Klimakatastrophe am Nordpol

Wird der Eisbär jetzt heimatlos?

Dem Eisbären schmilzt die Scholle unter seinen Tatzen weg. Durch die Erderwärmung verschwindet das Meereis um den Nordpol, und zwar immer schneller. Schuld daran ist der Treibhauseffekt, der durch den Ausstoß von Kohlendioxid und anderen klimaschädlichen Gasen verursacht wird.

1980 war das Nordpolarmeer noch auf 7,8 Millionen Quadratkilometern zugefroren, eine Fläche etwa so groß wie Australien. Innerhalb von 30 Jahren ist die Eisfläche auf etwa die Hälfte geschrumpft! Die Eisplatten tauen inzwischen schon im Frühjahr ab. Wenn es so weitergeht, wird das „ewige Eis“ bald völlig verschwunden sein.

Für den Eisbär ist das eine Katastrophe. Umweltorganisationen befürchten, dass Eisbären und Seehunde schon in den nächsten 20 Jahren aussterben werden. Auch Zugvögel verlieren durch das veränderte Klima ihre Brutplätze in der Arktis.

Neuen Lebensraum findet dagegen jetzt schon ein anderer Meeresräuber: Weil das Eis immer weiter zurückgeht, kann nun auch der Schwertwal hoch oben im Norden auf Futtersuche gehen.

Eisbrecher
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Eisbär am Eisrand
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Abkürzung durchs Eismeer

Das Eis im Nordpolarmeer schmilzt dramatisch. Dadurch ist ein Handelsweg zwischen Europa und Asien frei geworden: die Nordost-Passage. Dieser Seeweg verläuft an der Nordküste der Kontinente Europa und Asien. Früher konnten große Transportschiffe diesen Weg nur im Hochsommer durchfahren. Denn die Nordost-Passage war fast das ganze Jahr über zugefroren und wegen der Eismassen viel zu gefährlich. Schiffe, die zwischen Rotterdam und Tokio unterwegs waren, nahmen deshalb die lange Route durch das Mittelmeer, den Suezkanal und um Indien herum.

Neue Satellitenbilder zeigen, dass der Weg durchs Nordpolarmeer mehr und mehr eisfrei wird. So wird die Fahrt für Schiffe leichter – auch ohne Eisbrecher. Das spart Zeit und Transportkosten, denn die Strecke durch das Nordpolarmeer ist um mehrere Tausend Kilometer kürzer als die alte Strecke durch den Suezkanal.

Der Permafrost taut

Arktische Böden setzen Treibhausgase frei

Die gefrorenen Böden der Arktis tauen durch den Klimawandel schneller als bisher angenommen. Dadurch könnten riesige Mengen des Treibhausgases Methan in die Atmosphäre gelangen. Das würde die Erwärmung der Erde zusätzlich beschleunigen.

Permafrostböden erstrecken sich auf der Nordhalbkugel über riesige Gebiete. Hauptsächlich sind sie in weiten Teilen Sibiriens und Alaskas zu finden. Ihr Name stammt daher, dass sie das ganze Jahr über gefroren sind – bisher jedenfalls. Doch die Temperaturen auf der Erde steigen. Seit einigen Jahren erwärmen sich die gefrorenen Böden im hohen Norden, beginnen zu tauen und verwandeln sich in riesige Sümpfe.

Wissenschaftler vermuten, dass der tauende Permafrost den Klimawandel beschleunigen könnte. Denn die Böden enthalten Methan, ein von Mikroorganismen produziertes Gas. Dieses Treibhausgas wirkt auf das Klima ungefähr 20- bis 30mal so stark wie Kohlendioxid. Zusätzlich sind im gefrorenen Erdreich große Mengen an Kohlenstoff gespeichert. Mit den steigenden Temperaturen beginnt hier ein teuflischer Kreislauf: Taut durch den Klimawandel der Permafrost auf, gelangen Methan und Kohlendioxid in die Luft. Die Treibhausgase erwärmen die Atmosphäre, die Erde heizt sich auf, das Eis schmilzt – und der Klimawandel verstärkt sich selbst.

Uneinig sind sich die Forscher bisher darüber, wie schnell die Permafrostböden auftauen werden. Auch die Frage, wie viel Treibhausgase dabei tatsächlich frei werden, ist bisher noch ungeklärt.

Arktische Tundra mit Permafrost-Boden, Nordkanada
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Auch der Koalabär ist vom Klimawandel betroffen
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Permafrostboden
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Koalabär im Klimawandel

Trübe Aussichten für den Koalabären: Das niedliche Beuteltier ist vom Klimawandel massiv bedroht. Denn das Treibhausgas Kohlendioxid lässt die Blätter seiner Leibspeise ungenießbar werden: Eukalyptusblätter werden durch den steigenden CO2-Gehalt in der Luft ledrig und ungenießbar. Weil sich ihr Nährstoffgehalt verringert, muss der Koala wesentlich mehr Eukalyptus fressen, um satt zu werden. Das gilt genauso für andere Beuteltiere und Beuteltierähnliche. Auch viele weitere Tierarten sind durch den Klimawandel direkt in Gefahr, vor allem in den Polargebieten. Ringelrobbe und Kaiserpinguin verlieren durch das zurückgehende Eis ihren Lebensraum. Und der arktische Belugawal findet immer weniger Beute. Was tun? Die Weltnaturschutzunion (IUCN) betont, dass der Einzelne nicht machtlos sei. Jeder könne seinen Kohlendioxidausstoß senken und sich für den Klimaschutz stark machen.

Alarm in den Alpen

Droht unseren Gletschern der Hitzetod?

Er ist der gewaltigste aller Alpengletscher: Über 23 Kilometer Länge misst der Aletschgletscher in den Berner Alpen. Seine Eisdecke ist bis zu 900 Meter dick. Noch! Denn die weiße Pracht der Gletscher könnte schon bald Geschichte sein.

Seit Jahrzehnten beobachten Forscher, dass die Eismassen weniger werden. Durchschnittlich einen halben Meter Dicke verlieren sie pro Jahr. Schuld ist der Klimawandel, der die Temperaturen auf der Erde ansteigen lässt: In den immer wärmeren Sommern schmilzt mehr Eis als in der kalten Jahreszeit wieder hinzukommt. Besonders der heiße Sommer 2003 machte den Eisriesen zu schaffen: Damals waren große Teile der Gletscher weggeschmolzen. Inzwischen wird sogar befürchtet, die Alpengletscher könnten bereits in 30 Jahren verschwunden sein.

Für die Landschaft der Alpen wäre das ein großer Verlust – und eine Katastrophe für den Tourismus: Viele Wintersport-Orte leben von den Skigebieten auf Gletschern. Wenn Eis und Schnee schmelzen, bleiben auch die Touristen fern. Zusätzlich wird es Probleme mit der Wasserversorgung geben, wenn die Gletscher sterben. Denn in ihren Eismassen sind gewaltige Mengen Süßwasser gespeichert. Viele Orte müssten ihr Trinkwasser dann teuer und von weit her transportieren.

Der Klimawandel lässt die Gletscher schrumpfen.
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Großer Aletschgletscher
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Frischhaltefolie für Gletscher

Um ihre Gletscher vor steigenden Temperaturen zu schützen, haben sich die Österreicher etwas ausgedacht: Sie bedecken ihre Gletscher im Sommer mit einer Frischhaltefolie aus Kunststoff. Die knapp vier Millimeter dicke, weiße Folie soll die Sonnenstrahlen reflektieren und so verhindern, dass Eis und Schnee abschmelzen. Und tatsächlich: Gletscherforscher bestätigen, dass die Folie das Abschmelzen stark verringert.

Auch in der Schweiz und Deutschland werden mittlerweile Gletscherfolien eingesetzt. Auch die Zugspitze bekommt nun regelmäßig einen „Sonnenhut“. Klimaschützer kritisieren, dass damit zwar das Abschmelzen des Eises für einige Zeit gebremst werde, die Erderwärmung könne man auf diese Weise aber nicht stoppen.

Polargebiete – Arktis und Antarktis

Die größten Eisflächen der Erde liegen rund um den Nordpol und den Südpol. Wegen ihrer besonderen Lage bekommen die Polargebiete nur sehr wenig Sonnenlicht und Sonnenwärme ab, die Sommer sind dort besonders kurz. Deshalb ist es dort immer extrem kalt – das ganze Jahr über herrschen Temperaturen von bis zu minus 70 Grad Celsius. Durch die Kälte konnten sich in den Polargebieten riesige Eismassen bilden.

Eismassen in Grönland
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Das Eis der Arktis rund um den Nordpol bedeckt im Winter einen großen Teil des Nordpolarmeers. Es erstreckt sich dann über eine Fläche von mehreren Millionen Quadratkilometern. Zum großen Teil handelt es sich dabei um eine Eisschicht, die auf dem Meer schwimmt. Außerdem bedeckt das arktische Eis die nördlichen Gebiete von Europa, Asien und Nordamerika.

Eisbär
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Dagegen befindet sich der Südpol auf einem Kontinent, der Antarktis. Die Antarktis ist der kälteste Ort auf der Erde. Ihre Landmasse liegt fast völlig unter einem Panzer aus Eis und Schnee begraben, der bis zu 4 Kilometer dick ist. Fast drei Viertel des Süßwassers auf der Erde sind in diesem Eis gespeichert.

Pinguine in der Antarktis
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Menschen, Tiere und Pflanzen haben sich dem Leben im „ewigen Eis“ angepasst. Eisbären oder Rentiere schützen sich zum Beispiel mit einer Fettschicht und einem dichten Fell gegen die Kälte. Die Antarktis bewohnen nur wenige Menschen, die Arktis ist etwas stärker besiedelt. Die bekanntesten Bewohner der Arktis sind die Inuit in Nordamerika und Grönland, daneben gibt es auch die Lappen in Nordskandinavien und Naturvölker im nördlichen Sibirien. Früher lebten sie dort als Nomaden und bewegten sich mit Hundeschlitten fort. Heute benutzen sie Schneemobile und viele von ihnen leben in Städten.

In den Eiswüsten um die Pole wächst wegen der großen Kälte kaum etwas. Der Boden zwischen den Polregionen und der kalt-gemäßigten Zone ist bis in große Tiefe dauerhaft gefroren. Nach dem lateinischen Wort „permanere“ für „andauern“ nennt man diesen Untergrund daher auch Permafrost. Nur wenige Monate im Jahr taut er etwas auf. Dann können besonders abgehärtete Pflanzen wie Moose, Flechten oder Zwergsträucher darauf wachsen. Diese Region rund um die Polargebiete wird auch subpolare Tundra genannt.

Eismassen im Polarmeer
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Die Polarregionen sind die kältesten Gebiete der Erde. Gerade hier zeigt sich auch, dass sich die Erde aufheizt: Seit einigen Jahren beobachten Forscher, dass die Eismassen von Arktis und Antarktis schmelzen. Die Folgen dieser Erwärmung lassen sich noch nicht genau abschätzen. Klar ist aber schon jetzt, dass viele Lebensräume durch das Schmelzen der Pole bedroht sind.

Eislandschaft in der Arktis
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Der Treibhauseffekt

In einem Treibhaus können Gemüse oder Blumen auch dann gedeihen, wenn es draußen kalt ist. Das liegt daran, dass Treibhäuser aus Glas gebaut sind. Das Glas – oder auch eine durchsichtige Folie – lässt die kurzwelligen Sonnenstrahlen ungehindert ins Innere gelangen: Die Luft erwärmt sich. Für die langwellige Wärmestrahlung dagegen ist das Glas undurchlässig, die Wärme kann also nicht mehr hinaus. Darum wird es in einem Treibhaus mollig warm.

Im Treibhaus wachsen Pflanzen auch bei niedriger Außentemperatur
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Etwas Ähnliches geschieht im großen Maßstab auf der Erde. Die Treibhausgase Kohlendioxid (CO2) und Wasserdampf sind von Natur aus in der Atmosphäre enthalten. Wasserdampf gelangt durch Verdunstung in die Luft, Kohlendioxid dadurch, dass wir ausatmen. Auch Vulkanausbrüche tragen zum natürlichen Kohlendioxidgehalt der Luft bei. Beide Gase haben den gleichen Effekt wie das Glas eines Treibhauses: Sie lassen die kurzwelligen Sonnenstrahlen bis zur Erde vordringen. Gleichzeitig behindern sie, wie eine unsichtbare Schranke, die langwellige Wärmestrahlung auf ihrem Rückweg ins All. Die Wärme staut sich und die Atmosphäre heizt sich auf.

Wasserdampf hält die Wärme auf der Erde fest
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Ohne den natürlichen Treibhauseffekt wäre es auf der Erde viel kälter
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Ohne diesen natürlichen Treibhauseffekt wäre kaum Leben auf der Erde möglich, denn für die meisten Lebewesen wäre es viel zu kalt. Anstatt der aktuellen Durchschnittstemperatur von plus 15 Grad würden hier eisige minus 18 Grad Celsius herrschen. Die Erdoberfläche wäre tiefgefroren!

Das Treibhausgas Kohlendioxid entsteht beim Verbrennen …
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Das Problem beginnt dann, wenn wir den Anteil an Treibhausgasen in der Atmosphäre zusätzlich erhöhen. Das geschieht vor allem durch das Verbrennen von Erdöl, Erdgas und Kohle. Wohnung heizen, Auto fahren, Müll verbrennen: Bei all diesen Vorgängen wird Kohlendioxid ausgestoßen. Dieses CO2 hat den größten Anteil am menschengemachten Treibhauseffekt. Aber auch der Anbau von Reis oder die Rinderhaltung verstärken den Effekt: In den Mägen von Wiederkäuern und in den überfluteten Böden der Reisfelder entstehen große Mengen Methan (CH4) – ebenfalls ein Treibhausgas. Zusätzlich gehören noch Lachgas, Ozon und Fluorkohlenwasserstoff zu den Treibhausgasen. Weil durch all diese Gase die Wärmeabstrahlung der Erde gebremst wird, steigen die Temperaturen auf unserem Globus weiter an.

…zum Beispiel von Benzin.
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Die Folgen des Klimawandels

Besonders deutlich ist der Klimawandel schon jetzt in den Polarregionen sichtbar. Noch vor wenigen Jahrzehnten war das Nordpolarmeer zu einem großen Teil von Eis bedeckt. Doch durch die steigenden Temperaturen schmilzt diese Eisdecke: In den letzten 30 Jahren hat sich ihre Fläche fast halbiert. Gleichzeitig wird die Eisschicht immer dünner. Klimaforscher haben berechnet, dass das Eis in den nächsten 20 Jahren ganz abschmelzen könnte. Der Meeresspiegel würde dadurch um einige Meter steigen. Doch nicht nur die Eisschilde an den Polen schmelzen. Auch die Gletscher der Hochgebirge verlieren an Masse.

In der Arktis wird das Eis immer dünner
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Weil durch die Eisschmelze der Meeresspiegel steigt, werden immer größere Küstengebiete überschwemmt. Niedrig gelegene Inselstaaten, wie die Malediven im Indischen Ozean oder Tuvalu im Pazifik, sind darum von Sturmfluten immer stärker bedroht. Und nicht nur der Meeresspiegel, auch die Wassertemperatur steigt mit dem Klimawandel. Dadurch verdunstet mehr Wasser und in der Luft wird mehr Wasserdampf gespeichert. Das verstärkt den Treibhauseffekt, der die Atmosphäre weiter aufheizt. Zusätzlich erhöht sich dadurch die Gefahr von Unwettern wie Starkregen und Wirbelstürmen.

Die Malediven sind vom Klimawandel direkt bedroht
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In trockenen Regionen breiten sich durch steigende Temperaturen die Wüsten aus. Immer mehr Dürren sorgen dafür, dass Flüsse austrocknen und bisher grüne Landstriche verdorren. Im Süden von Spanien bleiben zum Beispiel schon seit Jahren die gewohnten Regenfälle aus, die für die Landwirtschaft dringend benötigt werden. Und die Wasserknappheit in Südeuropa verstärkt sich weiter.

Die Gefahr von Unwettern nimmt mit dem Klimawandel zu
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All diese Folgen des Klimawandels kann man bereits jetzt beobachten. Wie es weitergeht, versuchen Klimaforscher mit Hilfe von Computermodellen zu berechnen. Doch die Zukunft lässt sich nur schwer voraussagen, weil so viele Einflüsse unser Klima bestimmen. So wird durch die Gletscherschmelze das salzige Meerwasser mit Süßwasser verdünnt. Der Salzgehalt des Meeres jedoch treibt die Meeresströmungen an. Was könnte also geschehen, wenn durch den geringeren Salzgehalt der warme Golfstrom abreißt? Wird es dann in Europa zunächst kälter statt wärmer? Was würde passieren, wenn im hohen Norden der Permafrost taut? Entweichen dann aus dem Boden Tonnen des Treibhausgases Methan? Und wird dadurch der Klimawandel beschleunigt?

Spaniens Süden trocknet aus
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Bisher kann das niemand genau beantworten. Bei all den offenen Fragen scheint aber eines sicher zu sein: Wenn wir unseren Ausstoß an Kohlendioxid nicht drastisch senken, werden die Temperaturen auf diesem Globus weiter steigen.

Gletscherschmelze im Kaukasus
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