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Hintergrund: Wer hilft in Notlagen?

Das soziale Sicherungssystem

  • Eine Frau sitzt auf einer Treppe. Sie hat den Kopf in die Hände gestützt. Sozialhilfe ist für Menschen in Not; Rechte: mauritius images

Das soziale Sicherungssystem Deutschlands umfasst drei sogenannte Säulen der sozialen Sicherungssysteme: Versicherungen, Versorgungen und Fürsorgeleistungen. Ergänzt wird die staatliche Fürsorge durch Leistungen privater oder kirchlicher Anbieter der freien Wohlfahrtspflege: Krankenhäuser, Jugendhilfe, Familienhilfe, Altenhilfe, Behindertenhilfe und Aus-, Fort- und Weiterbildungsstätten für soziale und pflegerische Berufe.

Die Sozialhilfe (nach dem Bundessozialhilfegesetz) wird als Hilfe zum Lebensunterhalt und als Hilfe in besonderen Lebenslagen (zum Beispiel bei Behinderung, Krankheit oder im Alter) als Geld- oder Sachleistung für nicht erwerbsfähige Menschen erbracht. Die konkrete Höhe der Sozialhilfe orientiert sich an der Entwicklung der Lebenshaltungskosten und der Nettolöhne. Sie wird fortlaufend angepasst.

Die Jugendhilfe steht Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen zur Sicherung ihres Rechts auf "Erziehung zur leiblichen, seelischen und gesellschaftlichen Tüchtigkeit" zur Verfügung. Die Verantwortung für die Jugendhilfe liegt bei den örtlichen Jugendämtern und den Landesjugendämtern. Die Durchführung erfolgt in der Praxis durch die anerkannten Träger freier Wohlfahrtspflege (zum Beispiel die Wohlfahrtsverbände).

Staatliche Anlaufstellen für Jugendliche

  • Schild, auf dem "Jobcenter ARGE Dortmund" steht. Die Jobcenter sind für die Arbeitsvermittlung da; Rechte: WDR
  • Nahaufnahme des Gesichts eines Jugendlichen. Er starrt gedankenverloren auf Bahngleise. Das Jugendamt hilft Minderjährigen; Rechte: Mauritius/Harry Walker

Die Jugendämter sind der erste Ansprechpartner für junge Menschen bis zu einem Alter von 27 Jahren. Die Arbeit der Jugendämter besteht darin, Jugendliche und junge Erwachsene beim Übergang von der Schule in die Arbeitswelt zu unterstützen. Die gesetzliche Grundlage für die Arbeit der Jugendämter regelt das Kinder- und Jugendhilfegesetz. Die Angebote der Jugendsozialarbeit zielen auf die soziale und berufliche Integration der Jugendlichen und jungen Erwachsenen ab. Im Fokus steht die individuelle Unterstützung bei schulischen und familiären Problemen beim Übergang von der Schule in die Arbeitswelt und während der Ausbildung.

Eine weitere Anlaufstellen sind die Jobcenter, die offiziell ARGEn heißen. Das sind die Arbeitsgemeinschaften der Arbeitsagentur und der Kommune. Diese beiden Einrichtungen arbeiten zusammen, um im Falle einer sozialen Notlage einerseits finanzielle Unterstützung zu gewähren sowie andererseits alles zu tun, um schnell wieder eine eigene Arbeit zu finden. Sie sind für die Beratung und Vermittlung sowie für die Auszahlung der Geldleistungen (Arbeitslosengeld II, Sozialgeld, Kosten der Unterkunft) zuständig.

Daneben gibt es in jeder Kommune Kompetenzagenturen und spezielle Einrichtungen, die Jugendliche beim Übergang von der Schule in die Ausbildung begleiten. Diese Einrichtungen arbeiten in der Regel mit der Arbeitsagentur und mit der ARGE beziehungsweise dem Jobcenter eng zusammen. Spezielle Angebote für besonderen Förderbedarf, zum Beispiel Sprachförderung, Nachholen von Schulabschlüssen, Werkstätten für praktisches Lernen und alternative Schulungsangebote für Schulabbrecher werden vorgehalten. In Zukunft sollen sich die in diesem Feld tätigen Träger zusammenschließen, um ihre Arbeit besserer abzustimmen. Die Bundesregierung hat dazu eine Förderinitiative "Regionales Übergangsmanagement" (2008-2012) initiiert, um solche Kooperationen zu erproben und damit die berufliche Integration für alle Jugendlichen zu verbessern.

Fördern und Fordern

  • Ein junger Mann in einem Kurs für angehende Mechatroniker. Er misst ein Metallstück. Ziel aller Hilfe: eigene Arbeit; Rechte: WDR/Jürgen Christ
  • Zwei Mädchen recherchieren an einem Computer im Berufsinformationszentrum der Agentur für Arbeit nach Jobs. Aktive Jobsuche ist verpflichtend; Rechte: WDR/Waltraud Grubitzsch

Mit der Hartz-IV-Gesetzgebung sind die Mitwirkungspflichten und Zumutbarkeitsregeln für den Bezug von Sozialleistungen verschärft worden. Für junge Menschen ergeben sich damit einige Besonderheiten: Betreut werden sie, wenn sie einer Bedarfsgemeinschaft angehören, das heißt, wenn auch die Eltern Hartz-IV-Empfänger sind, wenn sie unverheiratet sind, nicht älter als 27 Jahre und sie kein eigenes Geld für ihren Lebensunterhalt verdienen. Ziel der Betreuung ist die Vermittlung einer Lehr- oder Arbeitsstelle. Ist dies nicht sofort möglich, stehen vielfältige Fördermöglichkeiten und -maßnahmen bereit: Bewerbungshilfen und finanzielle Hilfen bei der Aufnahme einer Arbeit beziehungsweise Ausbildung oder die Vermittlung von Qualifizierungs-, Weiterbildungs- und Trainingsmaßnahmen.

Es wird ein Vertrag, die sogenannte Eingliederungsvereinbarung, über sechs Monate geschlossen. Darin werden die erforderlichen Schritte und Leistungen bis zur erfolgreichen Jobvermittlung vereinbart. Die Jugendlichen sind verpflichtet, diese Vereinbarung abzuschließen und einzuhalten. Das Prinzip für die Beratung und Betreuung der Jugendlichen in der ARGE lautet "Fördern und Fordern": Mit den Jugendlichen sollen Unterstützungsleistungen verabredet werden. Sie sind gleichzeitig verpflichtet, an Schritten zur eigenen beruflichen Integration aktiv mitzuwirken. Tun sie dies nicht, drohen ihnen Strafen, zum Beispiel wird ihnen das Geld gekürzt oder gestrichen.

Freie Wohlfahrtsverbände

  • Ein junger Mann informiert sich gemeinsam mit seiner Mutter bei einer Beratungsstelle. Auch Wohlfahrtsverbände beraten; Rechte: WDR/Paul Eckenroth

Auch die freien Wohlfahrtsverbände können Jugendlichen in Übergangssituationen helfen. So bietet die Arbeiterwohlfahrt (AWO) jungen Erwachsenen ein spezielles Beratungsangebot zur Planung ihres Berufsweges an. Außerdem gibt die Organisation Hilfestellung im Umgang mit Ämtern und Behörden und entwickelt gemeinsam mit den jungen Menschen Orientierungshilfen. Das ist besonders wichtig für die Jugendlichen, die noch nicht genau wissen, wie sie ihr Berufsleben gestalten sollen.

Die Caritas ist im Bereich der Jugendsozialarbeit aktiv. Das Hilfswerk wird von der katholischen Kirche getragen, ihr Unterstützungsangebot richtet sich jedoch an alle jungen Menschen unabhängig ihrer Konfession. Ziel der Organisation ist es, die berufliche Integration junger Menschen und deren Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu fördern.

Die Jugendsozialarbeit der evangelischen Kirche, das sind die Diakonie und die Evangelische Jugendarbeit, haben sich zum Ziel gesetzt, junge Menschen in Notlagen an ein selbstständiges Leben heranzuführen. Dazu gehört, jungen Menschen in Einzelberatungen die Möglichkeit zu geben, ihre Persönlichkeit zu entwickeln und zu stabilisieren.

Anlaufstellen der freien Wohlfahrtsverbände befinden sich in fast allen Großstädten Deutschlands. Ihr Beratungs- und Hilfsangebot ist kostenfrei und steht grundsätzlich allen Rat suchenden Jugendlichen offen.

Freunde und Familie. Die beste Unterstützung

  • Mehrere Jugendliche stehen dicht gedrängt vor einer Schule. Zusammen stark sein; Rechte: WDR/Fulvio Zanettini

Freunde und die Clique sind für die meisten Heranwachsenden die alltäglichen Gesprächspartner in der Schule und in der Freizeit. Eltern, Verwandte und Geschwister sind aber weiterhin die zentralen Ansprechpersonen bei Problemen. Insbesondere bei Fragen der Berufswahl sind die Eltern die Partner Nummer Eins. Zum anderen kommt ein wichtiger rechtlicher Aspekt zum Tragen: Die Eltern erfüllen die Erziehungspflicht und sind, sofern sie dies finanziell leisten können, gegenüber ihren Kindern unterhaltspflichtig. Das sind sie so lange, bis die Kinder eine Berufsausbildung abgeschlossen haben und für ihren Lebensunterhalt selbst sorgen können.