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Hintergrund: Bergbau

Obwohl die Landwirtschaft viele Menschen in die Region zog, war sie nicht der eigentliche Grund für die zunehmende Besiedelung und Erschließung des Schwarzwalds. Denn die Landwirtschaft war dort schon immer ein mühsames Geschäft. Für die adeligen Grundbesitzer und die Äbte in den Klöstern, war vor allem interessant, was sich unter der Erde finden ließ: Rohstoffe.

Bergbau

  • Junge im engen Stollen (Quelle: SWR - Screenshot aus der Sendung) In den engen Stollen schürften auch Kinder Silber, Kupfer und Gold (szenische Rekonstruktion). (Quelle: SWR - Screenshot aus der Sendung)

Schon Kelten und Römer haben vor allem in den Randlagen des Schwarzwaldes Erze und Buntmetalle geschürft. Mit der systematischen Erschließung des Schwarzwalds durch die Klöster wird der Bergbau ab dem 9. Jahrhundert intensiviert. Neben Eisen, Kupfer und Blei wird vor allem Silber abgebaut. Die »Silberreviere« des Schwarzwalds reichen von Nagold und Murg im Norden über Kinzigtal und Schauinsland bis zum Hotzenwald. Die Arbeitsbedingungen unter Tage sind hart. Die Luft ist feucht-klamm, die Stollen sind so eng und niedrig, dass die Menschen sich kriechend bewegen und gebückt arbeiten müssen – oft werden deshalb Kinder in die Gruben geschickt.

Harte Bedingungen unter Tage

  • Arbeiter mit Eisen und Schlägel (Quelle: Sabine Stroh) Harte Arbeit unter Tage – Erzabbau mit einfachsten Werkzeugen (Quelle: Sabine Stroh)

Die Bergleute sind der Nässe und Kälte schutzlos ausgeliefert. Ihre Kleidung ist aus Leinen oder Wolle, Schuhe haben die wenigsten. Das Werkzeug ist den harten Felswänden kaum gewachsen: Mit Eisen und Schlägel dringen die Bergleute in Schwerstarbeit nur Zentimeter für Zentimeter vor. »Feuersetzen« soll die Arbeit erleichtern. Die uralte Sprengmethode erhitzt das Gestein und macht es brüchig, doch der erstickende Rauch füllt die Stollen und bringt den Menschen die »Bergseuche«. Die wenigsten von ihnen werden alt.

Dennoch zieht die Hoffnung auf ein gutes Auskommen viele Bergarbeiter in den Schwarzwald. Nicht alle sind von den Grubenbesitzern angestellt; viele arbeiten auf eigenes Risiko. Sie bekommen ein Stück Land, auf dem sie schürfen und auch Landwirtschaft betreiben dürfen - nicht nur für den Eigenbedarf. Allerdings müssen sie sowohl von dem, was sie unter der Erde finden, als auch von den landwirtschaftlichen Erträgen, Abgaben an die Grundherren leisten. Als die Arbeit in den Minen immer geringere Erträge abwirft, lassen sich einige Bergleute dauerhaft als Bauern nieder. Siedlungen wie Hofsgrund am Schauinsland sind so entstanden.

Das Silber macht Klöster, Adel und Städte reich und hilft zum Beispiel auch, den Bau des Freiburger Münsters zu finanzieren. Aber vom 16. Jahrhundert an überschwemmt spanisches Silber aus Südamerika den Markt. In den Kriegen des 17. Jahrhunderts werden die Gruben aufgegeben; ganze Regionen verarmen und Bergbaustädte wie Münster oder die Siedlung am Birkenberg bei St. Ulrich verschwinden buchstäblich vom Erdboden.

  • Nahaufnahme Gestein mit Einsprengseln (Quelle: Tilmann Büttner)

    Hiernach wurde gesucht: sogenannter Bleiglanz, aus dem Silber gewonnen wurde. (Quelle: Tilmann Büttner)

  • In einer länglichen Gussform wird ein Silberbarren erhitzt. (Quelle: SWR - Screenshot aus der Sendung)

    Aus einem Silberbarren werden Münzen geschmiedet. (Quelle: SWR - Screenshot aus der Sendung)

Der Münstertaler Elefantenpfennig

  • Zwei vierzipfelige Silberstücke, noch ohne Prägung (Quelle: Tilmann Büttner) Typisch für den Münstertaler Elefantenpfennig: die vier Zipfel (Quelle: Tilmann Büttner)

Bei Grabungen auf dem Gelände der verschwundenen Stadt Münster im Münstertal fanden die Archäologen Münzen aus Silber. Die Münzen sind nicht rund, sondern haben vier Zipfel und das eingeprägte Bild zeigt einen Elefanten.

Die vier Zipfel dienten dazu, Diebstähle zu verhindern. Wenn sie fehlten, wusste man, dass jemand etwas von dem Silber in die eigene Tasche gewirtschaftet hatte. Doch wie kommt der Elefant auf die Münze aus dem Schwarzwald?

Das Bild des Elefanten stammt aus einem mittelalterlichen Roman, der die Heldentaten Alexanders des Großen beschreibt, seine Züge und Eroberungen. Alexander der Große war im Mittealter sehr populär. Eine der verschiedenen Versionen des Romans wurde um 1300 am Oberrhein aufgenommen. Dort befand sich im Umkreis des Basler Bischofs ein Publikum, das sich für diesen Stoff interessierte. Ein Elefant, der zur Geschichte der Begegnung mit der indischen Prinzessin Candacis gehört, fand als Motiv für einen Wandteppich Verwendung, der im Kloster Adelhausen bei Freiburg im Breisgau hergestellt wurde. Und die Herren von Staufen ließen die Szene auf ihre Münzen aus dem Münstertal prägen. Denn Münster war um 1300 eine Vogtei der Herren von Staufen und besaß bis 1545 Stadtrecht, Stadt-Siegel und eine eigene Münzanstalt.

  • Silbermünze mit Elefantenmotiv (Quelle: Tilmann Büttner)

    Im Film nachgeprägt der Münstertaler Elefantenpfennig (Quelle: Tilmann Büttner)

  • Zwei runde Silberfennige (Quelle: Tilmann Büttner)

    Das Silber machte Klöster und Städte reich. (Quelle: Tilmann Büttner)

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