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Hintergrund: Rockmusik 1985 - 2008

Rockgeschichte ab den 80er Jahren

  • Eine Hand fasst auf eine Vinyl-Schallplatte. (Quelle: SWR – Screenshot aus der Sendung) Scratchen gehört zum HipHop
  • Porträtaufnahme des bekannten DJs Grandmaster Flash	(Quelle: SWR – Screenshot aus der Sendung) DJ Grandmaster Flash
  • Bandmitglieder Fanta Vier in einem offenen Auto vor einer Häuserkulisse. (Quelle: SWR – Screenshot aus der Sendung) HipHop auf Deutsch: die Fantastischen Vier

HipHop

Bereits Ende der 70er Jahre und Anfang der 80er Jahre entsteht in den Straßen der Bronx in New York ein neuer Musikstil, der schnell zur Jugendkultur wird. Was zunächst nur als Sprache der Schwarzen (als politischer Ausdruck sowie als Aufschrei der Jugendlichen gegen die Unterdrückung und die Tristesse der Slums) gilt, wird weltweit schnell zu einer kulturellen Erscheinungsform einer ganzen Generation. Sprechgesang, Graffiti, Breakdance sind wesentliche Kennzeichen dieser neuen Kultur. Neben Rap bilden DJing (DJ = Disc Jockey: legt Platten auf und mischt die Songs zusammen), MCing (MC = Master of Ceremony: ist der Moderator, Sprecher und Sprachrohr, das heißt der Rapper); B-Boying (Breakdance) und WRITing (Graffiti) die Säulen der HipHop-Kultur. Daneben werden Sport (vor allem Streetball) und eine außergewöhnliche Mode (zum Beispiel baggy pants) zum Erkennungsmerkmale dieser neuen Szene.

Zunächst wird in den 80er Jahren zwischen Old School und New School unterschieden. Entscheidend dafür ist der Sound der produzierten Musikstücke, in denen meist der Text live gerappt und gesungen wird und die Begleitung synthetisch (PC, turntable) erzeugt wird. Oft werden Bruchstücke bereits vorhandener Titel in die neuen Werke integriert (zum Beispiel Coolio: Gangsta‘s Paradise bedient sich einiger Elemente von Stevie Wonders Pastime paradise), mit neuen Beats versehen und dann neu abgemischt. Auf der Bühne kommt es oft zwischen zwei oder mehreren Rappern zu musikalischen Wettstreits, den sogenannten battles, dessen Sieger vom Publikum bestimmt wird. Besonders anspruchsvoll sind sogenannte „freestyles“ (freie Improvisation von gesprochenen Worten zu spontan eingespielten Beats). Texte/Songinhalte treffen den Nerv vieler Jugendlicher und sind Sprachrohr der Jugend von heute. Einige Texte sind inhaltlich äußerst bedenklich. Sexistische Inhalte oder Gewaltverherrlichung tragen nicht zu einem toleranten gesellschaftlichen Bewusstsein bei.

Bedeutende Vertreter der Old School sind Afrika Bambaata, Sugarhill Gang sowie Grandmaster Flash and The Furious Five. Zur New School gehören beispielsweise Run DMC und Public Enemy. Der Durchbruch von HipHop in Deutschland erfolgt Anfang der 90er Jahre: Mit dem Titel „Die da!“ wird die Stuttgarter Band Die Fantastischen Vier 1992 berühmt und etabliert sich in der deutschen Musikszene. Weitere bekannte deutsche Künstler in diesem Genre sind zunächst Schwester S. (alias Sabrina Setlur), Grooveminister und das Hardheim-Rödelheim-Projekt. In den vergangenen Jahren sind unter anderem Fettes Brot, Sammy de Luxe, Sido (der Mann mit der Maske), Bushido und Aggro Berlin erfolgreich. International haben unter anderem Künstler wie Eminem, Tupac Shakur und 50 Cent Erfolg.

Von Techno bis Grunge

  • Blick auf Publikum und Bühne während eines Techno-Konzertes. Von der Bühne aus schießen grüne Lichtstrahlen auf die Zuschauer zu. (Quelle: Lukasz Fus, www.sxc.hu) Lichteffekte sind ein fester Bestandteil von Techno-Konzerten
  • Profilaufnahme von Sven Väth vor blauem Hintergrund. (Quelle: SWR – Print aus der Sendung) Deutscher Vertreter des Techno: DJ Sven Väth
  • Gespraytes Bild von Kurt Cobain auf einer Tür, die mit einem Vorhängeschloss versehen ist. (Quelle: www.sxc.hu) Wird auch nach seinem Tod von Fans verehrt: Kurt Cobain

Techno

Loveparade, Streetparade, Ecstasy, Raveparties, House, Drum & Bass und vieles mehr sind Merkmale einer neuen (Musik-)Szene, die bereits in den 70er Jahren mit der deutschen Band Kraftwerk beginnt und Ende der 80er/Anfang der 90er ihren Durchbruch schafft. Techno wird sozusagen als Gegenbewegung zum HipHop ebenso zur Jugendkultur der 90er Jahre. Musikalisch gesehen werden ausschließlich elektronische Sounds kreiert/gespielt und beliebig lang (und mitunter monoton) zusammengestellt, um beim Hören und beim Tänzer hypnotische Wirkung zu erzielen. Das klassische Rockinstrumentarium muss Computer, elektronischem Schlagzeug, Keyboard und Sequenzern weichen. Zur Techno-Kultur gehören neben schrillem Outfit, exzessiven Raveparties (oft mit durchtanzten Nächten) auch enorme Lichteffekte/-shows sowie synthetische Drogen. Bekannte Vertreter dieser Szene sind unter anderem Sven Väth, Marusha und Paul van Dyk .Eines der bekanntesten Stücke ist Hymn der Formation Music Instructor. Hier wird deutlich, wie ein Techno-Song musikalisch aufgebaut wird, das heißt wie einzelne synthetische Bauteile benannt und zusammengestellt werden können (zum Beispiel hihat, sequenz melody). Aufgrund der musikalischen Zusammensetzung (Instrumentierung, Rhythmisierung, Beats, Tempo,…) kann man verschiedene Techno-Genres unterscheiden: Acid, Drum‘n‘ Bass, House, Trance, Goa, Hardcore, Schranz und andere.

Unplugged-Welle

Unplugged ist eine durch den Fernsehsender MTV populär gewordene Musizierweise. Sie stellt Kriterien von Rockmusik „auf den Kopf“: E-Gitarren und Keyboards sowie Effekte sind verboten. Namhafte Bands und Künstler wie Bob Dylan, Bon Jovi, George Michael und viele andere spielen akustische Versionen ihrer Songs. Das erste offizielle MTV-Unplugged wurde von Eric Clapton produziert. Seine spezielle Version von Layla wurde weltweit über 20 Millionen Mal verkauft. Weitere namhafte Künstler finden sich in diesem Bereich: Bryan Adams, Nirvana, Die Ärzte, Herbert Grönemeyer, Die Fantastischen Vier und aktuell 2008 Die Söhne Mannheims vs. Xavier Naidoo im Schloss Schwetzingen. Der Begriff unplugged bedeutet „ohne Stecker“ (in der Steckdose); [engl.: plug = Stecker].

Brit Pop

Er entstand Anfang der 90er Jahre und ist eine Art Gegenreaktion auf die neuen Dance- und Rap-Sounds. Die Briten erinnern sich an ihre alten Beat-Bands der 60er, entdecken deren Sound und auch ihre melodiösen Songs wieder. Berühmte Vertreter sind die Bands Blur und Oasis (bekannt auch durch das rüpelhafte Auftreten der Brüder Gallagher) sowie in den letzten Jahren die Bands Coldplay und Ash.

Grunge

Grunge ist eine Mischung aus Heavy Metal, Punk und Pop. Die bekannteste Band des Grunge waren Nirvana mit ihrem charismatischem Leadsänger Kurt Cobain. 1991 rief das Album Nevermind den Grunge ins Leben: Die Texte sind voller Selbsthass, Isolation und Enttäuschung und sprechen damit einer ganzen Generation aus der Seele. Grunge wird zum Stil der sogenannten Generation X in den USA. Die jugendlichen Fans suchen jenseits von Konsum und gesellschaftlichen Normen nach einem eigenen Sinn des Lebens. Als Kurt Cobain, der Sänger der Band Nirvana, im April 1994 stirbt, sind die Fans in der ganzen Welt tief betroffen.

Boygroups & Girlgroups

  • Justin Timberlake bei einem Konzert auf der Bühne. (Quelle: Stephanie Raines, www.sxc.hu) Ist auch solo ein Superstar: Justin Timberlake
  • Die Spice Girls singen in schriller Aufmachung auf einer Treppe. (Quelle: SWR - Screenshot aus der Sendung) Als Girlgroup erfolgreich: Spice Girls

Boygroups

Obwohl es mit den Beatles oder sogar vor dem Zweiten Weltkrieg mit den Comedian Harmonists durchaus erfolgreiche Gruppen gab, die lediglich aus männlichen Teilnehmern bestanden, waren diese keine Boygroups im Stil der 90er Jahre. Grund: Diese Gruppen finden nicht aus musikalischen oder persönlichen Gründen zusammen, sondern aus rein finanziellen. Die Teilnehmer werden in einem Casting ausgewählt, wobei die Zusammensetzung der Gruppe bestimmten Kriterien entsprechen muss. Wie in einer Gewürzmischung muss für jeden weiblichen Geschmack etwas dabei sein: der Sensible, der Clown, der Macho, so wie bei der ersten Boygroup der 90er, den New Kids on the Block, die „weiße HipHop-Alternative für behütete Kinder aus der Vorstadt“ (vgl. ShortMusicStory von SWR2). Ihre Aufgabe: „Sie zeigen den jüngsten Mädchen, was Erotik ist: … nackte Waschbrettbäuche, knappe Höschen, Synchrontanz“. Zielgruppe sind die elf- bis 14-jährigen Mädchen. Der musikalische Anspruch ist dabei eher die Nebensache, da man sich auch hier wieder hauptsächlich auf Coverversionen oder romantische beziehungsweise tanzbare Stücke stützt.

Mitglieder einer Boygroup können vor allem tanzen, dann singen, eventuell ein Instrument spielen und nur selten komponieren. Fast wichtiger als die Musik ist das Image einer Boygroup, das fein säuberlich gepflegt werden muss: keine Drogen, kein Alkohol, keine Freundinnen. Inhaltliche Message an die weiblichen Fans: Wir glauben an die wahre Liebe und Treue, wir träumen von Kuschelsex, Romantik & Zärtlichkeit und potenzieller Liebe zu den weiblichen Fans. Die damit erzielte Abhängigkeit zwischen Fan und Boygroup war bei der Trennung der Band Take That so groß, dass sich sogar Mädchen das Leben nahmen. Bekannte Boygroups sind unter anderem New Kids on the Block, Take That, Backstreet Boys, N’Sync.

Girlgroups

Als Pendant zu den Boygroups entstanden ebenfalls in den 90er Jahren spezielle Mädchen-Bands. Erste rein weibliche Formationen gab es allerdings bereits in den 50er und 60er Jahren, zum Beispiel The Crystals oder The Shirelles, deren Songs auch in dem Musikfilm Dirty Dancing zu hören waren. In den 90ern wurden die Girlgroups nach den gleichen Prinzipien wie die Boygroups (siehe oben) gecastet. Zu den populärsten weiblichen Bands zählten die britischen Spice Girls und Atomic Kitten. In Deutschland schafften die No Angels (gecastet in der Pro7-Show Popstars) den Durchbruch, derzeit ist die Band Monrose bei den Jugendlichen angesagt.

Obwohl die Lebensdauer von Boy- und Girlgroups nicht von allzu langer Dauer ist, gehen nach ihrer Auflösung vereinzelt erfolgreiche Solokünstler hervor: Bekannteste Beispiele sind Robbie Williams von Take That, der zweifelsohne zu den Superstars der 2000er gehört, Justin Timberlake von 'N Sync, Ronan Keating von Boyzone sowie Geri Halliwell und Mel C. von den Spice Girls. Take That mussten im Jahr 2006 ohne Robbie Williams ihr Comeback starten. Patient, ihr Debütsong nach zehn Jahren, wurde trotz allem ein voller Erfolg. Zahlreiche Comeback-Versuche anderer Boy- und Girlgroups waren weniger erfolgreich, so wurde zum Beispiel der Bemühung, die Spice Girls wieder zusammenzubringen, ein totaler Reinfall.

Neue Rocksounds

  • Der Sänger Linkin Park vor einem Mikrophon – von der Seite aufgenommen. (Quelle: SWR - Screenshot aus der Sendung) Nu Metal: Linkin Park
  • Der Sänger Xavier Naidoo sitzt in einer Wohnung und schaut direkt in die Kamera. Links im Bild betritt eine Frau den Raum. (Quelle: SWR - Screenshot aus der Sendung) Soul aus Mannheim: Xavier Naidoo
  • Schwarzweiß-Foto von Amy Winehouse, die in einem Sessel sitzt. (Quelle: SWR - Screenshot aus der Sendung) Soulsängerin Amy Winehouse

Crossover-Rock

Energischer Rock mit einfühlsamen Melodien, kombiniert mit Funk- und Pop-Elementen. Der Sänger darf auch mal ‚rappen’, auch HipHop-Beats sind erlaubt. Die Band Red Hot Chili Peppers macht einen neuen unkonventionellen Musikmix zum Trend der 90er Jahre.

Nu Metal

Was für Crossover-Rock gilt, ist auch für Nu Metal prägend. Nu – also neu – ist die Kombination aus brachialen Riffs, tiefer gestimmten Gitarren, schreiendem, aber auch melodiösem Gesang mit Scratch-Beats, Samples und Rap-Elementen. Vertreter sind unter anderem Linkin Park und Limb Bizkit. Teilweise gingen Rapper wie Jay-Z und Linkin Park auch gemeinsam ins Studio und auf Tour!

Neo Punk

Auch der Punk erfährt eine musikalische „Frischzellen-Kur“. Die Neo-Punk Bands bringen die ungeschliffene Energie zurück in die Rockmusik. 30 Jahre nach seinen Urvätern ist Neo-Punk auch partytauglich, humorvoll und bunt, aber auch nachdenklich mit kritischem Blick auf die Gesellschaft. Frech und selbstbewusst werden im Neo-Punk auch Rap- und Funk-Elemente mit treibenden Rock-Riffs kombiniert. Greenday ist in den 1990ern die bekannteste internationale Band.

Die ‚Neue’ neue Deutsche Welle

Der Erfolg der Band Wir sind Helden hat die Tür für eine neue alternative Rockmusik mit deutscher Sprache geöffnet. Selbstbewusst und selbstverständlich singen viele deutsche Pop- und Rockbands 20 Jahre nach der ursprünglichen Neuen Deutschen Welle wieder in ihrer Muttersprache, ohne auf die internationale englischsprachige Popszene zu schielen. Der Anteil von deutschsprachigen Künstlern in den deutschen Charts liegt 2005 bei circa 30 Prozent. Weitere erfolgreiche deutschsprachige Bands sind Juli, Rosenstolz, Sportfreunde Stiller, Revolverheld, 2Raumwohnung und andere.

Die Weiterentwicklung des Soul

Im Soul findet sich Seele und Gefühl. Die Musik gibt den inneren Zustand wieder. Künstlern wie zum Beispiel dem Mannheimer Sänger Xavier Naidoo gelingt es Ende der 1990er Jahre, diesen ursprünglichen afroamerikanischen Musikstil mit eigenen Emotionen und nachdenklichen gesellschaftskritischen und religiösen Texten neu mit Leben zu füllen. Die Studiotechnik und die Verwendung von Samples ermöglichen ein gleichzeitiges Miteinander von alten und neuen Musikstilen und Sounds. Lange nicht gehört und deswegen frisch und ungewöhnlich: Sängerinnen wie Amy Winehouse und Duffy hauchten mit ihrem Gesang altem Soul neues Leben ein.