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Themenorientierung für den Lehrer: Aspekte des Ökonomischen Systems der DDR


In der Verfassung der DDR vom 07. Oktober 1974 bestimmte der Artikel 9, Absatz 1:
„Die Volkswirtschaft der Deutschen Demokratischen Republik beruht auf dem sozialistischen Eigentum an den Produktionsmitteln. Sie entwickelt sich gemäß den ökonomischen Gesetzen des Sozialismus ... . “
und
Artikel 9, Absatz 3 bestimmte:
„ ... Die Volkswirtschaft der Deutschen Demokratischen Republik ist sozialistische Planwirtschaft ... .“

Sozialistisches Eigentum an den Produktionsmitteln

Nach Ende des 2. Weltkriegs wurden auf dem Gebiet der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) Großbetriebe von Unterstützern des Nazi-Regimes und großer Konzerne entschädigungslos enteignet und in Volkseigene Betriebe (VEB) umgewandelt. Mittelständische Betriebe, die vorerst in privatem Besitz geblieben waren, mussten staatliche Beteiligungen aufnehmen und wurden bei Zahlung von Entschädigungen 1972 in Volkseigentum überführt. Der Handel wurde fast vollständig verstaatlicht oder in eine Konsumgenossenschaft integriert. Handwerker wurden in Produktionsgenossenschaften des Handwerks (PGH) gezwungen. Landwirtschaftlicher Privatbesitz über 100 ha wurde nach 1945 entschädigungslos enteignet und an Kleinbauern verteilt. Ab 1952 setzte die Kollektivierung der Landwirtschaft ein, Einzelbauern mussten sich in Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) zusammenschließen.

Sozialistische Planwirtschaft

Mit der Durchsetzung des sozialistischen Eigentums an den Produktionsmitteln hatte die SED ein entscheidendes Machtmittel in der Hand. Da jeder Bürger in die wirtschaftlichen Prozesse integriert war, sei es als Produzent oder /und als Konsument, konnten Partei und Staat auf die gesamte Gesellschaft einwirken und erheblichen Einfluss ausüben. Der Warenmarkt wurde nicht von Angebot und Nachfrage, sondern von politischen Entscheidungen gesteuert. Alle wirtschaftlichen Daten liefen in der Staatlichen Plankommission zusammen, aus denen die konkreten Planvorgaben für alle ökonomischen Bereiche der Gesellschaft erarbeitet wurden.

Ausschaltung von Konkurrenz

Das planwirtschaftliche System hatte zur Folge, dass Konkurrenz als Stimulans produktiver Entwicklungen nicht auftreten konnte. Innovationen mussten von außen angestoßen werden, was die Bürokratisierung der ökonomischen Prozesse voran trieb. Die Betriebe waren bemüht, „weiche“ Pläne auferlegt zu bekommen, die die Planerfüllung und Übererfüllung erleichterten und damit den Zugang zu Prämien für die Belegschaft eröffneten. Negative Auswirkungen auf die Arbeitsproduktivität waren die Folge. Technologischer Rückstand und Verschleiß der Anlagen minderten ebenfalls die produktiven Ergebnisse.

Arbeitsorganisation

Werktätige arbeiteten in sozialistischen Kollektiven, in denen neue Beziehungen zwischen den Menschen entstehen sollten. Die Kollektive sollten eine Art „soziale Heimat“ sein, in der Kameradschaft und gegenseitige Hilfe herrschen. Es galt das Motto „sozialistisch arbeiten, sozialistisch lernen, sozialistisch leben“. Auf diesem Weg sollten „sozialistische Persönlichkeiten“ herangebildet werden, die frei von Neid, Missgunst und Egoismus ihre Arbeitskraft dem Wohl der gesamten Gesellschaft bereitstellen. An die Stelle persönlicher Konkurrenz trat der sozialistische Wettbewerb zwischen den Kollektiven, denen bei Erfüllung vorgegebener Normen Ehrentitel wie Kollektiv der sozialistischen Arbeit und materielle Sonderzuwendungen in Form von Prämien winkten.

Reformversuche

Wirtschaftsfachleute haben in der Geschichte der DDR wiederholt Reformen angemahnt, um die ökonomischen Prozesse effektiver gestalten zu können. Offensichtliche Hemmnisse der Planwirtschaft wie überbordende Bürokratie sollten abgebaut werden zu Gunsten steigender Arbeitsproduktivität. Alle Reformversuche scheiterten letztlich an befürchtetem Machtverlust der SED. Betrieben mehr Eigenkompetenz für marktgerechte Produktionen einzuräumen hätte bedeutet, dass die politische Führung die umfassende Kontrolle reduzieren müsste.