zum Inhalt.
zur Hauptnavigation.

Inhalt

Hintergrund: Schwäbische Alb: Zwischen Heuneburg und Heidengraben

Keltische Zeugnisse auf der Schwäbischen Alb

In "Spuren im Stein – Die Geschichte der Schwäbischen Alb" wird eine Gruppe der frühen Albbewohner nur ganz am Rande gestreift: die Kelten. Dabei liegt die Schwäbische Alb im "Kernland" der Keltenkultur.

  • (Quelle: SWR) Vergoldeter Dolch der Kelten. (Quelle: SWR)

Etwa zwischen 800 und 100 v.Chr. ist die Alb von keltischen Bevölkerungsgruppen besiedelt. Ihren Namen verdanken sie Hekataios von Milet, einem griechischen Geschichtsschreiber, der um 500 v.Chr. alle Menschen nördlich der Alpen als keltoi bezeichnet. Ihre eigenen Namen sind heute weitgehend unbekannt, denn sie schrieben ihre Namen und Taten nicht auf. Doch ihr handwerkliches Knowhow ist beeindruckend: Sie nutzen Bohnerz, das sie mancherorts zwischen den Kalkschichten auf der Alb finden, um Eisen herzustellen. Daraus schmieden sie Werkzeuge und Waffen. Dolche und in späterer Zeit auch Schwerter werden kunstvoll verziert. Aus Bronze, Gold und Glas fertigen sie einzigartigen Schmuck, dessen Stil alle keltischen Gruppen vereint. Sie leben vom Ackerbau und der Viehhaltung, sind Krieger und auch Händler mit weitreichenden Beziehungen von der Ostsee bis zum Mittelmeer.

Boomtown am Verkehrsknotenpunkt "Junge Donau"

  • (Quelle: SWR) Keltische Grabhügel auf der Schwäbischen Alb. (Quelle: SWR)

Auf der Alb erlebt die keltische Kultur beim heutigen Herbertingen eine besondere Blüte. Hier steht von circa 600 bis 450 v.Chr. die wahrscheinlich bevölkerungsreichste Stadt nördlich der Alpen. Weit mehr als 5.000 Einwohner leben auf der Heuneburg und ihrer Vorburgsiedlung. Auf einer Anhöhe oberhalb der Donau umfasst eine mächtige Lehmziegelmauer mit weißem Kalkverputz die strategisch ideal gelegene Siedlung. Von hier aus überblickt man das Umland und ist nur einen Steinwurf von der Donau entfernt – einem der wichtigsten Transportwege zu einer Zeit ohne befestigte Straßen. Wahrscheinlich gelangen die Heuneburger durch Im- und Export zu großem Wohlstand. Mit der aufwändigen Festungsanlage schützen sie ihre Stadt vor Feinden und machen sie zu einem prestigevollen Handelszentrum. Das gelingt ihnen auch viele Jahrzehnte lang. Allerdings geben die Kelten die Heuneburg nach mehreren Auf- und Umbauphasen um 450 v.Chr. auf. Warum genau, bleibt unklar.

Vom Heiligtum zum Handelszentrum

  • (Quelle: SWR) Archäologische Ausgrabungen an der Heuneburg. (Quelle: SWR)

Zu dieser Zeit steckt der Heidengraben beim 70 Kilometer nördlich gelegenen Grabenstetten noch in den Kinderschuhen. Aktuelle Ausgrabungen unter der Leitung des Archäologen Dr. Gerd Stegmaier belegen, dass auf dem Plateau am steilen Albtrauf seit Generationen zahlreiche Grabhügel aufgeschüttet und Gräben angelegt werden. Im Südwesten gibt es hunderte eisenzeitliche Grabhügel – die planvoll angelegte Nekropole auf der sogenannten Grabenstetter Halbinsel wirkt aber eher wie ein Heiligtum oder eine Kultstätte. Um 100 v.Chr. werden die schmalen Zugänge zur "Halbinsel" mit einer Befestigungsanlage geschützt. Mit Pfostenschlitzmauern – einer Kombination aus Erdwall, Holzgerüst und Steinmauer – und acht mächtigen Toranlagen wird eine Fläche von knapp 17 Quadratkilometern abgeschirmt. Der Heidengraben wird so zur größten befestigten Anlage der keltischen Eisenzeit in ganz Mitteleuropa. Im Inneren entstehen eine zusätzlich ummauerte Siedlung mit weitreichenden Äckern. Der Heidengraben ist keine Trutzburg wie die Heuneburg, sondern entwickelt sich zu einem blühenden Zentrum des regionalen und überregionalen Handels. In parzellierten Handwerksvierteln entstehen aus importierten Rohstoffen Glasarmringe und -perlen, die weiträumig verhandelt werden. Ein Exportschlager, über dessen einzigartige Herstellungsweise nicht nur Römer und Germanen rätseln. Bis heute ist das Geheimnis der keltischen Glasarmringe nicht gelöst. Das Keltenmuseum in Grabenstetten und ein informativer Wanderweg um das Oppidum leiten Besucherinnen und Besucher auf die Spuren der frühen Albbewohner.

Seit jeher deftig – die "keltisch-schwäbische" Küche

Ein typisch schwäbisches Leibgericht schmeckt übrigens auch schon den Alb-Kelten. In den bäuerlichen Vorratsgruben lagern neben Ackerbohnen, Speck, Spelzgerste und Ur-Dinkel nämlich auch schon Linsen. Tönerne Kochtöpfe mit Linsenabdrücken, eingebrannte Essensreste und die seltenen Funde erhaltener Lebensmittel ermöglichen einen schmackhaften Einblick in die keltisch-schwäbische Küche: zu einem kräftig gewürzten Bier schmeckt ihnen schon damals ein Eintopf aus den traditionsreichen Alb-Linsen.

Ihr Webbrowser kann dieses Video nicht abspielen.

Bitte nutzen Sie einen modernen Webbrowser, z.B. Mozilla Firefox.

Geo-Tour Schwäbische Alb: Wie kommen die Linsen in die Spätzle? (03:34 min)