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Hermann Hesse | Hintergrund

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Autor/in
Catarina Volkert

Hermann Hesse – Kurzbiografie


1877
Am 2. Juli 1877 wird Hermann Hesse in Calw (Württemberg) als zweites Kind von Marie und Johannes Hesse geboren.

1881
Umzug der Familie Hesse nach Basel, wo Hesses Vater einen Lehrauftrag an der Missionsschule in Basel annimmt.

1886
Rückkehr der Familie nach Calw, Hesse besucht dort die Lateinschule.

1890
Hesse besucht das Gymnasium in Göppingen.

1891
Mitte Juli besteht Hesse das Landexamen, das ihm ein kostenloses Studium zum Pfarrer oder Lehrer ermöglicht. Ab September besucht er das evangelisch-theologische Seminar des Klosters Maulbronn.

1892
Flucht aus dem Klosterseminar und erster Selbstmordversuch Hesses. Er wird daraufhin in die Nervenheilanstalt in Stetten eingewiesen, in welcher er bis Oktober bleibt.

1893
Hesse absolviert das "Einjährig-Freiwilligen-Examen" am Gymnasium in Cannstatt.

1894
Hesse macht ein 15-monatiges Praktikum in einer Turmuhrenfabrik in Calw.

1895
Im Oktober beginnt Hesse eine Ausbildung zum Buchhändler in Tübingen, welche er 1898 abschließt. Nebenher beschäftigt er sich ausgiebig mit Literatur.

1899
Erste Buchpublikation Hesses: Die Gedichtsammlung „Romantische Lieder“ erscheint im Oktober.
Hesse zieht wieder nach Basel und arbeitet dort als Buchhändler und Antiquar.

1904
Veröffentlichung seines ersten Romans „Peter Camenzind“, der ihn zum Bestsellerautor macht.
Hochzeit mit der Fotografin Maria Bernoulli, mit der er sich in Gaienhofen am Bodensee als freier Schriftsteller niederlässt.

1905
Geburt des Sohnes Bruno.

1906
Der Roman „Unterm Rad“ erscheint.

1909
Geburt des Sohnes Heiner.

1911
Geburt des Sohnes Martin.

1912
Übersiedlung der Familie nach Bern.

1914
Hesse wird im Ersten Weltkrieg der Deutschen Botschaft in Bern zum Dienst in der Kriegsgefangenenfürsorge unterstellt.

1916
Tod seines Vaters, psychische Krankheit seiner Frau Maria und Krankheit seines Sohnes Martin. Hesse leidet an Depressionen und muss seine Arbeit bei der Deutschen Botschaft für Kuraufenthalte unterbrechen.

1919
Im Frühjahr wird Hesse aus der Dienstverpflichtung zur Kriegsgefangenenfürsorge entlassen. Seine Frau befindet sich in einer Nervenheilanstalt, seine Kinder sind bei Verwandten und Bekannten untergebracht. Daher siedelt Hesse nach Montagnola/Tessin in die Casa Camuzzi über.

1922
Der Roman „Siddhartha“ erscheint.

1923
Scheidung von Ehefrau Maria.

1924
Hochzeit mit der 20 Jahre jüngeren Ruth Wenger.

1927
Scheidung von Ehefrau Ruth.
Der Roman „Der Steppenwolf“ erscheint und wird einer seiner größten Erfolge.

1931
Hochzeit mit der Kunsthistorikerin Ninon Dolbin. Mit ihr zieht er in ein neues Haus in Montagnola.

1933
Hesse vermittelt Visa, beherbergt Flüchtlinge aus Deutschland und gibt ihnen finanzielle Hilfen.

1935
Hesses Bruder Hans nimmt sich das Leben.

1943
Der Roman „Das Glasperlenspiel“ erscheint in der Schweiz.

1946
Hesse erhält den Nobelpreis für Literatur.

1962
An seinem 85. Geburtstag wird Hesse zum Ehrenbürger von Montagnola ernannt. Kurz darauf stirbt Hesse am 9. August 1962 an einer Hirnblutung.

Der Weg nach innen

Hermann Hesse gehört zu den Dichtern „Neuer Innerlichkeit“, die mit ihren Werken auf die entscheidenden Werte des Lebens hinweisen möchten. Hierzu gehören das Streben nach Bescheidenheit und Zufriedenheit, das Bemühen um das Gute im Menschen und die Orientierung am Wesentlichen, um dem Leben einen (neuen) Sinn zu geben und somit einen erfüllten Lebensinhalt zu finden. Hesse möchte die Selbstbesinnung seiner Rezipienten wecken und ihnen auf diese Art Wege zu neuer seelischer Tiefe weisen. Hesse war fest davon überzeugt, dass man nur über Dinge schreiben könne, die man auch selbst erlebt hatte, daher weisen seine Werke viele Parallelen zu seinem eigenen Leben auf: Er fand im Laufe seines Lebens den Weg zu sich selbst und zeigt den Rezipienten mit seinen autobiografischen Werken „den Weg nach innen“ auf.

Peter Camenzind

Der Roman „Peter Camenzind“, der 1904 erschien, machte den 27-jährigen Hesse zum Bestsellerautor. Das Werk mit autobiografischen Zügen handelt vom inneren Wandel des Peter Camenzind:

Peter C. stammt aus einem Dorf in der Schweiz. Im Gymnasium findet er Zugang zur Welt der Literatur und möchte Schriftsteller werden. Während des Studiums lernt er Richard kennen, mit dem ihn bald eine enge Freundschaft verbindet. Zum Abschluss des Studiums reisen die beiden nach Italien, kurz nach ihrer Rückkehr stirbt Richard unerwartet. Peter lässt sich den Wind der großen Welt um die Nase wehen und führt ein ausschweifendes Leben. Dieses widert ihn jedoch bald an und er kehrt in die Schweiz zurück, um sich in Basel niederzulassen. Immer wieder überwältigen Peter Selbstzweifel und Lebensüberdruss, bis er schließlich erkennt, dass er der den Städten und der intellektuellen Scheinwelt den Rücken kehren muss, um zu sich selbst zu finden. Am Ende stellt er fest, dass aus einem Dorfkind „trotz aller Künste kein Stadt- und Weltmensch zu machen ist“.

Unterm Rad

1906 erscheint der Roman „Unterm Rad“, in dem Hesse die autoritären Strukturen der Erziehung in Frage stellt und Anklage gegen eine unmenschliche Bildungsmaschinerie erhebt. Hesse versucht in diesem autobiografischen Roman, sich selbst und der Welt sein Scheitern im Seminar Maulbronn zu erklären:

Der 14-jährige Hans Giebenrath besucht das Klosterseminar in Maulbronn und freundet sich dort mit seinem Mitschüler Hermann Heilner an. Die Lehrer beklagen Hermanns schlechten Einfluss auf den Musterschüler Hans und verbieten deren Freundschaft. Daraufhin flieht der Tunichtgut aus dem Seminar, wird wieder eingefangen und letztlich aus der Klosterschule verbannt. Auch Hans wird nach Hause geschickt, als seine Nervenschwäche aufgrund hoffnungsloser Überforderung akut wird. Zunehmend trägt er sich mit Selbstmordgedanken. Er beginnt schließlich eine Lehre als Mechaniker und geht mit seinen neuen Kollegen auf Zechtour. Von dieser kehrt er jedoch nicht mehr nach Hause zurück, sondern wird am nächsten Tag ertrunken in einem Fluss gefunden.

Der Steppenwolf

Im 1927 erschienenen Roman „Der Steppenwolf“ beschreibt Hesse die schwierigen Prozesse der Selbstfindung und der Suche nach dem Sinn des Lebens. Auf dieser Reise ins Innere treten die Abgründe der eigenen Persönlichkeit und somit die Probleme des Mensch-Seins zutage:

Der Schriftsteller Harry Haller ist ein Einzelgänger, dessen Streben nach Unabhängigkeit ihn in gnadenlose Einsamkeit geführt hat. Er bezeichnet sich selbst als „Steppenwolf“. Wolf-ähnlich zieht er in der „Steppenlandschaft“ des modernen Lebens umher und ist völlig entfremdet von seiner kleinbürgerlichen Umwelt. Innerlich und äußerlich isoliert und verbittert sehnt er sich jedoch nach einem Lebenssinn. Haller ist verzweifelt über die Gespaltenheit der menschlichen Natur und versucht diese Disharmonie durch die Ausbildung einer neuen geistigen Haltung auszumerzen, wobei er sich immer wieder mit Suizidgedanken trägt. Seine Krise führt ihn jedoch nicht zum Tod, sondern zur Erkenntnis, dass er nicht nur aus zwei Wesen (Mensch und Wolf), sondern aus hunderten, aus tausenden Wesen besteht.

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Siegfried Lenz

In Ausschnitten aus Fernsehsendungen von 1970 bis 2006 schildert Siegfried Lenz, Jahrgang 1926, wie prägend er den Zweiten Weltkrieg, den Holocaust und die Zerstörungen im Nachkriegseuropa erlebt hat. Er erzählt, welche Rolle persönliche Erlebnisse in seinen Werken spielen, was er mit seinen Texten beabsichtigt und wie er zu seinen Lesern steht. Lenz berichtet auch, wie der Gedichtband „So zärtlich war Suleyken“ zustande kam und er spricht über seinen Roman „Deutschstunde“ – über die Wahl des Titels und über seine Faszination, sich in die gegensätzlichen Protagonisten hineinzuversetzen, jeden von ihnen zu „verstehen“. Nur, wenn man beim Schreiben von sich selbst absehe, so Siegfried Lenz, könne man glaubwürdige Figuren schaffen.

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Günter Grass

In Ausschnitten aus Fernseh-Sendungen von 1962 bis 2013 erzählt Günter Grass, wie er als Kind in Danzig zu lesen begann und wie er die Zeit des Nationalsozialismus erlebt hat. Im Zusammenhang mit seinen Erfahrungen im Zweiten Weltkrieg reflektiert er seinen Entschluss, Schriftsteller zu werden. Er schildert, wie es zu der Figur des Oskar in der „Blechtrommel“ kam und erläutert, welchen Einfluss seine Arbeit als Bildhauer auf den Schreibprozess hat. Auch seine politischen Anliegen werden deutlich.

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Peter Stamm

Peter Stamm erzählt, warum er Schriftsteller geworden ist, und beantwortet Fragen zu seinem Roman „Agnes“. Er spricht über die beiden Hauptfiguren und deren Beziehung und denkt über das Problem nach, das entstehen kann, wenn Menschen sich ein starres Bild von anderen machen. Er lässt sehr offen und direkt an der Entstehung seines Werkes teilhaben und geht auch auf das ungewöhnliche Ende des Romans ein.

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Max Frisch

1961 entstand eine Filmdokumentation über Max Frisch, als dieser gerade seinen Lebensmittelpunkt nach Rom verlegt hatte. Bei einer Autofahrt durch die Stadt schildert er, was ihm an Rom so gefällt. Er erzählt, auf welchen Umwegen er Schriftsteller wurde, warum er schreibt und wie er arbeitet, und er äußert sich darüber, welches Verhältnis er zu Friedrich Dürrenmatt hat und wie er zu seinem Heimatland Schweiz steht.

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Friedrich Dürrenmatt

In Auszügen aus einer Filmdokumentation von 1984 illustriert Friedrich Dürrenmatt mit einer Anekdote, was für ihn Humor ist. Er erzählt, warum das „Irrenhaus“ in seinen Werken eine Rolle spielt, und er erklärt, wie er schreibt und was er mit seinen Texten bewirken will. Auch zum Thema Religion gibt er eine persönliche Stellungnahme ab.

Autoren erzählen SWR Fernsehen

Anna Seghers

In Fernseh-Interviews aus dem Jahr 1965 erklärt Anna Seghers, warum sie sich nach langen Jahren der Emigration dann nach dem Zweiten Weltkrieg entschied, in die DDR zu gehen, und welche Aufgabe sie für sich dort sah. Sie äußert sich zur Berliner Mauer und zum Verhältnis zwischen Künstlern und Staat. Am liebsten spricht sie jedoch über ihre gerade entstehenden Werke und über das Anliegen, das sie mit ihren Erzählungen verfolgt.

Autoren erzählen SWR Fernsehen

Christa Wolf

In Ausschnitten aus einem Gespräch mit Schülern im Jahre 1990 erzählt Christa Wolf, wie sie den Fall der Berliner Mauer erlebt hat, warum sie nach der „Wende“ die DDR-Bürger aufgefordert hat, nicht aus ihrer Heimat wegzugehen, und warum sie vom Sozialismus so überzeugt war. Sie spricht über ihr widersprüchliches Verhältnis zum Leben in der DDR, in der sie Parteimitglied war und doch vieles so kritisch sah.

Autoren erzählen SWR Fernsehen

Heiner Müller

In drei Fernseh-Porträts aus den Jahren 1985 bis 1990 erzählt Heiner Müller, warum es in seinen Stücken oft so blutrünstig zugeht, und welche Themen ihn interessieren. Er äußert sich zum Kapitalismus und zum Sozialismus und dazu, was er für typisch deutsch hält. Und er beantwortet die Frage, warum er sich wiederholt dafür entschied, in der DDR zu bleiben, obwohl seine Stücke dort immer wieder verboten wurden.

Autoren erzählen SWR Fernsehen

Uwe Johnson

In Ausschnitten aus Fernseh-Sendungen aus den Jahren 1968 und 1971 skizziert Uwe Johnson seinen Lebenslauf und erklärt, warum er nicht gern als „Dichter der beiden Deutschland“ bezeichnet wird. Er denkt darüber nach, warum manche Menschen Schwierigkeiten beim Lesen seiner Geschichten haben, erzählt, warum er lieber Geschichten schreibt, als über sich selbst zu sprechen, und spricht über die Vor- und Nachteile seines Berufs.

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Hermann Hesse

Wie kaum ein anderer Autor von Weltrang hat Hermann Hesse sein literarisches Werk aus den Erfahrungen seines eigenen Lebens geschöpft - von den Krisen seiner Jugendjahre bis zur Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus und dem Kalten Krieg. Die Stationen seines Lebens zwischen seinem Geburtsort Calw im Schwarzwald und Montagnola im Tessin, wo er die letzten 40 Jahre seines Lebens verbrachte, sind zugleich eine Art Wegweiser zur inneren Entwicklung und zum Werk des Dichters.

Rafik Schami · Der Erzähler

Vor fast einem halben Jahrhundert floh Rafik Schami aus der Diktatur Syriens nach Deutschland. Selten sieht man so deutlich, wie eng Literatur und politische Wirklichkeit zusammenhängen. Rafik Schami gelingt es eine Lesetournee zu veranstalten, bei der vier Monate lang jeden Abend Hunderte von Zuhörern kommen. Wenn er erzählt, dann hört Arabien auf fremd zu sein. Das Porträt zeigt den Schriftsteller bei Lesungen, Diskussionen, Preisverleihungen und mit seiner Frau, der Schriftstellerin Root Leb.

Rafik Schami - Der Erzähler SWR Fernsehen

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Autor/in
Catarina Volkert