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Unterricht: Wie entsteht eine Finanzkrise?

Anlage der methodisch-didaktischen Vorschläge

Das Erklärstück "Wie entsteht eine Finanzkrise?" eignet sich gleichermaßen für den Einsatz in der Sekundarstufe I wie in der Sekundarstufe II. Bei der Begleitung des Films im Unterricht können altersgemäß unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt werden. Das methodisch-didaktische Material zielt darauf ab, die Informationen, die im Film komprimiert dargestellt werden, zu strukturieren, zu erklären, zu festigen und zu vertiefen. Daher bietet es sich an, den Film erst komplett anzusehen und anschließend anhand der Arbeitsblätter Schritt für Schritt zu bearbeiten. Mithilfe der an vielen Stellen angegebenen Timecodes können Sie die jeweiligen Ausschnitte aus dem Film schnell finden und mit der Klasse noch einmal anschauen.

Der Film zeigt, wie die Weltfinanzkrise von 2008/09 entstehen konnte und schlüsselt dabei Ursachen und Wirkungen auf. Die Arbeitsblätter verbinden Fakten über die Finanzkrise 2007 mit grundlegendem Ordnungswissen, zum Beispiel dem Geldkreislauf einer Bank, der Funktion einer Zentralbank, etc.. Es ist daher sinnvoll, ähnlich wie im Film, die Stationen der Krise chronologisch abzuhandeln und jeweils das passende Arbeitsblatt zu bearbeiten, das der Klasse Hintergrundwissen liefert. Je nach Kenntnisstand der Schülerinnen und Schüler lassen sich Arbeitsblätter und Arbeitsschritte kürzer oder ausführlicher behandeln. Manche können Sie möglicherweise ganz weglassen.

  • Während der US-Immobilienkrise stellt ein Amerikaner ein Verkaufsschild vor einem Haus auf. Mit die Immobilienkrise fing alles an - der Film zeigt die Chronologie der Krise; Rechte: WDR

Der Anfang: die US-Immobilienkrise

Der Ursprung der Weltwirtschaftskrise ist auf den faulen Kreditgeschäften der US-Immobilienfinanzierer zurückzuführen. Zunächst sollte noch einmal grundsätzlich geklärt werden, wie Banken mit Krediten Geld verdienen und welche Risiken dabei bestehen. Mit Arbeitsblatt 1 "Banken_Geldkreislauf" vollziehen die Schülerinnen und Schüler den vereinfachten Geldkreislauf bei der Bank nach. Dazu recherchieren sie selbsttätig in Lehrbüchern, Bibliotheken oder den angegeben Internetquellen die grundlegende Rolle von Banken im Wirtschaftssystem und ergänzen das Schaubild eines vereinfachten Geldkreislaufs.

Im zweiten Schritt erklären die Schüler auf Grundlage dieser Systematik, wie die US-Immobilienkrise entstehen konnte (Arbeitsblatt 2 "Banken_Immoblilienkrise"). Hinter den Kreditgeschäften der Banken stehen die Zentralbanken, die über den Leitzins lenken, wie viel es kostet, sich Geld zu leihen. Um die Bankenwirtschaft im Allgemeinen und die Krise im Speziellen zu verstehen, sollten die Schüler die Rolle der Zentralbanken kennen.

Mit Arbeitsblatt 3 "Multiple Choice" testen die Schüler ihr Wissen über die wichtigsten Aufgaben der Zentralbank in diesem Zusammenhang. Wenn das Thema schon behandelt wurde, dient das Arbeitsblatt dazu, das Wissen zu aktivieren. Wenn es neu ist, kann bei der Besprechung der richtigen Lösungen auf zeitsparende Weise das nötige Grundwissen vermittelt werden.

Die Krise zieht Kreise: die Bankenkrise

Bevor konkret auf die Ausweitung der Immobilien- zur Finanzkrise 2008/09 eingegangen wird, sollten die Schülerinnen und Schüler die Entstehung von Finanzkrisen und Börsenkrisen im Allgemeinen aufarbeiten. Im Film dient die Tulpenkrise des 17. Jahrhunderts als Beispiel eines solchen Crashs. Auf Arbeitsblatt 4 "Wie entstehen Blasen?" vollziehen die Schülerinnen und Schüler das Geschehen anhand von Bildern aus dem Film nach. Durch den Transfer auf ein aktuelles Beispiel wird die Entstehung solcher "Blasen" in die heutige Zeit gehoben. Die Schülerinnen und Schüler recherchieren im Internet die Dotcom-Blase, die zur Jahrtausendwende die Märkte erschütterte, und beantworten dazu Fragen (Arbeitsblatt 5 "Dotcom Blase"). Die psychologische Komponente von Börsenbooms und –crashs spiegelt sich in einem Zitat des ARD-Börsenexperten Frank Lehmann wieder. Der Klasse sollte Zeit für eine Diskussion über die ethischen und psychologischen Aspekte von "Blasen" eingeräumt werden. Anleitung dazu gibt es auf Arbeitsblatt 5.

  • Das Bild aus einer Animation im Film zeigt unterschiedlich bewertete Wertpapiere. Der Film veranschaulicht mit Grafiken; Rechte: WDR

Von der Finanz- zur Wirtschaftskrise

Anschließend verfolgen die Schülerinnen und Schüler den Weg der aktuellen Krise weiter: Wie wurde aus der Immobilienkrise eine internationale Banken- und Finanzkrise? Auch hier ist es sinnvoll, zunächst grundlegende Mechanismen der Funktionsweise von Börsen und Wertpapiergeschäften zu erklären und eventuell zu wiederholen. Hilfe gibt es unter anderem im Hintergrundtext, der erläutert, welche Art von Wertpapieren neben Aktien gehandelt werden. Das hilft der Klasse zu verstehen, wie US-Banken aus ihren Immobilienkrediten Wertpapiere machen konnten und wieso sie zum "Renner" wurden (Arbeitsblatt 6 "Die Krise zieht Kreise").

Am Schluss geht Arbeitsblatt 6 auf die Folgen für die Realwirtschaft ein. Daher ist es sinnvoll, vorher zu besprechen, wie stark Unternehmen auf Kredite angewiesen sind. Vom Zustand der Börse sind Unternehmen auf unterschiedliche Arten betroffen. Mithilfe der Arbeitsblätter können die Schülerinnen und Schüler konkrete Fälle recherchieren: tagesschau.de hat im April und Oktober 2009 fünf Mittelstandsunternehmen interviewt. Die Interviews zeigen Folgen und Reaktionen auf. Die Schülerinnen und Schüler recherchieren zunächst arbeitsteilig (Arbeitsblatt 7 "Mittelstand"). Anschließend tragen sie ihre Rechercheergebnisse zusammen und systematisieren sie.

Reflexion

Zum Abschluss der Unterrichtseinheit beschäftigt sich die Klasse mit einem zentralen Zitat aus dem Film, anhand dessen sie darüber diskutiert, wie die Krise zu beurteilen ist und welche Lehren daraus gezogen werden können. Damit die Diskussion nicht zu allgemein und moralisch bleibt, teilt sich die Klasse in Gruppen und betrachtet die Geschehnisse aus unterschiedlichen Perspektiven. Sie schlüpfen in die Rolle von Banken, Unternehmen und Kleinanlegern. Jede Gruppe betrachtet vorrangig die eigene Rolle kritisch (Arbeitsblatt 8 "Lehren aus der Krise"). Dabei helfen auch die Ergebnisse der Arbeitsblätter 5 "Dotcomblase" (Rolle Kleinanleger) und Arbeitsblatt 7 "Mittelstand" (Rolle Unternehmen).

Nach der Vorbereitung in der Gruppe bietet sich eine Fishbowl-Diskussion an, bei der viele Schüler zu Wort kommen können. Dabei bestimmt jede Gruppe einen Vertreter, der die Diskussion führt. Die Vertreter sitzen in einem inneren Kreis und diskutieren. Die anderen Gruppenmitglieder sitzen im Außenkreis hinter ihrem/r Vertreter/in. Der Außenkreis beobachtet die Diskussion. Alle Beobachter können jederzeit ihre Vertreter ersetzen, wenn sie eingreifen möchten. Dies signalisieren sie, indem sie die Hand auf die Schulter des Vertreters im Innenkreis legen. Nach einer festgelegten Zeit wird die Diskussion beendet und im Unterrichtsgespräch bewertet. Es sollte deutlich werden, dass es unterschiedliche, berechtigte Interessen gibt, die auf eine nachhaltige Art und Weise miteinander vereinbart werden müssen.

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  • Externer LinkMona Monete: Mona leiht und legt an

    "Mona Monete" ist der Titel und gleichzeitig die Hauptfigur einer Sendereihe zum Thema Wirtschaft. Die Sendungen greifen alltägliche Situationen wirtschaftlichen Handelns auf, die durch die Protagonistin Mona immer wieder ihrer Alltäglichkeit beraubt und hinterfragt werden. In dieser fünfzehnminütigen Folge geht es unter anderem um die Entstehung des Bankwesens, Zinsen, Kreditbedingungen und Aktien. Es wird auch erklärt, wie Bargeld zu Buchgeld wird und wie der Ablauf beim Bezahlen mit der EC-Karte ist. Dieser Film richtet sich an jüngere Schüler.

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