zum Inhalt.
zur Hauptnavigation.

Inhalt

Unterricht: Eugens Welt im Unterricht

  • Ralf Kröfges. (Quelle: Privat) Ralf Kröfges, Realschullehrer und Referent beim Pädagogischen Landesinstitut in Rheinland-Pfalz
  • Farbzeichnung: Eugen vor dem Gebäude Sackgasse 777. (Quelle: SWR) DVD-ROM und Online-Spiel: Eugen vor der Sackgasse 777
  • Eugen steht vor Vermieter Klotz. (Quelle: SWR/Daniel Engstler) Im Film: Eugen im Gespräch mit Vermieter Klotz
  • Treppenhaus mit Navigationsleiste unten. (Quelle: SWR) Start des Lernspiels: Das Treppenhaus der Sackgasse 777
  • Treppenhaus mit eingeblendeter Fortschrittsanzeige. (Quelle: SWR) Auf dem Weg zum virtueleln Nachmieter: die Fortschrittsanzeige des Lernspiels
  • Familie mit gleichen Frisuren und gleichem rot-schwarzem Outfit. (Quelle: SWR) Ein Thema für die Schüler: Die Artistenfamilie im Haus wird oft ausgegrenzt
  • Abstimmtool des Lernspiels. (Quelle: SWR) Der Abstimm-O-Meter beim Lernspiel Eugens Welt

Interview mit Ralf Kröfges, Realschullehrer und Medienberater

Was ist Demokratie und wie lebt man sie? Um jüngeren Schülern das Thema nahezubringen, setzte Ralf Kröfges die Filme „Eugens Welt“ sowie die dazu passenden Online-Angebote im Unterricht ein. Ralf Kröfges unterrichtet an der Theodor-Heuss-Realschule in Wirges und ist als Referent beim Pädagogischen Landesinstitut in Rheinland-Pfalz Berater für Medien im Unterricht. Planet-Schule-Referent und Redakteur Hanspeter Hauke befragte ihn zu seinen Erfahrungen mit Eugens Welt.

Wie kamen Sie auf die Idee, Eugens Welt im Unterricht einzusetzen?

Ralf Kröfges: Gerade im Wahljahr 2013 ging es darum, den Schülern klarzumachen: Was heißt denn demokratisches Handeln und wie funktioniert Demokratie? Bei der Vorbereitung des Themas „Bundestagswahlen“ bin ich auf Eugens Welt gestoßen. Ich habe mir zunächst die Filme auf www.planet-schule.de angeschaut und bin dann im Wissenspool an die ganzen Hintergrundinformationen herangekommen.
Ich habe das Lehrertool gefunden und somit ganz tiefe Informationen zu dem Themenbereich Demokratie wie demokratisches Handeln, Demokratieverständnis und demokratische Ideen entwickeln, Konflikte bereinigen, Kompromisse finden.

Wissenspool und Lehrertool – was ist das?

Ralf Kröfges: Im Wissenspool stehen die Hintergrundinformationen zu den Filmen von Eugens Welt online. Beispielsweise zum Grundgesetz: Was hat es mit dem Grundgesetz auf sich? Oder Gesetzgebung – das finde ich viel wichtiger. Wie schafft man es überhaupt, von einer Idee zu einem Gesetz zu kommen? Welche Schritte sind da erforderlich? Hier kann man sich konzentriert in den Wissenspool einlesen und die Informationen ohne große Literaturrecherche vorbereiten. Bei Eugens Welt war es die Kombination des Wissenspools und des Lehrertools, die mich dazu bewogen hat zu sagen: Jawohl, das muss ich im Unterricht mal ausprobieren.

Was ist das Lehrertool und wie hilfreich ist es?

Ralf Kröfges: Ich würde sagen, das Lehrertool ist das „Salz in der Suppe“. Damit habe ich die Möglichkeit, die Inhalte, die der Film und das Lernspiel „Eugens Welt“ transportieren, nochmal auf meine Lerngruppe ganz individuell anzupassen. Man kann auf diese Art lernschwache Schüler zum selben Ziel führen wie lernstarke Schüler. Aufgabenform und Aufgabenanspruch lassen sich differenzieren, ohne dass die Schüler es merken. Mit dem Lehrertool kann ich also die Angebote so auswählen, dass unterschiedlich lernstarke Schüler angesprochen werden und auch lernschwächere Aufgaben gut bewerkstelligen können.

Werden die Ergebnisse der Schüler abgespeichert? Kann man daran anknüpfen?

Ralf Kröfges: Ja, wenn die Schüler das Online-Lernspiel spielen, bekommen sie von mir ein Passwort, mit dem sie sich anmelden. Der Spielstand wird dann automatisch gespeichert. Sie können also in der nächsten Stunde oder auch zu Hause weitermachen. Außerdem kann ich im Lehrertool die Schülerergebnisse automatisch auswerten lassen. So habe ich kaum Korrekturarbeiten und muss nicht alle Antworten einzeln durchschauen und auswerten. Ich kann auch sehen, wenn ich einen faulen Schüler habe: Das Lehrertool zeigt mir das an und ich kann ihn im stillen Kämmerlein darauf ansprechen: „Wo ist das Problem? Kommst du vielleicht nicht weiter? Oder gefällt es dir nicht?“

Wie haben Sie sich auf den Unterricht vorbereitet?

Ralf Kröfges: Zunächst mal habe ich alle Filme angeschaut. Wichtig für den Lehrer, der die Filme einsetzt, ist es, die Filme nicht nur inhaltlich aus der Beschreibung im Begleitmaterial zu kennen, sondern sie gesehen zu haben. Zu sehen, wie die einzelnen Charaktere reagieren und wie die Reaktionen aufeinander sich im Laufe der vier Episoden verändern. Dann habe ich überlegt, wie ich meinen Schülern die Filme präsentiere und wie ich sie mit ihnen aufarbeite. Ich habe mich letztlich dazu entschlossen, jeweils eine Episode ganz zu zeigen, danach konnten sich die Schüler äußern. Es sind durchaus humoristische Elemente drin, die auch von den Schülern erkannt werden – die also nicht ausschließlich für uns Erwachsene gemacht sind. Die düstere Grundstimmung durch die Lichtverhältnisse fällt den Kindern sehr wohl auf. Sie sehen sofort: Da ist etwas im Argen. Es alles nicht so „glatt gebügelt“, so geschmeidig wie man sich das vielleicht vorstellt. Dann kommen schon Äußerungen wie: „Ach das kenn ich. Das ist wie bei uns.“

Wie viel technische Vorbereitungen waren nötig, damit die Klasse online, digital mit den Medien arbeiten konnte?

Ralf Kröfges: Wir haben an der Schule mehrere Laptop-Koffer. Da ich eine relativ kleine Klasse habe, habe ich zwei Stück benötigt, um damit die Schüler auszustatten. Wir sind in den Computerraum gegangen, damit ich sicher sein konnte, dass jeder Schüler einen Online-Rechner hat. Bevor wir an das Lernspiel gegangen sind, habe ich die Schüler die Spiele ausprobieren lassen, die auf der Startseite von www.sackgasse777.de zu finden sind.
Dort konnte ich noch einmal sicherstellen, dass die Kinder wissen, mit wem sie es zu tun haben. Wer sind die Charaktere im Haus, wer steht für welche Aussage, wer hat welche Ansichten? Das war gleichzeitig eine Wiederholung der Arbeit mit den Filmen.

Wie ist der Unterricht dann abgelaufen?

Ralf Kröfges: Die Schüler waren erstmal sehr interessiert am Thema, weil Film gucken nicht alltäglich ist – zumindest nicht im Unterricht. Und Filme, die sie auch verstanden hatten, so intensiv zu besprechen, hat sie grundsätzlich sehr motiviert. Dann zu merken, dass man online etwas tun kann, das direkt mit den Filmen korrespondiert und mit dem, was man vorher besprochen hat, wozu man selbst hat Beiträge leisten können, hat weiter motiviert.
Die Lernspiele waren für mein Gefühl viel zu schnell durchgespielt, weil die Kinder das einfach wollten und ungeheuer kreativ mit dem Programm umgegangen sind. Sie haben außerdem sehr viel mehr aus den Filmen behalten, als ich gedacht habe.

Wie haben Sie mit dem Film gearbeitet, was haben Sie gemacht, nachdem der Film vorgeführt wurde?

Ralf Kröfges: Ich habe keine Anmoderation gemacht, sondern den Film unkommentiert gestartet. Durch die eingängige Melodie am Anfang war der Wiedererkennungswert auch nach Wochen noch sehr hoch. Die Arbeit mit Eugens Welt zog sich mindestens über ein Quartal. Nach dem Abspann habe ich den Film als Impuls stehen lassen und gewartet, ob Schüleräußerungen kommen. Die kamen dann auch recht schnell, insbesondere aufs Verhalten der Protagonisten. Bei Folge 1 war es am drastischsten, weil da die Konflikte zwischen den einzelnen Wohnparteien sehr deutlich sind. Die Schüler sind dann wirklich selbst ins Gespräch gekommen und haben sich unterhalten, wie sich Eugen gegenüber X verhält und wie sich Y gegenüber Z verhält. Und warum die Artistenfamilie so ausgegrenzt wird.
Es lief irgendwann selbstgesteuert. Die Moderationsarbeit während der Phase des Filmschauens war sehr, sehr gering. Die Kinder haben sich immer sehr gefreut und fragten: Gucken wir wieder den Eugen? – Das war ein Selbstläufer.

Nachdem Filmeinsatz kam die Online-Arbeit?

Ralf Kröfges: Genau. Ich habe mit www.planet-schule.de/demokratie gearbeitet, mit Eugens Welt, und hatte die DVD immer in der Hinterhand, falls es online nicht funktionieren sollte. Bei der DVD-Version habe ich nicht die Möglichkeit, die Spielstände abzuspeichern. Dafür muss ich die Online-Version spielen. Das Offline-Spiel hat mir bei der Vorbereitung sehr stark geholfen.

Wie haben die Schüler gearbeitet?

Ralf Kröfges: Als es darum ging, ihren eigenen Avatar zu erstellen, ihren eigenen Steckbrief, den man braucht, um sich als Nachmieter in der Sackgasse777 zu bewerben, hat wirklich jeder Schüler überlegt: Wie stelle ich mich dar, wie will ich sein, welche Charaktereigenschaften kreuze ich an. Manche Schüler haben sich sehr schnell durchgeklickt und haben es nicht persönlich genommen. Andere haben sehr viel Zeit investiert.

Manche Aufgaben müssen alle Schüler erledigen. Plötzlich ging es los: „Hier kann man Punkte machen, wenn man Müll wegräumt“, ging es durch den Raum. Die Schüler haben sich mit Kleinigkeiten, mit schönen Aspekten des Spiels untereinander ausgeholfen. Aber wenn es um die Bewerkstelligung der Aufgaben ging, die ja ausgesprochen vielfältig sind – es sind ja auch Spiele dabei, Wissensaufgaben, harte Aufgaben, die ein Großmaß an Konzentration erfordern, ein Großmaß an Wissensermittlung mit sich bringen, da war es unterschiedlich. Im Großen und Ganzen war die Motivation bei den Schülern durchgängig hoch. Alle wollten Nachmieter werden.

Am Ende haben es alle geschafft, aber es war sehr intensiv, interessant. Ich glaube angenehmer hätte ich als Lehrer den Themenkomplex Demokratie, demokratisch handeln und was man damit verknüpft, nicht unterrichten können. Ich hätte mir sehr viel mehr Arbeit machen müssen ohne die Materialien von Planet Schule.

Gab es Rückmeldungen von den Schülern?

Ralf Kröfges: Ich glaube, die schönste und aussagekräftigste Rückmeldung, die man haben kann, heißt: „Herr Kröfges, wann machen wir das wieder?“
Da freue ich mich dann schon auf die weiter voranschreitende Unterrichtszeit mit den Schülern, wenn wir irgendwann die nächsten Bundestagswahlen haben und den Kanzlersimulator anschließen können, der jetzt in der 6. und 7. Klasse noch nicht möglich ist.

Gab es spontane Vorschläge, wie man Konflikte, die im Film dargestellt werden, lösen kann?

Ralf Kröfges: Ja, es gibt spontane Äußerungen, die eher nicht zur Veröffentlichung geeignet sind... Die Schüler sind in der Regel überrascht, wie der Konflikt gelöst wird. Sie hätten es sich so nicht vorstellen können und finden es hinterher toll, dass mithilfe von Internet und einer Internet-Show der Vermieter Klotz zum Einlenken gebracht wird.

Dass die Schüler etwas gelernt haben, merkt man im Umgang der Schüler bei Diskussionen, die beispielsweise vom Klassensprecher geführt werden. Da wird dann plötzlich ganz anders argumentiert und anders miteinander umgegangen. Und es ist auf einmal nicht mehr so verkehrt, wenn man von seiner Meinung ein bisschen abrückt, um dem Meinungsgegner einen Schritt entgegenzukommen.
Durch Eugens Welt ist es leichter geworden, Kompromisse in der Klasse zu finden und Konfliktsituationen zu entschärfen. Das Abstimm-O-Meter haben die Schüler auch gefunden. Das ist ein Tool, mit dem sich Abstimmungen visualisieren lassen. Wenn der Klassensprecher jetzt eine Abstimmung zu machen hat, heißt es: „Herr Kröfges, ich brauch das Abstimm-O-Meter.“ Damit wird dann ein Balken- oder Kuchendiagramm dargestellt. Die weiterführende Nutzung der Angebote ist auch von den Schülern her gefordert.

Gab es Äußerungen zu den Filmen, während oder anschließend?

Ralf Kröfges: Die häufigste Äußerung waren laute Schmunzler. Die Schüler haben die Filme genossen. Wenn es ruhig ist, heißt es entweder: Die Schüler schlafen oder sie konsumieren das, was im Film produziert wird. Das, was anschließend von den Schülern an Leistung erbracht worden ist, zeigt mir: Da hat keiner geschlafen.

Ihr Fazit?

Ralf Kröfges: Ich hätte gerne für viele Punkte eine so umfangreiche Materialsammlung wie für Eugens Welt. Ich sehe es als großen Gewinn an, für mich als Lehrer, mich in die Tiefe des Angebots eingearbeitet zu haben. Und ich würde mir wünschen, dass mehr Lehrer das Angebot ebenso intensiv nutzen.

Herr Kröfges, herzlichen Dank für das Gespräch.