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Orte des Erinnerns

Das Brandenburger Tor | Hintergrund

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Autor/in
Claudia Heidenfelder

Die Anfänge des Brandenburger Tors

Nach griechischem Vorbild

Als repräsentatives Stadttor für das preußische Berlin wurde das Brandenburger Tor von 1788 bis 1791 vom Architekten Carl Gotthard Langhans erbaut. Es entstand an der Stelle, an der vorher ein kleineres Stadttor gestanden hatte und sollte den westlichen Abschluss des Prachtboulevards „Unter den Linden“ bilden. Gestaltet wurde das Bauwerk nach dem Vorbild der Propyläen, dem monumentalen Eingang der Akropolis von Athen. Doch auch die Ausmaße des Brandenburger Tors wurden imposant: 26 Meter hoch, 65,5 Meter breit, der Mittelbau mit seinen fünf Durchfahrten elf Meter tief.

Schwarz-Weiß-Zeichnung des vorherigen Stadttors (Foto: SWR - Screenshot aus der Sendung)
Das Vorgängermodell des Brandenburger Tors war vergleichsweise unscheinbar. SWR - Screenshot aus der Sendung

Die Quadriga

Zwei Jahre nach Fertigstellung des Tors wurde ein von vier Pferden gezogener Streitwagen mit der Friedensgöttin Eirene auf dem Tor aufgestellt – die Quadriga. Der junge Berliner Bildhauer Johann Gottfried Schadow hatte die gewaltige Skulptur aus Kupfer getrieben. Um die Pferde der Quadriga so realistisch wie möglich zu gestalten, hatte Schadow monatelang Pferdestudien betrieben.

Retourkutsche

Im Oktober 1806 marschierten französische Truppen in Berlin ein und zogen durch das Brandenburger Tor. Zwei Monate später ließ Napoleon die Quadriga abnehmen und zu Wasser nach Paris transportieren. Er kam jedoch nicht mehr dazu, sie aufzustellen: 1814 holten die Preußen das Gespann aus Kupfer zurück. Die Quadriga wurde mit Blickrichtung in die Stadt wieder aufgestellt, ergänzt durch das Eiserne Kreuz im Ehrenkranz, darauf der preußische Adler. Nach ihrer Rückkehr soll die Quadriga vom Berliner Volksmund den Namen „Retourkutsche“ erhalten haben.

Gezeichnete Studien vom Pferd (Foto: SWR - Screenshot aus der Sendung)
Schadow wollte die Pferde der Quadriga so realistisch wie möglich gestalten. SWR - Screenshot aus der Sendung Bild in Detailansicht öffnen
Napoleon ließ die Quadriga in Einzelteile zerlegt nach Paris bringen. SWR - Screenshot aus der Sendung Bild in Detailansicht öffnen

Bewegte Zeiten am Brandenburger Tor

Das Brandenburger Tor diente den Nazis als Kulisse für ihre Aufmärsche. SWR - Screenshot aus der Sendung

Paradeplatz für die Nationalsozialisten

Mit einem Fackelzug der SA durch das Brandenburger Tor feierten die Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 ihre Machtergreifung. In den folgenden Jahren wurde das Tor zur Aufmarschkulisse der Nazis. Nach zahlreichen Paraden und Machtdemonstrationen sah das Tor im Zweiten Weltkrieg auf unzählige Kolonnen marschierender Soldaten.

Das Tor an der Sektorengrenze

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs teilten die Siegermächte Berlin in vier Sektoren. Das Brandenburger Tor stand nun im sowjetischen Sektor, die Grenze verlief nur wenige Meter neben dem Tor. In den 50er Jahren war diese Grenze noch passierbar, trotz Teilung in BRD und DDR.

Zerstörung und Rekonstruktion

Während des Kriegs war das Brandenburger Tor stark beschädigt worden. Von der Quadriga blieb nach der Schlacht um Berlin nur noch ein Pferdekopf im Original erhalten. So beschloss die Stadt Berlin 1956, das einzigartige Gebäude wieder aufzubauen. Trotz heftiger Auseinandersetzungen arbeiteten West- und Ostberlin bei der Rekonstruktion zusammen. Für die Wiederherstellung der Quadriga wurden Gipsabdrücke benutzt, die noch während des Zweiten Weltkriegs genommen worden waren. 1958 konnte die Figur wieder auf das restaurierte Bauwerk montiert werden. Die Regierenden von Ostberlin hatten allerdings Eisernes Kreuz und Adler entfernen lassen, als unerwünschte Symbole des preußischen Militarismus.

Arbeiteraufstand in der DDR

Am 17. Juni 1953 eskalierte ein DDR-weiter Aufstand. Arbeiter demonstrierten gegen die schlechte Versorgung und Erhöhung der Arbeitsnormen. Der Streik weitete sich aus. In Berlin zogen 10.000 Menschen von der Ostberliner Stalinallee bis zum Brandenburger Tor. Die SED-Führung war der Situation nicht mehr gewachsen, die Sowjetarmee griff ein: Sowjetische Panzer und Einheiten der Volkspartei schlugen den Aufstand brutal nieder.

Zerstörte Quadriga (Foto: SWR - Screenshot aus der Sendung)
Nach Kriegsende war das Brandenburger Tor schwer beschädigt. SWR - Screenshot aus der Sendung Bild in Detailansicht öffnen
Nach ihrer Restaurierung wurde die Quadriga 1958 wieder auf das Tor gehievt. SWR - Screenshot aus der Sendung Bild in Detailansicht öffnen

Geteiltes Deutschland

Stacheldrahtzaun vor dem Brandenburger Tor (Foto: SWR - Screenshot aus der Sendung)
Mit Stacheldraht stoppte die DDR-Regierung die Flucht in den Westen. SWR - Screenshot aus der Sendung Bild in Detailansicht öffnen
Am 13. August 1961 um 0 Uhr wurde mit der Sperrung der Grenze begonnen. SWR - Screenshot aus der Sendung Bild in Detailansicht öffnen
Die Mauer teilte nicht nur eine Stadt und ein Land, sondern auch die Welt des Kapitalismus und die Welt des Sozialismus. SWR - Screenshot aus der Sendung Bild in Detailansicht öffnen

Das Tor wird geschlossen

„Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten!“ So beantwortete noch im Juni 1961 der DDR-Staatsratsvorsitzende Walter Ulbricht die Frage einer westdeutschen Journalistin. Trotzdem stieg nach Veröffentlichung dieses Interviews die Zahl der DDR-Flüchtlinge noch einmal kräftig an. Am 13. August 1961, einem Sonntag, wurde unter Aufsicht von Volkspolizei und Nationaler Volksarmee (NVA) die Sektorengrenze nach West-Berlin hermetisch abgeriegelt. Straßen wurden aufgerissen, Panzersperren und Zäune aus Stacheldraht errichtet. Die Barrieren zerschnitten eine Weltstadt. Die DDR-Regierung verringerte die Zahl der Grenzübergänge zwischen beiden Stadthälften auf sieben. Familien wurden auseinander gerissen, für mehr als 50.000 Ost-Berliner waren plötzlich ihre Arbeitsplätze im Westen unerreichbar. Die gesamte Bevölkerung reagierte empört und schockiert. Am Potsdamer Platz versammelten sich Tausende von West-Berlinern, um gegen die Absperrmaßnahmen zu demonstrieren. Vor dem Brandenburger Tor setzte die Volkspolizei Wasserwerfer ein, um die Demonstranten zurückzudrängen.

Bau der Mauer

Einen Tag später wurde das Brandenburger Tor auf Anordnung des DDR-Innenministeriums gesperrt, der Stacheldraht durch Betonteile ersetzt. Das Tor verschwand hinter der Mauer. Am 19. August verbarrikadierten Volkspolizisten und Angehörige der Betriebskampfgruppen Türen und Kellerfenster an der Sektorengrenze. Die Bewohner mussten ihre Häuser überstürzt räumen. Erschütternde Szenen spielten sich entlang der Sektorengrenze ab. Immer wieder nutzten Menschen die letzte Möglichkeit zur Flucht und sprangen aus dem Fenster.

Symbol der Teilung

Der Mauerbau war unter absoluter Geheimhaltung im Auftrag von Walter Ulbricht vorbereitet worden. Ausgeführt wurde er von Erich Honecker, dem für Sicherheitsfragen zuständigen Sekretär des SED-Zentralkomitees. Die UdSSR hatte der Abriegelung West-Berlins schon im Voraus zugestimmt. In der DDR stationierte sowjetische Truppen halfen dabei, die Errichtung des „antifaschistischen Schutzwalls“ zu sichern. Bundesregierung und Westmächte mussten diesem Gewaltakt hilflos zusehen. Der Protest der westlichen Alliierten gegen den Mauerbau blieb wirkungslos. 28 Jahre lang war das Brandenburger Tor ein Symbol für das geteilte Deutschland.

Wiedervereinigung

Menschenmenge vor und auf der Mauer, im Hintergrund das Brandenburger Tor (Foto: SWR - Screenshot aus der Sendung)
Im Freudentaumel feiern Ost- und Westdeutsche die Grenzöffnung vor dem Brandenburger Tor. SWR - Screenshot aus der Sendung Bild in Detailansicht öffnen
Die DDR-Führung kapituliert, nach 28 Jahren fällt die Mauer. SWR - Screenshot aus der Sendung Bild in Detailansicht öffnen

Die Mauer fällt

Politbüromitglied Günter Schabowski gab den Beschluss der DDR-Regierung bekannt, dass „Privatreisen nach dem Ausland ohne Anliegen von Voraussetzungen beantragt werden“ können. Nur wenige Stunden später konnten die Grenzkontrollen den Andrang nicht mehr bewältigen. Unter dem Ansturm von Menschen öffneten sich am 9. November 1989 um 23 Uhr 14 die Schlagbäume in Berlin. Tausende DDR-Bürger strömten in den Westen. Von den West-Berlinern wurden sie umjubelt und mit Sekt empfangen. An den Sektorenübergängen und am Brandenburger Tor spielten sich bewegende Szenen ab. Mit der Öffnung der Mauer begann für die Menschen in beiden Teilen Deutschlands eine neue Ära. Den Ereignissen vorangegangen waren friedliche Demonstrationen und Flüchtlingswellen von DDR-Bürgern über die bereits geöffnete Grenze zwischen Ungarn und Österreich.

Das Brandenburger Tor öffnet sich

Bei einem Treffen im Dezember 1989 vereinbarten Bundeskanzler Helmut Kohl und DDR-Ministerpräsident Hans Modrow, noch vor Weihnachten das Brandenburger Tor für den Fußgängerverkehr zu öffnen. Nachdem tagelang zahlreiche Schaulustige und Fernsehteams am Brandenburger Tor ausgeharrt hatten, um die symbolträchtige Öffnung nicht zu versäumen, begannen am 21. Dezember auf DDR-Seite Arbeiter mit dem Abbruch der Mauer. Kurz nach Mitternacht gab es einen ersten Spalt. Zur Öffnung des Brandenburger Tors am 22. Dezember waren 300.000 Gäste aus Ost und West zusammengekommen, um bei strömendem Regen den Festreden zuzuhören. Ministerpräsident Modrow bezeichnete das Bauwerk in seiner neuen verbindenden Funktion als „Tor des Friedens“. Die beiden Bürgermeister der Stadt, Walter Momper (West) und Erhard Krack (Ost), betonten die neue Aufgabe Berlins in der Phase des Zusammenwachsens zweier deutscher Staaten.

Hans Modrow und Helmut Kohl zwischen Menschenmassen vor dem Tor (Foto: SWR - Screenshot aus der Sendung)
Das Brandenburger Tor wird für Fußgänger eröffnet SWR - Screenshot aus der Sendung

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Das Stasi-Gefängnis Berlin-Hohenschönhausen

Kaum ein Ort in der DDR war so geheim wie das Gefängnis des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) in Berlin Hohenschönhausen. Auf keinem Stadtplan war es verzeichnet. Die Untersuchungshäftlinge, die dort einsaßen, wussten nicht, wo sie sich befanden; oft wussten sie nicht einmal, in welcher Stadt sie waren. In der Sendung kommen Zeitzeugen beider Seiten zu Wort: ein Stasi-Vernehmer, für den das Untersuchungsgefängnis ein ganz normaler Arbeitsplatz war, und Häftlinge, die sich hier zu verantworten hatten.

Völkerschlachtdenkmal

Das Völkerschlachtdenkmal – 1913 eingeweiht, um an die Befreiungskriege gegen Napoleon einhundert Jahre zuvor zu erinnern – sollte in allererster Linie den Gedanken der nationalen Einheit transportieren. Es sollte das größte Nationaldenkmal der Welt und ein „Ruhmestempel deutscher Art“ werden.
Tatsächlich behielt es seine Funktion als Kultstätte des nationalen Bürgertums nicht allzu lange, schon im Ersten Weltkrieg wurde es „volkserzieherisch“ genutzt, um die Schicksals- und Opfergemeinschaft des Krieges zu beschwören. Wie nicht anders zu erwarten, nutzten „vaterländische“ Verbände während der Weimarer Republik das Denkmal als Ort für Fahnenweihen und dem Gedenken an die Frontsoldaten. Daneben wird es aber auch zu einem schlicht touristischen Ort, zum Ausflugsziel.
Die Nationalsozialisten interpretierten das Denkmal „völkisch“: Man akzentuierte die Rolle der Volksmassen im Kampf um die nationale Einheit. Das Denkmal wurde zum „nationalsozialistischen Sakralbau“, nun stand es für „Soldatentum“, „Pflichterfüllung“, „Zucht“ und „Opfer“.
Die DDR schließlich hob die „fortschrittlichen“ Traditionen der Geschichte aufs Schild: Die DDR wurde zur legitimen Nachfolgerin der patriotischen deutschen Volksbewegung, das Denkmal zum Symbol der deutsch-sowjetischen Freundschaft.
Und heute ringt man erneut um eine Neudefinition: das Denkmal soll jetzt – passend zur europäischen Einigung – als „europäisches Friedensmahnmal“ interpretiert werden.

Obersalzberg

Er war der „Berg des Führers“, im Berchtesgadener Land ließ sich Adolf Hitler seinen „Berghof“ erbauen, auf den er sich zurückzog und den Privatmann spielte.
Dem Führer folgten zunächst seine engsten Vertrauten Martin Bormann, Hermann Göring und Albert Speer auf den Berg, um in seiner nächsten Umgebung ebenfalls eine Zweitresidenz zu errichten. Und dann strömten Scharen von treuen Hitleranhängern hinauf, in der Hoffnung, einen Blick auf den „Führer“ zu erhaschen. Bis dem Führer schließlich die Anhänger zu viel wurden und er den Berg für jeglichen Publikumsverkehr sperren ließ. Die alteingesessenen Einwohner wurden zwangsenteignet und bis 1945 blieb der Berg dann „Führersperrgebiet“. Gleichzeitig wurden der Obersalzberg und Berchtesgaden zum zweiten Regierungssitz ausgebaut, die alteingesessene Bevölkerung musste zwangsweise den neuen Machthabern weichen. Und schließlich wurde der Berg zu einem einzigen Bunker ausgebaut. Grund für die Alliierten, hier die sagenhafte „Alpenfestung“ zu vermuten.
Die US-Armee, die den Obersalzberg schließlich 1945 eroberte, machte daraus ein Erholungszentrum für die in Europa stationierten Truppen, aus der ehemaligen SS-Kaserne wurde ein Hotel, das ehemalige Teehaus Hitlers zum Ausflugslokal. Die Häuser der NS-Größen hingegen wurden geschliffen, einen Hitlertourismus wollte man vermeiden. Lange vergebens: bis zum Frühjahr 1949 war der weitgehend zerstörte Obersalzberg für Deutsche gesperrt, was jedoch Plünderer und „Wallfahrer“ keineswegs fernhielt. In den 60er Jahren kamen Busladungen voll mit Besuchern auf den Spuren des Führers und noch heute verkaufen die Kioske allerlei braune Devotionalien.
Nach dem Abzug der Amerikaner herrschte beim Freistaat Bayern, dem Eigentümer, zunächst Ratlosigkeit über die weitere Nutzung, bis schließlich im Oktober 1999 eine ständige Ausstellung zur Geschichte des Ortes eröffnet wurde.

Finanzplatz Frankfurt

Frankfurt am Main – Mainhattan – 650.000 Einwohner – keine Millionenstadt, doch in keiner anderen Stadt Deutschlands sind die Häuser nach dem Zweiten Weltkrieg so hoch gewachsen wie hier. Wer Frankfurt hört, denkt an Geld und an den Erfolg der D-Mark. Die Stadt ist Sitz der deutschen Großbanken, der europäischen Zentralbank, der Bundesbank und vieler ausländischer Institute.

Das Brandenburger Tor

Das Brandenburger Tor sollte, nach griechisch-antikem Vorbild gestaltet, ein repräsentatives Stadttor für das preußische Berlin werden. Doch nach seinem Sieg über Preußen entführte Napoleon die Quadriga des Tores nach Paris – als Kriegsbeute.
Diese Sendung wird thematisch ergänzt durch die CD-ROM „Ereignisse, die Schlagzeilen machten, Vol. 2“.

Checkpoint Charlie

28 Jahre, zwei Monate und siebenundzwanzig Tage teilte die Mauer Deutschland und die Welt. Länge: über eintausend Kilometer. 155 Kilometer dieses aus dem Weltall sichtbaren Bauwerkes umschlossen den westlichen Teil Berlins. Der Checkpoint Charlie am Ende der Berliner Friedrichstraße wurde das bekannteste "Loch" in der Mauer – ein von Ostberlin schwer bewachter Grenzkontrollpunkt. Im Jargon der Staatssicherheit war der Checkpoint Charlie das entscheidende Nadelöhr zwischen Kapitalismus und Sozialismus.
Der Checkpoint Charlie ist Ort atemberaubender Fluchtgeschichten. Diesen Kontrollpunkt dürfen Offiziere der Siegermächte des Zweiten Weltkriegs unkontrolliert passieren. Ostberliner nähen sich sowjetische Uniformen und überlisten die DDR-Posten, mit Kleinstsportwagen schlüpfen Westberliner unter den Schlagbäumen durch...
Die Proteste gegen die Mauer rissen auf beiden Seiten nie ab.
Schon 1961 versuchte ein libanesischer Kaufmann, auf Ostberliner Gebiet ein großes Kreuz aufzustellen. Der Amerikaner John Runnings kam erstmals 1968 nach Westberlin und balancierte auf der Mauer. 1986 und 1987 bearbeitete er die Mauer vor laufenden Kameras mit einem Hammer – was 1989, mit dem Fall der Mauer, viele Nachahmer fand. Die Auflösung des Checkpoint Charlie: ein Volksfest und ein Jubel der Erleichterung.
All die Jahrzehnte hatte Rainer Hildebrandt am Checkpoint Charlie miterlebt. Seit 1963 betreibt er am Checkpoint ein kleines Museum.
Heute besuchen täglich Hunderte Schüler aus aller Welt das "Mauermuseum". Sie bestaunen die Exponate der Ausstellung wie ein Stück unvorstellbare Welt. In Äußerungen bezeugen sie ihre Neugier auf das, was hier einst historische Realität war...
Diese Sendung wird thematisch ergänzt durch die CD-ROM "Ereignisse, die Schlagzeilen machten, Vol. 2".

Reichsparteitagsgelände

Keine andere deutsche Stadt ist bis heute so stark mit ihrer nationalsozialistischen Vergangenheit konfrontiert wie Nürnberg. Hier ließ Hitler regelmäßig die Parteitage der NSDAP inszenieren. Leni Riefenstahl hat hier mit ihren Parteitagsfilmen wesentlich zum Führermythos beigetragen, Albert Speer hatte den Auftrag eine gewaltige Kultstätte und eine überdimensionale Aufmarsch- und Versammlungsstätte zu gestalten. Die Monumentalbauten sollten Deutschlands Herrschaftsanspruch verkünden und noch Jahrhunderte später die Herrlichkeit des Dritten Reiches preisen.
Nach dem Krieg kennzeichnete Ratlosigkeit, aber auch Unbekümmertheit den Umgang mit dem Gelände. 1949 fand hier die Internationale Bauausstellung statt, Autorennen und Fußballspiele wurden veranstaltet. Große Teile wurden abgerissen, bis 1973 die Überreste der Anlage unter Denkmalschutz gestellt wurden. Aber auch da wurde sie noch als Lagerraum und Abstellplatz genutzt. 1985 wurde unter der Zeppelintribüne eine kleine Ausstellung eröffnet, die wegen des schlechten Erhaltungszustands des Gebäudes aber nur von Mai bis Oktober zugänglich war. Erst Mitte der 90er Jahre reifte der Entschluss, ein neues, dauerhaftes Dokumentationszentrum zu schaffen, welches die Rolle der Propaganda im NS-Herrschaftssystem aufzeigen soll.
Für Arno Hamburger ist der Machtantritt der Nazis eine Katastrophe: als Jude erlebt er die Parteitage als Bedrohung. Bis er in die USA emigrieren kann, ist er zunehmenden Repressionen ausgesetzt. Als amerikanischer Soldat kehrt er 1945 in seine Heimatstadt zurück und erlebt als SPD Stadtrat, wie sich seit den 70er Jahren eine junge Generation für die Aufarbeitung der NS-Geschichte Nürnbergs einsetzt.

Friedrichshafen · Die Stadt des Zeppelins

Seit einigen Jahren fliegt er wieder: der Zeppelin, eine Legende am Himmel. Ihm verdankt ein kleines, verschlafenes Städtchen am Bodensee den Aufstieg zu einer bedeutenden Technologie-Region.

Die deutsche Autobahn

Die deutsche Autobahn ist mehr als nur ein Verkehrswegesystem. Vor allem für die Deutschen. Schon die Anfänge des Autobahnbaus halten eine Reihe von Legendenbildungen bereit, die der profanen Straße einen Mehrwert verleihen.

Der Bahnhof Friedrichstraße in Berlin

Direkt an der Spree in Berlins Mitte, entstand der Bahnhof Friedrichstraße, 1882 zunächst als Durchgangsbahnhof für die Berliner Vorortbahn, die seit 1838 das Zentrum der stetig wachsenden Stadt mit den neuen Vororten am Stadtrand verband. Wenig später wurde der Bahnhof auch für die Fernbahn genutzt und in den 1920er Jahren kam mit der U-Bahn ein drittes Schienenverkehrsmittel hinzu.
Mit der Gründung der DDR und der Teilung Deutschlands änderte sich alles: Nach dem Bau der Mauer 1961 wurden die Verkehrsverbindungen unterbrochen. Berlins einstiges Zentrum lag nun am Rand; der Bahnhof Friedrichstraße wurde Grenzübergang und ein Symbol der Teilung. So hieß die Halle für die Ausreiseabfertigung aus der DDR aufgrund der zahllosen Abschiedstränen, die hier vergossen wurden, im Volksmund „Tränenpalast“. Erst mit dem Fall der Mauer und der Zusammenführung der alten Trassen, die 28 Jahre lang getrennt gewesen waren, wurde der Bahnhof Friedrichstraße wieder zu einem zentralen Bahnhof der neuen, alten Hauptstadt.

Mythos Bayreuth · Die Wagner-Festspiele

Jedes Jahr im Juli und August wird die bayerische Kleinstadt Bayreuth zur großen gesellschaftlichen Bühne: Wagner-Fans aus aller Welt reisen an, um den Inszenierungen der sagenhaften Geschichten von Lohengrin, Parsifal, Tristan und Isolde oder der Helden aus dem „Ring des Nibelungen“ beizuwohnen. Fünf Wochen lang ist das Festspielhaus auf dem Grünen Hügel das Zentrum der Opernwelt und huldigt dem Künstler, der es in den 1870er Jahren, abseits der Metropolen, für die Aufführung seiner Werke erbauen ließ: Richard Wagner. Aber der Komponist war nicht nur ein Epoche machendes musikalisches Genie; sein Größenwahn und Antisemitismus machen ihn auch zu einer durchaus zwiespältigen und umstrittenen Erscheinung. Der Film geht dem Mythos Bayreuth, den Sonnen- und Schattenseiten des Wagnerkults auf den Grund.

Das Berliner Olympiastadion

09. Juli 2006 – Frankreich gegen Italien im Endspiel um die Fußballweltmeisterschaft – im Berliner Olympiastadion. Die Organisatoren haben damit für den Höhepunkt der Fußball-WM 2006 in Deutschland ein Stadion ausgesucht, in dem sich, wie in kaum einem anderen die wechselvolle deutsche Geschichte spiegelt.

Schon 1913 entsteht auf Initiative von Kaiser Wilhelm II. am Westrand von Berlin-Charlottenburg das „Deutsche Stadion“ als „Vorläufer“ des heutigen Olympiastadions. In den 30er Jahren lässt es Hitler abreißen und ordnet an dieser Stelle den Neubau einer riesigen Stadionanlage an. Am 1. August 1936 wird sie gemeinsam mit den XI. Olympischen Sommerspielen eröffnet – es ist die einzige vollständig realisierte und erhaltene Großanlage des „Dritten Reiches“. Am Ende des Zweiten Weltkrieges wird das Olympiastadion zum Schauplatz blutiger Kämpfe zwischen „Volkssturm“ und „Roter Armee“.
Nach dem Krieg nutzen die britischen Alliierten das Stadion als Hauptquartier und Paradeplatz und bis in die Neunziger Jahre ist es immer wieder Schauplatz sportlicher Auseinandersetzung zwischen Ost und West, BRD und DDR. Aber 1990 wird hier symbolisch auch die Wiedervereinigung gefeiert, mit einem Spiel der beiden Traditionsvereine Hertha BSC (West) und 1. FC Union (Ost).
2000 beginnt man mit dem Umbau des Stadions, für die Fußball-WM sollte es grundlegend modernisiert werden. Am 31. Juli 2004 wird es mit dem Entzünden der Olympischen Feuerschale eingeweiht. Die beiden „Fackelläuferinnen“: die Enkelinnen von Jesse Owens (USA) und Luz Long (Deutschland). Die beiden Sprinter-Helden der Spiele von 1936, die trotz Rassegesetzen während der Spiele Freundschaft schlossen.
Der Umbau des Stadions war nicht unumstritten. So war der Umgang mit dem baulichen Erbe der NS-Zeit denn auch viel diskutiertes Thema zwischen Umbauarchitekten und Denkmalschützern.

Die Sendung erzählt die Geschichte des Olympiastadions mit Hilfe von historischem Filmmaterial, eindrucksvollen Aufnahmen vom Stadion und Zeitzeugen. Mit ihren 92 Jahren extra zu den Dreharbeiten ins Stadion angereist: Elfriede Kaun, die bei den Olympischen Spielen 1936 Bronze im Hochsprung gewann.
Aber auch Hertha-Fans, Sicherheitsbeamte, Hausmeister und die Architekten des letzten Umbaus kommen zu Wort. Sie alle beleben das Bild einer langen Stadiongeschichte: vom einstigen Deutschen Stadion des Kaisers bis hin zur „Event-Arena“ des 21. Jahrhunderts.

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Autor/in
Claudia Heidenfelder