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Inhalt der Sendung

Der "Tortilla-Vorhang", die Grenze zwischen Kalifornien und Mexiko, ist für viele Mexikaner, die ins gelobte Land Amerika gelangen wollen, eine nur schwer zu überwindende Barriere.

S.S. Marvin, Pressesprecher der border patrol, stellt das neue Computersystem "Ident" vor. Verbunden mit dem Zentralrechner des FBI in Washington, speichert der Computer Gesicht und Fingerabdrücke illegaler Grenzgänger, um deren Identifikation, Abschiebung oder Verurteilung zu erleichtern. Von einer Million Illegaler versuchte über die Hälfte, im Bereich St. Diego/Tijuana die Grenze zu überwinden. Nicht nur die Aufrüstung der border patrol und der Ausbau der Grenzanlagen soll sie davon abhalten. Radiodurchsagen warnen vor den Gefahren, berichten von Verdursteten und Verhungerten, von Unfällen überladener Schlepperautos, von Überfahrenen.

Dass es auf beiden Seiten um menschliche Schicksale geht, erzählt Bruce Springsteen in seinem Lied "The Line". Er singt von Marco Ramirez, einem gebürtigen Mexikaner im Dienst der border patrol. Diesen Marco Ramirez gibt es tatsächlich, und er steckt in der Zwickmühle. Marco Ramirez will seinen Job als Grenzschützer so gut wie möglich machen, versteht aber gleichzeitig, weshalb seine Landsleute Mexiko verlassen wollen. Er war schließlich selbst einmal in der gleichen Situation.

Zwei Familiengeschichten verdeutlichen die Problematik: Auf der einen Seite die harte, oft schlecht bezahlte Arbeit auf den Erdbeerfeldern Kaliforniens, die beengten Wohnverhältnisse und die Sprachprobleme, auf der anderen Seite aber die Hoffnung auf ein besseres Leben, vor allem für die Kinder.

  • Menschen demonstrieren mit roten BannernDie Kirchen unterstützen die Gewerkschaft der mexikanischen Landarbeiter
  • eine karge GrenzlandschaftDer "Tortilla-Vorhang", die Grenze zwischen Kalifornien und Mexiko

Details

Am 15. September 1996 setzen sich um 11 Uhr mexikanische Erdbeerpflücker in Watsonville zu einem Demonstrationsmarsch in Bewegung. Die Demonstranten werden von der Kamera beobachtet. Die Menschen treten ein für ein Ende des Missbrauchs und der Ausbeutung auf den Erdbeerplantagen. Als Teil der Gewerkschaft United Farm Workers treten sie in der Region Watsonville-Salinas für einen angemessenen Lohn ein, für Trinkwasser und Toiletten auf den Feldern, für eine Krankenversicherung, für Arbeitsplatzsicherheit, für ein Ende von Kinderarbeit, sexueller Belästigung und anderen Misshandlungen. 12.000 Arbeiter sind auf den Erdbeerfeldern in der Umgebung von Watsonville und Salinas beschäftigt.

Kontrolliert wird die Erdbeerernte im Wert von 650 Millionen $ von einigen wenigen großen Firmen. Diese Unternehmen machen den Anbau von etwa 65 % aller kalifornischen Erdbeeren unter sich aus. Die Erdbeerpflücker, die 12 Stunden am Tag arbeiten, verdienen etwa 8.000 $ im Jahr. Nach Aussage der Gewerkschaft würde eine Anhebung ihrer Löhne um 50% nur zu einer Verteuerung der Erdbeeren um 5 ¢ pro Pfund bei einem durchschnittlichen Preis zwischen 1,49$ und 2,99$ führen. In Kalifornien arbeiten etwa 20.000 Erdbeerpflücker, die in den vergangenen zehn Jahren keine spürbare Lohnerhöhung erhalten haben. Ihr Lohn richtet sich nach der Anzahl der Stunden bzw. im Akkord nach der gepflückten Menge. Viele können sich keine richtige Wohnung leisten, so dass sie mitunter in Autos, Hütten o.ä. wohnen. Die Arbeit ist sehr schwer. Da sich die Pflücker die meiste Zeit bücken müssen, leiden viele an Rückenbeschwerden. Ältere Pflücker sind dieser Arbeit gar nicht mehr gewachsen. Vier von fünf Arbeitern sind deshalb unter 30 Jahre alt. Die Erdbeerpflanzen werden intensiv mit Pflanzenschutzmitteln gegen Fäulnis gespritzt. Die Pflücker arbeiten mit Mundschutz, krankenversichert sind sie in der Regel nicht. Die Gewerkschaft hat es schwer, Fuß zu fassen. Im Juni 1996 wurden zwei Gewerkschaftsfunktionäre von Gegnern krankenhausreif geschlagen, während sie mit Arbeitern in der Nähe von Watsonville sprachen.

Das Central Valley steht in Bezug auf die landwirtschaftliche Produktion weit vor anderen Bundesstaaten. Über 250 Nutzpflanzen werden hier angebaut, bei etwa 50 bis 60 davon nimmt Kalifornien die führende Stellung ein. Ein Drittel der Fläche Kaliforniens wird landwirtschaftlich genutzt. Kalifornien ist der bedeutendste Bundesstaat in Bezug auf die Erzeugung von Milch und Milchprodukten, erzeugt 55 % aller Früchte, Nüsse und Gemüsesorten der gesamten USA.

Jeder zehnte Arbeitsplatz in Kalifornien ist in der Landwirtschaft, im Central Valley sogar jeder dritte. Kalifornien führte 1994 landwirtschaftliche Produkte im Wert von 11,8 Mrd. $ aus. Das entsprach 15 % aller amerikanischen Agrarexporte. Kalifornien ist der sechstgrößte Exporteur von Landwirtschaftsprodukten in der Welt, vor China, Kanada, Brasilien und Australien. Es wird geschätzt, dass jede Milliarde Dollar, die aus dem Agrarexport stammt, 27.000 Arbeitsplätze in Kalifornien erhält. Japan stellt den größten Absatzmarkt für kalifornische Produkte dar, gefolgt von Kanada und der Europäischen Union.

Erst große technische Baumaßnahmen ermöglichten diese intensive Landwirtschaft in Kalifornien. Da das kalifornische Längstal im Regenschatten der Küstenkordillere liegt, fallen nur geringe Niederschläge. Es herrscht gleichzeitig ein heißes Klima. 80% der Wassernachfrage, insbesondere für die Bewässerung der landwirtschaftlichen Flächen, befindet sich südlich von Sacramento. Aus diesem Grunde wurden im Norden, der 75% des Oberflächenwassers erhält, große Stauseen gebaut, in denen die Niederschläge im Winter gespeichert und über Kanäle bis zu 800 km weit nach Süden geleitet werden.

In der Sendung wird Tomas, der mit seiner Familie in einem typisch amerikanischen Holzhaus in mexikanischer Nachbarschaft wohnt, vorgestellt. Er lebt seit 1967 in Kalifornien, blieb am Anfang nur fünf oder sechs Monate, bis die Erdbeerernte beendet war und kam mit Beginn der nächsten Erntesaison wieder zurück. Später blieb er. Seinen Kindern geht es heute besser, wenn auch die Lebenssituation in Watsonville nicht gerade rosig ist für die mexikanische Bevölkerung (vgl. Auszug aus Zeitungsartikel des San Francisco Chronicle vom 15.12.1996, Seite 29).

In einem migrant camp wird die Familie von Louis Espinoza vorgestellt. Sie leben bereits seit fünf Jahren in solch einer Art Notbehausung und müssen monatlich 500 $ Miete bezahlen, was bei einem Jahresdurchschnittsgehalt von 8.000 $ pro Pflücker sehr viel ist. Der legal hier lebenden Familie Espinoza geht es etwas besser als den Illegalen, da sie außerhalb der Erntezeit wenigstens Arbeitslosengeld erhalten. Ihre Hoffnung für die Zukunft konzentriert sich auf ein besseres Leben für ihre Kinder, für die sie gern ein Haus bauen möchten.

Die Sendung verfolgt den Weg der Erdbeerpflücker von Watsonville zur Grenze zwischen Mexiko und Kalifornien zurück. Hier haben sie sich über die Grenze geschlichen, in der Hoffnung auf ein besseres Leben im reichen amerikanischen Norden. Auf einer Länge von 2.000 Meilen ist es für die Polizisten der Border Patrol fast unmöglich, arme Mexikaner an der illegalen Einwanderung zu hindern. Fährt man im Raum San Diego mit dem Auto über die Highways, wird man des öfteren von Polizisten angehalten und kontrolliert. Außerdem warnen Schilder am Straßenrand die Autofahrer, auf flüchtende Menschen zu achten, ähnlich wie bei uns Schilder zum Wildwechsel.

An der Grenze treffen wir auf Marco Ramirez, der zur Border Patrol gehört. Er ist selbst als illegaler Einwanderer nach Kalifornien gekommen, arbeitet heute auf der anderen Seite. Im Interview bekennt er sich zu seiner amerikanischen Staatsangehörigkeit und einer strengen Pflichtauffassung, die ihn antreibt zur Jagd auf Illegale. Das Schicksal dieses Polizisten wird von Bruce Springsteen auf dessen Album "The Ghost of Tom Joad" besungen. Der Song "The line" wird anhand der Filmaufnahmen illustriert. Auf diesem Album, das Springsteen mit leisem Gesang, mit akustischer Gitarren- und Keyboardbegleitung im Herbst 1995 veröffentlicht hat, besingt "der Boss" Geister des Alltags: Straßenkinder, Drogenhändler, Obdachlose, illegale Einwanderer, Wanderarbeiter, vermisste Väter usw. Der Titelheld seiner CD ist auch der Titelheld des 1939 veröffentlichten Romans von John Steinbeck, The Grapes of Wrath.

Springsteens Botschaft heute lautet: Die Lebensbedingungen sind für viele Menschen nahezu gleich geblieben, nur die Hautfarbe hat sich geändert. Waren es in den 30er Jahren die von Sandstürmen vertriebenen Farmarbeiter aus Oklahoma, die in Kalifornien eine neue Bleibe suchten, sind es heute Mexikaner und andere.

Die Sendung schließt mit Bildern, wie mit Hilfe von modernen Infrarot-Geräten die illegalen Immigranten auch während der Dunkelheit der Nacht ausgemacht und festgenommen werden können. Nachdem sie registriert worden sind, werden sie bis zum nächsten Mal nach Mexiko zurückgebracht. Tomas und seine Familie träumen zwar immer noch von einer Rückkehr nach Mexiko, aber solange er für seine Kinder noch nicht das Beste erreicht hat, bleiben sie in Watsonville.

  • Menschen demonstrieren auf der StrasseDemonstration der Landarbeiter
  • ein bärtiger Mann mit rotem Kopftuch im ProfilStudenten unterstützen die mexikanische Arbeiterbewegung
  • Erntearbeiter an einem FliessbandMaschinelle Salaternte
  • Blick über Zwei FelderSalatfelder bei Watsonville
  • Blick auf ein Feld bis zum Horizont
  • ein gebräunter Mann mit dunklen Haaren und SchnauzbartTomas
  • ein Wohnwagen mit VorbautenCamp der mexikanischen Landarbeiter
  • ein Kamerateam filmt
  • ein Mann in UniformBorder Patrol