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Bericht aus der Praxis zu "Extra Deutsch"

Die Reihe "EXTRA Deutsch" und die dazugehörigen Arbeitsmaterialien wurden von Lehrern der Theodor-Heuss-Schule in Lahr im Unterricht erprobt. Erste Erfahrungen zum Umgang mit der Sitcom im Deutschunterricht für Aussiedler:

Die Ausgangssituation

  • Die Theodor-Heuss-Schule in Lahr ist eine Haupt- und Werkrealschule mit hohem Aussiedleranteil. Über zwei Drittel der Schüler kommen aus den Staaten der ehemaligen Sowjetunion. Manche sind erst wenige Wochen in Deutschland und können so gut wie kein Deutsch. Diese Schüler erhalten speziellen Sprachunterricht. Etwa drei Prozent der Schüler kommen aus anderen Staaten. Im Schuljahr 2003/2004 besuchten 511 Schüler die Theodor-Heuss-Schule. Angegliedert ist die Schutterlindenbergschule (Grundschule) mit 300 Schülern. Der Anteil der Aussiedlerkinder und Schüler nicht-deutscher Nationalität beträgt bei beiden Schulen etwa 70 Prozent. Zurzeit unterrichten an der THS Lahr insgesamt 53 Lehrkräfte (inklusive Schulsozialarbeiter und Mitarbeiter des Arbeitsamtes - Projekt "Sprungbrett", Lehrstellensuche). Spezielle Angebote für Aussiedler bestehen in Sprachkursen sowie Hausaufgabenhilfen.
  • "EXTRA Deutsch" - Die Sitcom zum Deutsch lernen" wurde bei zwei Gruppen von Schülern eingesetzt:
    • 1. In der Aussiedlerklasse. In der Klasse befinden sich vier Jungen und neun Mädchen im Alter von 13/14. Es sind jedoch auch einige ältere Schüler dabei. Die Deutschkenntnisse sind minimal.
    • 2. In der Förderklasse, in der etliche sozial auffällige Schüler sind. Die Klasse wird von zwei Mädchen und sieben Jungen besucht. Das Alter der Jugendlichen liegt zwischen 14 und 16 Jahren.
  • Im Deutschunterricht für Aussiedlerkinder beziehungsweise Förderschüler sollen grundlegende Schreib-, Sprech- und Grammatikkenntnisse vermittelt werden. Inhaltlich orientieren sich die Unterrichtseinheiten an den spezifischen Bedürfnissen alltäglicher Situationen. Im Vordergrund steht zunächst die Vermittlung eines Grundwortschatzes für den Alltag. Für das praktische Leben ist der Erwerb eines Grundvokabulars am Wichtigsten. Die Auswahl der Grammatik - die Themen richten sich auch hier zunächst nach den praktischen Bedürfnissen der Schüler: Ja/Nein-Fragen sowie W-Fragen... Wer? Wie? Wo? Was? Wann?); Vermittlung der syntaktischen Strukturen - Artikel, Substantiv, Adjektiv, Verben.
  • (Rechte: Frank Schieni)
  • (Rechte: Frank Schieni)
  • (Rechte: Frank Schieni)

Die ersten Folgen

  • Beide Klassen haben "EXTRA" gemeinsam angesehen. Für diese Stunden wurde der Hörsaal genutzt, in dem sonst Chemie und Physik unterrichtet werden.
  • Die Serie wurde den Schülern zunächst unvorbereitet gezeigt. Seitens der Lehrkraft wurde bewusst auf eine Einführung verzichtet. (Die Schüler sollten sich in Sams Situation, also ohne Sprachkenntnisse in einem "fremden Land", wieder erkennen.
  • Ab Folge 4 wurde der Film mehrmals angehalten (E-Mail-Einspielungen: Gezielte Fragen erörtern und Erarbeitung einzelner Themenblöcke des zugeordneten Fragebogens.)
    Ab Folge 5 erarbeitete eine Kollegin, die selbst Spätaussiedlerin ist, ergänzend auf russisch mit den Schülern die Inhalte.
  • (Rechte: Frank Schieni)
  • BU: Schüler (Rechte: Frank Schieni)

Arbeitsblätter/Wissensüberprüfung

  • Nach der Vorführung einer Folge wurden die jeweils passenden Arbeitsblätter ausgegeben (Die Arbeitsblätter stehen online und sind unter www.planet-schule.de/wissenspool/extra/inhalt/arbeitsblaetter/extra-deutsch.html zu finden). Hier zeigte sich zwischen den beiden Klassen ein erhebliches Gefälle. Diejenigen, die schon relativ gut Deutsch können, konnten die Aufgaben gut bewältigen. Bei der Aussiedlerklasse fehlte vielen jedoch noch der Wortschatz, etliche Schüler hatten bereits beim Lesen der Aufgaben Probleme.
  • Die Schüler der Förderklasse, die bereits besser deutsch sprechen und vor allem mit Medien erfahrener sind, haben die Serie sehr konzentriert angesehen. Sie kamen besonders mit den Aufgaben zurecht, in denen Sätze in die richtige Reihenfolge gebracht werden mussten. (Die Inhalte der Aufgaben beziehen sich auf das gerade im Film Gesehene.) Auch die Aufgabe "Korrigiere Sams Fehler" wurde gut gelöst. Sie kam bei den Schülern gut an, weil ihnen klar wurde, dass es sich um Sätze handelt, die auch sie im Alltag brauchen. Insgesamt erwiesen sich die Mädchen als aufnahmefähiger. Bei ihnen ist die Lernbereitschaft, vor allem die Bereitschaft sich sprachlich zu bilden, höher als bei ihren Klassenkameraden.
  • Aufgaben, bei denen verschiedene Satzteile einander zu geordnet werden mussten, bereiteten besonders der Spätaussiedlerklasse Probleme. Auch Aufgaben wie "Ergänze jeden Satz mit dem richtigen Wort" waren für diese Klasse schwer lösbar, weil auch ein einfaches Vokabular wie "Freundin/Mutter/Nachbarin" zum Teil einfach noch fehlt.

Reaktionen der Schüler

  • Die Schüler fanden die Reihe "gut" bis "super". Manche meinten "lustig", einer fand sie "zu sehr gespielt". Insbesondere die fernseh-erfahrenen Schüler meinten sie sei "normal" oder "Das ist eine Serie, wie ich sie jeden Tag gucke". Nur zwei Schülerinnen, die schon relativ viel Deutsch können, haben erkannt, was es mit der Serie in Bezug aufs Deutsch lernen auf sich hat. Sie stellten fest, dass sie durch "EXTRA" lernen können, wie man anderen hilft Deutsch zu lernen. Viele der Schüler erkannten sich in Sam wieder. Am Ende der Stunde war der Tenor überwiegend: "Wann kriegen wir den nächsten Teil?"
  • Für die Aussiedlerklasse war "EXTRA" eine ziemliche Überraschung, denn den Einsatz von Filmen im Unterricht, insbesondere einer Sitcom, kannten sie bisher nicht.
  • Verständnisprobleme tauchten auf, wenn Lernbotschaften in "E-Mails" verpackt wurden, denn ein Großteil der Schüler hat selbst noch nie eine E-Mail verschickt. An der Theodor-Heuss-Schule wird zwar ein sehr guter Computerunterricht angeboten, aber bei diesen beiden Klassen muss auf sehr niedrigem Niveau angesetzt werden. An Computer kommen die meisten nur in der Schule, zu Hause hat so gut wie niemand einen PC.
  • (Rechte: Frank Schieni)
  • (Rechte: Frank Schieni)

Fazit/Ausblick

Für den Film und die anschließende Wissensüberprüfung mit den Arbeitsblättern stand uns jeweils eine Schulstunde zur Verfügung. Dies hat sich zeitlich als zu knapp erwiesen, da eine einzelne Folge schon fast 30 Minuten dauert. Eine Möglichkeit ist es, die gerade gezeigte Folge zum Anlass zu nehmen um beispielsweise die Verben und ihre Beugeformen zu üben oder den Wortschatz zu erweitern/zu festigen (Verwandtschaftsverhältnisse und andere Wortfelder). Als Vorkenntnisse sollten die Schüler schon etwa ein Jahr Deutsch gelernt haben, weil sonst zu wenig Vokabular vorhanden ist und schon einfachste Sätze nicht verstanden werden.

Die Motivation der Schüler, mit Hilfe von "EXTRA" Deutsch zu lernen ist recht hoch. Wir werden mit der Reihe daher weiterarbeiten. Alle Arbeitsblätter werden gesammelt, um später eventuell ausgewertet zu werden.