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Hintergrund: Karl Marx und Friedrich Engels – ein perfektes Revolutionärsteam

Eine außergewöhnliche Freundschaft – die verhalten beginnt

  • Marx und Engels auf einem Gemälde von Mocznay, 1953. Freundschaft im zweiten Anlauf: Karl Marx und Friedrich Engels; Rechte: akg

Sie entwarfen gemeinsam eine revolutionäre soziale Gesellschaftstheorie und waren dicke Freunde – doch ihr erstes Treffen muss äußerst ernüchternd ausgefallen sein: Im November 1842 besuchte der 22-jährige Friedrich Engels den nur zwei Jahre älteren Karl Marx in den Kölner Redaktionsräumen der linksgerichteten "Rheinischen Zeitung". Engels war neugierig auf den Mann, von dem er als Gasthörer an der Universität Berlin gehört hatte, und wollte ihn unbedingt kennenlernen. Aber Marx konnte mit dem jungen Fabrikantensohn wenig anfangen – und begegnete ihm zunächst äußerst distanziert.

Der erste Eindruck währte aber nicht lange. Eine Woche später unterhielten sich die beiden jungen Männer noch einmal und fanden bei diesem zweiten Anlauf doch einen Draht zueinander. Kurz darauf zog Engels nach Manchester, um seine Ausbildung als kaufmännischer Angestellter in der Baumwoll-Spinnerei seines Vaters "Ermen und Engels" abzuschließen. Den Kontakt zu Marx hielt er aufrecht und schrieb als England-Korrespondent für die "Rheinische Zeitung". In seinen Artikeln schilderte er den Fabrikalltag und die Lebensbedingungen der Arbeiterklasse im Zentrum des Kapitalismus und inspirierte damit auch Marx, der mittlerweile zum Chefredakteur der Zeitung aufgestiegen war.

Im Spätsommer 1844 kehrte Engels nach Wuppertal zurück und stattete auf der Heimreise Marx einen zehntägigen Besuch in Paris ab. Dort lebten Marx und seine Frau Jenny seit dem Verbot der "Rheinischen Zeitung" ein Jahr zuvor.

Teamarbeit für das "Kommunistische Manifest"

  • Eine Bronzestatue mit Marx und Engels auf dem Marx-Engels-Forum in Berlin. Das perfekte Team verewigt in Bronze; Rechte: mauritius, Hans-Peter Merten

Während dieses Besuchs in Paris "stellte sich unsere vollständige Übereinstimmung auf allen theoretischen Gebieten heraus", schrieb Engels 1862 rückblickend, "und von da an datiert unsre gemeinsame Arbeit." Sie wurden ein perfektes Team: Marx, der scharfsinnige Philosoph, und Engels, der hervorragende Publizist. Engels schätzte Marx für seinen analytischen Verstand und blickte Zeit seines Lebens zu ihm auf. Doch in ihren vielen Gesprächen und Diskussionen konnte auch Marx von Engels Erfahrung profitieren. Der war nicht nur als Fabriksohn aufgewachsen, sondern verdiente weiterhin als Ökonom sein Geld. Marx dagegen hatte sich mit Fabrikarbeit nur theoretisch auseinandergesetzt.

Nicht einmal 30 Jahre waren die beiden Revolutionäre alt, da verfassten sie für den "Bund der Kommunisten" das Werk, das später als Standardwerk des Kommunismus in die Geschichte eingehen wird: das "Manifest der kommunistischen Partei". Entworfen hatte es Engels, ausgearbeitet wurde es von Marx. In vier Abschnitte gegliedert, umreißt die Programmschrift erstmals die Grundthesen des Marxismus.

Kampfansage an den Kapitalismus

  • Ein Bucheinband und ein aufgeschlagenes Exemplar des "Manifest der Kommunistischen Partei". Nach der Bibel das meistgedruckte Buch der Welt; Rechte: dpa, Hubert Link

Die Lehre vom Klassenkampf für die Errichtung der klassenlosen Gesellschaft ist für die beiden Autoren nicht nur eine politische Forderung, sondern spiegelt auch ihre Geschichtsauffassung wider: "Die Geschichte aller bisherigen Gesellschaft ist eine Geschichte von Klassenkämpfen." Durch Klassenkämpfe sei die Sklavenhaltergesellschaft von der Feudalgesellschaft und diese wiederum von der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft abgelöst worden. Auch die ist aus der Sicht von Marx und Engels nun dem Untergang geweiht, weil sie die kapitalistischen Produktionsverhältnisse als ungerecht ansehen: Sie trennen den Arbeitenden vom Eigentum an den Produktionsmitteln, mit denen er arbeitet, und entfremden den Menschen von seiner Arbeit. In einer solchen Staatsordnung, schreiben sie, hätten die Arbeiter "nichts zu verlieren […] als ihre Ketten".

Wichtigste Aufgabe der Arbeiter ist daher das Streben nach einer klassenlosen Gesellschaft. Weil das Bürgertum seine Vorrechte wohl kaum freiwillig aufgebe, könne nur der internationale revolutionäre Kampf des Proletariats den Kapitalismus beseitigen. Das "Kommunistische Manifest" schließt daher kämpferisch mit dem berühmt gewordenen Aufruf: "Proletarier aller Länder vereinigt euch!"

Leben im britischen Exil

  • Eine Schwarzweiß-Aufnahme von zwei Männern und drei jungen Frauen. Die Familien Marx und Engels gehen ins Exil nach England; Rechte: akg

Als das "Kommunistische Manifest" im Februar 1848 erschien, verhallte dieser Aufruf jedoch zunächst. Es war zwar das Jahr der Revolution in Europa, doch es war ein bürgerlicher Aufstand. Als dieser scheiterte, wurden auch die beiden Freunde steckbrieflich gesucht und mussten von Land zu Land flüchten. Schließlich gingen Marx und Engels ins Exil nach England, wo sie ab dem Jahr 1849 bis zu ihrem Tod lebten: Engels wurde zunächst leitender Angestellter in der Firma seines Vaters in Manchester. Im Alter von 49 Jahren beendete er diese berufliche Laufbahn, um sich ganz der politisch-publizistischen Arbeit zu widmen. Nebenbei ließ er an der Börse sein Vermögen arbeiten. Mit seinem Geld unterstützte er während der gesamten Zeit Karl Marx und dessen fünfköpfige Familie in London. Diese finanzielle Abhängigkeit scheint weder Marx noch Engels belastet zu haben. Die Aufgabenteilung war beiden klar: Marx schrieb an seinem Lebenswerk "Das Kapital" – und Engels unterstützte ihn, wo er konnte.

Seine Hilfsbereitschaft reichte so weit, dass er Artikel im Namen von Karl Marx publizierte, damit dieser das Honorar kassieren konnte. Das passt zu Engels Selbstverständnis, wie es aus einem seiner Briefe an den Schweizer Sozialdemokraten Johann Philipp Becker hervorgeht: "Ich habe mein Leben lang das getan, wozu ich gemacht war, nämlich zweite Violine spielen, und glaube auch, meine Sache ganz passabel gemacht zu haben. Und ich war froh, so eine famose erste Violine zu haben wie Marx."

Die Entwicklungen in Deutschland

  • Gezeichnetes Porträt von Wilhelm Liebknecht. Mitbegründer der Sozialistischen Deutschen Arbeiter Partei, Wilhelm Liebknecht; Rechte: mauritius

Im fernen Deutschland unterdessen gewann die Arbeiterbewegung allmählich an Struktur. Im Jahr 1863 gründete Ferdinand Lassalle in Leipzig den "Allgemeinen Deutschen Arbeiter Verein" (ADAV), der sich die Beseitigung der Klassengegensätze zum Ziel gesetzt hatte. Drei Jahre später bildete sich in Eisenach unter Führung von August Bebel und Wilhelm Liebknecht die "Sozialistische Deutsche Arbeiter Partei", die sich stark an den Theorien von Marx und Engels orientierte. 1875 schlossen sich ADAV und die "Sozialistische Deutsche Arbeiter Partei" beide in Gotha zur "Sozialistischen Deutschen Arbeiterpartei" (SAP) zusammen.

Doch das Leben der Sozialisten in Deutschland war nicht einfach: Hausdurchsuchungen, Verbote und Verhaftungen waren an der Tagesordnung – noch bevor 1878 Bismarck das Sozialistengesetz erließ. Mit diesem nahm die politische Verfolgung noch zu. Weil es ihm dennoch nicht gelang den Sozialismus einzudämmen, änderte Bismarck schließlich seine Taktik: Er führte Sozialgesetze ein, die den Forderungen der Arbeiterschaft nachkamen und diese der Sozialdemokratie entfremden sollten. Dieser Plan ging jedoch nicht auf. Nach der Aufhebung des Sozialistengesetzes gründete sich 1890 die SAP unter dem Namen "Sozialdemokratische Partei Deutschlands" (SPD) neu. Bis 1912 wuchs sie zur stärksten Fraktion im Reichstag.

Das Erbe von Marx und Engels

  • Eine Demonstration, im Vordergrund ist ein Plakat mit der Aufschrift "Proletarier aller Länder" zu sehen. Eine Parole, die nie aus der Mode kommt; Rechte: imago, Olaf Döring

Als Marx 1883 starb, widmete sich Engels voll und ganz der Verwaltung seines Nachlasses. Er bearbeitete und redigierte unveröffentlichte Schriften von Marx und vertrat auf Kongressen seine Position. Das betrachtete er als seine Bestimmung, wie aus einem Brief hervorgeht: "Es ist mein Schicksal, dass ich den Ruhm und die Ehre einernten muss, deren Saat ein Größerer als ich, Karl Marx, ausgestreut hat."

Als auch Friedrich Engels 1895 starb, hatte sich der Marxismus bereits in verschiedene Schulen und Richtungen gespalten. In Deutschland war vor dem Ersten Weltkrieg zum einen die revisionistische Haltung von Eduard Bernstein populär, der den Marxismus teilweise in Frage stellte. Zum anderen fand der orthodoxe Marxismus großen Zuspruch, den Karl Kautsky vertrat. Und Rosa Luxemburg stand noch für eine dritte Variante – den revolutionären Marxismus.

In der Sowjetunion schließlich entwickelte sich nach Lenins Tod im Jahr 1924 der Marxismus-Leninismus zu einem regelrechten Dogma. Dieses diente als Grundlage und Rechtfertigung der Politik der Einheitspartei KPdSU und wurde bis Ende der 1980er Jahre vom Großteil der kommunistischen Staaten als verbindliche Lehre anerkannt.