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Cybermobbing – Täter und Opfer

  • Eine Tastatur von oben. Cybermobbing ist wie ein Strudel, in den viele hineingezogen werden; Rechte: newspixx vario images

Es kann jeden treffen

Wie beim direkten Mobbing kann beim Cybermobbing jeder und jedem die Rolle des Opfers zufallen. Dazu braucht es nicht viel. Es reicht manchmal schon, wenn sich jemand von der Mehrheit unterscheidet, sei es im Kleidungsstil, im Aussehen, im Auftreten oder im Musikgeschmack. Auch wer zu keiner Clique gehört, steht häufig auf der "Abschussliste" der Mobber.

Über typische Täter ist wenig bekannt. Wie beim direkten Mobbing macht auch Cybermobbing meist erst in der Gruppe richtig "Spaß". Man kann sich dann gegenseitig für seine Taten loben und gemeinsam über das Opfer lachen. Beim Cybermobbing gibt es stets auch ein "Publikum", Zuschauerinnen und Zuschauer, die davon wissen, aber das Mobbing nicht unterbinden. Manche von ihnen finden Mobbing – solange es nicht sie selbst betrifft – unterhaltsam und sehen es sich als eine Art Aufführung an. Andere haben gemischte Gefühle und würden gern eingreifen, wissen aber nicht, wie. Wieder andere haben Angst, selbst zum Opfer zu werden und schauen deshalb weg oder lachen sogar, um nicht aufzufallen. Die wenigsten greifen ein.

  • Zwei Mädchen tippen lächelnd in ein Handy. Oft beginnt Mobbing als Spaß; Rechte: dpa

Taten bleiben oft im Verborgenen

Da die elektronischen Medien auf Kinder und Jugendliche einen besonderen Reiz ausüben, kann sich Mobbing leicht aus einem Spaß heraus entwickeln. Wer ausprobiert, was mit Fotobearbeitungsprogrammen möglich ist, wie man Fotos fälschen und Situationen aufleben lassen kann, die es so nie gegeben hat, erfreut sich möglicherweise zunächst nur an seinen Fähigkeiten und den dabei entstehenden Werken. Der Chemielehrer im rosa Tutu, die Klassenkameradin in der Hand von Godzilla – das alles bleibt lustig, solange es den eigenen Rechner nicht verlässt. Wer diese Bilder jedoch Freundinnen und Freunden zugänglich macht und damit die abgebildete Person beleidigt oder herabwürdigt, schafft einen Mobbingfall. Wer über solche Bilder lacht, ist Mitläufer, wer sie weiter verbreitet, beteiligt sich am Mobbing.

Im Vergleich zum direkten Mobbing fällt es Täterinnen und Tätern beim Cybermobbing noch leichter, Grenzen zu überschreiten: Sie fühlen sich sicher, weil sie glauben, unerkannt bleiben zu können und für ihre Taten nicht einstehen zu müssen. Da man außerdem dem Opfer nicht von Angesicht zu Angesicht gegenübertreten muss, wird auch mögliches Mitleid getilgt: Wer nicht sieht, wie sein Opfer leidet, wird oft noch hemmungsloser und denkt sich immer brutalere Methoden aus. Solange das Opfer das Mobbing nicht öffentlich macht, bleiben diese Taten im Verborgenen. Eltern, Lehrerinnen und Lehrer oder andere Erwachsene erfahren nichts davon und können so nicht eingreifen.

  • Ein Mädchen schaut auf ihr Handy. Cybermobbing über das Handy verfolgt die Betroffenen überall hin; Rechte: dpa

Kein Vertrauen mehr

Kinder und Jugendliche, die Cybermobbing erleben, haben große Hemmungen, sich ihren Eltern anzuvertrauen, denn Erwachsene sind häufig nicht kompetent. Sie kennen und nutzen die Medien weniger als ihre Kinder, verstehen nicht, wie die Täterinnen oder Täter vorgehen, bagatelisieren die Bedeutung neuer Medien oder haben eine grundsätzlich ablehnende Haltung gegenüber der Mediennutzung von Jugendlichen. Für die Opfer ist Cybermobbing meist schlimmer als direktes Mobbing – vor allem deshalb, weil man vor dieser Art von Mobbing nie sicher sein kann. Herkömmliches Mobbing spielt sich in der Schule oder auf dem Schulweg ab; sobald die Wohnung erreicht wird, ist man unangreifbar. Cybermobbing hingegen findet überwiegend im privaten Bereich statt und kann 24 Stunden am Tag geschehen. Zudem kann man Cybermobbern kaum aus dem Weg gehen, wenn man nicht auf die elektronischen Medien und ihre Möglichkeiten verzichten möchte. Häufig ist – anders als beim herkömmlichen Mobbing in der Schule – die Identität der Mobber ungewiss, obwohl sie meist aus demselben Umfeld stammen und es häufig auch Vermutungen gibt, wer hinter den Mobbingattacken stecken könnte. Das Schlimme: Es könnte jeder sein, mit dem man bekannt oder befreundet ist. Diese Ungewissheit verunsichert viele Opfer; sie entwickeln Misstrauen auch gegenüber engen Freundinnen und Freunden.

  • Eine Schülerin meldet sich und wird vom Lehrer aufgerufen. Die Schule ist ein wichtiger Ort, an dem Cybermobbing vorgebeugt werden kann; Rechte: dapd

Cybermobbing im Schulalltag

Hinzu kommt, dass das Internet nie vergisst. Während sich in der Schule manchmal nach den nächsten Ferien niemand mehr daran erinnert, wer im vergangenen Schuljahr Mobbingopfer war, tauchen Bilder, beleidigende Kommentare und Ähnliches im Internet noch nach Jahren weiterhin auf. So können Mitschülerinnen und Mitschüler andere darauf aufmerksam und sich gemeinsam über das Opfer lustig machen. Statt nur in einer Klasse ist ein peinliches Foto plötzlich in der ganzen Schule und darüber hinaus bekannt. Selbst wenn Cybermobbing häufig nicht im Rahmen des Schulalltags oder der organisierten Freizeit stattfindet, ist die Schule der richtige Ort, um präventiv dagegen vorzugehen. Denn in der Regel kennen sich Täter und Opfer und gehören beispielsweise derselben Schulklasse an. Wenn in einer Klasse und einer Schule generell ein gewaltfreies Klima herrscht, werden Mobbing und Cybermobbing seltener vorkommen als in Schulen, in denen Hänseleien beispielsweise als "altersgemäß" hingenommen und Übergriffe auf andere geduldet und nicht geahndet werden. Lehrerinnen und Lehrer müssen aufmerksam dafür sein, wenn Kinder psychische und psychosomatische Symptome zeigen. Das können etwa sein: Schule schwänzen, nachlassende Leistungen, Rückzug bis zur Isolation oder Depressionen.