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Hintergrund: Zunehmende Trockenheit – ein Motor für die Entwicklung des aufrechten Ganges

  • Graphik - Klimatische Veränderungen in Afrika (Rechte: SWR) Der Klimawandel in Afrika veränderte vor 6 Millionen Jahren die Lebensbedingungen.

Klimawandel, das ist ein mit ungutem Gefühl besetztes Thema des 21. Jahrhunderts. Unser Klimawandel hat zum großen Teil anthropogene, das heißt vom Menschen verursachte, Gründe. Es gab aber schon immer in der Erdgeschichte Phasen mit Klimawandel, ganz ohne menschliches Zutun, und ohne diese klimatischen Veränderungen gäbe es uns heute vermutlich gar nicht - davon gehen zumindest die Evolutionsbiologen aus.

Voraussetzung für die Evolution hin zum Menschen waren klimatische Veränderungen, die vor etwa 6 Mio Jahren auftraten. Der Klimawandel, der damals in Afrika stattfand, wird auf die Entstehung des Ostafrikanischen Grabensystems zurückgeführt. Geologische Ereignisse ließen ein mächtiges Gebirge entstehen und dieses wiederum teilte den großen Regenwald-Lebensraum in das bewaldete Westafrika und das trockene Ostafrika. Hier nahm die Dichte des Baumbewuchses ab. Die Vorfahren der Vormenschen (von manchen Wissenschaftlern auch als Ur-Schimpansen bezeichnet) passten sich an die offenere Landschaft an, denn sie konnten nun nicht mehr von Baum zu Baum hangeln; zwischen den Bäumen waren Strecken auf dem Boden zurück zu legen. Zum Glück verfügten sie bereits über einige Körperbaumerkmale, die von Vorteil waren für den aufrechten Gang. In den Bäumen hatten sie sich unter den Ästen hangelnd fortbewegt und dabei ihre gekrümmt Wirbelsäule bereits etwas gestreckt. Darüber hinaus kletterten sie in aufrechter Körperhaltung an den Bäumen hoch und trainierten dabei in besonderem Maße Muskeln, die sie auch für die Bipedie, die Fortbewegung auf zwei Beinen, benötigten.

  • Versteinerte Fußspuren in Vulkanasche bei Laetoli (Rechte: SWR) Die Fußspuren von Laetoli gelten als ältester Nachweis für den aufrechten Gang der Vormenschen.

Aber weshalb nimmt man eigentlich an, dass die nun auftretenden Australopithecinen (auch Vormenschen oder Affenmenschen genant) aufrecht gegangen sind? Dies lässt sich bei der Auswertung der Fossilfunde herleiten. An den Knochen- und Gelenkformen zeigt sich, wie das Skelett konstruiert war. Darüber hinaus wurden 1976 bei Laetoli in Tansania spektakuläre, 3,6 Millionen alte, versteinerte Fußspuren in Vulkanasche entdeckt, die eindeutig auf Bipedie hinweisen.

  • Nüsse (Rechte: SWR) Das Nahrungsangebot der Vormenschen veränderte sich – das bedeutete manchmal eine ganzschön harte Nuss, die zu knacken war.

Für die Vormenschen brachte der aufrechte Gang viele Vorteile, z.B. hatten sie im offenen Gelände einen guten Überblick. Auch waren ihre Hände frei z.B. zum Transport von Nahrung. Die Auswertung von Fossilfunden ergab, dass sich die Australopithecinen bevorzugt im Bereich von Seen und Flüssen aufgehalten haben. Hier kamen die Vorteile des aufrechten Ganges beim Waten besonders zum Tragen. Dem Wasser wurde weniger Widerstand geboten und damit erforderte die Fortbewegung weniger Energie. So konnte man dann auch einer überraschenden Krokodilattacke schnell entfliehen.

Anpassungen an das trockenere Klima können auch im Bereich der Zähne nachgewiesen werden. Diese wurden deutlich größer und durch Zunahme an Zahnschmelz auch härter. Man schließt daraus, dass in der veränderten Umwelt festeres Pflanzenmaterial als Nahrung diente, wie z.B. Nüsse und andere harte Früchte.