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Hintergrund: Integration in die Gesellschaft durch Bildung und Arbeit

Gesellschaftliche Teilhabe – ein wertvolles Gut

  • Eine Auszubildende beim Löten einer Platine. Integration durch (Aus-)Bildung; Rechte: WDR/Jügen Christ
  • Blick in ein Schulklasse. Die Schüler schreiben gerade etwas in ihre Hefte. Bildung für alle ist ein wertvolles Gut; Rechte: dpa/Klaus Ros

Gesellschaftliche Teilhabe bedeutet, dass Bürger aktiv am politischen, kulturellen und sozialen Leben teilnehmen. Der Staat sieht es als seine Pflicht, möglichst vielen Menschen eine breite Partizipation zu ermöglichen.

Um am gesellschaftlichen Leben teilnehmen zu können, ist es zum einen notwendig, die kulturellen Wurzeln derjenigen Gesellschaft zu verstehen, in der man lebt. Dieses Verständnis wird typischerweise als "Bildung" bezeichnet. Andererseits ermöglicht Bildung im Sinne von beruflicher Ausbildung den Zugang zu qualifizierter Arbeit: Nur mit einer von den deutschen Berufskammern anerkannten Ausbildung besteht Aussicht auf eine Anstellung mit angemessener Bezahlung. Bildung, Ausbildung und Arbeit sind somit die zentralen Voraussetzungen für gesellschaftliche Teilhabe.

Die Existenzsicherung durch Hartz IV kann weder Bildung noch Ausbildung oder Arbeit ersetzen. Die finanzielle Unterstützung sichert zwar die Existenz ab, zur aktiven gesellschaftlichen Teilhabe kommt es aber nur im Ausnahmefall. Um Menschen zu aktivieren, müssen sie zunächst ins Arbeitsleben integriert werden. Bildung und (Berufs-)Ausbildung sind der Schlüssel hierzu.

Das Recht auf Bildung

  • Zwei Schülerin schreiben konzentriert in ihre Hefte. Gute Schulabschlüsse zahlen sich aus; Rechte: dpa/Ingo Wagner
  • Im Vordergrund des Fotos steht ein trauriges Mädchen. Im Hintergrund tuscheln Schülerinnen. Schulschwänzer stehen schnell im Abseits; Rechte: mauritius images

Der Staat trägt dem Zusammenhang von gesellschaftlicher Teilhabe und Bildung in seiner Verfassung Rechnung. Bildung gilt als Voraussetzung, um gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen. In Deutschland ist der Staat für die Aufsicht des Schulwesens verantwortlich. "Das gesamte Schulwesen steht unter der Aufsicht des Staates", legt das Grundgesetz in Artikel 7 fest.

Die Bereiche Schule und Bildung werden in Deutschland von den Kultusministerien der Bundesländer verwaltet. In den Schulgesetzen der Länder ist die allgemeine Schulpflicht festgeschrieben. Die Schulpflicht sichert den Zugang aller Bürger zu Bildung, unabhängig von Herkunft und Vermögen. In diesem Sinne ist die Schulpflicht also in erster Linie ein Schulrecht. Der Staat hat dafür zu sorgen, dass alle schulpflichtigen Menschen eine öffentliche Schule besuchen können. Schulpflicht bedeutet aber auch, dass der einzelne Schüler zum regelmäßigen Schulbesuch verpflichtet ist. Wer das nicht tut, verstößt gegen das Gesetz und kann bestraft werden.

Die allgemeinbildenden Schulen in Deutschland erfüllen einen Bildungs- und Erziehungsauftrag, der unter anderem die Vorbereitung auf den Beruf, die Entwicklung der Persönlichkeit und die Entwicklung der Urteilsfähigkeit sowie der Fähigkeit, sich in die Gemeinschaft einzubringen, zum Ziel hat. Ein guter Schulabschluss ist der Schlüssel für den Eintritt in die Arbeitswelt und damit die Voraussetzung für eine Berufsausbildung.

Schulabbruch – Ursachen und Folgen

  • Streit zwischen Mutter und Tochter in einem Wohnzimmer. Die Tochter verschränkt bockig die Arme, während die Mutter gestikulierend auf sie einredet. Private Probleme sind oft ein Grund fürs Schwänzen; Rechte: mauritius images
  • Ein Junge sitzt im Schneidersitz auf dem Lehrerpult in einem Klassenzimmer. Er hat das Gesicht auf die Hände gestützt und wirkt resigniert. Hauptschüler haben es besonders schwer; Rechte: mauritius images

Trotz der geltenden Schulpflicht gibt es zahlreiche Jugendliche, die nicht regelmäßig die Schule besuchen oder sich weigern, der Schulpflicht vollständig nachzukommen. In Deutschland gehen jedes Jahr zehntausende junge Menschen ohne Abschluss von der Schule ab. Die Quote der Schulabbrecher ohne Hauptschulabschluss ist in Deutschland von Bundesland zu Bundesland sehr unterschiedlich. So liegt sie in Nordrhein-Westfalen deutlich unter zehn Prozent, während sie in Sachsen-Anhalt darüber liegt. Hinter diesen Zahlen verbirgt sich ein Problem, das sich gravierend auf den weiteren Bildungs- und Ausbildungsweg dieser Jugendlichen auswirkt und damit auch ein gesellschaftspolitisches Problem darstellt.

Jugendliche brechen die Schule selten von heute auf morgen ab; meist handelt es sich um einen längerfristigen Prozess: Hinter der Absicht, "die Schule hinzuschmeißen", stehen häufig familiäre Probleme, finanzielle Sorgen oder mangelnde Zukunftsaussichten. Studien über Schulabbrecher zeigen, dass persönliche Konflikte die Schulleistung stark beeinträchtigen können. Die Schüler haben Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren und im Unterricht mitzuarbeiten. Sie können dem Lernstoff nicht mehr folgen und geben in letzter Konsequenz auf. Bleiben frühzeitige Anzeichen für Probleme unbeachtet und unbearbeitet, kann sich die Situation so verschärfen, dass sie zum Schulabbruch führt. In solchen Fällen ist der Schulabbruch nicht eine geplante Entscheidung, sondern die Folge eines Teufelskreises, aus dem die Jugendlichen nicht mehr herauskommen.

Der Schulabschluss – Voraussetzung für eine Berufsausbildung

  • Das Foto zeigt ein Zeugnis mit schlechten Noten. Ein Finger zeigt auf eine der Noten. Schlechte Noten = keine Ausbildung?; Rechte: dpa/Heiko Wolfraum

Schüler mit Hauptschulabschluss riskieren heute, in der Konkurrenz um Ausbildungsplätze gegenüber Realschulabgängern und Abiturienten zu unterliegen. Sie haben heute durch ihren Abschluss eher ungünstige Voraussetzungen für einen erfolgreichen Einstieg in die Arbeitswelt. So zeigen Untersuchungen, dass lediglich ein Viertel der Hauptschulabsolventen unmittelbar nach der Schule eine berufliche Ausbildung beginnt. Jugendlichen ohne jeglichen Schulabschluss gelingt der Übergang noch seltener.

Als Kriterium für die Ausbildungsfähigkeit von Jugendlichen ziehen Unternehmen in der Regel die schulischen Abschlüsse und Noten heran. Diese Noten, die die Fähigkeiten der Jugendlichen vor allem in den Hauptfächern Deutsch, Mathematik und Englisch aufzeigen, dienen gleichzeitig als vermeintlicher Hinweis auf die Leistungsbereitschaft, die Zuverlässigkeit und das Verantwortungsbewusstsein der Jugendlichen. Sie zeigen vermeintlich die Kompetenzen, die für das Berufsleben ebenfalls eine zentrale Rolle spielen. Dies bedeutet, dass Jugendliche, die keinen oder einen schlechten Schulabschluss erlangen, auf der Basis der erworbenen Abschlüsse beziehungsweise der erzielten Schulnoten riskieren, in einem Auswahlverfahren von vornherein aussortiert zu werden.

Den erfolglosen Abgängern der Schule droht die Ausgrenzung aus Bildung, Ausbildung, Erwerbsarbeit und gesellschaftlicher Teilhabe. Denn anders als in früheren Jahren sind weniger einfache Jobs in der Industrie zu finden, die den Lebensunterhalt sichern. Für Ungelernte bietet einzig der Dienstleistungssektor einfache Tätigkeiten, die jedoch häufig so schlecht bezahlt sind, dass der eigene Lebensunterhalt damit nicht bestritten werden kann. In Folge dessen muss zusätzlich staatliche Hilfe in Anspruch genommen werden.