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Hintergrund: Aus zwei werden drei

Schwanger werden geht schnell – schwanger sein dauert länger. Während dieser Zeit kommt es im Körper der Frau zu großen Veränderungen: einige davon sind mit Unwohlsein verbunden, andere mit Momenten großen Glücks.

Die Zellkerne verschmelzen, ein neues Leben beginnt

  • Spermien versuchen in die Eizelle einzudringen; Rechte: mauritius images Wenn Sperma und Eizelle verschmelzen, entsteht neues Leben; Rechte: mauritius images

Schnell sind sie nicht, aber sie sind viele: Mehrere Millionen Spermien machen sich nach dem Samenerguss des Mannes mit einer Geschwindigkeit von zwei bis drei Millimetern pro Minute auf den Weg durch Scheide und Gebärmutter. Hatte die Frau zuvor einen Eisprung, kommt ihnen aus dem Eierstock eine Eizelle entgegen. Treffpunkt von Eizelle und Spermien ist der Eileiter. Gelingt es dort einem der Spermien mit dem dornenförmigen Aufsatz auf seinem Kopf die drei äußeren Schichten der Eizelle zu durchdringen, verschmelzen die beiden Zellkerne – ein neues Leben entsteht. Schon wenige Stunden nach der Befruchtung beginnt die Eizelle damit, sich wieder und wieder zu teilen. Gleichzeitig wandert sie Richtung Gebärmutter. Nach etwa fünf Tagen ist aus der befruchteten Eizelle eine winzige Kugel aus rund 14 Zellen geworden, die sich in der Gebärmutter einnistet. Ungefähr 260 Tage, also 38 Wochen bzw. neun Monate dauert es, bis aus dem Embryo, kleiner als ein Millimeter und leichter als ein Gramm, ein Baby von gut 50 Zentimeter Größe und drei Kilogramm Gewicht geworden ist.

Am 49. Tag nach der Befruchtung sind bereits alle Körperteile und Organe vorhanden – jetzt muss der acht Zentimeter kleine Fötus nur noch wachsen. Nach und nach erwachen auch seine Sinne: Ab dem vierten Monat kann er das Fruchtwasser schmecken und den Herzschlag der Mutter hören. Und ab dem siebten Monat kann er Helligkeitsunterschiede wahrnehmen – scheint die Sonne auf den Bauch der Mutter, wird er einen roten Schimmer wahrnehmen. Im neunten Monat schließlich fängt das Baby an zu blinzeln und kann einen bestimmten Punkt fixieren.

Übelkeit und Heißhungerattacken

  • Eine schwangere Frau hält ein Sandwich vor ihren Bauch; Rechte: mauritius images Heißhungerattacken gehören zu den Begleiterscheinungen der Schwangerschaft; Rechte: mauritius images

Während ihr Kind wächst, wird das Becken der Frau breiter, die Brüste werden schwerer und der Bauch wird runder. Kurz vor der Geburt hat eine Schwangere im Schnitt zwölf bis 16 Kilogramm zugenommen. Wichtig für die Gesundheit des Ungeborenen ist, dass die werdende Mutter auf ihre Ernährung achtet. Das Essen sollte möglichst nahrhaft und ausgewogen sein, also eine ausbalancierte Mischung aus Kohlenhydraten, Eiweißen und Fetten enthalten. Vermieden werden sollten hingegen Nikotin und Alkohol – beides kann zu schweren Schädigungen beim Ungeborenen führen. Koffein ist weniger bedenklich, sollte aber nur in Maßen konsumiert werden.

Die rapide Gewichtszunahme während der Schwangerschaft ist für viele Frauen mit unangenehmen Begleiterscheinungen verbunden. Im Beckenbereich können die sich dehnenden Bänder einen ziehenden Schmerz verursachen. In den Brüsten beginnen die bisher ruhenden Milchdrüsen zu wachsen, wodurch sie häufig berührungsempfindlich werden. Und am Bauch kann das Bindegewebe reißen – dunkle Schwangerschaftsstreifen entstehen. Außerdem klagen viele werdende Mütter über Müdigkeit und Stimmungsschwankungen, Übelkeit und Heißhungerattacken; vermutlich Folgen des sich ändernden Hormonhaushalts. Insbesondere der Östrogenspiegel steigt sehr stark an: Eine schwangere Frau produziert innerhalb von neun Monaten eine Menge dieses weiblichen Geschlechtshormons, für die eine nicht-schwangere Frau etwa 150 Jahre brauchen würde.

Der Herzschlag ist zu hören, die Kindsbewegungen sind zu spüren

  • Ein Paar sitzt auf einer Bank, der Mann legt die Hand auf den Bauch der Schwangeren; Rechte: imago/INSADCO Kontaktaufnahme zwischen Vater und ungeborenem Kind; Rechte: imago/INSADCO

Die durch diesen hormonellen Ausnahmezustand verursachten Unpässlichkeiten sind zwar lästig, keinesfalls aber bedrohlich – sie spiegeln lediglich die Herausforderungen wieder, die der Körper während einer Schwangerschaft zu bewältigen hat. Außerdem werden sie für viele Frauen durch Glücksmomente wieder aufgewogen, etwa wenn auf dem Ultraschallbild um den vierten Monat herum ein menschliches Gesicht zu erahnen und das Geschlecht zu erkennen ist oder wenn ungefähr ab dem fünften Monat der Schlag des Herzens mit einem Stethoskop zu hören ist und die Bewegungen des Kindes im Bauch zu spüren sind.

In dieser Zeit kann der Vater das erste Mal Kontakt zu seinem Kind aufnehmen. Wenn er seine Hand auf den Bauch der Mutter legt, kann auch er die Bewegungen spüren. Außerdem kann das Baby jetzt Stimmen von außen hören, der Vater kann also zu seinem Kind sprechen. Das Kind wird sich seine Stimme, genau wie die der Mutter, einprägen und sie nach der Geburt wiedererkennen.

Sanfte Geburt

  • Eine Hebamme hält den Kopf eines Neugeborenen, das gerade zur Welt kommt; Rechte: Phototake Die Endphase der Geburt: Der Kopf und ein Ärmchen sind bereits draußen; Rechte: Phototake

Bei der Geburt selbst sind heutzutage die meisten Väter dabei, auch wenn sie nicht viel mehr machen können als die Hand ihrer Partnerin zu halten und ihr Mut zuzusprechen. Unterstützt von Arzt und Hebamme presst die Gebärende das Kind aus der Gebärmutter durch die Scheide nach draußen. Die Geburt gliedert sich in drei Phasen: Sie beginnt mit der Eröffnungsphase, in der die Wehen einsetzen und der Muttermund sich öffnet. Es folgt die Übergangsphase, in der der Muttermund zwar schon geöffnet ist, das Kind aber noch nicht in der richtigen Position liegt, um ihn zu passieren. In der Endphase schließlich kann die Frau das Kind durch den Geburtskanal nach außen pressen.

Gerade bei Erstgebärenden kann die Geburt viele Stunden dauern und große Schmerzen verursachen. Deshalb können Schwangere sich kurz vor der Entbindung lokal betäuben lassen. Sie bleiben bei Bewusstsein, aber die Schmerzen im Unterleib werden gemindert.

Auch dem Kind kann man den Geburtsvorgang erleichtern: Bei der so genannten sanften Geburt wird der Gegensatz zwischen dem dunklen und warmen Bauch der Mutter und dem vergleichsweise hellen und kalten Kreißsaal verringert. Also wird dort die Temperatur erhöht und das Licht gedämpft. Die Wassergeburt bietet einen noch sanfteren Übergang in die Welt: Die Frau liegt in einer speziellen, mit warmen Wasser gefüllten Wanne. Ertrinken kann das Neugeborene dabei nicht, da es über die Nabelschnur mit Sauerstoff versorgt wird.

Kaiserschnitt

  • Eine schematische Zeichnung zeigt das Kind im Geburtskanal, das mit einer Geburtszange auf die Welt geholt wird; Rechte: dpa/Wissen Me Die Geburtszange hilft, wenn das Kind den Geburtskanal nicht problemlos passieren kann; Rechte: dpa/Wissen Me

Manchmal ist eine sogenannte natürliche Geburt jedoch nicht möglich. Wenn das Kind den Geburtskanal nicht problemlos passieren kann, kommen mechanische Hilfsmittel zum Einsatz: Zangen oder Saugglocken. Beide Instrumente dienen dazu, den Kopf des Kindes zu greifen, um es dann auf die Welt ziehen zu können. Wenn auch das nicht möglich ist, muss eine operative Entbindung, der so genannte Kaiserschnitt, durchgeführt werden. Dabei wird ein rund zwölf Zentimeter langer Querschnitt oberhalb der Schamhaargrenze vorgenommen, durch den das Kind auf die Welt geholt wird. Der Kaiserschnitt wird in der Regel unter Teilnarkose durchgeführt, damit die Mutter ihr Kind wie bei einer normalen Geburt sofort in die Arme schließen kann.

Ein Kaiserschnitt kann aus vielen Gründen nötig sein, etwa wenn das Baby in der Gebärmutter nicht mit dem Kopf nach unten liegt oder wenn das Becken der Frau zu schmal ist und das Kind es nicht gefahrlos passieren könnte.

Letzteres ist häufig bei minderjährigen Schwangeren der Fall, weil ihr Körper noch nicht vollständig ausgewachsen ist. Da es sich bei einem Kaiserschnitt aber um einen Routine-Eingriff handelt, ist auch bei jungen Mädchen eine solche Entbindung meist ohne Komplikationen möglich.

Kinder, die Kinder kriegen

  • Zwei minderjährige Mütter sitzen mit ihren Babys auf einem Bett; Rechte: dpa /IAN HOOTO Bei Minderjährigen gibt es in der Schwangerschaft häufiger Komplikationen als bei Erwachsenen; Rechte: dpa/IAN HOOTO

Im Verlauf der Schwangerschaft kommt es bei Minderjährigen häufiger zu Problemen als bei Erwachsenen. Beispielsweise gibt es bei ihnen mehr Frühgeburten. Über die Gründe sind sich die Wissenschaftler uneins. Es gibt einerseits die Theorie, dass die Körper der jungen Mädchen noch nicht reif genug sind, um das Baby in der Gebärmutter ausreichend zu versorgen. Andererseits meinen Wissenschaftler, dass die meisten Komplikationen selbst verschuldet sind. Sie vermuten, dass Minderjährige, die schwanger werden, eher als Erwachsene zu unvernünftigem Verhalten neigen und zum Beispiel während der Schwangerschaft rauchen oder Alkohol trinken.

Letzter Ausweg: Abtreibung

  • Ein Beratungsgespräch in einer Familienberatungsstelle; Rechte: dpa/Jens Büttner Ein Beratungsgespräch ist in Deutschland Pflicht, bevor man sich für eine Abtreibung entscheidet; Rechte: dpa/Jens Büttner

Ist die Schwangerschaft ungewollt, kann eine Abtreibung der Ausweg sein. Die ist nicht strafbar, solange einige Bedingungen erfüllt werden, die in Paragraf 218a des Strafgesetzbuchs geregelt sind: Die Abtreibung darf nur während der ersten drei Monate der Schwangerschaft stattfinden, die Schwangere muss an einem Beratungsgespräch teilgenommen haben und die Abtreibung muss von einem Arzt vorgenommen werden.

Im Wesentlichen stehen zwei Techniken für eine Abtreibung zur Verfügung: eine medikamentöse und eine operative. Bei der ersten Variante bekommt die Schwangere innerhalb von zwei oder drei Tagen zwei verschiedene hormonelle Präparate verabreicht, die letztlich eine Fehlgeburt auslösen. Bei der operativen Variante wird das Ungeborene mechanisch entfernt – meist durch Absaugung. Dabei wird der Embryo mithilfe eines Plastikschlauches und einer Pumpe aus der Gebärmutter gesaugt. Bleiben Gewebereste zurück, kann zusätzlich eine Ausschabung erforderlich sein, bei der diese Gewebereste mit einem Schabeisen entfernt werden. Eine operative Abtreibung wird in der Regel ambulant und mit örtlicher Betäubung durchgeführt und dauert insgesamt nur wenige Stunden.

Sowohl bei der operativen als auch bei der medikamentösen Abtreibung können die seelischen Folgen für die Frau schwer zu verkraften sein. Bezogen auf den Körper sind beide Methoden relativ risikoarm. Die Fruchtbarkeit der Frau bleibt erhalten – sie kann also künftig wieder schwanger werden.