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Hintergrund: Saarland: Steinkohle - Wirtschaftswunder aus den Sümpfen des Karbons

Industrie mit Tradition

Mit der Schließung des Bergwerks Saar Ende Juni 2012 geht ein prägendes Kapitel in der Geschichte des Saarlands zu Ende. Die Steinkohleförderung reicht bis in die keltische Zeit zurück, doch vor allem mit der Industrialisierung ab dem frühen 19. Jahrhundert wird sie zum Grundpfeiler der Wirtschaft und des Wohlstands in der Region. Doch woher stammt die Steinkohle? Die Suche nach dem Ursprung des "schwarzen Goldes" führt weit zurück in die Erdgeschichte des Saarlandes.

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Geo-Tour Saarland: Auf der Suche nach dem "schwarzen Gold" (05:15 min)

Das Steinkohle-Revier im Saarland ist Teil des Saar-Nahe-Beckens, das sich mehr als 300 Kilometer vom Rhein bei Bad Kreuznach bis zum Fluss Marne in Lothringen erstreckt. Der Steinkohle-Abbau beschränkt sich aber nur auf einen etwa 600 Quadratkilometer großen Teil des Gebiets, den Saarbrücker Sattel, wo die Kohleflöze, also die Steinkohleschichten, so nahe an der Oberfläche liegen, dass der Abbau bis zur Kohlekrise in den 1960er Jahren wirtschaftlich rentabel ist.

Was ist das Saar-Nahe-Becken?

  • (Quelle: SWR) So könnte das Saarland vor mehr als 300 Millionen Jahren ausgesehen haben. (Quelle: SWR)

Im Zeitalter des Karbons vor mehr als 300 Millionen Jahren befindet sich das Saarland in Äquatornähe. Im tropisch-feuchten Klima entwickeln sich neue Pflanzenarten, die zu einem riesenwüchsigen Urwald heranwachsen. 40 Meter hohe Schuppenbäume und Farne, baumhohe Schachtelhalme und die Vorläufer der Nadelbäume erzeugen große Mengen organischen Materials. Dieses würde schnell von ebenfalls prächtig gedeihenden Bakterien zersetzt werden. Da aber das ebene Gelände viele kleine wassergefüllte Senken hat, bilden sich Sümpfe und flache Seen. Unter Luftabschluss wandeln sich die Pflanzenreste in Torf um und bilden bis zu 20 Meter mächtige Schichten. In diesem Abschnitt der Erdgeschichte finden gewaltige plattentektonische Bewegungen statt. Der afrikanische Kontinent kollidiert mit Europa, die Alpen beginnen sich aufzufalten. Die sogenannte variszische Gebirgsbildung wirkt sich auch auf die Gebiete nördlich der Alpen aus und führt zur Auffaltung des Hunsrücks und des Rheinischen Schiefergebirges. In einer Ausgleichsbewegung sinkt das Saarland schrittweise ab – das Saar-Nahe-Becken entsteht.

Aus Torf wird Kohle

  • (Quelle: SWR) Mehr als 300 Millionen Jahre alt: die Steinkohleschichten oder "Flöze" des Saarlandes (Quelle: SWR)

Schlamm, Sand und Kies geraten in Bewegung und bedecken die Sümpfe. Ist das Gelände ausgeglichen, beginnt die Sumpfbildung erneut. Im Übergang zum Perm verstärkt sich die Absenkung. Innerhalb von 20 Millionen Jahren füllt sich die Senke mit 3.500 Meter mächtigen Sedimenten. Die Torfschichten sinken unter den Sedimenten immer tiefer, Druck und Temperatur steigen. In dem fortschreitenden Prozess entsteht erst Braunkohle und mit steigendem Kohlenstoffanteil dann Steinkohle. Aus einer 20 Meter mächtigen Torfschicht wird so ein zwei Meter mächtiger Steinkohleflöz. Im Saarland wird außerdem zwischen erdgasreichen Flammkohlen aus geringeren Tiefen und besonders verdichteten Fettkohlen aus größeren Tiefen unterschieden. Je tiefer der Ursprung des Kohleflöz liegt, desto höher ist sein Kohlenstoffanteil. Die Fettkohle mit etwa 88 Prozent Kohlenstoff ist deshalb ein sehr energiereicher Rohstoff und eignet sich insbesondere für die Herstellung von Koks, die in der Eisen- und Stahlproduktion benötigt werden.

Nach der Versenkung folgt der Aufstieg

Durch seitlichen Druck der Randgebirge Pfälzer Wald und Hunsrück und eintretendem Vulkanismus werden die Karbonschichten erst zusammengeschoben und letztlich aufgefaltet. So wird aus dem Saar-Nahe-Becken das Saar-Nahe-Bergland. Am Saarbrücker Sattel stehen die Flöze oberflächennah in langen Bändern und zum Teil senkrecht aufgebogen nebeneinander. Diese Flöze bilden die Grundlage für den Aufstieg des Saarlandes zu einem bedeutenden Industriestandort im 19. und 20. Jahrhundert.