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Hintergrund: Blutige Reformen

  • Menschenschlange vor Maos Mausoleum (Quelle: SWR/WDR - Screenshot aus der Sendung) Menschenschlange vor Maos Mausoleum (Quelle: SWR/WDR - Screenshot aus der Sendung)

Nach dem Tod Mao Zedongs 1976 begann endgültig eine Neuorientierung des Landes, in dem das Volk auch etwas offener Kritik am kommunistischen System wagte. Maos Nachfolger Deng Xiaoping, den der „große Vorsitzende“ zu seinen Lebzeiten noch erbittert bekämpft hatte, startete 1978 einen ehrgeizigen Zehn-Jahres-Plan, der Landwirtschaft, Industrie, Verteidigung, Wissenschaft und Technik in China modernisieren sollte. Um wachsen zu können benötigte Chinas Wirtschaft jedoch dringend westliche Technik. Bereits 1972 hatte sich das zuvor nach außen hermetisch abgeschottete Land etwas dem Westen geöffnet und den damaligen US-Präsidenten Richard Nixon empfangen. Nach Maos Tod begann Deng, die vorher zögerlich aufgenommenen internationalen Beziehungen zu intensivieren, womit er die Rettung der völlig maroden Planwirtschaft Maos einläutete.

  • Moderne Stadt-Silhouette (Quelle: SWR/WDR - Screenshot aus der Sendung) Chinas modernes Gesicht (Quelle: SWR/WDR - Screenshot aus der Sendung)
  • Wohltätigkeitsveranstaltung (Quelle: SWR/WDR - Screenshot aus der Sendung) Wohltätigkeitsveranstaltung (Quelle: SWR/WDR - Screenshot aus der Sendung)

Der schnelle wirtschaftliche Aufschwung in den 1980er-Jahren, den Deng China verordnete, verlangte der einfachen Bevölkerung jedoch viel Arbeit und Verzicht ab, eine Inflation entwertete gleichzeitig ihr Geld. Der gepriesene wirtschaftliche Aufschwung kam bei den meisten einfachen Menschen nicht an, vielen ging es im Gegenteil sogar schlechter, als noch unter Mao. Wer sich mehr Demokratie unter Deng erhofft hatte, wurde ebenfalls enttäuscht, blieb die alleinige Macht im Staat doch weiter eisern in der Hand der Kommunistischen Partei (KPCh). Die Menschen begannen, ihrem Unmut in öffentlichen Protesten Luft zu machen. Ende 1986 kamen bis zu 70.000 Menschen in den Großstädten Hefei und Shanghai im Nordosten Chinas zusammen, in Universitätsstädten im ganzen Land wurde immer heftiger gegen die Partei demonstriert. Die Behörden reagierten mit dem Verbot von Demonstrationen und verfolgte die Anführer der Proteste. Außerdem verhängte sie eine landesweite Nachrichtensperre, um Bürger, die sich den Kritikern noch nicht angeschlossen hatten, nicht auch noch aufzuwiegeln. Zudem sollte das Ausland nichts von den innenpolitischen Schwierigkeiten des Landes erfahren, um die wichtigen Handelspartner nicht zu verschrecken.

  • Demonstranten auf dem Tiananmen-Platz 1989 (Quelle: SWR/WDR - Screenshot aus der Sendung) Demonstranten auf dem Tiananmen-Platz 1989 (Quelle: SWR/WDR - Screenshot aus der Sendung)
  • Demonstranten auf dem Tiananmen-Platz 1989 (Quelle: SWR/WDR - Screenshot aus der Sendung) (Quelle: SWR/WDR - Screenshot aus der Sendung)

Trauriger Höhepunkt dieser Unruhen war schließlich das Massaker rund um den Tian'anmen-Platz („Platz des himmlischen Friedens“) in Peking am 4. Juni 1989. Der Tian'anmen-Platz vor der „verbotenen Stadt“, dem jahrhundertelangen Sitz der chinesischen Kaiser, war seit Gründung der Volksrepublik (VR) immer wieder Schauplatz für Proteste des Volkes gegen die Willkür der KPCh gewesen. Vorangegangen waren dem Massaker wochenlange Hungerstreiks und Sitzblockaden von Studenten, denen sich bis zum Juni bis zu 100.000 Menschen anschlossen. In der Nacht vom 2. auf den 3. Juni 1989 versuchten Polizei und Militär schließlich, den Platz zu räumen. Als sie jedoch selbst mit Panzern nicht durch die Menschenmassen auf den Platz vordringen konnten, da die Demonstranten nicht bereit waren, zu weichen, begannen Soldaten und Polizisten, auf die Zivilisten zu schießen, die ebenfalls mit Gewalt antworteten. So wurden beispielsweise Molotow-Cocktails auf die Gegner geworfen. Die Demonstranten mussten jedoch vor der immer brutaler durchgreifenden Staatsmacht zurückweichen, der es schließlich gelang, den Tian'anmen-Platz zu räumen. Etwa 2600 Menschen fielen dem Massaker zum Opfer. Die Weltöffentlichkeit erfuhr erst nach und nach von den schrecklichen Ereignissen in China, da die Regierung schon im Mai die Satellitenübertragung von Fernsehbildern gekappt hatte. Bis heute wissen auch nicht alle Chinesen, was im Juni 1989 in Peking geschah, da die Partei versucht, die Geschehnisse aus dem Geschichtsunterricht fernzuhalten. Und selbst im heute jedem zugängigen Internet sind Berichte über das Tian'anmen-Massakers rar, da die KPCh das Netz kontrolliert und zensiert. Die ehrgeizigen, pragmatischen, aber auch schmerzvollen Wirtschaftsreformen Dengs, die den Protesten 1989 vorangegangen waren, beflügeln zwar bis heute den wirtschaftlichen Aufstieg Chinas und wurden in den 1990er-Jahren und auch nach seinem Tod 1997 von der KPCh weiter vorangetrieben. Demokratie und Meinungsfreiheit sind jedoch hohe Güter, die nach wie vor in China nicht jeder Bürger genießt: Zum 25. Jahrestag des Tian'anmen-Massakers im Juni 2014 wurden viele Angehörige der Opfer von höchster Stelle zum Schweigen über die damaligen Geschehnisse verurteilt.