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Cybermobbing – Hilfe und Prävention

  • Verschiedene Partybilder auf einer Internetseite. Viele Jugendliche stellen Bilder von sich und anderen sorglos ins Internet; Rechte: WDR

Verantwortungsvoller Umgang mit Daten

Bestimmten Spielarten des Cybermobbings kann man am wirkungsvollsten vorbeugen, indem man seine eigenen Daten schützt. Kinder und Jugendliche müssen lernen und begreifen, dass persönliche Kontaktdaten wie Handynummern oder E-Mail-Adressen nur an vertrauenswürdige Personen weitergegeben werden sollten. Passwörter sollten grundsätzlich niemandem anvertraut werden. Es sollte Ehrensache sein, dass man persönliche Daten, die man vielleicht von Freundinnen und Freunden kennt, genauso geheim hält wie seine eigenen und sie nicht an Dritte weitergibt.

Ein weiterer wichtiger Schritt besteht darin, Schülerinnen und Schülern klar zu machen, dass sie für alles, was sie ins Netz stellen, die Verantwortung übernehmen müssen. Wer etwa Fotos online stellt, auf denen die Personen in verführerischen Posen oder kaum bekleidet abgebildet sind, muss wissen, dass er oder sie sich oder andere in Gefahr bringt. Einmal im Internet können diese Inhalte gesehen, gespeichert, verändert und weiterverbreitet werden, meist ohne dass man dies noch steuern oder gar verhindern kann. Genauso wie "lustige" Bilder von peinlichen Situationen können sie in völlig anderen Zusammenhängen bearbeitet und verfremdet wiederauftauchen und die abgebildete Person in unangenehme Situationen bringen.

In sozialen Netzwerken wie Facebook empfiehlt es sich, genau nachzulesen, welche Sicherheitsregeln es gibt. Dort kann man selbst bestimmen, wie eng das Sicherheitsnetz ist, das man um sich herum spannt. Wer alles abschaltet, was Fremde leicht auf seine Seite lockt, und die Tür nur für Freundinnen und Freunde offen hält, senkt die Gefahr, belästigt zu werden. Des Weiteren empfiehlt es sich, von Zeit zu Zeit den eigenen Namen als Suchwort bei einer Suchmaschine einzugeben. So kann man in Erfahrung bringen, ob der Name oder Fotos im Netz auftauchen. Stößt man dabei auf Beleidigungen oder gefälschte Bilder, sollte man sofort eingreifen und dagegen vorgehen. Wer diese Vorsichtsmaßnahmen berücksichtigt, hat zwar immer noch keinen hundertprozentigen Schutz vor Cybermobbing. Zumindest aber liefert er Mobbern, die ihn zum Opfer machen wollen, nicht selbst die Munition und öffnet ihnen nicht die Tür zu seiner Privatsphäre.

  • Ein Facebook-Nutzer ändert eine Sicherheitseinstellung von "Öffentlich" zu "Freunde". Um sich vor Mobbing zu schützen, sollte man in sozialen Netzwerken möglichst strenge Sicherheitseinstellungen auswählen; Rechte: WDR

Richtig reagieren

Wer Cybermobbing erlebt oder beobachtet, sollte sich wie beim herkömmlichen Mobbing an seine Lehrerinnen und Lehrer oder an die Schulleitung wenden. In der Regel kennen sich Täter und Opfer aus der Schule oder dem privaten Umfeld. Lehrer sind dann gefragt, tätig zu werden – selbst dann, wenn der Mobbingfall in der Freizeit passiert ist – und mit den betroffenen Schülerinnen und Schülern Einzelgespräche zu führen. Das ist sinnvoll, da viele (Cyber-)Mobbingfälle dem schulischen Umfeld entstammen. Sie wirken sich außerdem auf die Psyche aus und sind nicht selten Ursache für schlechte schulische Leistungen und ein schlechtes Klassenklima. In einem konkreten Fall von Cybermobbing ist meist eine zeitnahe Reaktion gefragt, um "Schadensbegrenzung" zu betreiben. Dabei stehen dem Betroffenen grundsätzlich mehrere Möglichkeiten offen: Tritt er oder sie den kompletten Rückzug im Netz (beispielsweise in einem sozialen Netzwerk) an und versucht, sich im Netz wieder "unsichtbar" zu machen, bedeutet dies aber auch, dass alle Profile und Identitäten, über die man erreichbar ist, gelöscht werden und alle Kontakte über dieses Netzwerk (auch zu Freundinnen und Freunden) abgebrochen werden. Eine spätere Anmeldung unter einem anderen Namen ist jedoch möglich.

Wer seine bisherigen "guten" Kontakte nicht verlieren will, ist gefragt, sich konsequent mit den Sicherheitseinstellungen seines Profils auseinanderzusetzen. Dabei sollten die strengsten Sicherheitseinstellungen ausgewählt werden. Wer über sein Handy gemobbt wird, kann den Mobilfunkanbieter wechseln und/oder sich eine neue Telefonnummer zulegen. Je nachdem, auf welchen Kanälen die Mobber aktiv sind, kann es auch ratsam sein, sich eine neue E-Mail-Adresse zuzulegen. Wenn es online – etwa auf Youtube, Facebook oder einer anderen Plattform – zu Mobbing gekommen ist, sind die Anbieter die ersten Ansprechpartner. Sie sind rechtlich verpflichtet, entsprechende Beiträge zu löschen. Wenn das Mobbing nicht aufhört, kann der Anbieter der Community oder der Chatbetreiber einen Mobber sperren. In sozialen Netzwerken sollte jeder, der ins Visier von Mobbern gerät, diesen die "Freundschaft" aufkündigen und ihre Beiträge versuchen zu ignorieren.

  • Ein Richter sitzt hinter der Richterbank, auf der ein Holzhammer liegt. Wenn Beweise für Cybermobbing gesammelt wurden, kann ein Gericht die Täter verurteilen; Rechte: Mauritius Images

Der Weg zur Anzeige

Die Polizei und die Staatsanwaltschaft, die für die Verfolgung von Straftaten zuständig sind, können immer dann tätig werden, wenn ein Straftatbestand vorliegt, wenn also ein Gesetz nicht eingehalten worden ist. In Deutschland gibt es kein spezielles Gesetz gegen Cybermobbing, wohl aber Gesetze, die die Rechte der Bürger schützen und auch im Fall von Mobbing greifen. Beleidigungen (§ 185 StGB), Verleumdungen (§ 187 StGB), üble Nachrede (§ 186 StGB), Drohung (§ 241 StGB), Erpressung (§ 253 StGB), Nötigung (§ 240 StGB) und die Verletzung des Persönlichkeitsrechts (§ 201a StGB) können verfolgt und geahndet werden. Wer wegen Cybermobbings die Polizei einschalten will, sollte vorher Beweise sammeln. Die entsprechenden SMS müssen aufgehoben, E-Mails aufbewahrt, Chatprotokolle im Messenger gespeichert, Screenshots von Webseiten mit beleidigenden Fotos gemacht werden.

  • Drei Jugendliche werden von jemandem mit dem Handy fotografiert. Das Gesetzt regelt sehr genau, wer wann welche Fotos veröffentlichen darf; Rechte: dpa

Recht am eigenen Bild

Das Grundgesetz garantiert eine Vielzahl wichtiger Rechte und schützt jeden Einzelnen vor einer Verletzung dieser Rechte. Zu den geschützten Rechtsgütern gehören etwa die persönliche Ehre und das Recht auf körperliche Unversehrtheit. Auch das Recht am eigenen Bild ist ein geschütztes Rechtsgut, ebenso wie das Recht auf informationelle Selbstbestimmung. Wer persönliche Daten anderer unberechtigt weitergibt oder die Weitergabe möglich macht, verstößt gegen das Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) oder das Telemediengesetz (TMG). Dies wäre etwa der Fall, wenn jemand Daten, die Schülerinnen und Schüler in einem sozialen Netzwerk eingestellt haben, zu Werbezwecken weiterverkauft oder auf anderen Seiten wie Partnerbörsen oder Erotikseiten veröffentlicht.

Auch wer ständig mit jemandem über Handy, E-Mail oder Messenger Kontakt aufzunehmen versucht, ohne dass diese Person kontaktiert werden möchte, kann sich strafbar machen. Man spricht dann von Nachstellung (§ 238 StGB) und zwar immer dann, wenn durch eine ständige Flut von SMS, E-Mails oder Botschaften das normale Leben des Opfers schwerwiegend beeinträchtigt wird.

Wer unbefugt Fotos macht und sie veröffentlicht oder wer schon vorhandene Fotos verbreitet, kann sich ebenfalls strafbar machen, denn dabei kann es sich um eine Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs handeln (§ 201a StGB). Nicht jede Situation darf fotografiert, nicht jedes Foto veröffentlicht werden. So verbietet es das Strafgesetzbuch etwa, dort unbefugt Fotos zu machen, wo jemand ganz privat ist, nämlich in seiner Wohnung, in seinem Gäste- oder Hotelzimmer. Ein Klassenzimmer hingegen kann ein öffentlicher Ort sein, sodass dort unter Umständen Bilder gemacht werden dürfen. Allerdings dürfen auch diese Bilder nicht ohne Einwilligung der darauf Abgebildeten weitergegeben oder veröffentlicht, also etwa ins Internet gestellt oder in der Schule an die Pinnwand gehängt werden.

Noch weniger darf jemand an Orten fotografiert werden, die vor den Blicken anderer verborgen sind (Toiletten, Umkleideräume, Behandlungsräume beim Arzt, Terrassen mit Sichtschutz). Verschärfend hinzukommt: Wenn eine Situation peinlich ist, darf sie nicht fotografiert werden. Auch Fotomontagen, in denen ein harmloses Bild plötzlich peinlich oder anstößig wird, sind nicht zulässig. Das Urheberrechtsgesetz (UrhG) und das Kunsturhebergesetz (KunstUrhG) regeln sehr genau, wer wann welche Bilder veröffentlichen darf. Grundsätzlich muss die oder der Fotografierte damit einverstanden sein. Von diesem Grundsatz gibt es nur wenige Ausnahmen, etwa wenn es sich um Personen der Zeitgeschichte handelt, die in vielen Fällen damit leben müssen, fotografiert zu werden.