zum Inhalt.
zur Hauptnavigation.

Inhalt

Hintergrund: Das Säugetier im Mensch

Die Säugetiere (Mammalia) haben einst klein angefangen: unsere frühesten Vorfahren waren ratten- bis katzengroße, nachtaktive Räuber, die sich von Insekten und Eiern ernährten. Sie entwickelten sich im Trias, vor rund 200 Millionen Jahren, aus den Reptilien, an deren Seite sie lange Zeit ein Schattendasein führten. Erst als vor 65 Millionen Jahren etwa 85 Prozent aller Arten ausstarben, darunter auch die das Erdmittelalter dominierenden Dinosaurier, kamen die Säugetiere ganz groß raus: In der Erdneuzeit (Känozoikum) besiedelten sie alle Lebensräume an Land – von der eiskalten Arktis bis zur heißen afrikanischen Wüste - sowie die Meere und den Luftraum. Säugetiere werden heute in drei Unterklassen eingeteilt: die eierlegenden Ursäuger (Protheria), die Beutelsäuger (Metatheria) und die Plazentatiere (Eutheria), zu denen auch der Mensch zählt.

(Quelle: Peter Andreas Schmidt)

Das Spitzhörnchen - so ähnlich sahen die frühen Vorfahren der Primaten aus

Säugende Tiere

Die namens gebende Eigenschaft aller Säugetiere ist, dass die Weibchen ihre Jungen mit Milch ernähren, sie werden gesäugt. Nur Säugetiere besitzen Milchdrüsen, in denen die fett- und nährstoffreiche Milch produziert wird. Die Milchdrüsen sind abgewandelte Schweißdrüsen und entstehen während der embryonalen Entwicklung aus der Milchleiste. Jede Milchdrüse ist eine Ansammlung vieler Drüsen (Mammarkomplexe), die in einer Warze, - der Zitze oder Brustwarze - enden. Je nach Tierart und Anzahl der Jungtiere gibt es unterschiedlich viele Drüsenkomplexe: beispielsweise bei Katzen vier, bei Schweinen sechs, bei den Vielzitzenmäusen sogar 24. Der Mensch hat zwei, in seltenen Fällen können aber auch zusätzliche, überzählige Brustwarzen auftreten. Diese angeborene Fehlbildung ist funktionslos, ein anatomischer Rückfall in unsere entwicklungsgeschichtliche Herkunft und damit ein Beleg für die Evolution. Das Wiederauftauchen von Merkmalen sowie von Verhaltensweisen, die im Laufe der Stammesgeschichte bereits verschwunden waren, wird als „Atavismus“ (Rückschlag) bezeichnet.

Vom Ei zum Mutterkuchen

Die frühesten Säugetierjungen schlüpften vermutlich noch aus Eiern, wurden aber bereits mit Milch gesäugt. Die einzigen heute noch lebenden Vertreter der Ursäuger sind die Kloakentiere, zu denen das Schnabeltier und die Ameisenigel gehören. Anstelle der Zitzen haben die Weibchen viele Milchdrüsen in einem begrenzten Bereich im Fell, ein so genanntes Milchdrüsenfeld, in dem sie die Milch ausscheiden. Zu den ursprünglicheren Säugetieren zählen auch die Beutelsäuger, wie etwa das Känguru. Beuteltiere bringen lebende Junge zur Welt, die allerdings nicht voll entwickelt sind und nach der Geburt noch einige Monate in einer schützenden Hauttasche im Bauchfell des Muttertieres verbringen und dort gesäugt werden. Die bedeutendste Säugergruppe sind die Plazentatiere, sie umfassen die meisten Arten, auch den Menschen. Ihnen ist mit Hilfe der Plazenta eine besonders erfolgreiche Fortpflanzungsmethode gelungen. Das bei einer Schwangerschaft in der Gebärmutter eingenistete Organ, auch Mutterkuchen genannt, sorgt für eine effizientere Ernährung des Embryos, bis dieser möglichst weit entwickelt ist.

Warm und wollig

Ob kalt oder warm: die Körpertemperatur der Säugetiere bleibt immer konstant und ist stets ziemlich hoch: Alle Säuger sind warmblütig (homöotherm). Um unabhängig von den Außentemperaturen zu werden, tauschten die Säugetiere den Schuppenanzug der Reptilien in ein wolliges Haarkleid um. Das Fell ist vermutlich entstanden, als die Dinosaurier unsere frühesten Vorfahren zu einer nachtaktiven Lebensweise zwangen, und diese sich mangels wärmender Sonne gegen die Kälte isolieren mussten. Der flauschige Pelz dient jedoch nicht nur als Wärmedämmung, er kann auch bei Hitze schützen: Wird es zu heiß, schaltet das körpereigene Thermostat auf „Schwitzen“, so dass die Schweißdrüsen der Haut überschüssige Feuchtigkeit abgeben. Die Haare vergrößern die Oberfläche und der Schweiß verdunstet schneller. Haare sind die typische Körperbedeckung aller Säugetiere. Das Haarwachstum auf dem menschlichen Körper wird bereits im Mutterleib angelegt. Der Fötus ist am ganzen Körper mit feinem Haarflaum, dem Lanugo, bedeckt. Es dient als Schutz für die Haut des Ungeborenen und bildet sich zum Ende der Schwangerschaft zurück. Bei manchen Säuglingen, vor allem Frühgeborenen, sind manchmal noch Überreste des Lanugohaares zu sehen, - ein Atavismus.

Knochen zum Hören und Kauen

Der Werdegang vom Reptil zum Säuger ist charakterisiert durch folgenreiche Umbauten im Kiefergelenk. Bei den Säugetieren verkleinerten sich zwei Kieferknochen, wanderten ins Ohr und wurden dort bei den Säugetieren zu den Mittelohrknochen, mit denen auch wir heute hören können. Die Veränderung des Kiefers führte gleichzeitig dazu, dass Ober- und Unterkiefer der Säugetiere ganz genau aufeinander passen und kraftvoll kauen können. Auch die Form der Zähne spezialisierte sich in Schneide-, Eck- und Backenzähne, mit denen das Beißen, Festhalten und Zermahlen der Nahrung viel besser gelingt. Während die Reptilien mit nur einem Zahntyp fressen, haben Säugetiere ein ausgeklügeltes Gebiss entwickelt. Ihm verdankt der moderne Mensch einen reichhaltigen Speiseplan, mit seinen unterschiedlich geformten Zähnen kann er sowohl pflanzliche als auch tierische Kost zerkleinern: Wir Menschen sind Allesfresser.