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Unterricht: Ein Projekt mit Lernsoftware und digitalem Lernzirkel

DVD-ROM/CD-ROM: Die Stadt im späten Mittelalter / Methode: Digitaler Lernzirkel

Bezug zum Bildungsplan

Im Bildungsplan 2004 für Baden-Württemberg (alle Hinweise gelten entsprechend für alle anderen Schularten und Bundesländer) wird für das Gymnasium Klasse 7 angegeben, dass die Schülerinnen und Schüler die wirtschaftliche und gesellschaftliche Dynamik mittelalterlicher Städte erläutern können sollen (S. 222). Zudem ist kompetenzorientierter Geschichtsunterricht eine wesentliche Forderung, der mit einem Projekt mit Lernsoftware und digitalem Lernzirkel nachgekommen werden kann. Selbstständigkeit, Selbstverantwortlichkeit und soziales Handeln können so gefördert werden. Auf die Verwendung offener Unterrichtsformen sowie des Mediums Computer wird im Bildungsplan ausdrücklich hingewiesen. Außerdem wird betont, dass die Schüler lernen sollen zu präsentieren, was in der Abschlussphase des Projekts realisiert wird. Wie verlangt, wird mit der DVD-ROM Geschichte anschaulich vermittelt und zusätzlich zu dem kognitiven ein emotionaler Zugang ermöglicht. (S. 216 Leitgedanken zum Kompetenzerwerb)

EINSATZ IM UNTERRICHT

Verwendung von Lernsoftware im Unterricht

Lernsoftware im Unterricht einzusetzen, hat viele Vorteile: Die Schüler arbeiten aktiv mit, da sie sich vom Medium angesprochen fühlen und da man sich von einem Lernprogramm nicht „berieseln“ lassen kann. Selbstständige Arbeit ist gefordert. Zudem kann jeder Erfolge verzeichnen, da Aufgabenwahl und Bearbeitungstempo individuell angepasst werden können, so dass eine Binnendifferenzierung möglich ist.

Häufig werden jedoch die Möglichkeiten von explorativen Lernprogrammen nicht genutzt. Einige Lehrer tendieren dazu, die Schüler ohne konkretes Ziel mit solcher Software arbeiten zu lassen, sodass nicht effektiv gelernt wird. Das andere Extrem, der lehrerzentrierte, stark gelenkte Unterricht, nutzt jedoch die Vorteile dieser Lernprogramme (Binnendifferenzierung, Förderung von Selbstständigkeit...) nicht.

Als Unterrichtsmethode, die dem Medium gerecht wird, wird hier ein digitaler Lernzirkel vorgestellt. Diese offene Unterrichtsform ist geeignet für explorative Lernsoftware, da die oben genannten Stärken von Lernsoftware zugleich die Stärken eines Lernzirkels sind.

Ziel des Lernzirkels ist die Erstellung eines Produkts, in dem die Schüler auf anschauliche Art und Weise mittelalterliches Leben vorstellen.


Der Lernzirkel sollte in digitaler Form eingesetzt werden, damit die Schüler bei der Bearbeitung Screenshots einfügen können. So kann die historisch korrekte grafische Darstellung der mittelalterlichen Stadt, durch die wichtige Informationen vermittelt werden, gewürdigt werden.

Unterrichtsablauf/ Hinweise für Lehrer / Vorbereitungen

Im Computerraum der Schule sollte für je zwei bis drei Schüler der Klasse ein funktionsfähiger Computer zur Verfügung stehen. Für die gesamte Klasse ist eine DVD-ROM ausreichend, da sie im Netzwerk installiert werden kann. Kopfhörer werden von den Schülern mitgebracht oder von der Schule gestellt. Kopfhörer-Splitter (= Verteiler) sollten nach Möglichkeit vorhanden sein, um je zwei Kopfhörer einstecken zu können (Kosten: zirka 1-2 Euro pro Stück). Idealerweise sollte der Unterricht in Doppelstunden stattfinden.

Gezeichnete Ansicht einer mittelalterlichen Stadt. (Quelle: SWR – DVD-ROM „Die Stadt im späten Mittelalter“)

Die Stadt im späten Mittelalter: der Marktplatz

Unterrichtsablauf

Die Erkundung der DVD-ROM wird durch einen digitalen Lernzirkel gelenkt. Die Schüler erhalten diesen Lernzirkel nicht wie sonst beim Stationenlernen üblich als Arbeitsblätter, sondern als Word-Dokumente, die im Schulnetzwerk abgelegt werden. Die Schüler benennen diese Dokumente um und füllen sie aus. Dabei schreiben sie nicht nur Texte, sondern fügen auch Screenshots aus der DVD-ROM ein.

Zu Beginn des Projekts wird den Schülern deshalb erklärt, wie sie Screenshots machen und in ein Word-Dokument einfügen können. Außerdem erhalten sie einen Überblick über das Projekt und die Arbeitsweise sowie eine Einführung ins Thema. Als inhaltlicher Einstieg wird eine Fantasiereise vorgelesen. Die Schüler stellen Vermutungen an, wo beziehungsweise wann diese Reise angesiedelt ist. Die Neugier der Schüler auf das Projekt wird geweckt, indem angekündigt wird, dass sie in den nächsten Wochen eine Zeitreise machen werden, dass sie in einer mittelalterlichen Stadt herumlaufen werden, dass sie Häuser betreten und Menschen aus dieser Zeit „kennenlernen“ werden.


Fantasiereise: mittelalterliche Stadt

Du gehst auf einer staubigen Straße und langsam näherst du dich einer Stadt. Schon von Weitem siehst du die hohen Türme der Kirche.
Nun stehst du vor dem alten Stadttor, an der Mauer, die sich um die Stadt zieht. Du trittst durch das Tor und passierst die Wachen.
Kleine Fachwerkhäuser säumen die Straßen, die Fenster sind winzig, die Türen niedrig. Die Straßen sind sind aus Lehm. Du siehst noch Spuren der Karren. Schweine laufen umher.
Die Straße endet auf dem Marktplatz, ein großer Platz. Dort wuselt es von Menschen, Händler bieten ihre Ware an. Es ist laut und lebendig.
An dem Platz steht das Rathaus, die Giebel sind fein verziert. Und da sind auch große Steinhäuser, Bürgerpaläste.
Du gehst weiter durch enge Gassen, über kleine Plätze. Dann kommst du auf eine Anhöhe zu einer großen Burg. Dort wohnt der Stadtherr.
Du blickst vom Hügel in das Tal hinüber, aus dem du kommst. Dann schaust du wieder auf die Stadt.
Und damit beendest du erstmal deinen Rundgang durch die Stadt.

Etwa acht bis zehn Stunden werden für die Produktionsphase benötigt. Die Schüler wählen die Stationen aus und tragen ihren Arbeitsfortschritt in den Laufzettel ein. Die Pflichtstationen müssen von allen erledigt werden, danach kann mit Wahlstationen ergänzt werden. Einige Stationen bestehen aus Aufgaben für die Gruppen A und B; dort können die Schüler sich für eine Gruppe entscheiden.

Zusätzlich zu den Stationen des Lernzirkels gibt es Stationen, die als Hausaufgaben bearbeitet werden sollen. Die Schüler müssen sich bei den Hausaufgaben die Zeit selbst einteilen, da sie bis zu einem bestimmten Datum alle Lösungen per Mail an den Lehrer schicken müssen. Für die Hausaufgaben benötigen die Schüler keine DVD-ROM.

Die Unterrichtseinheit wird mit zwei bis drei nachbereitenden Stunden abgeschlossen, in denen die Schüler Ergebnisse der Stationsarbeit präsentieren. Sie stellen zum Beispiel am Beamer ihren Bildband über Handwerker vor, zeigen Rollenspiele zum Thema Kloster oder Stadtgründung oder tragen ihre Geschichte zum Thema „Zeitreise“ vor. Die anderen Schüler beurteilen die Präsentationen. Die Hausaufgaben sollten in diesen Stunden auch besprochen werden. Abschließend bewerten alle Schüler andere schriftliche Schülerarbeiten. Für diese Nachbereitungsphase können die Arbeiten auf der Moodle-Plattform der Schule veröffentlicht werden. Alternativ ziehen sich die Schüler das gesamte Projekt auf einen USB-Stick.


Beispielprojekt
Der Lernzirkel wurde mit einer achten Klasse (G9) im Gymnasium erfolgreich erprobt, kann aber auch (möglicherweise leicht abgewandelt) in anderen Klassenstufen und Schulformen eingesetzt werden.

  • Digitaler Lernzirkel

    Die Pflicht- und Wahlstationen des Lernzirkels zum Download. Die Materialblätter sollen den Schülern in digitaler Form zur Verfügung stehen und am PC bearbeitet werden.

  • Hausaufgaben

    Hausaufgaben für alle, die sich nach der Arbeit mit der CD-ROM/DVD-ROM nun gut im Mittelalter auskennen. Die Hausaufgaben können ohne die Software erledigt werden, ein Internetanschluss sollte aber zur Verfügung stehen.

  • Laufzettel, Hausaufgabenübersicht, Präsentationsbeurteilung

    Der Laufzettel für die Stationen und die Übersicht über die Hausaufgaben dienen der einfacheren Handhabung des Lernzirkels.

    Für die Präsentation der Ergebnisse in der Klasse steht ein Beurteilungsbogen für die Präsentation zur Verfügung, auf dem die Schüler wesentliche Kriterien für ihr Urteil finden.

  • Lösungen

    Die Lösungsblätter, auf denen die Stationen erledigt wurden, dienen Lehrern als Anhaltspunkt, wie die Schülerantworten aussehen könnten oder sollten.

© Text: Silke Amberg
unterrichtet Geschichte, Französisch und Informatik am Hochrhein-Gymnasium in Waldshut; Für die explorative Lernsoftware „Die Stadt im späten Mittelalter“ (SWR) war sie als Autorin und Redakteurin tätig, das Konzept und Drehbuch stammen von ihr. Auch für den Terzio-Verlag arbeitete sie als Autorin und Redakteurin für (historische) Lernsoftware, Stand 2010