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Sendungsinhalt: Der Oberrheingraben

Vor rund 65 Millionen Jahren gerät der Boden im Südwesten in Bewegung: Im Untergrund gibt es gewaltigen Druck, die Erdkruste reißt, riesige Gesteinsschollen sinken in die Tiefe. Der Grabenbruch sorgt für einen geologischen Wandel, der dem Oberrhein viele Rohstoffe beschert, von denen wir heute profitieren: Sand und Kies, Ton und Buntsandstein. Eigentlich würden wir an dieser Stelle in einen drei bis vier Kilometer tiefen Canyon blicken, doch durch Erosion und Sedimenttransport wurde der Graben immer wieder zugeschüttet. Der Grabenbruch ist auch verantwortlich dafür, dass der Südwesten prädestiniert ist für Geothermie. Zeitweise lief der Oberrheingraben sogar mit Meerwasser voll. So finden wir südlich von Heidelberg fossile Zeugen aus der Urzeit, die auf karibische Zustände deuten. Ohne Grabenbruch würde der Rhein heute vermutlich ins Mittelmeer fließen. Doch nicht alles, was sich geologisch verändert, ist natürlichen Ursprungs – und auch nicht immer ein Segen. Die Rheinbegradigung durch den Wasserbauingenieur Johann Gottfried Tulla zeigt das eindrucksvoll.

Filmskript: Der Oberrheingraben

Der Oberrheingraben

Kapitelübersicht:

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Der Oberrheingraben: Die Entstehung von Europas größtem Sandkasten

00:00 – 07:16

Dort, wo sich heute entlang des Rheins eine der fruchtbarsten Landschaften Deutschlands erstreckt, riss vor 65 Millionen Jahren die Erdkruste und riesige Gesteinsschollen sackten mehrere Kilometer in die Tiefe. Erdbeben zeugen von der noch immer anhaltenden Absenkung des Oberheingrabens, an dessen Rändern sich die Erdkruste in einer Gegenbewegung steil aufgerichtet hat. Bis zu 4.000 m Tiefe erreicht der inzwischen durch Erosion und das Geschiebe der umliegenden Flüsse verfüllte Graben. Die mächtigen Sand- und Kiesbänke sind heute wichtige Lagerstätten für die Bauindustrie. Auch geringe Mengen an Gold lassen sich in den Sanden des Oberrheingrabens finden und locken seit jeher Goldsucher an den Fluss.

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Eine einschneidende Veränderung: die Rheinbegradigung durch Tulla

07:16 – 14:38

Einst schlängelte sich der Rhein ungebändigt durch eine wilde Auenlandschaft. Um den verheerenden Hochwassern des mächtigen Stroms Einhalt zu gebieten und dem Rhein Ackerland abzuringen, ließ Bauingenieur Johann Gottfried Tulla ab 1817 dem Rhein die Mäander kappen. Gerade Kanäle ersetzten nun die Flussschleifen. Ein Eingriff, der weitere Maßnahmen nach sich zog. Staustufen, mit Schleusen für den Schiffsverkehr, wurden errichtet, um die schnellere Fließgeschwindigkeit des verkürzten und verengten Laufs auszugleichen. Um dem Absinken des Grundwasserspiegels entgegen zu wirken, muss der Flussgrund regelmäßig mit Kies verfüllt werden. Naturbelassene Auenlandschaften, wie der Taubergießen, sind entlang des begradigten Rheins selten geworden. Bis heute ist der einstige Fischreichtum nicht zurück gekehrt.

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Als der Oberrheingraben noch ein Meeresarm war

14:38 – 18:34

Im Zeitalter des Oligozäns drang von Norden her das Meer in den Oberrheingraben vor und verwandelte den Graben in einen Meeresarm. Haie, Meeresschildkröten und Seekühe bevölkerten in dieser Zeit den gefluteten Graben. Dass hier vor 32 Millionen Jahren karibische Verhältnisse herrschten, verrät der Blick in eine fossilienreiche Tongrube südlich von Heidelberg. Hier gelang es Paläontologen erstmals auf dem europäischen Kontinent die versteinerten Überreste eines Kolibris zu bergen. Eine Sensation! Verwandte der Fossilien bevölkern noch heute die tropischen Klimazonen der Erde. Für Paläontologen wie Prof. Dr. Eberhard Frey macht das die unscheinbare Tongrube am Rande des einstigen Meeresarmes zur Goldgrube.

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Vom Rhein ausgehöhlter Meeresboden: Der Isteiner Klotz

18:34 – 21:32

Isteiner Klotz und Isteiner Schwellen sind die felsigen Überreste eines Meeresbodens, der sich hier lange vor dem Einbruch des Oberrheingrabens, vor 150 Millionen Jahren, abgelagert hat. Der Rhein hat diese Barriere aus Kalkgestein durchbrochen und die Klippen unterspült. Die entstandenen Hohlräume wurden in der Steinzeit für Wohnstätten genutzt, während sich aus dem Kalkstein Silex gewinnen lief. Die Silikatreichen Gesteinsknollen eigneten sich hervorragend als Feuersteine und für das Anfertigen scharfkantiger Messerklingen. Als Schmuckstein trägt Silex den Namen Jaspis. Glänzend poliert verziert er das Altarkreuz der Vituskapelle, deren Mauern die einst bewohnte Höhle umschließen.

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Der rote Buntsandstein der Grabenschultern

21:32 – 25:48

Die schräg gestellten Grabenschultern förderten nach Einbruch des Oberrheingrabens die Gesteinsschicht des Buntsandsteins zu Tage. Seine rote Farbe ist Zeuge des heißen, wüstenartigen Klimas das in dieser Region vor 260 Millionen Jahren herrschte. Die gute Spaltbarkeit macht ihn zu einem beliebten Baustein. Die Burg Trifels, das Straßburger Münster und das Heidelberger Schloss sind aus diesem Sedimentgestein errichtet. Im Elsass hat man sich für den Abbau der besten Gesteinsschichten tief in den Berg gegraben. Im Steinbruch Carrière Loegel bei Rothbach wird der Buntsandstein mit Diamantbesetzten Sägen untertage aus dem Berg geschnitten.

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Geothermie im Oberrheingraben

25:48 – Ende

Lange bevor der Oberrheingraben einbrach, dehnte sich in der gesamten Region die Erdkruste. Auch heute noch ist die feste Gesteinsschicht im Bereich der Grabenstruktur relativ dünn und bereits in geringer Tiefe stößt man auf heißes Wasser. Diese natürliche Erdwärme nutzen Geothermie-Anlagen um Energie für Strom und Heizung zu gewinnen. In Staufen nahm ein solches Projekt jedoch kein gutes Ende. Infolge einer Bohrung ist unter der Stadt eine Anhydridhaltige Schicht im Gestein aufgequollen und hat die Erdoberfläche bewegt. Breite Risse zieren nun die Mauern zahlreicher Häuser und verdeutlichen auf ihre Art die Komplexität der regionalen Geologie.