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Hintergrund: Artikel 4

Artikel 4 "Glaubens- und Bekenntnisfreiheit"

(1) Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich.

(2) Die ungestörte Religionsausübung wird gewährleistet.

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Artikel 4: "Fremdes Kind". Ein ernsthaftes – obwohl fast anachronistisch wirkendes Plädoyer für die Glaubens- und Religionsfreiheit.

Die 18-jährige Johanna hat beschlossen, in ein Kloster einzutreten. Der Vater reagiert verständnis- und hilflos auf die Religiosität seiner Tochter, kann sie aber von ihrem Vorhaben nicht abbringen. (07:34)

Art. 4 Glaubens- und Bekenntnisfreiheit

Glaube ist ein Oberbegriff und umfasst sowohl religiöse Vorstellungen mit einem Gottesbezug und einem wie auch immer gearteten Jenseits wie a-religiöse und atheistische Erklärungsmodelle vom Wesen dieser Welt und ihrer Entstehung.Gewissen ist ein stark an das Individuum gebundenes Empfinden, ihn verpflichtendes Einstehen für das von ihm so gesehen als das "Gute" statt des "Bösen". Eine Gewissensentscheidung ist aber im Alltag und auch in der Politik viel seltener, als ihr häufiger Ge- und Missbrauch vermuten lässt.


Beispiel: Die Frage, wie hoch der Umsatzsteuersatz angehoben werden soll, ist so wenig eine Gewissensentscheidung wie die Elternfrage, auf welche weiterführende Schule ihr Kind geschickt werden soll.


Die Bekenntnisfreiheit schließt die negative Glaubensfreiheit ein, also das Recht, auch einfach nichts zu glauben oder seinen Glauben nicht offenbaren zu müssen.


Beispiel: Der Personalbogen eines Bewerbers für den Staatsdienst darf nicht die Frage nach dem religiösen Bekenntnis enthalten. Wohl aber darf das Finanzamt wegen der möglichen Kirchensteuerpflicht danach fragen. Es steht dem Bewerber ja jederzeit frei, aus der Kirche auszutreten, ohne dass ihm irgendwelche weltlichen Nachteile entstehen.


Die Trennlinie zwischen Religion und Weltanschauung ist nicht scharf zu ziehen, ist aber in diesem Zusammenhang auch unerheblich, weil beide ein grundrechtlich gesichertes, vom Staat zu schützendes Gut sind. Der Art. 4 ist – wie viele andere Grundrechtsartikel auch – ein Jedermannsrecht, gilt also nicht nur für Deutsche.


Beispiel: Der im Grundsatz weltanschaulich neutrale deutsche Staat muss also Moslems in ihrer Religionsausübung bei der Verrichtung ihres Abendgebetes vor Störungen durch Andersgläubige schützen, auch wenn in islamischen Regionen anderer Länder Christen diesen Schutz nicht genießen.


Auch die Freiheit zum Bekennen des Glaubens und seiner Praktizierung gilt nicht unbegrenzt.


Beispiele: Die Tochter eines streng muslimischen Vaters muss am gemeinsamen Schwimm- und Sportunterricht der Klasse teilnehmen, auch wenn ihm das unsittlich erscheint. (In der schulischen Praxis wird aber – leider - zumeist auf die Durchsetzung dieses Gebotes verzichtet.)
Eine Lehrerin darf während des allgemeinbildenden Unterrichts, keine "religiös motivierte" Kleidung (Kopftuchfall) tragen. In den Schutzbereich der freien Religionsausübung fällt auch nicht das von Pfarrern gewährte sogenannte Kirchenasyl für abgelehnte Asylbewerber. Im modernen Rechtsstaat gibt es keinen rechtsfreien Raum. Verfassung und Gesetz gelten auch für die und in der Kirche.