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Hintergrund: Ein Land auf der Überholspur

Keinem anderen Land auf der Erde ist geglückt, was China in nur 30 Jahren geschafft hat: Vom einstigen Entwicklungsland hat es sich zur zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt entwickelt und Japan damit auf Platz drei verwiesen. Die USA als weltweit größte Volkswirtschaft wird China voraussichtlich 2030 überrunden. Die Volksrepublik (VR) hat sich die schnell voranschreitende Globalisierung zunutze gemacht und ihre oft günstigen Waren mit dem Siegel „Made in China“ in alle Welt verkauft. Vor allem günstige Computer und andere Technik sind besonders in den USA gefragt. Bald wird Chinesisch die häufiger in Computern genutzte Sprache sein, als Englisch. Damit hat China Deutschland als Exportweltmeister 2009 locker vom Thron gestoßen.

  • Luxusautos (Quelle: SWR/WDR - Screenshot aus der Sendung) (Quelle: SWR/WDR - Screenshot aus der Sendung)
  • Luxusuhr (Quelle: SWR/WDR - Screenshot aus der Sendung) (Quelle: SWR/WDR - Screenshot aus der Sendung)

Um weiter stark zu exportieren hat China derzeit Währungen anderer Länder in Höhe von 3,82 Billionen US-Dollar (umgerechnet 2,8 Billionen Euro) gekauft. Damit entzieht die Volksrepublik dem globalen Finanzmarkt Geld und hält so den Wert ihrer eigenen Währung, dem Renminbi Yuan, niedrig. Dadurch bleiben chinesische Produkte auf dem Papier weiter günstig und reizen andere Länder, Waren aus der VR zu importieren. China geht auf dem Weltmarkt aber auch selbst gerne einkaufen: Nach Jahrzehnten der wirtschaftlichen Entbehrungen wollen die Menschen seit den 1990er-Jahren den Aufschwung des Landes genießen und konsumieren. So ist China beispielsweise Auto-Nation Nummer Eins, der deutsche Konzern Volkswagen verkauft in der VR mehr Autos, als in Deutschland selbst. Außerdem ist die VR der größte Konsument von Gold weltweit. Viele Chinesen haben begonnen zu reisen und kaufen vor allem in Europa vermehrt teure Kleidung, Technik, Haushaltswaren und Schmuck. Denn in China werden auf Luxusgüter hohe Steuern angerechnet, die eine wichtige Einnahmequelle des Staates sind. So hat sich China vom ehemaligen Kommunismus über den Sozialismus schon recht nahe an den noch unter Mao kritisierten Kapitalismus gekauft und ist eine wichtige Stütze der globalen Wirtschaft.

  • Zwei kleine Jungs spielen am Tisch mit Autos (Quelle: SWR/WDR - Screenshot aus der Sendung) (Quelle: SWR/WDR - Screenshot aus der Sendung)

Mittlerweile leben in China etwa 100 Dollar-Milliardäre, die gemeinsam mehr als 300 Milliarden Dollar (etwa 411 Milliarden Euro) besitzen. Zum Vergleich: Ein normaler chinesischer Arbeiter verdient im Durchschnitt gut 145 Dollar im Monat, das sind rund 200 Euro. 300 Millionen Chinesen leben von zwei Euro am Tag. Die Schere zwischen der meist armen Landbevölkerung und den oft durch Korruption und Vorteilsnahme immer reicher werdenden Mitglieder der Elite der führenden Kommunistischen Partei wird also immer größer. Der Unmut in der einfachen Bevölkerung wächst, auch sie will anständig verdienen und am Wirtschaftsboom teilhaben. Die Lohnkosten in der VR steigen deshalb stetig, ebenso die Produktionskosten, denn Chinas enormer Bedarf nach Rohstoffen hat durch die Globalisierung deren Preis auf dem Weltmarkt in die Höhe schnellen lassen. Durch das Horten von Devisen wächst die Geldmenge im Land, dem Renminbi Yuan droht eine Entwertung. Die Volksrepublik ist längst kein Land mehr, in dem billig produziert werden kann, ausländische Investoren wandern ab. Der Wirtschaftsaufschwung in China verliert langsam an Fahrt, ist aber noch lange nicht zu Ende.

  • Ärmlicher Hinterhof (Quelle: SWR/WDR - Screenshot aus der Sendung)

    (Quelle: SWR/WDR - Screenshot aus der Sendung)

  • Moderne Stadtansicht China (Quelle: SWR/WDR - Screenshot aus der Sendung)

    (Quelle: SWR/WDR - Screenshot aus der Sendung)