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Themenorientierung für den Lehrer: Arbeitswelt

Die DDR verstand sich als Arbeiter- und Bauernstaat, als erster sozialistischer Staat auf deutschem Boden. Der Kapitalismus mit dem geschützten Privateigentum an Produktionsmitteln galt als überwunden. Betriebe der Schlüsselindustrien wurden unmittelbar nach Ende des 2. Weltkrieges enteignet und in Volkseigene Betriebe (VEB) überführt. Mittelständische Betriebe und das Handwerk blieben vorerst unangetastet. Nach und nach wurden erstere gezwungen, staatliche Beteiligungen aufzunehmen, das Handwerk wurde Zug und Zug in Produktionsgenossenschaften des Handwerks (PGH) integriert. Ab 1952 setzte die Kollektivierung der Landwirtschaft ein, Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften (LPG) verdrängten einzelbäuerliches Wirtschaften. Der einst private Handel wurde in die Staatliche Handelsorganisation (HO) und in die Konsumgenossenschaft (KG) , nur wenige private Händler konnten ihre Geschäfte als Kommissionshändler der HO weiterführen. Produktion und Handel unterstanden dem staatlichen Plan, der alle wirtschaftlichen Aktivitäten bestimmte. Löhne und Preise waren staatlich festgesetzt. Arbeitsplätze waren sicher, weil technologischer Rückstand durch verstärkten Arbeitseinsatz wettgemacht werden sollte. Arbeitskollektive sollten zur Ausprägung sozialistischer Lebenshaltungen beitragen. Viele DDR-Bürger haben ihr Arbeitskollektiv als „soziale Heimat“ empfunden und Geborgenheit erfahren. Gleichzeitig waren die Erfahrungen am Arbeitsplatz ein Korrektiv zu den von der Propaganda schöngefärbten gesellschaftlichen Zuständen.

Ideologische Grundlagen des politischen Systems der DDR

Um das politische System der DDR verstehen zu können, empfiehlt sich ein Einstieg in seine ideologischen Grundlagen. In gebotener Kürze sollten Aspekte des Marxismus-Leninismus , vornehmlich des Historischen Materialismus, behandelt werden.

Marxismus-Leninismus als wissenschaftliche Weltanschauung

Im Selbstverständnis dieser Ideologie ist der Verlauf der Geschichte vorhersehbar, weil er erkennbaren Gesetzmäßigkeiten folgt. Der Klassenkampf ist die Triebfeder der Entwicklung aller menschlichen Gesellschaften. Sie werden durch ihnen eigene Produktivkräfte und Produktionsverhältnisse geprägt. Entscheidend sind die Eigentumsformen an Produktionsmitteln. Die Eigentümer der Produktionsmittel bilden die herrschende Klasse und verfügen somit über die Machtmittel zur Unterdrückung und Ausbeutung aller anderen Klassen. Der Staat ist das Herrschaftsinstrument in der Hand der herrschenden Klasse.

Historische Abfolge der Gesellschaftsformationen

Die marxistische Geschichtsauffassung geht von einer logischen Abfolge aufeinander folgender Gesellschaftsformationen aus.

Urgesellschaft: Sie wird als anfänglich klassenlose Formation beschrieben, in der es vorerst kein Privateigentum an „Produktionsmitteln“ gab. Mit der Herausbildung spezieller Produktivkräfte – besondere Fähigkeiten einzelner bei der Herstellung von Werkzeugen - beginnt die Gesellschaftsteilung. Durch Verfügungsgewalt über Werkzeuge und Waffen einzelner entstanden Über- und Unterordnungsverhältnisse. Die Herausbildung von Privateigentum an Produktionsmitteln wird als „Sündenfall“ der Menschheit interpretiert. Klassenkampf lässt die bestehende Herrschaftsstruktur an ihren inneren Widersprüchen zerbrechen, weil die Weiterentfaltung der Produktikräfte verhindert wird.

Sklavenhaltergesellschaft: Sklavenhalter und Sklaven als die beiden Hauptklassen standen sich in unauflöslichem Gegensatz gegenüber. Zwar konnten produktive Kräfte freigesetzt werden, die einen gesellschaftlichen Fortschritt darstellten. Der sich allmählich verschärfende Klassenkampf hat die Fortschrittlichkeit dieser Gesellschaftsformation eingeengt und schließlich zu ihrem Untergang geführt.

Feudalgesellschaft: Landbesitzender Adel und leibeigene und landlose Bauern bildeten die gegensätzlichen Hauptklassen. Wieder gerät anfänglicher Fortschritt durch den sich verschärfenden Klassenkampf an seine Grenzen. Bauernaufstände richten sich gegen das Ausbeutungsjoch der Feudalherren. Auch das aufkommende städtische Bürgertum drängt nach Sprengung der feudalen Fesseln. Auch diese Formation zerbricht an unauflöslichen Widersprüchen.

Kapitalismus: Mit der Industrialisierung stehen sich Kapitaleigner und das Proletariat gegenüber. Ausbeutung der Arbeiter mehrt das Kapital und führt zu einer Entfesselung der Produktivkräfte. Das Proletariat erfährt am nachhaltigsten die Ungerechtigkeit und gewinnt daraus die Kraft, diese Ordnung zu stürzen. Alle Umstürze und Revolutionen bisher haben zwar Eliten ausgetauscht, aber die Herrschaft einer Minderheit über die Mehrheit beibehalten.

Sozialismus: Die antagonistischen Widersprüche der kapitalistischen Gesellschaftsordnung können nur durch eine Revolution gelöst werden, die die Arbeiterklasse an die Macht bringt. Indem die Produktionsmittel in gesellschaftliches Eigentum überführt werden, kann Ausbeutung und Unterdrückung besiegt werden. Mit der Arbeiterklasse übernimmt eine Mehrheit die Macht, der Marsch in eine künftig klassenlose Gesellschaft kann beginnen.