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Hintergrund: Abenteuer Ernährung

Kinderlebensmittel: Zuckersüße Versprechungen

  • Ein Kind steht vor dem Süßigkeitenregal eines Kiosks. Kinder sind eine beliebte Zielgruppe; Rechte: WDR

Auf diesem Schlachtfeld wird mit allen Mitteln gekämpft. Mit knallbunten Verpackungen, Sammelfiguren und Gewinnspielen versuchen Firmen, junge Kunden zu erobern. Was, das reicht alles noch nicht? Seit einigen Jahren haben die Hersteller außerdem noch eine Geheimwaffe: Sie versprechen, ihre Produkte seien gesund, ganz besonders für Kinder. "So wichtig wie das tägliche Glas Milch" sind sie angeblich, beinhalten "wertvolle Vitamine", "Vitamine und Eisen" oder sogar "Vitamine, Calcium und Eisen". Das täuscht manchmal über eines hinweg: Die meisten der so genannten Kinderlebensmittel sind und bleiben Süßigkeiten. Wenn ein Lebensmittel extra für Kinder angepriesen wird, kann man fast sicher sein, dass es reichlich Zucker oder Fett enthält – oder beides. Trotz aller Vitamine helfen diese Produkte nicht bei einer gesunden Ernährung. Im Gegenteil: Wer zu viel davon isst, wird allenfalls dick und bekommt schlechte Zähne. Dass Werbung selten die ganze Wahrheit erzählt, wissen wir. Aber wir fühlen uns manchmal eben doch ein bisschen besser, wenn wir uns sagen, dass die Gummibärchen mit Vitaminen zumindest ein bisschen gesünder sind als die ohne. Dass das aber nicht stimmt, zeigen zwei Beispiele.

Süße Schwindler

  • Ein Junge gießt sich ein Glas Milch ein. Ein Glas Milch enthält mehr Calcium als jede Süßigkeit; Rechte: WDR

Auf der Cornflakespackung steht eine lange Liste: Vitamin B1, B2, B6, B12, Vitamin C, Vitamin D... Was auch immer der Körper an Nährstoffen braucht – bei Cornflakes scheinen keine Wünsche offen zu bleiben. Leider gibt es Vitamine und Mineralstoffe oft nur in Kombination mit einer Menge Zucker. Einige Cornflakesmischungen bestehen zu einem Drittel aus Zucker, bei Schokoflakes kommt noch eine ordentliche Portion Fett dazu. Und selbst die Vitamine machen den Packungsinhalt nicht gesünder: "Mit den meisten Nährstoffen sind Kinder schon ausreichend versorgt", erklärt Dr. Kerstin Clausen vom Forschungsinstitut Kinderernährung in Dortmund. "Vitamin C zum Beispiel brauchen sie einfach nicht mehr in Cornflakes oder Bonbons." Für ein Zuviel an Vitaminen hat der Körper keine Verwendung: Sie werden einfach wieder ausgeschieden.

Anders sieht es bei Calcium aus. Laut einer Studie nehmen gerade Kinder im Grundschulalter zu wenig davon zu sich. Dabei brauchen sie eine ganze Menge davon für Knochen und Zähne. Schokoschnitten werben mit einer "Extraportion Milch", die käme da gerade recht. Doch wenn man genauer hinsieht, ist es mit dem Calcium in den Schnitten auch nicht weit her. Nicht nur ist natürlich auch hier sehr viel Zucker und Fett drin, eine Schnitte enthält außerdem nicht einmal ein Zehntel der Menge Calcium, die der Körper eines Heranwachsenden täglich braucht. Um den Tagesbedarf zu decken, müsste man täglich 13 Stück davon essen. Dann doch lieber ein Glas Milch, einen Joghurt und eine Scheibe Käse. Die liefern genug Calcium und haben weniger Fett.

Warum macht Zucker hungrig?

  • Die Animation zeigt, wie Zucker im Gehirn wirkt. Zucker liefert den schnellen Energieschub fürs Gehirn, hält aber nicht lange an; Rechte: WDR

Vitamin- und Mineral-Zusätze sind also wenig hilfreich. Dazu kommt: Süßes macht nicht einmal satt. Um zu verstehen, was Zucker eigentlich in unserem Körper anstellt, ist es am besten, welchen zu essen – zumindest in einem Gedankenexperiment. Es geht los: Ist der Magen leer, registrieren das zunächst die Sensoren im Magen. Gegen den Hunger essen wir Süßigkeiten. Der Zucker darin wird schnell abgebaut und wandert ebenso schnell ins Blut. Daraus holt sich unser Körper, aber auch das Gehirn seine Energie. Wir fühlen uns richtig fit. Aber zu viel Zucker im Blut ist gefährlich, daher wird er im Körper schnell wieder abgebaut. Danach fühlen wir uns oft noch müder als vorher. Außerdem beschwert sich der Körper über den plötzlichen Zuckerabfall im Blut. Er reagiert mit noch mehr Hunger. Dazu kommt, dass unser Magen immer noch fast leer ist – die Süßigkeiten haben ihn nicht annähernd gefüllt. Fazit: Für einen schnellen Energieschub ist Zucker gut, aber auf Dauer macht er nur noch hungriger.

Andere Kohlenhydrate wie in Brot oder Nudeln, Eiweiß und Fett machen hingegen viel länger satt. Doch den Rekord halten Ballaststoffe, zum Beispiel in Vollkornprodukten, Obst oder Gemüse.

Was essen Kinder und Jugendliche in Deutschland?

  • Schokolade, Bonbons und süße Stückchen vom Bäcker mögen Kinder besonders. Deutsche Kinder essen lieber Süßes statt Obst und Gemüse; Rechte: WDR

Mit Gedankenexperimenten wollten sich einige Wissenschaftler nicht begnügen und haben im Jahr 2006 untersucht, ob junge Menschen auch genügend Nährstoffe bekommen. In der Studie namens EsKiMo mussten rund 2.500 Teilnehmer von 6 bis 17 Jahren genau aufschreiben, was und wie sie essen, oder wurden dazu befragt. Dabei kam heraus, dass ein Großteil der Kinder und Jugendlichen zu wenig Vollkornprodukte und zu wenig Obst und Gemüse ist, dafür aber zu viel Fleisch und Wurst. Auch Süßwaren und Knabberkram werden zu viel gegessen. Diese Nahrungsmittel sollten pro Tag nicht mehr als ein Zehntel der Energiezufuhr ausmachen, bei manchen der Befragten machten sie aber bis zu einem Drittel aus. Die Studie ergab außerden, dass etwa die Hälfte der Kinder zwar genug trinkt, aber viele dabei oft zu Limonade, also zu gesüßten Getränken, greifen. Was Vitamine und Mineralstoffe angeht, sind die meisten gut versorgt. Nur bei Vitamin D, das in Milchprodukten, Eiern und Fisch vorkommt, und Folat aus Getreideprodukten und grünem Gemüse sollte es etwas mehr sein. 6- bis 11-Jährige bekommen zu wenig Calcium und Vitamin E, das auch in Milchprodukten enthalten ist, vor allem bei den Mädchen mangelt es an Eisen aus Brot und Fleisch.

Insgesamt ist im Durchschnitt jedes siebte Kind im Grundschulalter und jeder sechste Jugendliche übergewichtig. Das sind etwa eineinhalbmal so viel wie in den 80er und 90er Jahren. Ob ein Kind übergewichtig ist, wird im Vergleich mit diesem Zeitraum berechnet. Wenn es in seiner Altersstufe zu dem dicksten Zehntel dieser Jahre gehört, gilt es als übergewichtig. Heute sind es aber eben nicht mehr 10, sondern 15 Prozent.

Zucker hat viele Namen

  • Ein Auszug einer Nährwerttabelle auf der Verpackung eines Schokoriegels. Kalorienbombe kleingedruckt: Diese Riegel bestehen fast zur Hälfte aus Zucker; Rechte: WDR

Doch selbst wenn man sich gerne gesund ernähren möchte, muss man zunächst einmal wissen, welche Lebensmittel eigentlich gesund sind. Der Blick auf die gute alte Zutatenliste ist dabei manchmal eher verwirrend. Eigentlich sollten hier alle Zutaten in dieser Reihenfolge aufgeführt sein: Zuerst die Zutaten, die gewichtsmäßig am meisten drin sind, zuletzt die Zutaten, die am wenigsten enthalten sind. Doch gerade bei Zucker haben die Firmen einen Weg gefunden, wie sie diese Vorschrift umgehen können. Auch wenn zum Beispiel eine Müslimischung zum Großteil aus Zucker besteht, muss dieser in der Liste nicht an erster Stelle stehen, weil es sich um eine Mischung aus verschiedenen Zuckerarten handelt. Wenn das der Fall ist, stehen weiter hinten in der Zutatenliste Begriffe wie Dextrose, Glukose, Fructose, Invertzuckersirup oder Saccharose. Alle haben eines gemeinsam: Sie sind Zucker.

Bei Saft erkennt man an der Verpackung leicht, ob Zucker zugesetzt ist. Dann heißt der Saft nämlich nicht mehr Saft, sondern Fruchtsaftnektar oder Fruchtsaftgetränk. Nur wenn er ausschließlich aus Fruchtsaft oder aus Fruchtsaftkonzentrat und Wasser besteht, darf Saft als Saft bezeichnet werden.

Keine falschen Versprechen mehr

  • Eine Mutter und ihre Tochter wählen Süßigkeiten in einem Supermarkt aus. "Zuckerarm" oder "fettarm": Ein Blick in die Nährwertangaben verrät, ob dieses Versprechen auch eingehalten wird; Rechte: WDR

Was die Versprechen der Hersteller angeht, hat man es seit mehreren Jahren zumindest ein bisschen leichter: Was sie in Werbungen und auf Verpackungen behaupten dürfen, ist von der Europäischen Union recht streng geregelt. Lebensmittel müssen demnach feste Werte einhalten, wenn sie als gesund bezeichnet werden, etwa als energiereduziert, fettarm oder ballaststoffreich. "Zuckerarm" darf beispielsweise nur auf der Packung stehen, wenn der Inhalt pro 100 Gramm nicht mehr als 5 Gramm Zucker enthält, bei Getränken sind es 2,5 Gramm pro 100 Milliliter. Der Hinweis, dass ein Produkt Vitamine und Mineralstoffe enthält, ist allerdings schon ab recht geringen Werten erlaubt. Alle Lebensmittel, die mit gesunden Nährstoffen werben, müssen außerdem eine Nährstofftabelle auf ihre Verpackung drucken. Die gibt den Energiegehalt an und im Einzelnen, wie viel Kohlenhydrate, Fett und Eiweiß das Produkt enthält. Wenn vorne auf der Packung beispielsweise mit Extra-Vitaminen geworben wird, müssen die auch in der Nährwerttabelle stehen. Es gibt auch eine EU-Richtlinie, die besagt, dass zucker- und fettreiche Lebensmittel gar nicht mehr mit gesunden Nährstoffen werben dürfen. Bis diese Richtlinie aber umgesetzt ist, müssen wir eben selbst aufpassen.