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Hintergrund: Sportarten der Antike

Der Fünfkampf (Pentathlon)

1. Der Diskuswurf: Die Fünfkämpfer waren beim Publikum besonders geliebt. Ihr vielseitiges Können und ihre athletischen Körper entsprachen den Vorstellungen der Griechen von einem vollkommenen Menschen.

Doch als die Scheibe dann nahm der standhafte Held Polypoites, Warf er sie weit wie ein Rinderhirt das gebogene Wurfholz, Das da im wirbelnden Fluge fliegt durch die weidenden Rinder, Über die ganze Versammlung hinaus; da schrien die Männer." (Ilias 23/826ff)

2. Der Weitsprung: Er erfolgte aus dem Stand mit Hilfe von Schwunggewichten, den sogenannten Halteren. Die Sprungweiten wurden in der geharkten Erde der Sprunggrube mit Strichen markiert. Da Sprungweiten von über 16 Metern überliefert sind, wird angenommen, dass fünf Sprünge zusammengezählt wurden.

  • Die Technik des Diskuswurfs glich der heutigen. Rechte: SWR

  • Der Weitsprung erfolgte aus dem Stand mit Hilfe von Schwunggewichten. Rechte: SWR

3. Der Speerwurf: Im Unterschied zum heutigen Speerwurf wurde der Speer mit Hilfe von zwei ledernen Fingerschlaufen von der Balbis aus geworfen. Diese vom Militär übernommene Technik ermöglichte größere Weiten. Wie bei den anderen Übungen gab es auch hier mehrere Versuche, die größte Weite zu erreichen.

  • Die Statue eines antiken Speerwerfers zeigt eine ähnliche Abwurfhaltung wie bei heutigen Athleten. Allerdings wurde der Speer mit Hilfe ledernen Fingerschlaufen am Speer abgeworfen. Rechte: SWR

4. Der Lauf: Der Start erfolgte bei allen Laufdisziplinen von einer Steinschwelle, in deren Einkerbungen die Athleten wie in den modernen Startblöcken Halt fanden. Die Laufbahnen waren wie heute 1,25 m breit. Beim Fünfkampf wurde wahrscheinlich eine Stadie (ca. 197 Meter) weit gelaufen.

5. Der Ringkampf: Wahrscheinlich war der Ringkampf ein Standkampf, bei dem derjenige Sieger war, der den Gegner dreimal zu Boden werfen konnte. Inwieweit gewalttätige Griffe erlaubt waren, ist umstritten. Sicher war aber das Wegschlagen der Beine und das Beinstellen erlaubt. Beim Fünfkampf wurde wahrscheinlich derjenige Sieger, der zuerst drei Disziplinen gewonnen hatte. Gab es nach der vierten Disziplin noch keinen Gewinner, so musste der Ringkampf entscheiden.

Daten zu den Sportarten der Antike

Lauf- und Kampfdisziplinen

Die Laufdisziplinen
Der Lauf ist die älteste Disziplin der Olympischen Spiele und hat seine Wurzeln in den Opferdiensten an der alten Kultstätte Olympia. Nach Pausanias wurden die Laufdisziplinen in der Reihenfolge Dolichos (bis zu 4600 m), Stadionlauf (eine Stadie, ca. 197 m) und Diaulos (394 m) durchgeführt.

  • Die ältesten olympischen Disziplinen: die Lauf-Wettkämpfe. Rechte: SWR

  • In voller Rüstung über zwei Stadien um die Wette laufen – schweißtreibend und wehrertüchtigend.... Rechte: SWR

Die Kampfdisziplinen
"Hat nun Pisa (Olympia) ein Ohr des Andreolos, so hat Plataiai eines der Augen. Für tot trug man in Pytho (Delphie) ihn weg." (Epigramm)

Zu den Kampfdisziplinen, die in der Goldenen Epoche der Spiele am 4. Tag stattfanden, zählten Ringkampf, Faustkampf, Allkampf und der Waffenlauf.

Der Ringkampf war wahrscheinlich ein Standkampf, bei dem derjenige Sieger war, der den Gegner dreimal zu Boden werfen konnte. Inwieweit gewalttätige Griffe erlaubt waren, ist umstritten. Sicher war aber das Wegschlagen der Beine und das Beinstellen erlaubt.

  • Bei den Kampfsportdisziplinen in der Antike ging’s nicht zimperlich zu – allenfalls der Ringkampf ist mit heute Erlaubtem zu vergleichen. Rechte: SWR

Der Faustkampf erforderte eine größere Härte von den Athleten als der Ringkampf im Fünfkampf, denn die Kämpfer schlugen solange aufeinander ein, bis einer aufgab oder zusammenbrach. Der anfängliche Lederriemen um die Handknöchel wurde zum Ende durch mit Eisen gespickte Schlagkanten ersetzt.

Schrecklich war das Knirschen der Kiefer, und überall strömte Schweiß herab von den Gliedern. Da erhob sich der edle Epeios, Schlug den Spähenden gegen die Backe, er konnte nicht länger Stehen, und nieder brachen ihm da die glänzenden Glieder." (Ilias 23/658ff)

Noch härter als der Faustkampf war der Allkampf (Pankration). Man kämpfte solange mit bloßen Händen bis der Gegner aufgab oder sich nicht mehr wehren konnte. So schlug man aufeinander ein, würgte, teilte Tiefschläge aus, trat den Gegner in den Unterleib oder riss ihn an den Ohren. Der Pankration ähnelte der Fortsetzung des Kampfes nach Verlust der Waffen um Leben und Tod, wie er in kriegerischen Zeiten oft wichtig war.

Der Waffenlauf der Schwerbewaffneten über zwei Stadien galt als hervorragende Kriegsübung, bei der wie im Kampf mit Helm, Beinschienen und Schild gelaufen werden musste. Mit der Kampftaktik des Waffenlaufes mit dem überraschenden Anrennens des Gegners in voller Rüstung wurden in der Folgezeit in den Perserkriegen große Erfolge erzielt.

Die Pferdewettkämpfe

Die Pferdewettkämpfe, die sogenannte „Hippischen Agone“ des 2. Tages im Goldenen Zeitalter der Spiele, bestanden aus Wagenrennen und Pferdewettrennen.

Alle erhoben zugleich die Geißeln über den Pferden, Schlugen auf sie mit den Riemen und riefen ihnen mit Worten Stürmisch. Und die durchmaßen in Eile das ebne Gefielde (…) Einmal rollten die Wagen dahin auf der nährenden Erde, Dann wieder sprangen sie hoch in die Luft (…)“
(Ilias 23/351)

Die Wagenrennen: Die Rennen der Viergespanne dienten ausschließlich dazu, Ruhm und Ehre der Fürsten und Herrscher Griechenlands zu veranschaulichen. Hier wurden die Ausstattung der Gespanne als Zeichen des Reichtums, die Siege als Zeichen der Macht angesehen. Am Anfang und Ende der Strecke des eigens für die Wettbewerbe der Pferde gebauten Hippodroms standen Säulen, die bis zu zwölf mal sehr eng und gewagt umfahren werden mussten, wobei es zwangsläufig zu Unfällen kam.

Pferdewettreiten: Zur Bereicherung des Programms hatte man bei der 33. Olympiade das Wettreiten eingeführt. Wie bei allen Kämpfen, an denen Pferde beteiligt waren, wurde auch beim Wettreiten die Ehre des Sieges dem Besitzer des Pferdes, nicht dem Reiter zuteil. Damit waren die Pferde die "wahren" Helden der Wettkämpfe, die Reiter blieben unbedeutend. So wurde z.B. der Stute Aura nach gewonnenem Rennen der Sieg zuerkannt, obwohl sie schon kurz nach dem Start ihren Reiter verloren hatte.

  • Der Wagenlenker von Delphi – ein Olympiasieger; Rechte: SWR

  • Pferdekopf, Ausschnitt aus einer bronzenen Reiterstatue

    Die wahren Helden dieser Wettkämpfe sind die Pferde, nicht die Reiter. Sie erringen den Olympiasieg für ihre Besitzer. Rechte: SWR

Ein berühmter Olympia-Sieger: Milon von Kroton

Bestes Beispiel für einen berühmten Sieger war der Ringer Milon von Kroton, der vor seinen olympischen Erfolgen als Erwachsener schon Sieger im Knabenringen war. Seine Ess- und Trinkkünste müssen allerdings noch erstaunlicher gewesen sein als seine Fähigkeiten als Ringer. Der Legende nach soll er einst neun Liter Wein auf einen Sitz getrunken haben und im Kriege aufgetreten sein wie Herkules, mit Keule und Löwenfell. Wir dürfen uns Milon von Kroton trotzdem nicht wie einen geistlosen Muskelprotz vorstellen. Er war Sänger, Dichter und Buchautor, zudem ein enger Freund von Pythagoras, dem großen griechischen Philosophen und verstand sich in seiner Lebensführung als Verkörperlichung des pythagoreischen Ideals der Harmonie von Körper und Geist.

In den Mythen der Griechen traf Milon ein Ende, wie es einem Halbgott zukam: Allein im Wald sah er einen frisch gefällten Baum, in dem Keile zum Spalten steckten. Von der eigenen Kraft überzeugt, steckte er beide Hände in den Spalt, um so den Baum zu zerreißen. Es gelang ihm auch, den Baum so weit auseinander zu ziehen, dass die Keile herausrutschten; dann aber schnappte der Baum zurück und beide Hände Krotons wurden eingeklemmt. Allein im Wald wurde Kroton in der Nacht dann von wilden Tieren zerrissen. Vermutlich wurden Milon und andere Anhänger des Phythagoras von einer wütenden Menge erschlagen - allerdings auf Geheiß eines vom Orden der Pythagoreer abgelehnten Mitbürgers.

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