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Hintergrund: Sexualität – Versuch einer Begriffsdefinition

Deutschland – ein (in)tolerantes Land

  • Klaus Wowereit; Rechte: imago "Ich bin schwul und das ist auch gut so." Dieser Satz machte den einstigen Bürgermeister von Berlin Klaus Wowereit berühmt; Rechte: imago

Guido Westerwelle war FDP-Vorsitzender, als er sich 2004 zum ersten Mal öffentlich mit seinem Lebenspartner zeigte. Später wurde er der erste schwule Bundesminister Deutschlands, der offen zu seiner Homosexualität stand. Klaus Wowereit war ihm als Berlins erster homosexueller Bürgermeister noch zuvor gekommen. Lesbische Moderatorinnen wie Dunja Hayali im ZDF oder Anne Will im Ersten sind im Fernsehen präsent – und in den Vorabendserien gehört das schwule oder lesbische Paar ohnehin seit Jahren dazu. Weltweit zählt Deutschland zu den Ländern, in denen Schwule, Lesben und bisexuelle Menschen weitgehend offen zu ihrer sexuellen Identität stehen können. Dennoch werden auch in einem toleranten Land wie Deutschland homosexuelle Männer und Frauen immer wieder diskriminiert, angepöbelt oder sogar gewalttätig angegriffen. Und: In bestimmten Lebensbereichen, etwa im Sportverein oder in der Schule, haben es Schwule und Lesben nach wie vor besonders schwer. In einer Gesellschaft, in der Heterosexualität die Norm ist, brauchen Homosexuelle viel Mut, Kraft und die Unterstützung von Mitmenschen, um ihr Anderssein leben zu können.

Hetero, homo, bi-sexuelle Identitäten

  • Ein lesbisches Pärchen Arm in Arm ist von hinten in einer Menschenmenge zu sehen; Rechte: imagebroker/Walter G. Allgöwer Die sexuelle Identität macht nur einen Teil der Identität eines Individuums aus; Rechte: imagebroker/Walter G. Allgöwer

Menschen fühlen sich zu anderen Menschen hingezogen, empfinden andere als attraktiv oder sexuell anziehend. Wer einmal verliebt war, weiß, dass man sich nicht aussuchen kann, wem gegenüber man so empfindet. Allgemein finden sich drei Formen von sexueller Identität oder sexueller Orientierung: Die meisten Menschen fühlen sich zu Personen des jeweils anderen Geschlechts hingezogen, sind also heterosexuell. Homosexuelle hingegen fühlen sich von Personen des eigenen Geschlechts angezogen – sie sind entweder schwul oder lesbisch. Außerdem gibt es Menschen, die sowohl Frauen als auch Männer als begehrenswert empfinden. Dieses Gefühl wird als Bisexualität bezeichnet.

Schon der Begriff "sexuelle Identität" weist darauf hin, dass es sich dabei nur um einen – wenn auch sehr bedeutenden – Teil der Identität eines Menschen handelt. Niemand ist nur heterosexuell, schwul, lesbisch oder bi, sondern eben auch sportlich, intelligent, technisch, künstlerisch oder handwerklich begabt. Von der sexuellen Identität eines Menschen lässt sich nicht auf seine Persönlichkeit schließen. Genau wie es unsinnig wäre, allen heterosexuellen Menschen dieselben Persönlichkeitsmerkmale zuzuschreiben ("alle heterosexuellen Menschen lesen gern"), ist es Unsinn, dies bei Schwulen ("alle Schwulen mögen keinen Fußball") oder Lesben ("alle Lesben haben kurze Haare") zu tun.

Heteronormativität, Homophobie und Ausgrenzung

  • Szenenbild aus "Vom Winde verweht": Clark Gable hält Vivien Leigh im Arm; Rechte: Action Press Der Held kriegt die Heldin – damals in "Vom Winde verweht"...
  • Szenenbild aus "Biss zum Morgengrauen": Bella (Kristen Stewart) und Edward (Robert Pattinson); Rechte: dpa/WDR ...und heute in "Twilight"; Rechte: Action Press (Bild oben) und dpa/WDR

Die Pubertät und die damit verbundene Suche nach der eigenen sexuellen Identität können Jugendliche in das größte Gefühlschaos stürzen. Studien belegen, dass viele Mädchen und Jungen ihre Sexualität austesten und nicht selten auch Erfahrungen mit dem eigenen Geschlecht machen. Doch während heterosexuelle Jugendliche von der in Fernsehen, Musik, Literatur, Kino und Werbung gezeigten "heterosexuellen Normalität" in ihren Gefühlen bestärkt werden, kann diese heteronormative Weltsicht homo- oder bisexuelle Mädchen und Jungen zutiefst verunsichern. Im Kino bekommt der Superheld am Ende natürlich eine schöne Frau, in den Charts singen Frauen über ihre Liebe zu einem Mann und natürlich fragt die Oma ihre Enkelin, ob diese denn schon einen Freund habe. Das ist alles ganz selbstverständlich, da 90 Prozent aller Menschen heterosexuell fühlen. Doch für etwa fünf bis zehn Prozent der Jugendlichen wirft das immer wieder eine Frage auf: "Bin ich abartig, weil ich nicht der Norm entspreche?" Die Antwort ist ein klares "Nein".