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Hintergrund: Kampf um den richtigen Glauben - Die Reformation bringt 13 Klosterschulen im Südwesten hervor

Das Kloster Maulbronn

  • Kloster Maulbronn (Quelle: SWR - Screenshot aus der Sendung) Das Kloster Maulbronn wurde im Jahre 1556 in eine Schule umgewandelt. (Quelle: SWR - Screenshot aus der Sendung)

Eine der bekanntesten Klosterschulen Baden-Württembergs hatte das Kloster Maulbronn. Die ehemalige Zisterzienserabtei, die 1147 gegründet wurde, gilt als die am vollständigsten erhaltene Klosteranlage des Mittelalters nördlich der Alpen und ist seit 1993 UNESCO-Weltkulturerbe. Nach der Auflösung des Klosters entstand im Jahr 1556 eine evangelische Klosterschule. Der zum protestantischen Glauben konvertierte Mönch Valentin Vannius war der erste evangelische Mönch und Abt im Kloster Maulbronn.

Reformation in Südwestdeutschland

  • Johannes Brenz (Abbildung Gemälde) (Quelle: SWR - Screenshot aus der Sendung) Johannes Brenz verfolgte das Ziel „Schule für alle“ einzuführen. (Quelle: SWR - Screenshot aus der Sendung)
  • Gedrucktes Blatt, Kasten mit Lettern (Quelle: SWR - Screenshot aus der Sendung) Die neue Druckerkunst half Johannes Brenz bei der Verbreitung seiner Ideen. (Quelle: SWR - Screenshot aus der Sendung)

Doch zuvor musste sich die Reformation im heutigen Südwestdeutschland erst einmal durchsetzen. Und dies passierte nicht überall parallel: Grund dafür war die zerrissene politische Landkarte. In humanistischen Zentren, wie der Universitätsstadt Heidelberg, teilte man früh die Auffassungen Martin Luthers, doch in anderen Gegenden war es schwieriger – trotz massiver Kritik am Ablasshandel und der hohen Abgabenlast, unter der die Bevölkerung am meisten litt.

Bereits im Jahr 1534 führte Herzog Ulrich in Württemberg die Reformation ein, deren Ideen allerdings erst mit dem Augsburger Religionsfrieden von 1555 rechtskräftig umgesetzt werden konnten. Sein Sohn Christoph von Württemberg vollendete zwei Jahrzehnte später, mit Hilfe der führenden Reformatoren Johannes Brenz und Ambrosius Blarer, die grundlegend neue Kirchenordnung. Teil derer war auch die neue Klosterordnung von 1956. Sie legte die zukünftige Rolle der Klöster fest, die Herzog Christoph den amtierenden Äbten, sehr zu deren Missfallen, verkündete.

Nachwuchs für die Reformation

  • Kloster Maulbronn, Kirchturm (Quelle: SWR - Screenshot aus der Sendung) Das Kloster Maulbronn ist UNESCO-Weltkulturerbe. (Quelle: SWR - Screenshot aus der Sendung)

Diese sah vor, dass in 13 Männerklöstern im heutigen Baden-Württemberg Klosterschulen eingerichtet werden sollten. Das betraf die Abteien von Adelberg, Alpirsbach, Anhausen, Bebenhausen, Denkendorf, Herrenalb, Hirsau, Königsbronn, Lorch, Maulbronn, Murrhardt und St. Georgen. Hier sollte in Zukunft der geistliche Nachwuchs ausgebildet werden – von nun an im Sinne des reformatorischen Glaubens. Die Mönche, die ihren alten Glauben beibehielten, durften zwar weiterhin nach ihrer Regel leben und in den Klöstern bis zur ihrem Tode verweilen, doch viele nahmen lieber Reißaus in katholisch geprägte Gebiete.

Klosterschulen

  • Chorgestühl in Maulbronn mit eingeritzten Schülernamen (Quelle: Peter Prestel) Chorgestühl in Maulbronn mit eingeritzten Schülernamen (Quelle: Peter Prestel)

Die evangelischen Klosterschulen waren als Internatsschulen für Knaben angelegt, auch für jene, – und das war neu! - die nicht aus vermögenden Elternhäusern stammten. Hatten die meist 10- bis 14-jährigen Jungen die Aufnahmeprüfung geschafft, erhielten sie ein Stipendium, das aus einer Art „Bildungsfond“ bezahlt wurde. In den meisten Klosterschulen erhielten die Schüler Kost und Logis, Kleidung und Unterrichtsmaterialien umsonst. Die dreijährige Ausbildung sah folgende Inhalte vor: Die Schüler übten sich in lateinischer und griechischer Sprache, sie erhielten theologischen Unterricht, hatten Fächer wie Rhetorik, Astronomie und Musik. Diese Kenntnisse sollten sie auf das Theologiestudium am Evangelischen Stift in Tübingen vorbereiten, um später Lehrer oder Pfarrer zu werden.

Herman Hesse und andere Klosterschüler

  • Der Schriftsteller Hermann Hesse (Quelle: Imago/Sven Simon) (Quelle: SWR - Screenshot aus der Sendung) (Quelle: Imago/Sven Simon)

So auch die Schüler, die in Maulbronn ins Internat gingen. Der Schulalltag dort war von harter Disziplin, einer Fülle an Lernstoff und Leistungsdruck geprägt. In Maulbronn drückten viele prominente Persönlichkeiten die Schulbank - anfangen bei dem Astronom Johannes Keppler (1571-1630), über den Dichter Friedrich Hölderlin (1770-1843) bis hin zu dem Schriftsteller und Nobelpreisträger Hermann Hesse (1877-1962). Dieser fand die Klosterschule zunächst „großartig“, litt aber schon ein Jahr später unter dem harten Schulalltag, bekam Depressionen und verließ das Seminar bald darauf fluchtartig. In einigen seiner Romane hat er seine Eindrücke aus seiner Zeit in Maulbronn verarbeitet.

Jugendliche im Kloster Maulbronn (Quelle: SWR - Screenshot aus der Sendung)

Das Evangelische Seminar Maulbronn ist heute ein staatliches Gymnasium für evangelische Gymnasiasten ab der 9. Klasse. (Quelle: SWR - Screenshot aus der Sendung)

Die ehemaligen Klosterschulen heute

Seit ihrer Gründung besteht die Klosterschule Maulbronn beinahe durchgängig und nimmt daher, ebenso wie Blaubeuren, eine besondere Stellung ein; sind diese beiden doch die einzigen Verbliebenen der 13 von Herzog Christoph gegründeten Männerklosterschulen im 16. Jahrhundert. Heute beinhalten die Evangelischen Seminare von Maulbronn und Blaubeuren altsprachliche Gymnasien, die von der Evangelischen Landeskirche und vom Land Baden- Württemberg getragen werden. Die Schulen sind seit 1972 übrigens auch für Mädchen geöffnet.

Blick auf Blaubeuren (Quelle: Imago/CHROMORANGE)

Blick auf Blaubeuren (Quelle: Imago/CHROMORANGE)