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Jugendliche und Schulden

  • Balkendiagramm zu Ausbildungsvergütungen in 20 ausgewählten Berufen 2011. Was verdienen Auszubildende im Schnitt? Quelle: Bundesinstitut für Berufsbildung, Bibb

Jugendliche und Schulden

Erste Ergebnisse der BINK-Studie (Bildungsinstitutionen und nachhaltiger Konsum, siehe Literaturliste) zeigen, dass vor allem Auszubildende betonen, welch engen finanziellen Spielraum sie haben, um ihre Konsumwünsche zu erfüllen.

Er zwingt sie dazu, Konsumentscheidungen im Vorfeld gut zu überlegen, was sie auch tun. Ihr Kaufverhalten wird durch den neuen Lebensabschnitt geprägt und verändert. Doch das gilt nicht für alle: Schulden sind durchaus ein Problem unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen. 12 Prozent der Jugendlichen im Alter von 13 bis 17 Jahren haben durchschnittlich Schulden in Höhe von 60 Euro. Mit 47 Prozent sind allerdings die Eltern die wichtigste Gläubigerinnen und Gläubiger, dann folgen Freundinnen und Freunde mit 38 Prozent und Geschwister mit 14 Prozent, so die Daten der Schufa-Holding aus dem Schuldenkompass 2005. Mit zunehmendem Alter steigt jedoch auch die Verschuldung allmählich an, sodass bei den jungen Erwachsenen (22- bis 24-Jährige) bereits 22 Prozent mit Schulden belastet sind. Sieben Prozent der Jugendlichen und jungen Erwachsenen geben stets mehr Geld aus, als sie einnehmen. Sie gelten deshalb als überschuldet – durchschnittlich mit 2.800 Euro. Häufigste Ursachen für eine Verschuldung bei jungen Erwachsenen sind größere Anschaffungen wie Auto, Wohnungseinrichtung und Computer.

  • Balkendiagramm zu den Gründen für Jugendverschuldung. Die wichtigsten Gründe, weswegen sich Jugendliche verschulden, zeigt eine Untersuchung des Bundesverbandes Deutscher Inkasso-Unternehmen, Stand Oktober 2011; Quelle: BDIU

Geliehen, verschuldet, überschuldet?

Die Grenze zwischen Verschuldung und Überschuldung ist nicht festgelegt. Ein Mensch gilt als verschuldet, wenn er Schulden hat – unabhängig davon, wie groß die mit diesen Schulden verbundenen finanziellen Belastungen sind. Wer sich Geld leiht oder einen Kredit aufnimmt, ist also bereits verschuldet. Der Begriff Verschuldung beschäftigt sich nicht mit der Frage, ob die Schulden irgendwann einmal zurückgezahlt werden können. Überschuldung liegt vor, wenn nach Abzug der finanziellen Mittel für den grundlegenden Lebensbedarf (Essen, Trinken, Wohnung, Strom, Wasser) das verbleibende Geld nicht mehr ausreicht, um die Zahlungsverpflichtungen pünktlich zu erfüllen. Dies bedeutet, dass die Kreditgeberin oder der Kreditgeber (respektive die Gläubigerinnen oder der Gläubiger) am vereinbarten Zahlungstermin kein Geld von der Kreditnehmerin oder dem Kreditnehmer (Schuldnerin oder Schuldner) erhält. Wer also beispielsweise die monatlichen Rückzahlungsraten nicht mehr sicherstellen kann, zählt nach deutschem Sprachgebrauch als überschuldet. Ist jemand verschuldet, so ist der tägliche Lebensunterhalt in aller Regel nicht gefährdet. Der aufgenommene Kredit kann in dieser Situation monatlich pünktlich zurückgezahlt, d. h. in der Bankensprache getilgt werden. Wirklich bedrohlich ist erst die Überschuldung: Droht diese, sollte man sich so schnell wie möglich beraten lassen, um nicht noch tiefer in den Schuldensumpf zu geraten.

  • Balkendiagramm über die häufigsten Gläubiger von jungen Erwachsenen im Vergleich mit Erwachsenen ab 35 Jahren. Die häufigsten Gläubiger von jungen Erwachsenen im Vergleich mit Erwachsenen ab 35 Jahren, Stand April 2011; Quelle: Bundesverband Deutscher Inkasso-Unternehmen

Wer sind die Gläubigerinnen und Gläubiger?

Jugendliche können erst ab dem 18. Lebensjahr Bankkredite aufnehmen. Schließlich ist dort eine Verschuldung Jugendlicher rechtlich nur in sehr begrenzten Ausnahmefällen und mit behördlicher Genehmigung erlaubt. Wenn sich Jugendliche unter 18 Jahren verschulden, tun sie das bei ihren Eltern, Familienangehörigen oder Freundinnen und Freunden. 76 Prozent der Jugendlichen unter 18 Jahren haben überhaupt keine Schulden. 18 Prozent haben zwar Schulden, können diese jedoch aus eigener Kraft und kurzfristig begleichen. Lediglich 6 Prozent gelten als überschuldet. Fragt man Jugendliche, weshalb sie sich verschulden, stellt sich heraus, dass ist vielen nicht bewusst, dass sie sich de facto schon verschulden, wenn sie sich bei Freundinnen oder Freunden Geld leihen, weil sie zum Beispiel ihr Fastfood nicht bezahlen können (23 Prozent). Aber auch Kino, Getränke (16 Prozent) oder Kleidung (16 Prozent) sind häufige Gründe für Verschuldung bei Freunden und Familie. Die Kosten für das Handy waren lediglich bei sieben Prozent der befragten Jugendlichen die Ursache für eine finanzielle Notsituation.

Die Gläubigerinnen und Gläubiger von jungen Erwachsenen zwischen 18 und 24 Jahren sind weitaus vielfältiger: An erster Stelle stehen Telekommunikationsunternehmen und Onlinehändler. Denn junge Erwachsene können in eigenem Namen Verträge schließen. Dabei ist es egal, ob es sich um Laufzeitverträge mit Telekommunikationsanbietern oder um Warenverträge mit Versand- oder Onlinehändlern handelt. Junge Erwachsene können aber auch ihr Konto überziehen und zahlen dann häufig hohe Zinsen für diese Freiheit oder sie erwerben Waren auf Teilzahlungsbasis. Hierbei ist es üblich, eine Anzahlung zu tätigen und die restlichen Schulden monatlich zurückzuzahlen. Dabei sind üblicherweise neben der Tilgung auch Zinsen fällig.

  • Bürgerliches Gesetzesbuch und Justitia. Der Taschengeld-Paragraf regelt, welche Geschäfte Jugendliche ohne Erlaubnis der Eltern abschließen können; Rechte: INSADCO/Bilderbox

Der Taschengeld-Paragraf

Es gibt auch Verträge, die Jugendliche unter 18 Jahren ohne die nachträgliche Zustimmung ihrer Eltern abschließen können (Paragraf 110 Bürgerliches Gesetzbuch). Diese sind aber die Ausnahme. Voraussetzung ist, dass die Jugendlichen mit Geld bezahlen, das sie eigens zu diesem Zweck erhalten oder zur freien Verfügung bekommen haben (Taschengeld). Hat ein Mädchen also zum Beispiel Geld geschenkt bekommen, das sie für ihren Führerschein sparen soll, so kann sie damit rechtskräftig keinen Mantel kaufen. Doch der Taschengeld-Paragraf ersetzt die Einwilligung der Eltern nicht generell für alle Geschäfte, die Jugendliche mit Taschengeld, eigenem Arbeitseinkommen oder Geldgeschenken tätigen dürfen. Der Taschengeld-Paragraf gilt nur, wenn Jugendliche den Kaufpreis bar bezahlen. Werden im Internet oder am Telefon z. B. Zeitschriften abonniert, deren Kaufpreis monatlich vom Taschengeldkonto abgebucht wird, ist hierfür immer die Zustimmung der Eltern notwendig.