zum Inhalt.
zur Hauptnavigation.

Inhalt

Unterricht: Autoren erzählen – Heinrich Böll

  • (Quelle: SWR – Screenshot aus der Sendung)
  • (Quelle: SWR – Screenshot aus der Sendung)
  • (Quelle: SWR – Screenshot aus der Sendung)

Bezug zu den Bildungsplänen

Ein wesentlicher Kompetenzbereich des Faches Deutsch zielt darauf ab, dass die Schüler sich über die geschichtliche Bedingtheit von Literatur bewusst werden, darüber reflektieren und sich mit ihrem Verstehen und ihren Urteilen auseinandersetzen. An exemplarischen Beispielen soll der Zusammenhang zwischen dem Werk, der Entstehungszeit und dem Leben verschiedener Autoren/Autorinnen aufgezeigt werden.

Einsatz im Deutschunterricht

Mittels der von Heinrich Böll geschilderten Erfahrungen und der daraus resultierenden Ansichten kann sich ein tieferes Verständnis für seine Werke und die immer wieder auftauchenden Leitmotive (Katholizismus, Nazizeit, Obrigkeit, Krieg, Schuld, gesellschaftliche Fragestellungen) entwickeln. So kann Böll eine Stellvertreterposition für Nachkriegsautoren und die in dieser Zeit entstandene Trümmerliteratur einnehmen.

Anhand der Interview-Ausschnitte lässt sich herausarbeiten, wie Menschen (nicht nur Autoren) durch ihre Erfahrungen geprägt werden und wie historisch einschneidende Erlebnisse das Schaffen und die Werke eines Autors beeinflussen. Die Interview-Ausschnitte mit Heinrich Böll können exemplarisch ergänzend, parallel, vor oder nach der Lektüre, aber auch unabhängig zu dieser eingesetzt werden.

Das Fach Deutsch will mit und durch Literatur auch Orientierungsmöglichkeiten geben und zur Persönlichkeitsentwicklung der Schüler beitragen. Da es in dem Interview nicht vorrangig um das Werk des Autors, sondern insbesondere um den Menschen und dessen Ansichten geht, soll sich die folgende Unterrichtseinheit diesen intensiv widmen. Die dem Interview inhärenten Themen können dazu anregen, dass die Schüler ihre eigenen Ansichten und Meinungen diesbezüglich verbalisieren, begründen, ergänzen und eventuell überdenken. Auch wenn der letzte Interview-Ausschnitt bereits mehr als 30 Jahre zurückliegt, lassen sich in den menschlichen Grundfragen, die das Interview beinhaltet, Verbindungen zur aktuellen Lebenssituation der Schüler herstellen. Der Unterricht kann bis hin zu aktuellen politischen Themen ausgeweitet werden.

Weitere Einsatzmöglichkeiten

Zum Beispiel kann Heinrich Böll als stellvertretender Zeitzeuge für Erlebnisse in der Weimarer Republik und der Weltwirtschaftskrise, für den Aufstieg Hitlers und für persönliche Kriegserlebnisse gesehen werden. Seine Person, seine Werke und seine Ansichten können in einen historischen Zusammenhang eingeflochten werden und zu einem globalen Verständnis von Geschichte beitragen. Das Interview und ein entsprechendes Werk Bölls könnten Einstieg oder Ergänzung zu geschichtlichen Themen wie der Weimarer Republik, dem Dritten Reich oder dem Ersten und Zweiten Weltkrieg sein.

Unterrichtsverlauf (3-4 Schulstunden)

Aufgrund der Komplexität der Thematik und des erhofften hohen Diskussionsanteils in dieser Einheit sollten mindestens 3-4 Schulstunden eingeplant werden. Der Film und das Material eignen sich für den Einsatz ab Klasse 10.

Vorarbeit

Heinrich Böll pflegt in seinem Interview einen elaborierten Sprachcode, der je nach Stufe und Leistungsstärke der Schüler einer Vorarbeit bedarf, um zur Entlastung und zum Verständnis des Interviews beizutragen.

Möglich wäre eine Wortschatzarbeit, mit welcher die Lehrkraft die Fremdwörter gemeinsam mit den Schülern klärt oder dies als vorbereitende Hausaufgabe aufgibt. Die Klärung folgender Wörter könnte hilfreich sein und je nach Klassenniveau variiert werden:
Obrigkeit, Hierarchie, Rang, Kleinbürgertum, plebejisch, vulgär, Anarchie, Boheme, Proletariat, Elfenbeinturm, reklamieren, Klerus, Sakramente, Liturgie, Faschismus, rehabilitieren, Institution, Privilegierung

Einstieg

Das Materialblatt 1 „Wer ist dieser Autor?“ wird auf Overheadfolie gezogen.
Nach dem gemeinsamen Lesen im Klassenverband sollen die Schüler den Autor Heinrich Böll erraten. Man kann davon ausgehen, dass in höheren Klassenstufen bereits Kurzgeschichten wie die „Waage der Baleks“ gelesen wurden und somit Böll ein Begriff sein dürfte. Als weitere Impulse können nach und nach die Bilder zum Autor und die Romantitel aufgedeckt werden. Der Biografie zu entnehmende Themen und Leitmotive in Bölls Werk sowie prägende Jugendereignisse werden im Klassenverband gesammelt und auf der Folie notiert.

Überleitung

Die Lehrkraft markiert auf der Folie die Themen, auf welche einzelne Gruppen während des Films besonders zu achten haben: „Obrigkeit“ / „Kirche“ / „Erfahrungen“ / „Die Deutschen und ihre Vergangenheit“.
Zunächst sollen diese Themen jedoch zur persönlichen Auseinandersetzung anleiten. Die Lehrkraft hat zu den markierten Themen passende Behauptungen auf Satzstreifen vorbereitet, die sie an die Tafel hängt und zu denen sich die Klasse äußern soll. Die Schüleräußerungen werden unter die Themen in die Spalte „ICH“ geschrieben – siehe Materialblatt 2 Tafelbild.
Nach der Gruppenarbeit und der intensiven Beschäftigung mit Bölls Aussagen können die Themen nach der Ergebnissicherung nochmals zur Diskussion gestellt und eventuell um neue Erkenntnisse erweitert werden.

  • Materialblatt 1: Wer ist dieser Autor?
  • Materialblatt 2: Tafelbild - Heinrich Böll

Erarbeitungsphase 1

Die Lehrkraft erklärt den Verlauf der weiteren Stunde, in der es um Bölls Verhältnis zu Obrigkeit, Kirche, Politik und um für ihn prägende Erfahrungen geht. Die vier Gruppenthemen (Arbeitsblatt 1) werden vorgestellt und kurz erläutert.

Tipp

Am besten jedes Gruppenthema mindestens auf DIN A4 kopieren, damit Platz für Notizen bleibt. Die Fragen zu Bölls Biografie (Arbeitsauftrag für alle Gruppen) kommen auf die Rückseite. Die Klasse wird in vier Gruppen aufgeteilt – nach Interesse oder indem jeder Schüler ein Thema zieht. Aufgrund der Komplexität des Interviews ist es sinnvoll, dass sich die Schüler auf einen Teilbereich konzentrieren, der im Anschluss innerhalb der Gruppen ergänzt werden kann, bevor die Ergebnisse im Plenum zusammengetragen werden. Die Ergebnisse werden der Klasse von einem Vertreter jeder Gruppe mitgeteilt und erklärt und an der Tafel (besser noch auf Folie – sollte nicht genug Zeit sein, das Tafelbild zu beenden, kann die Folie in einer Folgestunde wieder herangezogen werden) in der Spalte „Böll“ eingetragen.

Auf jedem Themenblatt finden sich Arbeitsanweisungen, Impulse und/oder Stichworte, die bei der Bearbeitung des Interviews helfen sollen. Auf der Rückseite aller Blätter sind Fragen zu Bölls Biografie (Sequenz 0:00 – 1:30) kopiert, mit der sich gruppenunabhängig alle Schüler beschäftigen sollen. Das Interview wird gezeigt und die Schüler bearbeiten ihre Aufgaben.

Alternativ oder ergänzend kann das Arbeitsblatt 1 A eingesetzt werden. Auf diesem sollen die Kapitel von jedem Schüler kurz zusammengefasst und vom Film alternative Kapiteltitel formuliert werden. Dies hat den Sinn, dass sich die Schüler intensiv mit den Kapitelinhalten auseinandersetzen sollen. Dazu sollte der Film nach der entsprechenden Sequenz kurz gestoppt werden, um den Schülern genug Zeit für ihre Notizen zu lassen.
Die Zusammenfassung und Titelgebung wird im Plenum besprochen und gegebenenfalls ergänzt.
Anschließend kann dann das Arbeitsblatt 1 in Gruppen oder im Klassenverband bearbeitet werden, wofür die zuvor gemachten Zusammenfassungen dienlich sein können.

Ergebnissicherung

Nach dem Betrachten des Films werden die Arbeitsergebnisse innerhalb der Gruppen ergänzt und anschließend an der Tafel in der Spalte „Böll“ (siehe Tafelbild) zum passenden Oberthema eingetragen.
Anschließend kann in einer Diskussion festgestellt werden, ob nach dem Film eventuell neue Erkenntnisse entstanden sind oder eigene Aussagen vom Anfang der Stunde revidiert werden. Diese werden ebenfalls notiert.
Damit jedem Schüler die Gruppenergebnisse vorliegen, soll das Tafelbild ins Heft übertragen werden. (Wenn die Ergebnisse auf Folie vorliegen, kann diese jedem Schüler kopiert werden. Wird mit dem IWB – Interactive Whiteboard – gearbeitet, kann das Tafelbild direkt abgespeichert und den Schülern auf Stick kopiert oder zugemailt werden).

Erarbeitungsphase 2

Auf Arbeitsblatt 2 werden drei Werke Bölls vorgestellt, welche die Schüler unter entsprechenden Fragestellungen bearbeiten sollen. Die Werksbeschreibungen machen nochmals wichtige Themen in Bölls Romanen deutlich, wobei von den Schülern auch begründet werden soll, wie der Erfahrungshintergrund Bölls in seinem Werk Ausdruck findet.
Des Weiteren sollen Zitate Bölls analysiert und den Werken zugeordnet werden. Darüber hinaus wird auf diesem Arbeitsblatt besonderer Bezug auf Bölls Kritik an der Boulevardpresse genommen, wofür die Schüler in Aufgabe 7 Recherchearbeit leisten müssen. (Sollten im Klassenraum keine geeigneten Recherchemedien zur Verfügung stehen, können die Aufgaben 7 a-d als Hausaufgabe aufgegeben werden.)

Schlussphase

Das Arbeitsblatt 3 ist ein Rätsel, in welchem nochmals Fragen zur Einstiegsfolie, zum Film und zu den Werksbeschreibungen gestellt werden. Aus dem Rätsel ergeben sich nach Zusammensetzen des Buchstabensalats sechs Wörter, aus denen die Schüler individuell ihren eigenen Lösungssatz bilden oder in einem Schaubild die Zusammenhänge erläutern.

Aus dem Lösungssatz oder dem Schaubild soll hervorgehen, dass Literatur geschichtlich bedingt ist und ein Zusammenhang besteht zwischen dem Text und den Lebensumständen des Autors sowie der Entstehungszeit seines Werkes.
In dieser Schlussphase wird somit das bisher Erarbeitete in einen größeren literaturgeschichtlichen Zusammenhang gebracht. Ein passender Lösungssatz sollte an der Tafel unter der Überschrift Heinrich Böll festgehalten werden.
Beispiele:
„Literatur ist geschichtlich bedingt, wobei Erfahrungen und Entstehungszeit das Werk eines Autors beeinflussen.“
„Das Werk eines Autors ist abhängig von Erfahrungen und der Entstehungszeit eines Textes. Somit ist Literatur auch immer geschichtlich bedingt/von geschichtlichen Faktoren beeinflusst.“