianzen tragen beziehungsweise wann Verabredungen gebrochen werden. Sie spielen die vorgeschlagenen Szenarien durch und analysieren anschließend, wie sie sich in der einen oder anderen Partei gefühlt haben und was zu einem eventuellen Konflikt geführt hat. Im Anschluss kann in der Klasse besprochen werden, inwieweit sich diese Muster auf Staaten und Kriege übertragen lassen und was zur Deeskalation nötig ist.

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