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Inhalt der Sendung

Berichte über die "dust bowl", das von verheerenden Staubstürmen heimgesuchte Land, und sicherlich auch John Steinbecks Roman "Früchte des Zorns" machten Oklahoma in den 1930er-Jahren berühmt. 1996 kam es erneut zu starken Sandverwehungen, doch dieses Mal zogen die Farmer nicht nach Kalifornien.

Der Folksänger Woodie Guthrie hat die Staubstürme miterlebt, die in den 1930er-Jahren den mittleren Westen der USA heimsuchten. In seinen Liedern erzählt er von damals, als sie dachten, das Ende sei gekommen und die Welt gehe unter. Viele Bewohner Oklahomas flüchteten und suchten ihr Glück im gelobten Land Kalifornien. Es gibt noch Zeitzeugen, die von den schmutzigen Jahren erzählen können, wie der 90-jährige Howard in den Antilope Mountains. Und auch Paul Hitch berichtet von seiner interessanten Familiengeschichte, von dem Flecken Land am Coldwater Creek, den sein Urgroßvater für sich auswählte, von dem Wasserreichtum und dem plötzlich entdeckten Erdgas. Die Hitch-Family gehört heute mit über 30.000 Rindern zu den reichsten Farmern Oklahomas, und gewisse Parallelen zu den Clans bekannter US-Seifenopern lassen sich nicht leugnen. Bei den Hitchs findet man die gesamte Palette: vom traditionellen Cowboyleben bis hin zum modernen Ranchbetrieb mit computergesteuerter Fütterung der Rinder.

  • eine Ebene mit zwei BäumenOklahoma 1996
  • zwei Cowboys halten ein KalbAuf der Hitch-Ranch in Guyman, Oklahoma, brennen die Cowboys

Details

In der flachgewellten Grassteppe der Great Plains herrschte in den dreißiger Jahren für längere Zeit extreme Trockenheit, die zu Bodenerosion und großen Ernteverlusten führte. Weite Landstriche wurden immer wieder von verheerenden Sandstürmen heimgesucht, so dass für den Panhandle in Oklahoma schnell der Begriff der Dust Bowl geprägt wurde. Viele Landarbeiter und Farmer mussten ihre Farmen aufgeben, verloren ihren Besitz und mussten zwangsläufig diese Region verlassen. Viele zogen weiter nach Westen, größtenteils nach Kalifornien. Wie stellt sich diese Region heute dar? Wie wirkt sich die Vergangenheit auf die heutige Situation aus? Diesen Fragen geht die Sendung im Einzelnen nach.

Zu Beginn der Sendung besingt Woody Guthrie das Schicksal der Menschen in den 30er Jahren in Oklahoma. Bei einer Autofahrt wird die Weite dieses Bundesstaates deutlich. Die Region wurde lange Zeit von den europäischen Neuankömmlingen gemieden, da sie als wenig fruchtbar angesehen wurde. Zwischen 1830 und 1846 wurden hier auf Initiative der Regierung fünf "zivilisierte Indianerstämme" aus dem Osten angesiedelt: etwa 20.000 Creeks aus Georgia und Alabama, 5.000 Choctaws, die dem Staat später den Namen gegeben haben, und 4.000 Chickasaws aus Mississippi, 3.000 Seminoles aus Florida und über 16.000 Cherokesen aus North Carolina, Tennessee und Georgia. Viele Indianer überlebten diese Umsiedlungsaktion nicht, so dass schnell vom Trail of Tears gesprochen wurde. Aufgrund zunehmender Zahlen von neuen Siedlern aus dem Osten gab die Bundesregierung im April 1889 wieder weite Teile des heutigen Oklahoma zur Besiedlung frei. In sechs Wettläufen wurde das Land verteilt: "Alle Landhungrigen (sie wurden Sooner genannt, aufgrund deren Erwartung auf baldigen Landbesitz) mussten hinter einer abgesteckten Grenze auf den Startschuss warten und durften dann, wild durcheinander, lospreschen und sich, notfalls mit Gewalt, ein Stück Land erobern, um es gleich darauf eintragen zu lassen.

Der bekannteste Run war der auf den Cherokee Strip, bei dem 100.000 Sooner auf sieben Millionen acres 'losgelassen' wurden. Auch Oklahoma City entstand auf diese Weise und wurde am 22. April 1889 binnen eines Nachmittags gegründet. Bis zum Einbruch der Dunkelheit hatten dort bereits 10.000 Menschen ihren Anspruch auf ein Stück Land angemeldet. Schwarzweiß-Aufnahmen verdeutlichen diese historischen Ereignisse in der Sendung.

Die Grundlage für diese Art der Landnahme bildeten die Homestead Laws, die erst während des Amerikanischen Bürgerkrieges verabschiedet wurden. 1862 verabschiedete der Kongress das erste Homestead Law, wonach jeder US-Bürger, der Familienvater oder mindestens 21 Jahre alt oder Veteran der US-Armee war, ein bis zu 64 Hektar großes Stück Land aus öffentlichem Besitz erwerben konnte. Um rechtmäßiger Besitzer zu werden, musste ein Siedler mindestens fünf Jahre auf dem Land gewohnt haben und es auch nutzbar gemacht haben.

Das Gebiet des Oklahoma Panhandle wurde durch den Organic Act vom 2. Mai 1890 dem Oklahoma Territory zugeordnet. Bis dahin gehörte dieses Gebiet als No Man's Land zu keinem Staat. Mit der Bildung des Staates Oklahoma im Jahre 1907 wurde die gesamte Region in drei Counties eingeteilt. Die Stadt Guymon wurde zum Sitz der Texas County. Sie wurde bereits 1900 an das Eisenbahnnetz angeschlossen, so dass die Stadt einen schnellen wirtschaftlichen Aufschwung nahm. Die Texas County wurde ein bedeutendes Anbaugebiet für Weizen und Baumwolle. Guymon wurde in der Folge der Trockenheit zur capital of the dust bowl. Ernteten die Farmer im Jahre 1926 beispielsweise 17 bushel per acre und erzielten $1,16 pro bushel, sank der Ertrag auf 9,5 bushel per acre im Jahre 1930 und erbrachte in der Folge der Weltwirtschaftskrise nur noch $0,68 pro bushel. Der County Texas verlor im Zeitraum von 1930 bis 1940 30% seiner Bevölkerung.

Das schwere Schicksal, dem sich viele Okies beugen mussten, besingen die beiden Country-and-Western-Sänger Darrell W. Gable und Tory R. Stinnett in ihrem Lied The Photograph während eines Auftrittes in der Oklahoma Opry. Während einer Autofahrt mit dem neunzigjährigen Howard, der fast so alt ist wie die weiße Siedlungsgeschichte, kann man sich kaum vorstellen, dass diese Region in den 30er Jahren immer wieder von verheerenden Staubstürmen heimgesucht worden ist.

Einer, der in den frühen 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts auch in dieses Niemandsland kam, war James K. Hitch. An einem kleinen Wasserlauf, dem Coldwater Creek, ließ er sich nieder und begann, Rinder zu züchten. Zu seiner Zeit entsprach die Rinderzucht sicherlich noch den romantischen Vorstellungen, wie sie in zahllosen Western gezeigt wird. Heute ist die Firma Hitch Enterprises, in vierter Generation geführt von Paul Hitch, der größte Arbeitgeber in Guymon. Die Firma zieht pro Jahr etwa 350.000 Rinder groß, 20% davon gehören ihr, die anderen kommen einjährig in die feedlots, Rinderpferche, in denen etwa 50.000 Tiere gezüchtet werden. Die Sendung vermittelt einen ausführlichen Überblick über die Bedingungen und Abläufe modernster Rinderzucht. Damit die Rinder in viereinhalb Monaten auf ein Schlachtgewicht von 1.220 Pfund kommen, werden sie systematisch medizinisch versorgt, indem ihnen Antibiotika gegen Lungenentzündung, Mittel gegen Würmer, Vitamine und Wachstumshormone verabreicht werden. Die Futtermengen der Tiere werden von Computern gesteuert. Das Futter wird von Trucks zu den Trögen der Tiere befördert, anders wären die riesigen Viehherden überhaupt nicht zu bewältigen. Der Mais, der an die Tiere verfüttert wird, kommt zum allergrößten Teil aus dem Anbau der Firma Hitch selbst. In den letzten Jahren sind die bewässerten Ackerflächen systematisch erweitert worden. Die effektivste Bewässerung geschieht mit Hilfe der center-pivot sprinklers, eine Beregnungsanlage, die im Kreis fährt. Diese Anlagen erlauben eine genaue Dosierung der benötigten Wassermengen.

Die Wirtschaftsstruktur dieses dünn besiedelten Gebietes wird heute wieder von der Landwirtschaft und den dazugehörigen Betrieben wie Handel mit Landmaschinen, Düngemitteln, Tierarzneimitteln usw. beherrscht. Die Texas County steht bezüglich des Verkaufswertes von Rindvieh an fünfter Stelle in den USA.

m einzigen Café in Texhoma trifft man auf ältere Bewohner dieser Gegend, die alle ihr persönliches Erlebnis mit den Sandstürmen in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts haben. J. R. Davison erzählt eindrucksoll, wie er sich als Kind verhalten musste, wenn sich ein Sandsturm ankündigte: ein feuchtes Taschentuch vor den Mund halten, Türen und Fenster mit nassen Tücher verhängen usw. Dennoch wäre er beinahe an den Folgen einer schweren Lungenentzündung vom Staub gestorben. Die Sandstürme machten innerhalb weniger Jahre aus einst fruchtbaren Feldern eine Wüstenlandschaft. Tausenden von Familien blieb nichts anderes übrig, als ihr letztes Hab und Gut auf ein Auto zu laden und sich auf den Weg nach Westen zu machen. Das sehr fruchtbare kalifornische Längstal bot vielen eine neue Heimat. Die Probleme, die sich ihnen damals stellten, lassen sich am ehesten mit dem Schicksal vieler illegaler mexikanischer Land- bzw. Wanderarbeiter vergleichen, die sich zu Hungerlöhnen auf den kalifornischen Feldern als Pflücker verdingen müssen.

Über das Schicksal dieser vor dem Sand flüchtenden Menschen wird nicht nur in unzähligen Liedern und Balladen berichtet, sondern wird besonders anschaulich von John Steinbeck in seinem Buch The Grapes of Wrath ("Früchte des Zorns") aus dem Jahre 1939 beschrieben. In seinem Buch, das Steinbeck 1940 den Pulitzer-Preis einbrachte, wird die Familie Joad auf ihrem Weg von Oklahoma nach Kalifornien verfolgt. Tom Joad, der älteste Sohn der Familie und Hauptprotagonist, versucht, im "Goldenen Westen" seine Familie zu retten. Doch im Land des Überflusses begegnen ihnen bittere Armut und Unterdückung. Das Buch wurde mit Henry Fonda in der Hauptrolle ein klassisches Filmdokument dieser dunklen Geschichte

In der Sendung werden Bilder der heutigen County Texhoma mit Schwarzweiß-Aufnahmen von Autokarawanen auf ihrem Weg nach Westen überblendet. In dem kleinen Ort Boise City lebte in den 30er Jahren die Familie Coble. Ein berühmtes Photo von Arthur Rothstein zeigt Arthur Coble mit seinen zwei Söhnen, wie sie Schutz vor dem herannahenden Sandsturm suchen, am 14. April 1935, dem Schwarzen Sonntag. Clara Coble, Arthurs Schwiegertochter, erklärt die alten Photos aus der Zeit der Sandstürme, aus denen die Not in der Dust Bowl deutlich wird. Zum Schluss der Sendung wird eine blühende Wiese gezeigt, jener Ort, der vor 60 Jahren unter Sand begraben war.

  • ein Longhorn-rind
  • der Kopf eines Longhorns
  • ein Büffel frisst Grass
  • eine Fotografie aus der DustbowlEines der berühmtesten Bilder aus der dust bowl, der Staubschüssel von Arthur Rothstein im Regierungsauftrag fotografiert.
  • ein Mann in einem blauen Hemd