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Hintergrund: Das Zeitalter der Romantik / Zeitgeschichte

  • Gemälde – Sturm auf die Bastille (Quelle: Ölgemälde von Jean-Pierre Houel; Public Domain) Sturm auf die Bastille 1789 (Quelle: Ölgemälde von Jean-Pierre Houel; Public Domain)

Die Einteilung der Literatur in bestimmte Epochen ist problematisch: Es können keine genauen Grenzen gezogen werden, weil die Übergänge zwischen den Epochen fast nahtlos sind, sie manchmal auch parallel ablaufen und zudem meist Zusammenhänge zwischen den Epochen bestehen. Dennoch soll im Folgenden anhand von typischen Merkmalen erklärt werden, was es mit der Epoche der Romantik auf sich hat.

Historischer Hintergrund

Die Romantik entstand Ende des 18. Jahrhunderts, aus dem Wechsel von der feudalen zur bürgerlichen Gesellschaft, welcher mit dem Sturm auf die Bastille (14. Juli 1789) und der daraus folgenden Französischen Revolution einherging. Durch eine Reform wurden wenige Tage nach dem 14. Juli die Menschen- und Bürgerrechte bekanntgegeben.

1804 ernannte sich Napoleon selbst zum Kaiser der Franzosen und versuchte in den Koalitionskriegen Europa zu vereinen.

1806 kam es zur Auflösung des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation und zur Gründung des Rheinbundes.

Bauernbefreiung, Gewerbefreiheit und Bildungsreform waren einige der Preußischen Reformen, die 1807 bis 1814 eingeleitet wurden.

Durch die Befreiungskriege, die zwischen 1813 und 1815 stattfanden, wurde das Machtgleichgewicht in Europa wieder hergestellt. Auf dem Wiener Kongress 1815 wurde die Neuordnung Europas geregelt. Deutschland war territorial zersplittert und die Reaktion der Bürger darauf war die Sehnsucht nach einer naturgewollten politischen und gesellschaftlichen Ordnung, wie sie im Mittelalter zu finden war. Aus diesem Grund wurde um 1815 das Mittelalter zum Fluchtpunkt bürgerlicher Sehnsüchte.

Epochen-Begriff

  • Gemälde – "Der Wanderer über dem Nebelmeer" (Quelle: Gemälde von Caspar David Friedrich; Public Domain) Sinnbild der Romantik: "Wanderer über dem Nebelmeer" von Caspar David Friedrich (Quelle: Gemälde von Caspar David Friedrich; Public Domain)

Unsere heutige Auffassung von "Romantik" hat mit der gleichnamigen Literaturepoche nur wenig gemein. Der Begriff Romantik stammt vom altfranzösischen "romanz, roman" ab, was so viel wie "in der Volkssprache" bedeutet. Es waren also alle Schriften gemeint, die in der Volkssprache verfasst wurden. Einen negativen Beigeschmack erhielt der Romantik-Begriff später, indem er alles Romanhafte, Unwirkliche und Gekünstelte bezeichnete.

Die Epoche der Romantik ist sehr vielschichtig und uneinheitlich, weshalb es schwer ist, sie richtig zu (er)fassen. Schon der Versuch, die Romantik an äußeren Aspekten wie zum Beispiel Ortsgebundenheit festzumachen, schlägt fehl, denn anders als etwa die "Weimarer Klassik" war sie nicht an einen Ort gebunden. Ebenso wenig war sie durch einen bestimmten Personenkreis mit ähnlichen Anschauungen bestimmt, es gab sogar große Unterschiede zwischen den romantischen Zirkeln. Je mehr die Wissenschaft versuchte, die Epoche genauer zu bestimmen, desto mehr stieß sie auf die Vielzahl der romantischen Themen und deren vielschichtige Darstellung und somit auch an die Grenzen, die Epoche festzulegen. Die Romantik definiert sich also quasi dadurch, sich nicht definieren zu lassen.

Zentren der Romantik

  • Des Knaben Wunderhorn: Volksliedsammlung von Arnim und Brentano (Quelle: Public Domain) Des Knaben Wunderhorn: Volksliedsammlung von Arnim und Brentano (Quelle: Public Domain)

Anders als in allen anderen Epochen unterscheidet man in der Romantik drei literarische Zentren, welche die verschiedenen Stadien markieren:
1. Die Jenaer Romantik (= Frühromantik)
2. Die Heidelberger Romantik (=Hochromantik)
3. Die Berliner Romantik (=Spätromantik)

Frühromantik / Jenaer Romantik (1798-1804)

Jena war das Zentrum der Frühromantik. Es waren vor allem die Brüder August Wilhelm Schlegel (1767-1845) und Friedrich Schlegel (1772-1829), die einen großen Einfluss auf die Vorbereitung des romantischen Denkens leisteten. August Wilhelm gilt bis heute als führender Shakespeare-Übersetzer. Zusammen mit Novalis - Georg Friedrich Philipp von Hardenberg (1772-1801), Friedrich Wilhelm Joseph Schelling (1775-1854) und vielen anderen setzten sich die Frühromantiker für die Förderung der Weltliteratur ein. In Literaturzeitschriften wie beispielsweise dem "Athenäum" (wichtigste Zeitschrift der Romantik) publizierten sie ihre Schriften.

Hochromantik / Heidelberger Romantik (1804-1818)

In Heidelberg kam ein Dichterkreis um Joseph Freiherr von Eichendorff (1788-1857), Achim von Arnim (1781-1831) und Clemens Brentano (1778-1842) zusammen. Brentano und Arnim sind mit Gedichten, Prosa und einer einflussreichen Sammlung von Volksliedern hervorgetreten. Auch Eichendorff griff das wiederentdeckte Volkslied auf, und selbst seine Gedichte wurden durch die Vertonung von berühmten Komponisten zu Volksliedern.

Die Hochromantiker, zu denen auch die Brüder Grimm zählen, förderten insbesondere die Volkspoesie (Sagen, Märchen, usw.).

Spätromantik / Berliner Romantik (1816-1835)

Das Zentrum der Spätromantik war Berlin, wobei Stuttgart als Mittelpunkt der "Schwäbischen Dichterschule" ebenfalls eine wichtige Rolle zukam. Ludwig Uhland (1787-1862) und Gustav Schwab (1792-1850) waren Vertreter dieser Dichterschule. Die Werke, Gedichte und Erzählungen, die in dieser letzten Phase der Romantik entstanden, waren prägend für die gesamte Epoche. E.T.A. Hoffmann (1776-1822) und Joseph von Eichendorff (1788-1857) nahmen am stärksten Einfluss hierauf.

Poesie als zentrales Element

Die Auffassungen innerhalb der einzelnen Zirkel waren alles andere als einheitlich und dennoch gibt es ein verbindendes Element, welches es überhaupt erst legitimiert, von einer "Epoche der Romantik" zu sprechen: die Poesie. Sie gilt als das geistige Grundelement der Epoche, da sie die Suche aller Romantiker nach einem geistigen, gesellschaftlichen oder auch individuellen Zentrum ausdrückte. Friedrich Schlegel beschreibt die wichtigsten Merkmale romantischer Literatur in einem Satz: "Die romantische Poesie ist eine progressive Universalpoesie." Progressivität beschreibt einen niemals vollendeten oder abgeschlossenen Fortschritt, welcher offen für neue Formen und Inhalte ist. Die Aufhebung der Grenze zwischen den Gattungen und den Künsten wird als "Universalität der Form" bezeichnet.

Die Funktion der Poesie ist die Poetisierung, also die Harmonisierung, was zum Beispiel durch den Versuch, Gegensätze (Traum und Wirklichkeit, Endliches und Unendliches, Märchen und Gesellschaftskritik, und so weiter) zu vereinen angestrebt wird. Auch in der Vermischung der verschiedenen Gattungen wird diese Funktion deutlich.

Literarische Formen der Romantik

- Volkslied
- Sage
- Märchen
- Novelle
- Roman (Schauerroman)

Bedeutende Werke der Zeit

1797 -------- Tieck: Der gestiefelte Kater
1802 -------- Novalis: Heinrich von Ofterdingen
1806-1808 – Arnim/Brentano: Des Knaben Wunderhorn
1811 -------- de la Motte-Fouqué: Undine
1814 -------- E.T.A. Hoffmann: Der goldne Topf
1815 -------- Eichendorff: Ahnung und Gegenwart
1818 -------- Brentano: Aus der Chronika eines fahrenden Schülers
1826 -------- Eichendorff: Aus dem Leben eines Taugenichts