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Hitnergrund: Vom Erzeuger zum Vater

Der junge Vater – ein schlecht erforschtes Wesen

  • Pro Familia-Logo an einer Glastür eines Büros, dahinter sitzen zwei Frauen an einem Tisch; Rechte: dpa/Britta Pedersen Beratungstermin: Minderjährige Schwangere werden nur selten von den werdenden jungen Vätern begleitet. Rechte: dpa/Britta Pedersen

Zu jedem minderjährigen Mädchen, das schwanger wird, gehört auch ein Junge oder ein Mann, der das Mädchen geschwängert hat. Aber anders als die Schwangeren werden die Erzeuger nur selten statistisch erfasst. So liegen weder dem Bundes- noch dem NRW-Landesverband von Pro Familia Daten vor, die dokumentieren, wie viele der rund 10.000 Minderjährigen, die jährlich in Deutschland schwanger werden, von einem ebenfalls Minderjährigen geschwängert wurden. Auch Sören Bangert kann dazu keine Angaben machen, aber der Sozialarbeiter bei Pro Familia in Köln kann aus seinen Erfahrungen als Berater immerhin Vermutungen ableiten: "Ich glaube schon, dass meistens auch die Väter minderjährig sind. Allerdings sind sie tendenziell wohl etwas älter als die Mütter." Er kann bei der Altersfrage auch deshalb nur spekulieren, weil die werdenden Väter wesentlich seltener seine Beratung in Anspruch nehmen als die werdenden Mütter: "Alleine kommen die Väter eigentlich nie. Wenn, dann immer mit der Mutter zusammen." Aber auch das sei eher die Ausnahme. Bangert schätzt, dass nur jede vierte Schwangere vom Erzeuger begleitet wird.

Schwierigkeiten mit der Vaterrolle

  • Ein junges Paar steht zusammen; Rechte: WDR Werdende Väter fühlen sich mit der "Vater- und Versorgerrolle" häufig überfordert. Rechte: WDR

Bei den werdenden Vätern, die zu den Beratungsgesprächen erscheinen, beobachtet Bangert häufig ein ganz anderes Verhalten als bei den werdenden Müttern: "Die sind meist ziemlich still und in sich gekehrt. Oft wirken sie geradezu ohnmächtig." Bangert führt das darauf zurück, dass sich die Jungen mit der "Vater- und Versorgerrolle" häufig überfordert fühlen: "Das liegt wohl daran, dass viele von ihnen die Einstellung haben 'Jetzt ist mein Leben vorbei.'" Das, vermutet er, sei auch der Grund, warum die Jungen einen Schwangerschaftsabbruch häufiger in Erwägung zögen als die Mädchen: "Für die Mädchen ist eine Schwangerschaft oft auch eine erfüllende Perspektive, für die Jungen eher nicht."

Diese "Schweiger und Zweifler" seien es dann auch meistens, die die Beziehung zu der Schwangeren beenden würden: "In dem Alter passiert es schon recht häufig, dass die Väter die Mütter sitzen lassen." Allerdings gebe es auch den umgekehrten Fall – minderjährige Schwangere, die sich für das Kind entscheiden, aber den Erzeuger wegen ständiger Unzuverlässigkeit oder fehlender Unterstützung nicht mehr als Partner wollen.

Recht auf Besuche, Pflicht zum Unterhalt

  • Eine Grafik stellt dar, dass das Jugendamt Mutter und Kind Unterhaltsvorschuss zahlt, wenn der Vater nicht zahlen kann; Rechte: WDR Können Väter keinen Unterhalt zahlen, springt das Jugendamt ein. Rechte: WDR

Kommt es zu einer Trennung, bleibt das Kind fast immer bei der Mutter – häufiger noch als bei erwachsenen Paaren, weiß Bangert zu berichten: "Ich habe bisher nur einen Fall erlebt, bei dem der Vater sich um das Sorgerecht bemüht hat." Aber auch wenn das Kind bei der Mutter wohnt, muss der Vater Verantwortung übernehmen. Die entsprechenden Rechte und Pflichten seien ähnlich denen erwachsener Väter, erklärt Bangert: "Er hat das Recht auf Besuche und er hat die Pflicht, Unterhalt zu zahlen." Bei der Regelung der Besuchszeiten habe das Elternpaar sich bestenfalls untereinander zu einigen, schlimmstenfalls müssten Jugendamt oder Familiengericht entscheiden.

In diesem Alter, so Bangerts Beobachtung, komme es im Fall einer Trennung allerdings häufig zu einem "kompletten Bruch" zwischen Mutter und Vater. Und das, vermutet Bangert, führe dann meist auch dazu, dass es zwischen Vater und Kind keinen Kontakt mehr gebe.

Beim Unterhalt springe normalerweise der Staat mit einem sogenannten Unterhaltsvorschuss ein, da minderjährige Väter diese Zahlungen nur selten selbst leisten können: "Und wenn der Vater nachweisen kann, dass er nicht zahlen konnte, weil er die Schule besucht oder eine Ausbildung absolviert hat, muss er das Geld normalerweise auch nicht zurückzahlen." Sobald er aber ins Berufsleben einsteige, müsse er der Mutter für das Kind Unterhalt in entsprechender Höhe zukommen lassen. Für Kinder bis zum 5. Lebensjahr beträgt der Mindestsatz monatlich 335 Euro (Stand Januar 2016).

Schwanger ohne Beziehung

  • Eine Mutter sitzt mit ihrem Kleinkind auf dem Boden; Rechte: WDR Bei einer Trennung bleibt das Kind meist bei der Mutter. Rechte: WDR

Auch Bernd Fastabend, Abteilungsleiter im Jugendamt Duisburg, hat die Beobachtung gemacht, dass minderjährige Mütter häufig alleinerziehend sind. Das liege allerdings nur selten daran, dass Vater und Mutter sich getrennt hätten: "Eine Trennung setzt ja eine Beziehung voraus. Meiner Erfahrung nach gibt es die häufig aber gar nicht." Vielmehr sei es oft so, dass es lediglich zum Geschlechtsverkehr komme und dann "ein Unfall passiere", das Mädchen also ungewollt schwanger werde. Und dann werden die Mädchen von den Jungen meist allein gelassen. "Dass die jungen Väter ihr Recht auf Besuchszeiten wahrnehmen, ist auch eher die Ausnahme."

Junge Väter, die sich ins Zeug legen

  • Ein Vater und eine Mutter mit einem Baby auf dem Schoss sitzen auf dem Sofa; Rechte: WDR Zusammengerauft und glücklich – der Idealfall. Rechte: WDR

Obwohl viele minderjährige Mütter alleinerziehend sind, gibt es natürlich auch minderjährige Väter, die sich für das Kind und für die Mutter entscheiden. Und wenn die Entscheidung für ein gemeinsames Leben zu dritt erst einmal gefallen sei, so Bangerts Erfahrung, stünden die Väter den Müttern in Sachen Verantwortungsbewusstsein in nichts nach: "Dann fangen sie häufig an, sich richtig ins Zeug zu legen – in der Schule oder in der Ausbildung, um ihrer Versorgerrolle auch gerecht zu werden." Zwar sei es so, dass die Mädchen sich meist schneller in die Mutterrolle einfinden würden als die Jungen in die Vaterrolle: "Aber wenn die sich erstmal zusammengerauft haben, sind beide richtig gut."