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Hintergrund: Lebensraum Korallenriff

Lebensraum Korallenriff

  • Unterwasserbild Korallenriff; Rechte: interfoto Korallenriffe sind Todesfallen für Plankton; Rechte: Interfoto

Ob planktonische Larven oder dauerhaft als Plankton lebende Organismen, die Strömung trägt Unmengen von ihnen mit sich. Die nährstoffarmen tropischen Gewässer sind deshalb so klar, weil sie relativ arm an Plankton sind. Dennoch gibt es hier noch so viele Planktonorganismen, dass eine Vielzahl von Räubern von ihnen leben kann.

Noch bevor die Plankter ein Korallenriff erreicht haben, treffen sie schon auf die ersten Fressfeinde. Planktonfressende Fische warten auf die "Planktonsuppe", darunter viele Riffbarsche, Doktor-, Lipp- und Falterfische, Fledermausfische, Kardinalsfische und viele weitere Fischarten. Sie alle machen im freien Wasser vor und über dem Riff Jagd auf Zooplankton. Besonders eindrucksvoll sind die Schwärme von Fahnenbarschen, die auf der strömungszugewandten Riffseite stehen und dort unentwegt nach allem Fressbaren schnappen.

Viele Plankter schaffen es daher erst gar nicht bis zum Riff, der Großteil jedoch kommt durch. Für die Planktonorganismen, die den Spießrutenlauf vorbei an tausenden Fischmäulern überlebt haben, geht das große Gefressenwerden jetzt erst richtig los. All die Stein-, Weich- und Hornkorallen, Schwämme, Seescheiden und die vielen weiteren Planktonfresser bilden aus Sicht der Plankter einen dichten Dschungel aus gierigen Mäulern. Fische und Wirbellose sind zusammen dabei so effizient, dass ihnen bis zu 80 Prozent des an ein Riff anströmenden Zooplanktons zum Opfer fallen. Meeresbiologen bezeichnen Riffe daher als höchst effiziente Planktonfallen. Auf der strömungsabgewandten Seite des Riffs entstehen so regelrechte "Planktonlöcher", wie die Forscher die leer gefressenen Bereiche in dem vom Riff abströmendem Wasser nennen.

Dem Phyto- und Bakterioplankton ergeht es nicht besser. Zum Verhängnis wird ihnen vor allem das riesige Lückensystem, das jedes Korallenriff durchsetzt. Die zahlreichen, sich immer weiter und feiner verzweigenden Höhlen, Spalten, Gänge und Ritzen bewirken, dass bei einem Riff die innere Oberfläche viel größer ist als die äußere, sichtbare Oberfläche. Und dieses verborgene Lückensystem ist so voll gestopft mit Plankton fressenden Strudlern (Schwämme, Seescheiden, Muscheln, Moostierchen), dass deren Biomasse bis zu hundert mal größer ist als die der sichtbaren Planktonfänger oben auf dem Riff. Messungen ergaben, dass bis zu 85 Prozent des einströmenden Phytoplanktons im inneren Rifflückensystem sein Ende findet. Wissenschaftler vergleichen daher das gesamte Riff in seiner Filtriertätigkeit mit einem "Schwamm-Superorganismus".

Steckbriefe Korallenriffbewohner

Prachtgeweihschwamm (Latrunculia corticata)

  • Prachtgeweihschwamm (Latrunculia corticata); Rechte: Imago Prachtgeweihschwamm (Latrunculia corticata); Rechte: Imago

Dieser geweihartig verzweigte Schwamm fällt schon von weitem durch seine signalrote Färbung auf. Er kann bis etwa 70 Zentimeter hoch werden und dabei ebenso ausladend in die Breite gehen. Wie Schwämme generell ernährt sich auch diese Art von Kleinstplankton, vor allem von einzelligen Algen und Bakterien. Dazu pumpt der Prachtgeweihschwamm große Mengen Wasser durch seinen Körper, aus welchem er die Plankter und Schwebepartikel mit einer Effektivität von bis zu 99 Prozent herausfiltert. Bemerkenswert ist der hohe Wasserdurchsatz: Ein fußballgroßer Schwamm kann täglich etwa 3000 Liter Wasser filtrieren. Der Prachtgeweihschwamm ist durch ein Gift geschützt, das Fische abschreckt.

Hemprichs Bäumchenkoralle (Dendronephthya hemprichii)

  • Hemprichs Bäumchenweichkoralle (Dendronephthya hemprichii); Rechte: Imago Hemprichs Bäumchenweichkoralle (Dendronephthya hemprichii); Rechte: Imago

Diese bis zu 70 Zentimeter große Art gehört zu den besonders farbenfreudigen Weichkorallen. Das liegt mit daran, dass sie keine symbiontischen Zooxanthellen besitzt, die vielen anderen Weichkorallen eine grünlich-braune Färbung verleihen. Auch sind bei dieser meist orange, teils auch pink gefärbten Art die eingelagerten Kalknadeln sehr gut zu erkennen. Sie dienen als mechanischer Fraßschutz. Daneben hat sie, wie bei Weichkorallen üblich, verschiedene chemische Abwehrstoffe in ihrem Gewebe eingelagert, die auf potentielle Fressfeinde abschreckend oder gar giftig wirken. Ungewöhnlich ist, dass diese Art auch Phytoplankton aus dem Wasser filtert, während Weichkorallen sich ansonsten nur von Zooplankton ernähren.

Pharao-Geweihkoralle (Acropora pharaonis)

  • Pharao-Geweihkoralle (Acropora pharaonis); Rechte: Imago Pharao-Geweihkoralle (Acropora pharaonis); Rechte: Imago

Acropora-Korallen kommen in großer Artenzahl vor und sind bedeutende Riffbildner. Sie sind kalkabscheidende Steinkorallen, die sozusagen das Rückgrat eines Riffs bilden. Typisch sind die überwiegend strauch- und geweihartig verzweigten Wuchsformen, wobei manche untereinander verbundene Zweige haben und so tafelförmig wachsen. Hierzu gehört die Pharao-Geweihkoralle, die deshalb oft auch Tischkoralle genannt wird. Sie erreicht einen Durchmesser von 150 Zentimetern. Sie kommt an Riffhängen ab zwei Metern Tiefe vor bis in etwa 30 Metern Tiefe. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich vom Roten Meer bis Sri Lanka.

Pharao-Sepia (Sepia pharaonis)

  • Pharao-Sepia (Sepia pharaonis); Rechte: Imago Pharao-Sepia (Sepia pharaonis); Rechte: Imago

Dieser Tintenfisch erreicht eine Länge von 40 Zentimetern und ist im Indopazifik vom Roten Meer bis Japan weit verbreitet. Wie alle Tintenfische kann die Pharao-Sepia ihre Färbung in Sekundenbruchteilen ändern, um sich zum Beispiel zur Tarnung der Umgebung anzupassen, oder auch, um mit Artgenossen zu kommunizieren. Auch können diese Tiere die normalerweise glatte Struktur ihrer Hautoberfläche ändern und sie zottig werden lassen. Bei Gefahr stoßen sie Tinte aus, um den Angreifer zu verwirren, was ihnen Zeit zur Flucht verschafft. Die Pharao-Sepia kommt in Wassertiefen von wenigen Zentimetern bis etwa 100 Metern vor. Sie ernährt sich von Krebsen und Fischen.

Arabischer Doktorfisch (Acanthurus sohal)

  • Arabischer Doktorfisch (Acanthurus sohal); Rechte: Imago Arabischer Doktorfisch (Acanthurus sohal); Rechte: Imago

Diese Art bewohnt vor allem exponierte Riffdächer und hält sich von der Oberfläche bis in etwa zehn Meter Tiefe auf. Die bis 40 Zentimeter großen Tiere sind sehr geschickte Schwimmer, die auch mit Wellengang auf dem Riffdach gut zurechtkommen. Der arabische Doktorfisch ist territorial, wobei die Männchen kleine Reviere haben, in denen sie mit einem Harem aus einigen Weibchen leben. Das Revier wird aggressiv verteidigt. Diese tagaktive Art weidet mit ihren scharfen Schneidezähnen dünne Algenrasen vom Riffgestein ab. An der Schwanzwurzel tragen sie beidseits einen ausklappbaren Dorn, der als Verteidigungswaffe eingesetzt wird. Dieses "Skalpell" ist allen Doktorfischarten gemein und hat ihnen ihren "medizinischen" Namen eingetragen.

Juwelen-Fahnenbarsch (Pseudanthias squamipinnis)

  • Juwelen-Fahnenbarsch (Pseudanthias squamipinnis); Rechte: Imago Juwelen-Fahnenbarsch (Pseudanthias squamipinnis); Rechte: Imago

Der Juwelen-Fahnenbarsch ist im Indopazifik weit verbreitet, vom Roten Meer bis Australien, Fidschi und Südjapan. Er lebt meist in auffällig großen Ansammlungen, an Außenriffen und Steilabfällen. Die Schwärme können bis zu 2000 Tiere zählen. Sie schnappen im freien Wasser nach Zooplankton. Diese Art wird bis zu 15 Zentimeter groß und bildet wie alle Fahnenbarsche Harems mit komplexer Sozialstruktur. Junge Fahnenbarsche sind zunächst immer weiblich und können im Laufe ihres Lebens einen Geschlechtswechsel zum Männchen vollziehen. Die Geschlechter sind unterschiedlich gefärbt: die Weibchen orange, die Männchen deutlich rötlicher. Ein Männchen bewacht in der Regel einen Harem mit fünf bis zehn Weibchen.

Rotkopf-Falterfisch (Chaetodon larvatus)

  • Rotkopf-Falterfisch (Chaetodon larvatus); Rechte: Imago Rotkopf-Falterfisch (Chaetodon larvatus); Rechte: Imago

Dieser, in seiner plakativen Färbung typische Falterfisch ist in seiner Verbreitung beschränkt auf das Rote Meer und den Golf von Aden. Er wird bis zu zwölf Zentimeter groß. Mit der scheibenförmigen, hochrückigen Gestalt kann er - wie alle Mitglieder seiner Familie - ausgezeichnet zwischen den Korallen manövrieren. Er frisst ausschließlich die Polypen von Geweihkorallen (Acropora-Arten). Der Rotkopf-Falterfisch lebt in Paaren. Nah beieinander durchstreifen die beiden dauerhaft zusammenlebenden Tiere tagsüber ihr Revier im Korallenriff. Die Nacht verbringen sie versteckt in Spalten des Riffs.

Großer Barrakuda (Sphyraena barracuda)

  • Großer Barrakuda (Sphyraena barracuda); Rechte: Imago Großer Barrakuda (Sphyraena barracuda); Rechte: Imago

Von den weltweit etwa 20 Barrakuda-Arten ist diese mit einer Länge bis zu 190 Zentimetern die größte. Er ist weltweit in tropischen Gewässern verbreitet, in der Karibik genauso wie im Indopazifik. Er kommt sowohl an Außenriffen als auch in Lagunen vor, in trüben ebenso wie in klaren Gewässern. Der Tiefenbereich erstreckt sich von der Oberfläche bis in etwa 100 Meter Tiefe. Der große Barrakuda patrouilliert häufig im Freiwasser vor dem Riff, als Jungtier meist in Gruppen, teils auch in großen Schwärmen. Erwachsene Tiere dagegen leben einzelgängerisch. Barrakudas verfügen über ein beachtliches Gebiss. Sie machen Jagd auf andere Fische, wobei ausgewachsene Barrakudas vor allem andere Räuber wie Schnapper, Makrelen und kleine Thunfische erbeuten.

Karibischer Riffhai (Carcharhinus perezi)

  • Karibischer Riffhai (Carcharhinus perezi); Rechte: Imago Karibischer Riffhai (Carcharhinus perezi); Rechte: Imago

Der karibische Riffhai ist mit maximal drei Metern Länge ein großer Riffhai und der häufigste in den Riffen der Karibik. Seine Verbreitung reicht von Florida bis nach Brasilien. Er kommt bereits ab dem Seichtwasser vor und geht kaum tiefer als 50 Meter. Er hält sich meist an der Außenseite des Riffs auf. Auch sieht man ihn gelegentlich bewegungslos im Schutz von Überhängen auf dem Grund liegen. Die Art ist bei weitem nicht so gefährlich, wie es seine Größe vermuten lässt. Dem Menschen gegenüber ist er eher scheu. Als Nahrung dienen dem karibischen Riffhai vor allem verschiedene Knochenfische. Die Art ist lebendgebärend, die Tragzeit dauert etwa ein Jahr und meist werden vier bis sechs Junge zur Welt gebracht.

Echte Karettschildkröte (Eretmochelys imbricata)

  • Echte Karettschildkröte (Eretmochelys imbricata); Rechte: Imago Echte Karettschildkröte (Eretmochelys imbricata); Rechte: Imago

Es gibt weltweit sieben Arten von Meeresschildkröten. Sie sind alle stark gefährdet oder zumindest in ihrem Bestand bedroht. Die echte Karettschildkröte gehört zu denen, die noch regelmäßig in vielen Meeren gesichtet werden. Sie wird bis etwa 110 Zentimeter lang und kann bis zu 75 Kilogramm wiegen. Als Nahrung dienen ihr vor allem zahlreiche Wirbellose, darunter Weichkorallen, Anemonen und auch Quallen. Wie alle Meeresschildkröten geht auch die echte Karettschildkröte zur Eiablage an den Strand, wo sie bis zu 200 Eier in selbst geschaufelte Sandmulden ablegt.