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Unterricht: west.art Meisterwerke - Porträt

  • Das Bild zeigt eine Ansicht eines Mädchens bis zur Brust, ein fotorealistisches Porträt von Franz Gertsch. Sylvia II von Franz Gertsch; Rechte: WDR

Die vier Porträts aus der Reihe west.art Meisterwerke spannen einen Bogen vom Ende des 19. Jahrhunderts bis ins Jahr 2000. Drei Bilder sind eher realistische Porträts - die von Leibl, Gertsch und Richter -, August Mackes "Mädchen mit Fischglas" ist expressionistisch.

In diesem Projektvorschlag beschäftigen sich die Schüler arbeitsteilig mit den vier Bildern und den Stilmerkmalen. Die Gruppen kommen immer wieder zusammen, tauschen ihr Expertenwissen aus und vergleichen die Stile miteinander. An die Rezeption und Reflexion schließt sich idealerweise eine Gestaltungsaufgabe an.

Der Projektvorschlag ist umfangreich, da Porträts auf jeden Fall Thema im Kunstunterricht sind und es viele Ansatzpunkte für verschiedene Lernaspekte gibt. Die meisten Vorschläge lassen sich aber auch einzeln behandeln und frei kombinieren.

Annäherung an das Thema Porträt

Vor dem Anschauen der Filme bringt jeder Schüler mehrere Porträts mit. Das können sowohl Fotos als auch Zeichnungen oder Gemälde sein. In einer kleinen Ausstellung hat jeder Schüler Gelegenheit, sich alle Porträts in Ruhe anzuschauen. Um den Schülerinnen und Schülern eine gewisse Vorerfahrung mit Porträts zu verschaffen und den Blick für die Darstellungen zu schärfen, finden die Schülerinnen und Schüler verschiedene Oberkategorien, nach denen man die Porträts ordnen kann. Sie werden auf dem Fußboden oder an der Wand in einer überdimensionalen Tabelle (Fußbodentabelle) eingeordnet. Die Methode wird auf AB 1 "Fußbodentabelle" genau erläutert.

Die Schüler überlegen sich in Gruppen Kategorien und schreiben sie auf Pappkarten. Die Kategorien müssen sich ausschließen, so dass jedes Bild nur einmal eingeordnet werden kann. Die Kategorien können je nach Altersstufe und Vorwissen der Klasse verschiedenen Ebenen betreffen:

  • die abgebildeten Personen (zum Beispiel alt/jung, Geschlecht, Ausdruck),
  • die Art der Abbildung (zum Beispiel Fotografie, Gemälde, Zeichnung),
  • der Stil (zum Beispiel abstrakt, realistisch),
  • die Bekanntheit der Bilder (zum Beispiel allen Schülern bekannt, einigen bekannt),
  • die Zeit der Entstehung (nach Jahrhunderten oder Jahrzehnten).

Eine Gruppe beginnt, die Bilder in ihre Kategorien einzuordnen, ohne die Kategorien offen zu legen. Die übrigen Schüler müssen die Kategorien erraten. Alternativ können die Kategorien auch im Unterrichtsgespräch an der Tafel gesammelt werden und dann in zwei, drei unterschiedlichen Tabellen geordnet werden. Anschließend wird besprochen, wen welche Bilder besonders ansprechen. Nach welchen Gesichtspunkten ließe sich eine Ausstellung zusammenstellen?

Die Porträts aus den Filmen

  • Eine junge Frau hört sich vor Wilhelm Leibls "Mädchen am Fenster" einen Audioguide an. Wilhelm Leibls "Mädchen am Fenster" im Wallraff-Richartz-Museum, Köln; Rechte: WDR

So eingestimmt, werden die vier Porträts der west.art Meisterwerke vorgestellt. Je nach Zeit und Möglichkeit können die ersten Szenen aus den Filmen gezeigt werden, bis das Bild das erste Mal vollständig im Film erscheint – eventuell auch ohne Ton, um nicht zuviel Information vorwegzunehmen. Oder Sie zeigen die vier kurzen Filme nacheinander. Die Schüler entscheiden sich, welches Porträt sie am meisten interessiert. Es werden vier möglichst gleich große Gruppen gebildet, die sich mit einem Film näher beschäftigen und in der folgenden Unterrichtsreihe zu Experten für ihr Bild, den Künstler und den dahinter stehenden Stil werden:

  • Expertengruppe A: Wilhelm Leibl – Mädchen am Fenster
  • Expertengruppe B: August Macke – Mädchen mit Fischglas
  • Expertengruppe C: Gerhard Richter – Ema
  • Expertengruppe D: Franz Gertsch – Sylvia II

Die Schülerinnen und Schüler schauen sich ihren Film an, am besten in Einzel- bzw. Partnerarbeit im Computerraum oder als Hausaufgabe. Dafür ist es sinnvoll, sich die Filme im digitalen Format zu besorgen, in Nordrhein-Westfalen geht das im Schuljahr der Ausstrahlung und im auf die Ausstrahlung folgenden Schuljahr zum Beispiel über Edmond, siehe Service/Mitschnitt und Bezug. Arbeitsblatt 2 "Porträtsteckbrief" hilft, die Informationen zu strukturieren und die Aufmerksamkeit auf die Aspekte zu lenken, die im weiteren Verlauf eine Rolle spielen. Die Schüler notieren die Informationen und vergleichen die Aufzeichnungen in ihrer Gruppe. Eventuell gibt es Fachausdrücke und Fremdwörter in dem Film, die den Schülern nicht geläufig sind. Die schwierigen Wörter sollten sie notieren. Im Laufe der Unterrichtsreihe werden die Begriffe geklärt. Am Schluss könnte daraus ein kleines Glossar mit Fachbegriffen und Erläuterungen werden.

  • Arbeitsblatt 2a: Porträtsteckbrief Leibl
  • Arbeitsblatt 2b: Porträtsteckbrief Macke
  • Arbeitsblatt 2c: Porträtsteckbrief Richter
  • Arbeitsblatt 2d: Porträtsteckbrief Gertsch

Reflexion: Stile einordnen

Anschließend recherchieren die Gruppen weitergehende Informationen zu den Stilrichtungen ihres Porträts. Leitfragen und mögliche Quellen sind auf Arbeitsblatt 3 "Stile einordnen" angegeben. Bücher, Kataloge und Zeitschriften sollten den Schülern zur Verfügung gestellt werden. Im Internet finden die Schüler neben schriftlichen Informationen auch weitere Bilder der Künstler und anderer stilverwandter Maler. Das Ergebnis kann ein großes Plakat mit Stichwörtern und Bildern sein, das in der Klasse vorgestellt wird. Gerhard Richter ist bei dieser Aufgabe ein Sonderfall, da er keiner Stilrichtung zugeordnet werden kann.

Mit den gewonnenen Erkenntnissen können nun die in den Filmen vorgestellten Werke genauer betrachtet werden. Dabei arbeiten je zwei Expertengruppen zusammen. Sie suchen nach Gemeinsamkeiten und Unterschieden bei ihren Bildern:

  • Gruppe A (Leibl) und D (Gertsch) vergleichen Fotorealismus und Akademischen Realismus (Arbeitsblatt 4 "Bildvergleich Gertsch - Leibl")
  • Gruppe B (Macke) und C (Richter) vergleichen die Werke unter dem Aspekt Vergegenständlichung/Abstraktion (Arbeitsblatt 5 "Bildvergleich Richter - Macke")

Gestaltung eines eigenen Porträts

  • Eine junge Künstlerin sitzt vor August Mackes "Mädchen mit Fischglas" und malt selbst ein Bild. Lädt zu eigener Gestaltung ein: Mackes "Mädchen mit Fischglas"; Rechte: WDR

Nach der Rezeption und Reflexion setzen die Schülerinnen und Schüler ihre Erkenntnisse in einer eigenen gestalterischen Arbeit um. Es bietet sich an, eine praktische Unterrichtseinheit Porträtmalen anzuschließen.

Die Schülerinnen und Schüler suchen sich jemanden aus ihrer Klasse oder aus ihrem Freundes-/Bekanntenkreis aus und malen ein Porträt von dieser Person. Dazu fotografieren sie die Person, drucken das Foto im Format A4 oder größer aus und verwenden es als Vorlage.

Je nach Alter und Zeit können die Schüler sich an zwei Stilrichtungen aus der west.art Meisterwerke-Reihe annähern: den Expressionismus von August Macke und den Fotorealismus von Franz Gertsch.

Die Technik des Fotorealismus lässt sich nachahmen, wenn die Schüler ihr Foto in einem Fotobearbeitungsprogramm aufrastern, möglichst groß ausdrucken und dann übermalen. Eine Annäherung an den Expressionismus können Sie mit Arbeitsblatt 6 "Material und Technik Macke" vorbereiten. Auf dem Arbeitsblatt ist das Bild großformatig abgebildet. Drucken Sie das Bild farbig aus und lassen sie es nach Möglichkeit auf A3 vergrößern. Die Schülerinnen und Schüler zerlegen das Bild, um sich mit dem Verhältnis von Abstraktion und Gegenständlichkeit bei Macke zu beschäftigen. Sie schneiden die Formen des Hintergrunds auseinander. Die Gestalt des Mädchens bleibt intakt. Die Schülerinnen und Schüler betrachten die ausgeschnittenen Elemente im Hinblick auf ihre Form und Farbigkeit. Mit welchen Farben hat Macke gearbeitet? Welche Formen machen den Hintergrund aus? Im Vergleich zwischen den einzelnen Formen und dem Gesamtbild untersuchen sie, wie Macke mit abstrakten Formen Gegenständliches (Häuser, Dächer, Pflanzen) angedeutet hat. Bei der eigenen Gestaltung eines expressionistischen Porträts können die Schüler das Foto der zu porträtierenden Person möglichst groß ausdrucken und mit Farben übermalen.

  • Arbeitsblatt 6: Material und Technik Macke

Film als Mittel der Reflexion

Die west.art Meisterwerke-Filme setzen Bild, Geräusche und Musik selbst als künstlerische Mittel ein, um über die Bilder zu reflektieren. An zwei Beispielen lässt sich das gut besprechen: an den Filmen über Wilhelm Leibl und über Gerhard Richter. Die Schüler untersuchen dies an den Eingangsszenen des Films über Wilhlem Leibl bis 01:37 Minute. Sie notieren auf Arbeitsblatt 7 "Filmische Mittel Leibl", was in den Eingangsszenen zu sehen und zu hören ist. Welche Wirkung wollen die Filmemacher mit den ersten Bildern erzielen? Welche Aussage wollen sie unterstreichen? Wie werden die Musik und Geräusche in Kontrast zu den Bildern gesetzt und warum?

Wenn Sie die technischen Möglichkeiten und die Zeit haben, gestalten die Schüler im zweiten Schritt den Ton der ersten anderthalb Minuten des Films selbst. Sie überlegen sich vorher, welche Wirkung sie erzeugen wollen und wie sie dieses Ziel am besten erreichen können. Der Originalkommentar bis 01:24 Min. besteht aus 23 Wörtern. Was passiert, wenn man noch weniger benutzt? Wie wirkt es, wenn man mehr Text schreibt? Welche Informationen sollte man im Kommentar liefern?

  • Das Bild von Gerhard Richter ist im Hintergrund zu sehen, im Vordergrund Betrachter, die nur ungenau zu erkennen sind. Gerhard Richters Porträt "Ema" im Film; Rechte: WDR

Etwas abstrakter ist die Aufgabe zum Film über Gerhard Richter. Sie befasst sich mit dem Aspekt der Filmbildung. Der Film komponiert eigene Bilder, die Richter interpretieren und seine Ästhetik aufgreifen. Sie können die Machart des Films mit Arbeitsblatt 8 "Film und Kunst" thematisieren. Mehrere Screenshots der Anfangssequenz, in der eine Frau eine Treppe hinunterläuft, werden Richters Gemälde gegenüber gestellt. Die Schülerinnen und Schüler analysieren, inwiefern die Bilder des Filmanfangs die Aussage des Films über Richters Gemälde unterstützen. Dahinter steht die Frage, warum sich die Autorin des Films für einen solchen Anfang entschieden hat. Offenbar wollte sie das Motiv des Gemäldes in modern bewegten Bildern spiegeln – um dem Werk Aktualitätsbezug zu geben? Oder um dem Zuschauer einen Einstieg und eine Assoziationsmöglichkeit zu geben?

Die Ergebnisse dieser Analyse können Sie auch für eine filmische Gestaltungsaufgabe verwenden. In Gruppenarbeit erstellen die Schüler zu einem selbst ausgewählten Bild eine Filmsequenz, die auf das Motiv oder den Titel des ausgewählten Werks Bezug nimmt. Eine detaillierte Anleitung findet sich auf Arbeitsblatt 9. Am Ende der Filmsequenz sollte das ausgewählte Werk stehen.

  • Arbeitsblatt 7: Filmische Mittel Leibl
  • Arbeitsblatt 8: Film und Kunst Gerhard Richter
  • Arbeitsblatt 9: Film und Kunst eigener Filmanfang

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