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Unterricht: Praxisbericht zum Lernspiel "Die Stadt im späten Mittelalter"


Themen
• Marktordnung
• Gerber
• Handwerk
• Zunft
• Wohnen
• Frauenhaus
• Juden

Fächer
• Geschichte, WZG
• Religion, Ethik

Klassenstufen
• ab Klasse 6, alle Schularten

  • Grafik: mittelalterliche Stadt. (Quelle: SWR) Startbild des Lernspiels „Die Stadt im späten Mittelalter“ (Quelle: SWR)

Praxisbericht

In seiner 7. Klasse am Gymnasium setzte Franz Fischer die Lernsoftware „Die Stadt im späten Mittelalter“ im Geschichtsunterricht ein. Für die Erkundung der mittelalterlichen Welt entwickelte er auf Basis vorhandener Materialien von www.planet-schule.de Portfolioaufgaben zu ausgewählten Aspekten.

Einbettung in eine Rahmengeschichte

Die Lernsoftware stellt das Herzstück einer Unterrichtssequenz zum Gegensatz zwischen Land und Stadt im Mittelalter dar und ist in eine kleine Geschichte um den fiktiven hörigen Bauern Jonas eingebettet. Die Schülerinnen und Schüler lernen seine Lebensumstände innerhalb der Grundherrschaft mit all seinen Ängsten und Nöten kennen. Die Einbettung schafft Identifikation mit einer konkreten Person und verbindet als roter Faden die Einzelstunden.


Rahmengeschichte (gerafft):
Der hörige Bauer Jonas arbeitet hart auf seinem Feld, um seine Familie zu ernähren. Plötzlich taucht Sigibert, der Vogt des Grundherrn, auf und trampelt mit seinem Pferd mutwillig das Getreide nieder. Da packt Jonas die Wut. Mit seiner Hacke greift er den Vogt an, doch die Knechte nehmen ihn fest und bringen ihn zum Grundherrn Graf Bodo, der ein Urteil fällen wird.
Quelle: Forum Geschichte 2, Cornelsen Verlag Berlin 2005: S. 68/M5.

Grafik: Marktplatz. (Quelle: SWR)

Bild aus der Software: der Marktplatz der Stadt (Quelle: SWR)

Grafik: mittelalterliche Häuser (Quelle: SWR)

Bild aus dem Lernspiel: der Rathaus mit typisch mittelalterlichen Häusern (Quelle: SWR)

  • Aktivitätentafel mit Stichworten. (Quelle: SWR) Über das Menü der Software können alle Aktivitäten direkt angesteuert werden (Quelle: SWR)

In der Folgestunde begleitet Jonas einen fahrenden Händler auf dem Weg nach München und erblickt zum ersten Mal eine mittelalterliche Stadt. Die Schülerinnen und Schüler beschreiben aus Jonas‘ Perspektive das äußere Erscheinungsbild der Stadt und lernen anhand der Gründungslegende um Heinrich den Löwen die rechtlichen Wesensmerkmale einer Stadt kennen: Markt-, Zoll- und Münzrechte und die verlockende Formel „Stadtluft macht frei“.

Jonas, und hoffentlich auch die Klasse, sind neugierig geworden und stürzen sich in das Stadtleben. Auf Basis ihrer Erfahrungen sollen sie im Anschluss eine gut begründete Entscheidung treffen, ob sie an Jonas‘ Stelle gerne in die Stadt ziehen oder doch lieber auf dem Bauernhof bleiben wollen. Der Vergleich von Land- und Stadtleben ist auf diese Weise in eine konkrete Handlungssituation eingebunden.

Die Lernenden erkunden alleine oder zu zweit die Lernsoftware. Dort finden sie vielfältige Informationen, die sie zur Bearbeitung des Portfolios (Arbeitsblätter 1–6) benötigen. Das Portfolio dient als Leitfaden und sichert die Arbeitsergebnisse in handschriftlicher Form. Es greift sechs im Lehrplan hervorgehobene Aspekte heraus:

• den Marktplatz, die Handwerker und Zünfte stellvertretend für die wirtschaftliche Bedeutung der Stadt (Station 1, 2 und 3),
• die unterschiedlichen Wohnverhältnisse als Ausdruck der sozialen Ungleichheit (Station 4)
• das Frauenhaus sowie die Judengasse als Beispiele für soziale Ausgrenzung (Station 5 und 6).

Die Stationen können in beliebiger Reihenfolge bearbeitet werden. Den Schülerinnen und Schülern stehen drei Unterrichtsstunden zur Verfügung; eine Station soll am heimischen PC bearbeitet werden. Sie wissen von Anfang an, dass die Portfolios nach der Arbeitszeit eingesammelt und beurteilt werden.

Die Aufgaben sind mithilfe der gängigen Operatoren auf unterschiedlichen Anforderungsebenen (unter anderem: nennen – erklären – beurteilen) formuliert und erfordern eine intensive Auseinandersetzung mit den vielfältigen Informationsmaterialien (Darstellungstexte, Quellentexte, Videos, Audios), die durch Anklicken von Personen, Gegenständen oder Gebäuden aufgerufen werden können. Außerdem lernen die Kinder etwas über das städtische Leben, indem sie Bewohnern in kleinen Lernspielen (Aktivitäten: Hand-Symbol auf den Arbeitsblättern) helfen und ihre Erfahrungen auf dem Arbeitsblatt reflektieren.

Bei Fragen, in der Regel zu Aufgabenstellungen, manchmal auch bei technischen Problemen, können sie sich jederzeit an die Lehrkraft wenden. In der Praxis fiel auf, dass viele Schülerinnen und Schüler Schwierigkeiten hatten, die recherchierten Informationen in eigenen Worten zusammenzufassen. Der auf den Arbeitsblättern vorgesehene Platz ist deshalb bewusst knapp gehalten, um die Schüler zu einer genaueren Auswahl der wichtigsten Informationen zu zwingen.

Zudem gingen manche Schülerinnen und Schüler davon aus, dass sie die Portfolio-Aufgaben 1:1 mit expliziten Informationen aus der Lernsoftware erfüllen könnten. Teils müssen jedoch die Informationen zueinander in Beziehung gesetzt werden (vgl. Station 1 Markt: Grund für Standort der Gebäude), bei Aufgaben mit Aktualitätsbezug (vgl. Station 5 Frauenhaus: moderne Bezeichnungen) muss auch Weltwissen mit herangezogen werden. Persönliche Beurteilungsaufgaben (vgl. Station 6 Judengasse: Perspektivübernahme) erfordern ebenfalls einen Vergleich mit der heutigen Lebenswelt.

Rückmeldungen der Klasse

Für die Schülerinnen und Schüler war die Arbeit mit der Lernsoftware eine neue Erfahrung und eine spannende Abwechslung im Unterrichtsalltag. Die Arbeitsatmosphäre war überaus konzentriert, zumal sich die Schüler mithilfe der Kopfhörer teils vollkommen abkapseln und umso tiefer in die mittelalterliche Welt eintauchen konnten.
Einzelne Schülerinnen und Schüler, darunter auffällig viele Mädchen, erzählten begeistert, dass sie in ihrer Freizeit über die vorgegebenen Stationen hinaus die Stadt erkundet haben. Auch Eltern ließen sich vereinzelt von der Begeisterung ihrer Kinder anstecken.

Fazit

Die Lernsoftware bietet ein sehr lebendiges, ganzheitliches Bild des komplexen Gebildes „Stadt“ und ermöglicht den Schülern einen altersgerechten und aktivierenden Zugang zur mittelalterlichen Welt. Es handelt sich um eine echte Lernumgebung, die selbstentdeckendes Lernen ermöglicht und den Mehrwert von digitalen Medien im Geschichtsunterricht demonstriert: Interaktivität, Mehrkanalität und selbstständige Wissenskonstruktion.