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Hintergrund: Ho-Chi-Minh-Pfad

Die Bedeutung des Ho-Chi-Minh-Pfads im Vietnamkrieg

  • Schwarzweiß-Aufnahme eines Panzers, bewaffnete Soldaten laufen in einer langen Reihe nebenher. 1953: französische Truppen rücken vor; Rechte: akg
  • Vietminhs auf einem abgeschossenen französischen Flugzeug 1954. Vietminh auf einer Maschine der Besatzer; Rechte: akg

Der Ho-Chi-Minh-Pfad ist ein Netzwerk von Pfaden und Straßen, durch die das nördliche mit dem südlichen Vietnam verbunden ist. Während des Kolonialkrieges gegen Frankreich (1946 bis 1954) diente der Pfad zunächst der nordvietnamesischen Befreiungsbewegung "Vietminh" ("Liga für die Unabhängigkeit Vietnams") und später dem südvietnamesischen "Vietkong" ("vietnamesische Kommunisten") um Soldaten und kriegswichtige Materialien ins Land zu schleusen.
Auch die nordvietnamesische Armee nutzte das Wegesystem im Kampf gegen die US-amerikanischen Truppen und ihre südvietnamesischen Verbündeten als Hauptnachschublinie. Die Angaben über die Länge schwanken zwischen 16.000 bis 20.000 km.
Dies ist darauf zurückzuführen, dass das Wegesystem stark verzweigt ist und nicht nur Straßen, sondern auch kleine Fußwege umfasst. Benannt ist dieser "Pfad" nach dem kommunistischen Präsidenten der "Demokratischen Republik Vietnam", die am 2. September 1945 im nordvietnamesischen Hanoi – noch inoffiziell – ausgerufen wurde.

  • Ho Chi Minh und der französische Außenminister Georges Bidault schütteln sich die Hand (Aufnahme von 1946). Der Politiker Ho Chi Minh (rechts im Bild); Rechte: picture-alliance / dpa

Der Namensgeber Ho Chi Minh

Ho Chi Minh wurde am 19. Mai 1890 unter dem bürgerlichen Namen Nguyen Sinh Cung geboren. Bereits im Zweiten Weltkrieg beteiligte er sich am Widerstand gegen die japanischen Besatzer und kämpfte für die Unabhängigkeit Vietnams. Ho Chi Minh und die "Vietminh" gaben sich nach der Kapitulation Japans jedoch nicht mit der Kontrolle Nordvietnams zufrieden und forderten die Wiedervereinigung mit dem von der französischen Kolonialmacht regierten Südvietnam, was schließlich zu einem militärischen Konflikt führte. Ab 1949 gelang es mit der politischen und militärischen Hilfe der chinesischen Kommunisten, die kurz zuvor den Bürgerkrieg in China gewonnen hatten, die französischen Truppen zurückzudrängen. Nachdem die nordvietnamesische Armee den größten Teil des Landes erobert hatte, kam es am 21. Juli 1954 zu einem Waffenstillstandsabkommen mit den Franzosen. Ho Chi Minh wurde nun auch offiziell Präsident von Nordvietnam.

  • Ngo Dinh Diem steht Stock und hellem Anzug auf einer Außenaufnahme, im Hintergrund sind vier weitere Personen. Der südvietnamesische Präsident Diem; Rechte: picture-alliance / dpa

"Kommunistischer Domino-Effekt"?

In erbitterter Opposition zu den Machthabern in Südvietnam begann der Vietkong 1957 einen Guerillakrieg und verübte Anschläge auf militärische Institutionen der Amerikaner und des Diem-Regimes. Der Vietkong konnte sich der breiten Unterstützung der ländlichen Bevölkerung Südvietnams sicher sein. Wie die Nordvietnamesen wünschten sie sich endlich ein vereintes und von so genannten "Schutzmächten" unabhängiges Vietnam. So gelang es dem Vietkong, mehr und mehr Gebiete unter seine Kontrolle zu bekommen. Er begann sogar mit dem Aufbau einer eigenen Verwaltung und gründete 1960 mit der "Nationalen Befreiungsfront von Südvietnam" ("Front National de Libération du Viet-Nam Sud, FNL") eine politische Organisation. Bei allen seinen Aktivitäten wurde der Vietkong von Ho Chi Minh und den Nordvietnamesen unterstützt. Der im Krieg gegen die Franzosen bereits bewährte Ho-Chi-Minh-Pfad erwies sich dabei als essentielles Nachschubsystem.

Breite Unterstützung der ländlichen Bevölkerung

1955 übernahmen die USA die Kontrolle über Südvietnam und unterstützten das autoritäre Regime Ngo Dinh Diems, der nach dem Abzug der Franzosen erster Präsident Südvietnams wurde. Die Amerikaner griffen in den Indochina-Konflikt ein, weil sie befürchteten, dass von den Nordvietnamesen unter Ho Chi Minhs Führung, die von China und der Sowjetunion massiv unterstützt wurden, ein "kommunistischer Domino-Effekt" in der Region ausgehen könnte.

"Truong-Son-Straße"

Die Bezeichnung Ho-Chi-Minh-Pfad ist nur in westlichen Gefilden üblich. In Vietnam selbst wird dieses komplexe Wegesystem nach einem Gebirge im mittleren Vietnam "Truong-Son-Straße" genannt. Zu Zeiten des Krieges gegen Frankreich handelte es sich tatsächlich eher um Pfade, die nur zu Fuß benutzt werden konnten. Sie dienten hauptsächlich dem Transport von wichtigen Nachrichten und Briefen sowie sonstigen geheimen Dokumenten. Erst 1959 beschloss Ho Chi Minh den Ausbau der Pfade zu einem System von Straßen, auf denen LKW und Panzer Waffen, Munition, Verpflegung und natürlich auch Soldaten der nordvietnamesischen Armee in den Süden bringen konnten.

  • Nordvietnamesische Soldaten gehen hintereinander über eine schmale Stiege aus Ästen.

    Mehr Stiege als Straße: der Ho-Chi-Minh-Pfad; Rechte: dpa/AFP

  • Eine einspuriger Weg führt einen Berg hinauf, im Vordergrund Geäst und links ist ein beladener Lastwagen zu sehen.

    Der Ho-Chi-Minh-Pfad 1965; Rechte:picture-alliance/ dpa/ AFP

  • Schwarz-weiße Porträtaufnahme des Nordvietnamesischen Präsidenten Ho Chin Minh.

    Namensgeber und Initiator der Straße: Ho Chi Minh; Rechte: dpa

  • Zwei amerikanische Soldaten in einem Hubschrauber, der im Begriff ist abzuheben oder zu landen, helfen zwei Soldaten am Boden dort einzusteigen. Amerikanische Soldaten werden evakuiert; Rechte: dpa

Kriegsentscheidende Bedeutung

Nachdem die Amerikaner im Verlauf der 60er Jahre mehr und mehr Soldaten in Südvietnam stationiert hatten und der Krieg immer brutaler eskalierte, war der Ho-Chi-Minh-Pfad für nordvietnamesische Truppen und Vietkong von immenser strategischer Bedeutung. Dies erkannten auch die Amerikaner und versuchten mit allen militärischen Mitteln, diese Versorgungslinie zu zerstören, was ihnen aber nur partiell gelang. Der "Pfad" war zu komplex und zu verzweigt, um ihn vollständig unter Kontrolle zu bringen. Wurde ein Abschnitt zerstört, so konnte dieser relativ einfach umgangen werden. Dadurch kam der Nachschub von Soldaten und Kriegsmaterialien über den Ho-Chi-Minh-Pfad nie völlig zum Erliegen und der Pfad erlangte kriegsentscheidende Bedeutung für den von der Weltöffentlichkeit kaum für möglich gehaltenen Sieg von Nordvietnam und Vietkong über die US-Army und ihre südvietnamesischen Verbündeten.

  • Präsident Richard Nixon deutet auf eine Landkarte, die das Nachbarland Kambodscha zeigt. Nixon und die Ausweitung der Kampfzone; Rechte: picture-alliance / dpa

Nixon lässt Nachbarländer bombardieren

Als die Bombardements der Amerikaner immer heftiger wurden und die Zerstörung von Teilen des auf vietnamesischen Terrain liegenden Ho-Chi-Minh-Pfads zur Folge hatten, wichen nordvietnamesische Truppen und Vietkong auch auf die bis dahin neutralen Nachbarländer Laos und Kambodscha aus und integrierten Straßen und Pfade auf deren Staatsgebieten in ihr kompliziertes Versorgungssystem. Dies führte dazu, dass US-Präsident Richard Nixon ab 1969 Teile von Laos und Kambodscha massiv bombardieren ließ. Diese Angriffe waren nach amerikanischen Gesetzen illegal. Daher erhielten die Piloten der US-Bomber offiziell vietnamesische Orte als Ziele ihrer Aktionen, wurden dann aber in der Luft auf laotische und kambodschanische Ziele umdirigiert. Die Weltöffentlichkeit sollte nicht erfahren, dass die Amerikaner auch unbeteiligte Länder angriffen.

  • Schwarzweiß-Aufnahme von Pol Pot bei einem Interview. Pol Pot: 1979 endet sein Regime; Rechte: picture-alliance / dpa

Verheerende Folgen für Laos und Kambodscha

Diese Angriffe und Zerstörungen trugen nicht unerheblich dazu bei, die Laoten und Kambodschaner in die "offenen Arme" der kommunistischen Staaten Nordvietnam, China und Sowjetunion zu treiben, deren Hilfe dankbar angenommen wurde.
Der "kommunistische Domino-Effekt", den die Amerikaner durch ihr militärisches Engagement in Indochina verhindern wollten, wurde dadurch erst richtig ausgelöst. In Kambodscha führte dies später zur verheerenden Schreckensherrschaft von Pol Pot und den Roten Khmer.

  • Drei Flugzeuge, die einen langen weißen Schleier hinter sich herziehen. US-Flugzeuge versprühen Entlaubungsmittel; Rechte: akg-images
  • Straßenansicht von Hanoi mit Motorradfahren. Vietnam heute: die quirlige Hauptstadt Hanoi; Rechte: mauritius images

Das Ende des Krieges

Ho Chi Minh starb am 2. September 1969, kurz nachdem er sich verstärkt für Friedensverhandlungen ausgesprochen hatte. Es sollte aber noch vier Jahre dauern, bis die Amerikaner einsahen, dass sie diesen Krieg nicht gewinnen konnten und sich aus Südvietnam zurückzogen. Dort setzte sich der Bürgerkrieg zwischen nordvietnamesischer Armee und Vietkong einerseits und den antikommunistischen Südvietnamesen auf der anderen Seite bis 1975 fort. Am 2. Juli 1976 erfolgte schließlich die offizielle Wiedervereinigung als Sozialistische Republik Vietnam. In Hollywood-Filmen wird seit den 70er Jahren immer wieder das amerikanische Trauma des Vietnamkriegs thematisiert, der mit ca. 60.000 getöteten und etwa 150.000 verwundeten US-Soldaten sowie schätzungsweise zwei Millionen getöteten und drei Millionen verwundeten Vietnamesen sehr viele Opfer forderte und zum Teil auch immer noch fordert: Der Einsatz des Entlaubungsmittels „Agent Orange“ führt auch heute noch zu Fehlgeburten und Behinderungen bei Neugeborenen. Vereinzelt werden immer noch Menschen durch Sprengkörper, die damals abgeworfen wurden, verletzt oder getötet.

Touristenattraktion

Die USA hoben das Handelsembargo gegen Vietnam erst Anfang 1994 auf. Ein Jahr später kam es zur Wiederaufnahme beiderseitiger diplomatischer Beziehungen. Der kriegsentscheidende Ho-Chi-Minh-Pfad ist mittlerweile Geschichte und kann von Touristen besichtigt werden. Inzwischen kommen sogar amerikanische Vietnam-Veteranen wieder ins Land, um "an die Stätte ihrer Kriegserlebnisse zurückkehren", wie die "taz" im November 2007 berichtete.