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Hintergrund: Artikel 12

Artikel 12 "Freiheit der Berufswahl"

(1) Alle Deutschen haben das Recht, Beruf, Arbeitsplatz und Ausbildungsstätte frei zu wählen.

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Artikel 12: "Der Traumjob". Ein im Endeffekt verblüffendes Vorstellungsgespräch als Diskussions-Beitrag zur freien Wahl des Berufes.

Eine junge Akademikerin beim Vorstellungsgespräch in einer großen Firma. Sie ist nervös, etwas unsicher, bekommt die üblichen Fragen gestellt – und hat den Job. Doch der sieht anders aus, als es das Gespräch vermuten lässt … (06:57)

Art. 12 Freiheit der Berufswahl

Als Grundrecht ist es wiederum nur ein Deutschen-Grundrecht, gilt aber wegen der EU-Verträge praktisch für alle Bürger der Europäischen Union. - Es handelt sich bei diesem Grundrecht um eine Präzisierung und Konkretisierung des allgemeinen Rechtes auf freie Entfaltung der Persönlichkeit (Art. 2 GG).

Die Berufswahlfreiheit umfasst sowohl das Recht auf freie Berufsausübung wie auch die freie Wahl des Arbeitsplatzes und der Ausbildungsstätte. Die Möglichkeit der freien Berufswahl eröffnet Einsteigern Chancen, verstärkt den Wettbewerb und soll eben keinen Schutz vor neuer Konkurrenz geben.
Freie Arbeitsplatzwahl sichert jedem das Recht, sich selbst zu entscheiden, ob er einen Arbeitsplatz annehmen, beibehalten oder ablehnen will. Aber er bietet selbstverständlich keine Garantie, die gewünschte Arbeitsstelle auch tatsächlich zu erhalten und keinen Schutz vor Kündigung.
Zur freien Wahl der Ausbildungsstätte gehören weiterführende Schulen, Hochschulen und Stätten der Berufsausbildung, um den Grundsatz der freien Berufswahl zu realisieren.


Beispiel: Voraussetzung für die Zulassung als praktischer Arzt ist ein erfolgreicher Abschluss des Medizinstudiums. Deshalb muss der Staat dies Studium grundsätzlich auch ermöglichen.


Der Begriff "Beruf" ist sehr weit und großzügig auszulegen. Nicht von ungefähr zählt die Bundesagentur für Arbeit weit mehr als 6.000 Berufe. Man versteht darunter jede erlaubte (!) mit Erwerbsabsicht ausgeübte regelmäßige Tätigkeit. Dabei ist es unerheblich, ob diese Tätigkeit gesellschaftlich erwünscht, nützlich oder erfolglos ist. Auch spielt es keine Rolle, ob für diese Tätigkeit eine Vor- und Ausbildung erforderlich ist oder von jedermann ohne irgendwelche Kenntnisse mit oder ohne Talent ausgeübt wird.


Beispiele: Der Straßenmusikant, wenn er nicht nur an besonderen Tagen etwa vor Weihnachten auftritt, ist beruflich tätig.
Der Kunstmaler, auch als (vermeintlich) verkanntes Genie, übt einen Beruf aus, selbst wenn die schnöde Welt seine Bilder nur selten kauft.
Und auch die (angemeldete) Prostituierte "arbeitet" professionell, hat also einen Beruf. Dagegen ist der "Profi-Killer", auch wenn er so bezeichnet wird und sich selbst einen "Profi" nennt, eben kein Berufstätiger.


Zu beachten ist, dass diese Verfassungsbestimmung den freien Zugang zu einem Beruf sichern soll. Aber mit der Wahlfreiheit ist keine Garantie verbunden, dass der Beruf auch je ausgeübt werden kann. Aus wohlerwogenen Gründen kennt die Verfassung kein "Recht auf Arbeit". Ein solches Recht mit Arbeitsplatzgarantie würde zu einer unproduktiven Verschwendung (wie in der DDR) von Arbeitskräften führen, weil auch der völlig unfähige und unwillige Mitarbeiter nicht entlassen werden könnte. Zudem müsste der Staat, um dies Recht einlösen zu können, die Möglichkeit erhalten, Arbeitssuchenden bestimmte Tätigkeiten auch gegen deren Willen zuzuweisen. Das aber wäre ein schwerer Verstoß gegen Art. 2,1 GG, der auch das "Recht auf Faulheit" schützt (vgl. dort).


Beispiele: Kein Land kann mehr Lehrkräfte einstellen, als aufgrund von Geburten benötigt werden und muss selbstverständlich auch seine finanziellen Möglichkeiten bei den Personalausgaben berücksichtigen.
Ein Künstler kann eine Skulptur aus gebrauchten Zahnbürsten anfertigen, aber er hat keinen Anspruch darauf, dass diese vom Kunstmuseum angekauft oder darin auch nur ausgestellt wird.
Auch die gut ausgebildete Schauspielerin hat keinen Rechtsanspruch auf ein Engagement an einem Theater, obwohl dies - oder gerade weil es - bis zu 90 Prozent aus öffentlichen Mitteln subventioniert wird.


Der Artikel 12 enthält unausgesprochen auch die negative Berufsfreiheit, nämlich gar keinen Beruf zu erlernen oder auszuüben oder ihn jederzeit wieder aufzugeben (Aussteiger).