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Cybermobbing – Das Phänomen

  • Zwei Jungs streiten sich auf dem Schulhof. Oft werden Mobbingopfer auch körperlich angegriffen; Rechte: Mauritius Images

Körperliche und psychische Übergriffe

In den 1980er Jahren begann der schwedische Psychologe Dan Olweus, Professor an der Universität Bergen, sich mit dem Phänomen Mobbing und der Gewaltproblematik an Schulen auseinanderzusetzen. Seiner Definition nach ist Mobbing (in englischsprachigen Texten "Bullying") ein absichtlich körperlich oder psychisch schädigendes Verhalten gegenüber einem Einzelnen, bei dem der Täter oder die Täterin dem Opfer überlegen ist. Die Taten werden wiederholt und über einen längeren Zeitraum hinweg ausgeübt. Häufig geschehen sie in einem hierarchisch gegliederten System mit klaren Machtstrukturen, die vom Einzelnen nicht verlassen werden können – und zwar besonders dann, wenn nur schwache Kontrolle herrscht oder eine solche ganz fehlt. In der Schule sind das etwa der Pausenhof, die Umkleidekabine in der Sporthalle oder das Klassenzimmer in den kurzen Pausen.

Olweus konnte damals nicht voraussehen, dass zu dem von ihm untersuchten direkten Mobbing bald das Cybermobbing hinzukommen würde, das sich dieser Definition teilweise entzieht. So treffen beim Mobbing im virtuellen Raum Täter und Opfer nicht direkt aufeinander, weil sich die Täter technischer Hilfsmittel und elektronischer Medien bedienen. Damit ist das Mobbing auch nicht mehr an die Schule oder die gemeinsame Arbeitszeit gebunden. Stattdessen verlagert es sich in die Freizeit und ermöglicht es dem Täter oder den Tätern, ihr Opfer rund um die Uhr und sieben Tage die Woche zu quälen. Dennoch bleiben auch beim Cybermobbing einige von Dan Olweus' Kriterien gültig. So spricht man nur dann von Mobbing, wenn es häufig und über längere Zeit zu Übergriffen kommt. Cybermobbing ist eine Form seelischer Gewalt, die bei jedem Vorfall die Kluft zwischen Täter beziehungsweise Tätern und Opfer vergrößert. Das Opfer kann sich nicht selbst aus der Lage befreien und wird immer verängstigter, die Täter triumphieren und setzen ihre Überlegenheit wieder und wieder in Schikanen um.

  • Facebook-Kommentar mit den Begriffen "Opfer" und "schwul" im Vordergrund. Um andere im Netz zu mobben, greifen Jugendliche zu fiesen Mitteln; Rechte: WDR

Was ist Cybermobbing?

Cybermobbing ist Mobbing, das im so genannten Cyberspace stattfindet, also im virtuellen Raum, das sich heute wiederum mehr und mehr mit dem realen Leben vemischt. Durch den Einsatz der Medien, die den virtuellen Raum erst schaffen, können Menschen dort andere mobben. Mithilfe von Mobiltelefonen, E-Mails, Instant Messaging (ICQ, WhatsApp) und sozialen Netzwerken kann man

  • in Chats pöbeln oder Geheimnisse ausplaudern.
  • Gerüchte in die Welt setzen.
  • peinliche Fotos und Videos in Umlauf bringen.
  • Beleidigungen aussprechen und Hass-Gruppen gründen, um jemanden gemeinsam fertig zu machen.
  • sich eine falsche Identität zulegen und jemandem etwas vorgaukeln.
  • die Identität eines anderen annehmen oder vorgaukeln und damit andere täuschen oder verletzen.

In einem Anti-Mobbing-Forum berichtete zum Beispiel ein Mädchen, sie habe – frisch verliebt – ihrem Freund ein Foto geschickt, auf dem sie in Unterwäsche zu sehen ist. Nach der Trennung veröffentlichte der Ex-Freund dieses Foto bei schülerVZ, wovon in kürzester Zeit die ganze Schule wusste. Ein anderes Beispiel: Ein älterer Schüler wunderte sich, warum er plötzlich im Chat gemieden wurde und niemand mehr mit ihm sprechen wollte. Ein Freund klärte ihn schließlich darüber auf, dass in einem Forum behauptet wurde, er sei ein Nazi. Dort gab es auch ein gefälschtes Bild, das ihn bei einer Demonstration von Neonazis zeigte.

Cybermobbing ist neu und alt zugleich. Es verfolgt dieselben Absichten wie direktes Mobbing: Jemand soll erniedrigt und fertig gemacht werden. Gemobbt wird aber mit neuen Methoden, die sich aus den aktuellen technischen Entwicklungen ergeben und die neue Medien zu Hilfe nehmen.

  • Ein Jugendlicher sitzt voller Verzweiflung vor einem Laptop. Viele Jugendliche werden im Internet gemobbt; Rechte: dpa

Häufigkeit von Mobbing im Internet

Wie viele Fälle von Cybermobbing es gibt, ist noch schwieriger zu ermitteln als eine belastbare Zahl zu direktem Mobbing zu nennen. Die Angaben darüber, wie viele Schülerinnen und Schüler Opfer geworden sind, schwanken je nach Studien stark. Mal soll beinahe jeder sechste, mal sogar jeder dritte Schüler in Deutschland entsprechende Erfahrungen gemacht haben. Besonders hoch war die Zahl der Fälle in einer Studie des "Bündnisses gegen Cybermobbing" aus dem Jahr 2013 in der Gruppe der 14- bis 16-Jährigen. Hier gab jeder Fünfte an, Cybermobbing schon selbst erlebt zu haben. In der Befragung räumten 19 Prozent ein, selbst schon einmal Täter gewesen zu sein und aus Langeweile oder "Spaß" gehandelt zu haben. In anderen Ländern scheint Cybermobbing noch verbreiteter zu sein. So gaben bei einer europäischen Studie Jugendliche aus Estland, Rumänien, Dänemark und Schweden besonders häufig an, Opfer von Cybermobbing geworden zu sein.