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Einsatz im Unterricht: Der Völkerbund an der Saar - 1920 bis 1935


Themen
● Saargebiet
● Frankreich
● Nationalsozialismus
● Kohle, Stahl
● Internationale Staatengemeinschaft
● Versailler Vertrag
● Erster Weltkrieg

Fächer
● Geschichte
● Politik

Klassenstufe
● ab Klasse 9, alle Schularten

  • Sitzung des Völkerbundrats. (Quelle: SWR/UN Archiv) Der Rat des Völkerbunds entscheidet über die Zukunft des Saar-Gebiets (Quelle: SWR/UN Archiv)
  • Schwarzweiß-Aufnahme : Minenarbeit in Fabrikgebäude an einem Förderband. (Quelle: SWR – Screenshot aus der Sendung) Minenarbeiter der Mines Domaniales im Saarland (Quelle: SWR – Screenshot aus der Sendung)
  • Schwarzweiß-Foto von Woodrow Wilson. (Quelle: SWR – Screenshot aus der Sendung) Auf Initiative des amerikanischen Präsidenten Woodrow Wilson wurde der Völkerbund gegründet (Quelle: SWR – Screenshot aus der Sendung)

Inhalt der Sendung

Nach dem Ersten Weltkrieg ist Europa verwüstet. Die Vereinigten Staaten von Amerika haben den Alliierten Frankreich, Großbritannien, Italien und Japan zum Sieg gegen das Deutsche Reich verholfen. Für einen Frieden in Europa legt der US-amerikanische Präsident Woodrow Wilson einen 14-Punkte Plan vor. Dieser enthält auch den 1920 in Genf gegründeten Völkerbund, die erste ständige Staatenkonferenz. Deutschland wird von den Verhandlungen ausgeschlossen und bekommt keine Vertretung im Völkerbund.

Das unter den „Erzfeinden“ Frankreich und Deutschland umstrittene Saargebiet wird unter die Verwaltung des Völkerbundes gestellt. Nach 15 Jahren sollen die Menschen an der Saar dann selbst entscheiden, ob sie zu Deutschland oder zu Frankreich gehören, oder ob sie unter einem unabhängigen Mandat bleiben wollen.

Die Regierungskommission des Völkerbundes im Saargebiet besteht aus einem Dänen, einem Kanadier, einem Belgier und einem Vertreter der Saarländer. Zum Chef der Kommission wird der Franzose Victor Rault ernannt. Er vertritt weitgehend die Interessen der französischen Regierung. Eine „neutrale“ Rolle des Staatenbundes ist somit erschwert. Victor Rault regiert das Saargebiet mit harter Hand, und vom Völkerbund ist keine politische Beteiligung der Bevölkerung vorgesehen.

Die französische Minengesellschaft „Mines Domaniales de la Sarre“ bekommt die Ausbeutungsrechte der Steinkohlegruben an der Saar. Frankreich soll damit für die Kriegsfolgen entschädigt werden. Die Arbeitsbedingungen in den Gruben sind hart und die Kumpel damit unzufrieden. Das führt zu Protesten und Streiks. Die Kommunistische Partei (KPD) bekommt im Saargebiet unter den Bergleuten immer mehr Zulauf.

Auf der Seite der Deutschnationalen macht der mächtige Stahlbaron Hermann Röchling mobil. Er ist der Chef der Völklinger Hütte und Landesrat-Abgeordneter für die deutsch-saarländische „Volkspartei“. Er dient sich Hitler an und trommelt in einer „Deutschen Front“ für die Rückkehr der Saar zum Deutschen Reich. Wer dagegen ist, wird von den Deutschnationalen bedroht und unterdrückt.

Kommunisten und Sozialdemokraten machen sich stark gegen einen Anschluss an Nazi-Deutschland. Der Sozialdemokrat Max Braun ist ein charismatischer und engagierter Gegner der „Rückkehr“ ins Reich. In der kommunistischen Jugend des Saargebietes ist damals der junge Erich Honecker aktiv.

15 Jahre nach der Gründung des Völkerbundes, am 13. Januar 1935, wird im Saargebiet über dessen Zukunft abgestimmt. Die Deutsche Front hat eine gut strukturierte Mobilmachung für ihre Sympathisanten organisiert und fährt sogar Alte und Gebrechliche mit dem Auto zu den Wahllokalen. Eine übergroße Mehrheit stimmt für den Anschluss des Saargebiets an das nationalsozialistische Deutschland. Die Opposition flieht oder geht in den Untergrund.

Bezüge zu den Bildungsplänen

Baden-Württemberg: Der Bildungsplan für Gymnasium hat in den Klassenstufen 7 und 8 in der Unterrichtseinheit „Europa in der Zwischenkriegszeit“ den Themenschwerpunkt „Durchbruch und Scheitern des demokratischen Verfassungsstaats“. Darunter fallen inhaltlich Wilsons 14 Punkte sowie der Begriff des Selbstbestimmungsrechts der Völker. Das Thema steht unter der gegenwartsbezogenen Leitperspektive der Demokratiefähigkeit. Didaktisch wird die historische Fragekompetenz besonders gefördert. [BP 2016 Gymnasium, Geschichte, S. 11, 27]

Im gymnasialen Leistungsfach Geschichte 11.2 lässt sich die Dokumentation an den Themenkomplex: „Herrschaftsmodelle im 20. Jahrhundert. Bedrohung von Demokratie und Freiheit unter internationaler und nationaler Perspektive“ andocken, wobei die Dokumentation mit dem Fallbeispiel des Saargebietes Grundhaltungen konkretisiert. [BP 2016, Gymnasium, Geschichte S. 12, 36, 40]
Das Fach Gemeinschaftskunde der Klassen 11 und 12 sieht als Basis- und Leistungsfach die Themenkomplexe „Grundlagen des internationalen Systems und Globales Regieren“ vor mit Bezügen zum Völkerbund und zur UNO. [BP 2016 Gymnasium, Geschichte, S. 30f]

Rheinland-Pfalz: Hier lassen sich die Inhalte und Aussagen der Dokumentation folgenden Themenfeldern der Klassenstufen 8 im Fach Gesellschaftskunde zuordnen: Thema 6: Deutschland und Frankreich, ein Beispiel für europäische Nachbarschaft, mit der Untersuchung von Phasen der Kooperation und der Konfrontation, der Konkurrenz und der Zusammenarbeit; Thema 11: Gesellschaften im Umbruch – Folgen von Konflikten für die politische und gesellschaftliche Ordnung. Völkerbund und Revanchismus sind als Begriffe aufgenommen, ebenso die politische Neuordnung Europas nach dem Ersten Weltkrieg. [LP integrierte GS und RS plus, S. 26f, 36f] Im Grund- und Leistungsfach Gemeinschaftskunde der GOS wird in Klassenstufe 13 das Thema „Internationale Beziehungen im Umbruch“ mit Rückbezug auf das frühe 20. Jahrhundert behandelt. [LP GOS Gemeinschaftskunde, S. 14, 27] Explizit thematisiert werden „Zielsetzung und Scheitern des Völkerbundes“ in der Lehrplananpassung Gesellschaftswissenschaftliches Aufgabenfeld, 2011, S. 25.

Saarland: Die Thematisierung der politischen Strukturen des Saargebiets während des Völkerbund-mandates sowie des Abstimmungskampfes 1935 erfolgt in der Einführungsphase der GOS in Klasse 10 innerhalb eines Längsschnittes zu „Sonderwegen der Saarregion seit 1798“. Identitätsbildung an der Saar sowie die Analyse meinungsbildender Medien stehen im Fokus der Teilepoche dieses Unterrichtsabschnitts. [LP 2016 Einführungsphase GOS, Geschichte, S. 14]
Entsprechendes gilt für den bilingualen deutsch-französischen Geschichtsunterricht. [LP 2016 Einführungsphase GOS, bilingualer Zug, dt.-frz. Abi-Bac, S. 14/15]
Im aktuellen Lehrplan der GOS, Grundkurs, Klassenstufe 12/1 geht es, ebenfalls in einem Längsschnitt, um „Konfliktbewältigung zwischen Destruktion und Stabilität“. Darunter fallen der Versailler Vertrag und der Völkerbund als gescheiterte Konzepte eines Friedens und einer Weltordnung. Dabei wird u.a. die Struktur des Völkerbundes thematisiert sowie eine multiperspektivische Sicht auf den Versailler Vertrag angestrebt. [LP GOS 2019 Grundkurs Geschichte, S. 15]

  • Schwarzweiß-Foto: große Menschenmenge demonstriert. In der Mitte ein Banner: „Nie zu Hitler“. (Quelle: SWR – Screeenshot aus der Sendung) Demonstration vor der Abstimmung über das Saargebiet (Quelle: SWR – Screeenshot aus der Sendung)
  • Schwarzweiß-Foto: große Menschenmenge demonstriert. In der Mitte ein Banner: „Nie zu Hitler“. (Quelle: SWR – Screeenshot aus der Sendung Demonstration vor der Abstimmung über das Saargebiet (Quelle: SWR – Screeenshot aus der Sendung

Didaktische Hinweise zur Dokumentation und dem Arbeitsmaterial

Die Thematik der Dokumentation ist komplex und vielschichtig. Es überschneiden sich inhaltlich die internationale, die nationale und die regionale Ebene. Hinzu kommen unterschiedliche politische Interessen, Mentalitäten in diversen Bevölkerungsgruppen, Ideologien und Propaganda. Zudem erfolgt auch durch die Darstellung eine Bewertung der Ereignisse und Zusammenhänge. Filmtechnisch ergibt sich ein rascher Wechsel zahlreicher Darstellungsmittel.

Insofern eignet sich die Dokumentation in besonderem Maße für den Einsatz in der gymnasialen Oberstufe. Hier kann sie zur Förderung der drei wichtigen Kompetenzen Sach-, Beurteilungs- und Methodenkompetenz in hohem Maße beitragen. Es bietet sich an, einen problemorientierten multiperspektivischen Zugang zu wählen, der die Frage- und Analysefähigkeit der Schüler*innen fördert und mittels Stellungnahmen und Beurteilungen die Diskussion anregt. Zunächst aber muss mittels der Dokumentation das entsprechende Sachwissen geriert werden. Das geschieht schüler*innenorientiert durch eine Mindmap zur Hypothesenbildung und mittels einer Gruppenarbeit, welche die Ergebnisse zu den Beobachtungsaufgaben bündelt (Arbeitsblatt 1).

Zum Aufbau des Sachwissens und zur Klärung bestimmter Sachverhalte können auch die Kapitel des ausführlichen Hintergrunds auf planet-schule.de herangezogen werden.

Anschließend wird zu verschiedenen Themenkomplexen vertiefend mit den im Film gezeigten Elementen weitergearbeitet und dadurch Beurteilungs- und Methodenkompetenz unter multiperspektivischem Aspekt gefördert.

Wird das Thema Völkerbund in den Vordergrund gestellt, können die beiden Thesen der UN-Archivarin Blandine Blukasz-Louisfert auf den Prüfstand gestellt werden und mittels des in der Dokumentation erlangten Sachwissens diskutiert werden (Arbeitsblatt 2). Gleichzeitig ist – auch mit Blick auf eine Binnendifferenzierung – ein handlungsorientierter Zugang durch einen kreativen Schreibauftrag möglich. Die Ergebnisse zeigen dann in ihren Varianten, dass auch Schulbuchtexte eben nicht objektiv sind.

  • Spielszene: Röchling in Anzug in der Fabrik, neben ihm ein Arbeiter. (Quelle: SWR/moving story media/Hans Jacobi) Spielszene: Stahlunternehmer Hermann Röchling (rechts) will den Anschluss ans Deutsche Reich (Quelle: SWR/moving story media/Hans Jacobi)
  • Spielszene: Erich Honecker vor Plakat "Nie zu Hitler". (Quelle: SWR/moving story media/Hans Jacobi) Spielszene: Der junge Erich Honecker kämpft auf Seiten der Kommunisten gegen die Nazis (Quelle: SWR/moving story media/Hans Jacobi)

Der Umgang mit gegen den Völkerbund beziehungsweise gegen die Völkerbundverwaltung gerichteten Propagandaquellen sowohl auf regionaler als auch auf nationaler Ebene (Arbeitsblatt 3) stellt wiederum eine sowohl politische als auch auf Alltag und Mentalität der Bevölkerung bezogene Sicht in den Vordergrund. Es geht zum einen darum, in der Quellenarbeit berechtigte Kritik am Vorgehen des Völkerbunds zu erfassen. Zum anderen können Intention und Wirkung von Propaganda erfasst werden und dagegen argumentative Strukturen zur Darstellung der Sachverhalte eingesetzt werden. Hitlers Austritt aus dem Völkerbund fügt der regionalen Perspektive die nationale gegenüber dem Völkerbund hinzu und ist ebenfalls ein Paradebeispiel für Manipulation und Propaganda, daher lohnt sich auch die sprachliche Untersuchung des Filmzitats.

Gerade für jüngere Klassen bietet es sich an, das Thema der „écoles domaniales“ exemplarisch hervorzuheben (Arbeitsblatt 4). Es ergeben sich sowohl ein Lebenswelt- als auch ein Gegenwartsbezug. Darstellen lassen sich das Verhältnis zu Frankreich damals und heute, insbesondere in den grenznahen Gebieten und der Wandel seitdem, sodass das Historizitätsbewusstsein gefördert wird. Mittels eines Dialogs rücken wieder handlungsorientierte Unterrichtselemente in den Vordergrund, die auch in Partnerarbeit gut zu bewältigen sind. Die Quellenarbeit an dem Flugblatt aus der Dokumentation fördert sowohl die Sach- als auch die Methodenkompetenz.

Der inhaltliche Schwerpunkt der Saarabstimmung (Arbeitsblatt 5) fördert das politische Bewusstsein der Schüler*innen, indem die konkurrierenden Optionen und deren Kernaussagen mittels Filmzitaten der Protagonisten in den Vordergrund gestellt werden. Zugleich geht es um die bis heute kontroverse Beurteilung der Saarabstimmung.

Das Eingehen auf die Filminhalte und die filmischen Mittel der Dokumentation (Arbeitsblatt 6) ist entscheidend für die entsprechende Methodenkompetenz der Schüler*innen. Zugleich wird mittels der Dekonstruktion der Konstruktcharakter auch dieses Mediums bei der Darstellung historischer Sachverhalte deutlich. Wie jede Narration vertritt die Dokumentation eine bestimmte Sichtweise.

Unterrichtsverlauf und methodische Erläuterungen

Die Bearbeitung der Dokumentation sieht zwei Doppelstunden vor. Sie erfordert die Aneignung von beträchtlichem Sachwissen zur gesamten Epoche 1919–1935, das die Schüler*innen aber erst über das Anschauen der Dokumentation erhalten. Sie machen daher während des Filmes entsprechende Notizen. Durch Präsentation und Hausaufgabe wird das Sachwissen gesichert und gefestigt (Arbeitsblatt 1). Außerdem wird es erforderlich sein, dass sie während des Arbeitens zur Dekonstruktion der Dokumentation (Arbeitsblatt 6) die ersten Filmsequenzen mehrmals anschauen müssen. Für diesen Fall sollte den Schüler*innen die Sendung beispielsweise online zugänglich sein.

Im problemorientierten Einstieg der ersten Doppelstunde sehen die Schüler*innen zunächst die Filmsequenz 0:00–2:29 an, unter der Fragestellung: „Welche Chancen bestehen nach dem Ersten Weltkrieg, dass sich ein belastbarer Frieden etabliert? Was spricht dagegen?“ Die Hypothesen dazu werden in einer Mindmap geordnet gesammelt. Die Hypothesen sollten so gesichert werden, dass sie auch in der zweiten Doppelstunde verfügbar sind.

Davon ausgehend erwerben die Schüler*innen Sachwissen in einer ersten Erarbeitungsphase beim Anschauen der gesamten Dokumentation, wobei arbeitsteilig jeweils mehrere Schüler*innen einen Teil der Fragestellung als Beobachtungs- und Notierauftrag (Arbeitsblatt 1) erhalten (1. Erläutere die Chancen für einen belastbaren Frieden mit dem Deutschen Reich und für weniger kriegerische Konflikte. 2. Stelle dar: Welche Faktoren in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft belasten die ausgehandelte Friedensordnung?)
Einige eher leistungsstarke Schüler*innen (Binnendifferenzierung) erhalten die Aufgabe, die Sondersituation des Saargebiets während der fünfzehn Jahre unter Völkerbundverwaltung darzustellen.

In einer Abwandlung des Gruppenpuzzles kommen die Schüler*innen nach dem Anschauen der Dokumentation in Gruppen zusammen, um ihre Ergebnisse abzugleichen und anschließend zu präsentieren. Die präsentierten Ergebnisse werden von der Lehrkraft und den Mitschüler*innen per Feedback kommentiert, berichtigt und mittels der Hausaufgabe dergestalt gesichert, dass jede(r) Schüler*in eine Zusammenfassung einer der Präsentationen anfertigt, an der er/sie nicht beteiligt war. Dazu können die Präsentationsmaterialien der Stunde in der Schulcloud abgelegt werden.

Die zweite Doppelstunde beginnt entsprechend mit einem wiederholenden Einstieg, durch die Besprechung der Hausaufgabe, wodurch sich das Sachwissen nochmals festigt.
Anschließend wird als weitere Sicherung die Hypothesen-Mindmap nochmals eingeblendet und falsifizierend, korrigierend und ergänzend besprochen. Danach werden aus dem Gedächtnis weitere Themen der Doku gesammelt, die bisher nicht besprochen wurden.

Die anschließende zweite Erarbeitungsphase besteht konsequenterweise aus der Bearbeitung mehrerer Arbeitsblätter zu weiteren Themenschwerpunkten der Dokumentation, die zunächst durch Schüler*innenbeiträge gesammelt werden und die je nach thematischen oder methodischen Schwerpunkten ausgewählt werden können. Liegt der Fokus auf der Quellenarbeit, eignen sich die Arbeitsblätter 3 und 4. Steht das Saargebiet im Vordergrund, könnten Arbeitsblätter 3, 4 und 5 ausgewählt werden. Schaut man auf die (fehlende) Akzeptanz des Völkerbundes an der Saar und im Deutschen Reich sowie auf seine Beurteilung durch die Nachwelt, werden die Arbeitsblätter 2 und 3 bearbeitet.

Alte Francs-Scheine. (Quelle: SWR – Screenshot aus der Sendung)

Zahlungsmittel im Saarland ist der Franc – was nicht allen Saarländern gefällt (Quelle: SWR – Screenshot aus der Sendung)

Methodenkompetenz im Umgang mit dem filmischen Medium vermittelt Arbeitsblatt 6, das wegen der Wiederholung der Filmsequenz mehr Bearbeitungszeit benötigt. Insgesamt sollten jedoch nicht mehr als drei Arbeitsblätter eingesetzt werden. Werden von den Schüler*innen Themen genannt, welche die Arbeitsblätter abdecken, sollten diese entsprechend berücksichtigt werden.
Weitere von den Schüler*innen genannte Themen, die in den Arbeitsblättern nicht berücksichtigt sind, sollten nicht vernachlässigt werden, sondern in der Abschlussdiskussion mit angesprochen werden. Die thematische Abschlussdiskussion sieht einen Gegenwartsbezug vor; kommt es zur Lernreflexion, dann sollte gezielt das Medium der Dokumentation angesprochen werden.

Tabellarischer Unterrichtsverlauf

Phase/Zeit Inhalt Sozialform Medium
Erste Doppelstunde
10‘
Einstieg
Hypothesenbildung anhand von Leitfragen Plenum Filmausschnitt 00:00–02:29, Mindmap (Tafel, Folie, etc.)
35‘
Erarbeitung 1
Anschauen der Doku mit arbeitsteiligen Beobachtungsaufträgen gemäß der Leitfragen Einzelarbeit Film und Arbeitsblatt 1
Notizblock
15‘
Erarbeitung 2
Abgleichen der Beobachtungsnotizen und Vorbereitung der Präsentation Gruppenarbeit Powerpoint, Plakate, Folien, etc.
25‘
Sicherung
Präsentation mit Feedback Gruppe und Plenum s.o.
Zweite Doppelstunde
15‘
Einstieg und Lernerfolgs- kontrolle
Besprechung der Hausaufgaben, Feed Back und Ergänzungen je Vortrag Einzelschüler*innen und Plenum Eventuell Präsentationsmaterialien aus der ersten Doppelstunde, Mindmap mit den Hypothesen
30‘
Erarbeitung 3
Hervorhebung weiterer Schwerpunktthemen, Bearbeitung mittels der Arbeitsblätter Je nach Arbeitsblatt Tafel
Arbeitsblätter 2–6
30-35‘
Sicherung
Besprechung der Ergebnisse der Bearbeitung, insbesondere bei Arbeitsblatt 6 filmische Mittel mehr Zeit einplanen Je nach Arbeitsblatt Arbeitsblätter 2–6, für Arbeitsblatt 6 Filmsequenz 00:00–02:07
10‘
Diskussion
Abschlussgespräch fakultativ: Lernreflexion oder Gegenwartsbezug mit Stichwort „globale Friedenssicherung heute“
oder Schüler*innenbeiträge zu Schwerpunktthemen ohne Arbeitsblätter berücksichtigen
Plenum Tafel

Erwartungshorizonte zu den Arbeitsblättern

  • Schwarzweiß-Foto der Saarbrücker Domanialschule. (Quelle: SWR – Screenshot aus der Sendung) In den Domanialschulen sollen die Kinder die französische Kultur kennenlernen (Quelle: SWR – Screenshot aus der Sendung)
  • Schwarzweiß-Foto: Menschenmenge zeigt den Hitlergruß, im Hintergrund Fahnen mit Hakenkreuzen. (Quelle: SWR – Screenshot aus der Sendung) 1925: Viele Saarländer demonstrieren für ihre Zugehörigkeit zum Deutschen Reich (Quelle: SWR – Screenshot aus der Sendung)
  • Schwarzweiß-Foto: In Saarbrücken wird das Ergebnis der Abstimmung verkündet. (Quelle: SWR – Screenshot aus der Sendung) Das Abstimmungsergebnis steht fest: Das Saarland gehört wieder zum Deutschen Reich (Quelle: SWR – Screenshot aus der Sendung)

Arbeitsblatt 1:

Chancen für Friedensordnung: 14 Punkte Wilsons, Selbstbestimmungsrecht der Völker, Gründung des Völkerbunds, ab 1920 Organisation mit Sitz in der neutralen Schweiz (Genf), Beitritt vieler Staaten weltweit, ab 1926 Deutsches Reich Mitglied, Annäherung Frankreich - Deutschland, Mitsprache Deutschlands in der internationalen Politik, Verhandlungen über Rüstungsbeschränkungen, neutrale Haltung der Regierungskommission während des Wahlkampfs zur Saarabstimmung, internationale Truppen zur Überwachung, Völkerbund legt Grundlagen für Dinge, die heute die UNO weiterführen

Hindernisse: Nachwirken des Ersten Weltkriegs (Kriegsschuldfrage, Revanchismus, Reparationen, geforderte Gebietsabtretungen, Erbfeindideologie), weder USA noch Deutsches Reich gehören Völkerbund an, nationale Spannungen und Interessen werden an der Saar ausgetragen (Victor Rault), Landesrat nur mit beratender Funktion, d.h. parlamentarische Mitbestimmung fehlt nach wie vor, Austritt Hitlers aus dem Völkerbund, NS-Ideologie und Propaganda mit Kulminationspunkt an der Saar (Deutsche Front), fehlende Durchsetzungskraft der Regierungskommission gegen Rechts, Ausgang der Saarabstimmung als Erfolg für Hitler, Ohnmacht des Völkerbunds gegenüber nationalen Überzeugungen und Machtpolitik der Großmächte, kann den Zweiten Weltkrieg nicht verhindern

Situation an der Saar: anstelle von Abtretung an Frankreich 15 Jahre Völkerbundverwaltung, danach Abstimmung, Saargruben als „mines domaniales“ in französischem Eigentum, Regierungskommission unter Einfluss Frankreichs agiert quasi als Besatzungsmacht, schlägt Demos und Streiks für soziale Verbesserungen und demokratische Mitsprache nieder, übt Pressezensur aus, Frankreich als Klassenfeind und Erbfeind angesehen, deutsch-nationale Gesinnung überwiegt (Statement auf Jahrtausendfeier 1925), Modernisierung des Saarbergbaus durch französische Investitionen, kulturelle und wirtschaftliche Durchdringung durch Frankreich, aber Fehlschlag der Einrichtung von Domanialschulen, seit 1933 Saar Fluchtgebiet für politische Flüchtlinge aus dem Reich, politisch Linke (Max Braun), setzen sich für Saar ohne Hitler ein, aber: keine Einigung zwischen KPD und SPD, sondern erbitterte Konkurrenz, ab 1934 Wahlkampf, Deutsche Front überparteilich, aber gesteuert durch NSDAP im Reich, Einheitsfront von KPD und SPD erst sechs Monate vor der Wahl gebildet, Ziel: Status Quo; Abstimmung mit Überwachung durch internationale Schutztruppen: überwältigende Mehrheit für Anschluss an Hitlerdeutschland, Exil für Anhänger des Status Quo und Linke, zunehmende Diffamierung und Verfolgung politisch Andersdenkender und Juden

Arbeitsblatt 2:

Zitat 1: Die Stellungnahme kann die zentralen Begriffe des Zitats aufgreifen: Gleichberechtigung der Staaten, globale Ausrichtung, Gremium zur Problemlösung/Friedenssicherung. Zur Diskussion stehen Handlungsfähigkeit, Akzeptanz und Wirksamkeit des Völkerbunds
Zitat 2: Zusammenspiel aus Sachwissen und Beurteilung erforderlich

  • Schwarzweiß-Foto: Propagandakalender mit Hakenkreuz und der Aufschrift "Zurück zum Reich". (Quelle: SWR – Screenshot aus der Sendung) Ein Propagandakalender für die Rückkehr zum Deutschen Reich (Quelle: SWR – Screenshot aus der Sendung)

Arbeitsblatt 3:

Schlagzeile Kolonie Saargebiet: Anwesenheit und Vorgehen französischer Truppen gegen Streiks, kein politisches Mitspracherecht (Landesrat nur beratend), Pressezensur, Übernahme des Saarbergbaus, das heißt ohne jede Mitsprache, französische Arbeitsbedingungen und Chefs in den Gruben, Einführung des Franc, „Überfremdung“ durch die Domanialschulen

Gegenartikel: Völkerbundmandat nur auf Zeit, Saarbevölkerung darf über ihre Zukunft selbst abstimmen, Saarpolitiker verfügen über Einfluss, auch international und beim Völkerbund (Hermann Röchling, Max Braun), Saarparteien können frei politische Meinungen vertreten, eigene Flagge, der größte Teil der Wirtschaft ohne Beeinflussung durch Frankreich (zum Beispiel die Stahlindustrie), Frankreich investiert in veralteten Saarbergbau, französische Kultur kommt zum Teil gut an

Propagandakalender: Steckkalender, wird jeden Tag verwendet, Hakenkreuzflagge vor Saarlandflagge, fette Schrift, Hervorhebung des Wortes „Reich“; Hintergrund: Saarindustrie (Förderturm, Hochofen Schornsteine), Alte Saarbrücke, Winterbergdenkmal (Für die Schlacht bei Spichern 1870); Intention: für Menschen, die sich bereits entschieden haben und das auch zeigen wollen, womöglich aufgehängt an öffentlichen Orten wie Wirtshäusern, eindeutig, dass es um Anschluss an Hitlerdeutschland geht

Weitere Propagandamittel der Deutschen Front: Statements politischer Persönlichkeiten (Hermann Röchling), Einfluss auf die Medien (Presse, Wochenschau), Sportveranstaltungen (Adolf-Hitler-Pokal im Fußball),Vereinsabende, Kundgebungen, Massenaufmärsche, zum Teil mit Hitlergruß, Hakenkreuzfähnchen, Organisation der Anreise von Stimmberechtigten aus dem Deutschen Reich und dem Ausland, Autobringdienste für Alte und Kranke zur Wahl, „Ordnungsdienst“ während der Wahl; hinzu kommen Drohungen, Einschüchterungen, Diskriminierung von Juden und Gewalt

Hitlerrede zum Austritt aus dem Völkerbund: Begriffe wie „bewusste Deklassierung“ und „Verewigung einer Diskriminierung“ schüren die Erbfeindideologie und Revanchegedanken bezüglich des Versailler Vertrags, die in Deutschland ohnehin tief verwurzelt sind. Deutschland wird als Opfer dargestellt (verbindendes „wir“), obwohl es nur Frieden wolle und dafür Leiden in Kauf nehme („unerträglich“, „Friedensrede“); es wird von Hitler so dargestellt, als sei Deutschland dazu gezwungen, aus dem Völkerbund auszutreten (nicht in der Lage sein, „Leidwesen“)
Die Beurteilung des Austritts erfolgt unter der Kenntnis der massiven Aufrüstung des deutschen Reiches unter Hitler und der Tatsache, dass er in jedem Fall einen globalen Krieg anstrebte.

Arbeitsblatt 4:

Gestaltungsmittel des Flugblattes: Fettdruck, Schrift kontrastierend in Rot und Schwarz, Unterstreichungen, Ausrufezeichen, Wiederholungen der Ansprache mit Betonung des Wortes „Deutsch“, katechetische Fragestellung (Entscheidungs-, Glaubensfragen), direkte persönliche Ansprache „Du“, Ächtung der Gegenposition durch Beschimpfungen wie „Gesinnungslump“, Schimpf“, „Vaterlandsverräter“, Drohungen mit Ächtung und Ausgestoßen-Sein über mehrere Generationen hinweg, Begriff der NS-Ideologie: „Volksgemeinschaft“;

Wirkung: in hohem Maße suggestiv und manipulativ-nötigend;

Möglichkeiten zum Abbau von Spannungen: Kirchenbau in Maybach, Modernisierung der Saargruben, französische Kultur, Bildung des Landesrats

Frankreichstrategie des Saarlandes heute: siehe Website des Ministeriums für Finanzen und Europa, Land Saarland https://www.saarland.de/frankreichstrategie.htm

Arbeitsblatt 5:

Verwendung des Französischen: als Sprache des Völkerbunds in Genf, vor der internationalen Presse, in der französischen Wochenschau, war insgesamt damals noch präsenter als das Englische, besonders unter Politikern und Unternehmern an der Saar, fester Bestandteil der gymnasialen Bildung

Kernbegriffe: DF: Rasse, Vaterland, Schicksalsfrage; EF: Freiheit gegen braune Diktatur und Terror, Verderben;

Mögliche Argumente für Verbleib bei Frankreich: französische Kultur und Wirtschaftskraft, internationale Einstellung, Freundschaften und gute Geschäftsbeziehungen zu Franzosen, gute Absatzmärkte, auch in französischen Kolonien, Saargebiet gehörte unter Napoleon bereits zu Frankreich. Diese Argumente betreffen nur eine kleine Minderheit im Saargebiet, meist aus der bürgerlichen Oberschicht.

Arbeitsblatt 6:

1. Filminhalte: Sie stehen als Kurzbegriffe bereits unter der Aufgabe und müssen nur zugeordnet werden;

Wirkung: visuell vielfältig, aber in der Fülle kaum in der ihr jeweils eigenen Qualität erfassbar, zum Beispiel Wechsel zwischen zeitgenössischen Filmquellen und aktuellen Filmaufnahmen oder Spielszenen, überbordende Informationsfülle

2. filmische Mittel: Auch hier kommt es nicht auf Vollständigkeit an, sondern auf das bewusste Erfassen und Hinterfragen.