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Schlechte Schulden, gute Schulden

  • Verschiedene Euroscheine liegen aufeinander. Was sind gute Schulden? Rechte: WDR

Schlechte Schulden, gute Schulden

Schulden sind nicht gleich Schulden: So vielfältig die Bedürfnisse jeder und jedes Einzelnen sind, so vielfältig ist auch häufig die Schuldenstruktur. Bei einem privaten Kredit kann man sich beispielsweise heute mehr leisten, muss aber in Zukunft Zinsen und Tilgung an die Bank zahlen. Deshalb sollte jede Konsumentin und jeder Konsument im Hier und Jetzt überlegen, ob es der Kauf einer Ware heute rechtfertig, auch in drei Jahren noch die monatlichen Raten zahlen zu müssen. Die Betriebswirtin und der Betriebswirt unterscheiden zwischen Konsumgütern und Investitionen. Schlechte Schulden entstehen durch Konsumgüter. Eine Investition ist das, was zukünftig Kosten spart oder Einkünfte bringt. Im Privatleben gibt es eigentlich nur wenige Investitionen. Dazu gehören unter anderem Bildung oder eine Eigentumswohnung. Vor allem Bildung zählt zu den besten Investitionen, die wir tätigen können, denn sie erhöht die Chance auf ein höheres Einkommen und die Rückzahlung des geliehenen Geldes wird leichter. Allerdings gilt auch hier: Bildung ist nur dann eine Investition, wenn Knowhow erworben wird, das in Bezug zum eigenen Arbeitsleben steht.

  • Die Schuldenuhr für Deutschland Nicht nur Privatpersonen haben Schulden, auch der Staat gibt über seine Verhältnisse Geld aus; Rechte: WDR

Staatsverschuldung

Auch der Staat hat Schulden, aktuell sogar 2.057.261.160.153 Euro (Stand 09.11.12, 18:00 Uhr, Quelle: Bund der Steuerzahler). Es gibt allerdings einen wesentlichen Unterschied zur Privatperson: Die Gesellschaft als Ganzes ist Gläubiger und Schuldner zugleich, zumindest bei der Inlandsverschuldung. Zukünftige Generationen erben sowohl die Schulden des Staates als auch die Staatspapiere. Es tickt somit nicht nur die Schuldenuhr, sondern auch die Vermögensbildung bei denjenigen, die dem Staat Geld geliehen haben. Denn die Zinszahlungen gehen an die Besitzerinnen und Besitzer von Schuldverschreibungen zurück – also an Bürgerinnen und Bürger unserer Gesellschaft. Die Schulden des Staates entstehen im Wesentlichen dadurch, dass - aufgrund eines konjunkturellen Einbruchs oder Rückgangs die Einnahmen nicht mehr ausreichen, um die geplanten Ausgaben zu finanzieren, - innerhalb einer Rezession kreditfinanzierte Konjunkturprogramme angestoßen werden (antizyklische Defizite) und in der Phase, wo es der Wirtschaft gut geht, nicht ausreichend gespart wird, - das Defizit struktureller Natur ist. Letzteres bedeutet, dass der Staat immer mehr ausgibt, als er eigentlich zur Verfügung hat, also kontinuierlich "über seinen Verhältnissen" lebt.

  • Der Plenarsaal des Bundestags. Der Bundestag legt den Haushalt fest; Rechte: dpa/Michael Kappeler

Zukünftige Generationen müssen zahlen

Schlechte Schulden beim Staat sind diejenigen Defizite, die strukturell sind. Die laufende Staatstätigkeit sollte nicht durch Kredite finanziert werden. Antizyklische Schulden können als Investition angesehen werden, allerdings entbindet das den Staat nicht davon, in wirtschaftlich guten Zeiten zu sparen. Konjunkturbedingte Defizite müssen von Fall zu Fall betrachtet werden. Hier macht eine Einteilung in gute und schlechte Schulden pauschal keinen Sinn. Jedoch sollte darauf geachtet werden, dass die Kredite die Neuinvestitionen nicht überschreiten. Anderenfalls müssen spätere Generationen Leistungen finanzieren, die nur der vorherigen Generation zugute gekommen sind. Dies wäre beispielsweise der Fall, wenn das Elterngeld oder eine Rentenerhöhung durch Kredite finanziert würden. Die Parlamente des Bundes und der Länder legen den Etat selbstständig und unabhängig fest. Sie sind aber nicht völlig frei in ihrer Entscheidungsfindung, da unter anderem die Regeln des Grundgesetzes, aber auch die Regeln des Stabilitäts- und Wachstumspaktes der EU (Haushaltsdefizit nicht mehr als drei Prozent des Bruttoinlandsproduktes) einen Rahmen vorgeben. Um die zukunftsbelastende Staatsverschuldung einzugrenzen, hat die Bundesrepublik Deutschland die "Schuldenbremse" eingeführt. Sie besagt, dass neue Kredite, die nicht durch eine Rezession bedingt sind, nur noch einen sehr geringen Teil des Bruttoinlandsprodukts betragen dürfen. Außerdem gilt für den Bund ab 2016 die Vorgabe des ausgeglichenen Haushalts, für die Länder ab 2020. Von solchen Ansätzen ist Griechenland aktuell noch weit entfernt: Da das Land schon seit Jahren defizitär wirtschaftet, musste die griechische Regierung am 23. April 2010 erstmals offiziell EU-Hilfe beantragen. Die zugesagten Spar- und Konsolidierungsbemühungen sind ein Schritt, langfristig die Handlungsfähigkeit wiederzugewinnen.

  • Übereinander liegende Rechnungen. Nur wer seine Ausgaben im Blick behält, kann sich vor Schulden schützen; Rechte: dpa

Wege aus der Schuldenfalle

Telefonieren rund um die Uhr, ein Auto finanzieren, ebenso den Fernseher und den Laptop und gleichzeitig Mitglied im Fitnessstudio, geht das? Diese Frage sollte sich jede und jeder Jugendliche stellen, denn das sind regelmäßige, meist monatliche Ausgaben, die ein Budget belasten. Will man dann noch einkaufen gehen, sei es noch so günstig, ist die Frage "Kann ich mir das überhaupt leisten?" ein Muss. Auch sollten Jugendliche sich immer fragen, ob sie alles immer gleich haben müssen, auch wenn sie es sich im Moment nicht leisten können. Sich Geld zu leihen, sollte die Ausnahme sein, auch wenn die Gläubigerinnen und Gläubiger Freunde, Eltern und Bekannte sind. Ein Ausweg stellt ein privates Finanzmanagement dar. Dazu müssen Kontoauszüge regelmäßig überprüft werden. Damit dies möglich ist, müssen Kontoauszüge regelmäßig abgeholt werden und es bietet sich an, ein Haushaltsbuch zu führen. Dann ist auch sichergestellt, dass am 15. eines Monats nicht plötzlich kein Geld mehr da ist. Falls es – vielleicht wegen mangelnder Planung – dazu kommt, dass Rechnungen zum Beispiel bei Telekommunikationsunternehmen oder Onlinehändlern nicht bezahlt werden können, führt das zu Einträgen bei der Schufa.

  • Autohändler steht vor Auto. Vor allem Autos kauft man gern auf Kredit; Rechte: mauritius images

Bar zahlen oder finanzieren?

Wer in der glücklichen Lage ist, sein Auto bar bezahlen zu können, der sollte das tun. Das war vor der Finanzkrise so, und das wird auch so bleiben, da sind sich die Expertinnen und Experten einig. "Geld, das man sich leiht, kostet Geld", sagt Maximilian Maurer vom ADAC. Deshalb sei ein Autokauf auf Kredit "per se teurer". Wer bar bezahlt, hat auch die beste Verhandlungsposition. "Händler geben dann die höchsten Rabatte", sagt Rainer Hillgärtner vom Auto Club Europa (ACE). Denn nicht nur die Käuferin oder der Käufer steht dabei besser da, sondern auch die Händlerin oder der Händler. Schließlich muss diese oder dieser ebenfalls das Auto finanzieren.

  • Schuldnerberatung. Wächst einem der Schuldenberg über den Kopf, sollte man sich professionelle Hilfe bei der Schuldnerberatung holen; Rechte: dpa

Letzter Ausweg Schuldenberatung

Wenn die Schulden erst einmal wachsen und der Überblick verloren geht, kommen die Betroffenen hier alleine meist nicht mehr heraus – plötzlich dreht sich die Schuldenspirale immer schneller und schneller. Es kommen Mahnungen über Mahnungen, vielleicht sogar erste Pfändungen. Freundinnen und Freunde wenden sich ab, weil sie ihr Geld nicht zurückerhalten. Die Betroffenen sind meist nicht nur finanziell isoliert, sondern auch sozial.

Die Schuldnerberatung hilft, eine Strategie zu entwickeln, aus dieser Situation herauszukommen. Der Weg zur Schuldenberatung sollte – so schwer er auch fällt – von betroffenen Jugendlichen so früh wie möglich gemacht werden. Bei Schuldnerberatungsstellen finden Jugendliche eine persönliche Ansprechpartnerin oder einen Ansprechpartner, die oder der gezielt weiterhelfen kann. Die Beratungsstellen werden von Wohlfahrtsverbänden (Diakonie, Caritas usw.), Verbraucherzentralen oder Kreis-/Stadtverwaltungen getragen.

  • Die Schufa-Geschäftsstelle in Köln. Die Schufa-Geschäftsstelle in Köln; Rechte: dpa

Datensammler Schufa

Die Schufa (Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung) sammelt von allen Menschen in Deutschland Daten zum persönlichen Umgang mit ihren Finanzen. Diese Daten sind kreditrelevant. Das bedeutet, immer dann, wenn jemand seine Rechnungen regelmäßig bezahlt, ist er vertrauenswürdig und es stellt kein Problem für ein anderes Unternehmen dar, mit ihm einen Vertrag zu schließen oder ihm Waren zuzusenden. Diese Unternehmen kennen ihre Vertragspartner nicht persönlich, wollen aber sicher gehen, dass ihre Leistungen auch bezahlt werden.

Diese Sicherheit bietet die Schufa als Informationsleistung an. Die Informationen der Schufa können aber auch schlechte Gewohnheiten des Vertragspartners beinhalten. Dazu gehören beispielsweise nicht oder zu spät bezahlte Rechnungen. Die Folge ist, dass jemand künftig, wenn er etwas bestellt, in Vorkasse gehen muss oder ihr oder ihm zum Beispiel ein Handy-Vertrag verwehrt bleibt. Kritisiert wird an der Schufa unter Datenschutzgesichtspunkten die Vielzahl der gesammelten Daten und deren Herkunft. So wurde unter anderem der Plan zur Datensammlung über Facebook nach massiver Kritik der Öffentlichkeit gestoppt.