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Inhalt der Sendung

Die Ästhetik der Wolkenkratzer Manhattans fesselt Architekten, Fotografen und Touristen gleichermaßen. Die Geschichte(n) der Entwicklung dieser Skyscraper und des Stadtteils in deren Schatten, TriBeCa, ist ebenso faszinierend.

Rushhour in New York, ein magisches Chaos, das sich fließend fortbewegt. Die U-Bahnen entlassen Hunderttausende Pendler. Menschenströme ergießen sich in das Häuserlabyrinth rund um die Wall Street. Im Schatten ihrer Hochhäuser liegt der Stadtteil TriBeCa, das "Triangle below Canal Street". In diesem Dreieck unterhalb der Kanalstraße geht es beschaulich zu, eher wie in einem großen Dorf. Der einstige Umschlagplatz für Gemüse, Eier und Kaffee hat in den letzten Jahren sein Gesicht verändert. Die Gewerbeetagen, die Lofts, sind inzwischen begehrter und teurer Wohnraum. Besserverdienende verdrängen die Künstler, die den Stadtteil für sich entdeckt hatten. Immer mehr Geschäftsleute aus dem Finanzdistrikt ziehen ein. Robert de Niros TriBeCa Grill erfreut sich wachsender Beliebtheit, zieht auch Touristen an. Horst Hamann, Fotograf aus Mannheim, liebt das ruhige TriBeCa ebenso wie die gigantischen Hochhäuser, die es umgeben. Er hat sich mit Herz und Seele den Wolkenkratzern verschrieben, den Skyscrapern, deren Ästhetik er genial im Bild festhält.

  • WolkenkratzerDie Skyline von New York
  • eine StrassenkreuzungHektisches Treiben an der Wall Street

Details

In dieser Sendung wird die Stadt New York aus einem nicht alltäglichen Blickwinkel dargestellt. Im Vordergrund steht nicht New York als Touristenmetropole, als multikulturelles Sammelbecken, als Finanzzentrum der Welt, sondern die Entwicklung und der Bau der Hochhäuser. Architektonische und technische Fragen werden ebenso erörtert wie insbesondere der Wandel des ehemaligen Handelgebietes TriBeCa zu einem begehrten Wohnviertel im Schatten der Wall Street.

Der Bezirk TriBeCa, die Kurzform für Triangular Below Canal Street, entstand im 19. und frühen 20. Jahrhundert und entwickelte sich zu New Yorks wichtigstem Umschlagplatz für Lebensmittel und Textilien. Es wurden architektonisch herausragende Lagerhäuser und Geschäftsgebäude errichtet. Diese Gegend blieb lange Zeit unbeachtet, weil sich die Stadt New York in andere Richtungen entwickelte. Im Laufe der Zeit verlagerte sich der Handel mit Lebensmitteln jedoch in andere Teile der Stadt New York, eine Reihe der Lagerhäuser wurde zu begehrten Wohnhäusern umgebaut. Aus diesem Grunde lastet auf diesem historisch gewachsenen Bezirk, der im Norden von der Canal Street, im Osten von der Lafayette Street und dem Broadway, im Süden von der Vesey Street und im Westen vom Hudson River begrenzt wird, ein enormer städtebaulicher Druck, durch den teilweise unwiederbringbare Gebäude sowie die einzigartige Atmosphäre gefährdet sind. In den 60er Jahren sind zahlreiche Häuser im Rahmen eines Sanierungsprojektes für die Gegend um den Washington Market abgerissen worden. Künstler auf der Suche nach großen und billigen Wohn- und Arbeitsmöglichkeiten entdeckten in den 70er Jahren TriBeCa. In jüngster Zeit wird diese Wohngegend zunehmend Opfer von Spekulanten, die sich wenig um die historische und ästhetische Dimension des Viertels kümmern.

Mit dem Gegensatz zwischen dem hektischen Treiben der Stadt New York und der Beschaulichkeit von TriBeCa beginnt die Sendung. In diesem traditionsreichen Viertel lebt der deutsche Fotograf Horst Hamann aus Mannheim mit seiner Familie. Seine Spezialität liegt vor allem darin, dass er u.a. die Wolkenkratzer von New York aus ungewöhnlicher, zumeist vertikaler Perspektive fotografiert. Er beschreibt TriBeCa so: "In TriBeCa hast du immer ein bißchen Wochenendstimmung. Es liegt nahe am Hudson River, noch etwas abgeschieden. Zwar ziehen immer mehr Leute hierher, es ist viel los, neue Restaurants machen auf, aber es ist eine sehr gute Gegend zum Wohnen in New York. Man fühlt sich sozusagen wie in einem kleinen Dorf."

Die frühen Häuser in TriBeCa waren überwiegend 2½ bis 3½-geschossige Ziegelhäuser für die New Yorker Mittelklasse. Da die Stadt sich im 19. Jahrhundert immer mehr zum Handels- und Finanzzentrum der USA entwickelte, wurden diese Wohnhäuser im Bezirk TriBeCa bald abgerissen und durch neuere ersetzt, die den besonderen Ansprüchen an Handel und Kommerz genügten. Die Händler, die Mitte des vorigen Jahrhunderts hier ihre Häuser erbauen ließen, wollten repräsentativ bauen, sodass sehr viel Aufwand für die Gestaltung der Fassaden getrieben wurde. Es wurden unterschiedliche Materialien wie feiner Sandstein, Marmor und insbesondere Gusseisen verwendet. Es sind alle möglichen Stilarten in TriBeCa zu finden, Handelspaläste in italienischem, Geschäftshäuser in neo-griechischem Stil, Hochhäuser aus den späten zwanziger Jahren im Art Deco-Stil. 1845 ließ Alexander T. Stewart die Gegend südöstlich der Kreuzung von Broadway und Reade Street abreißen und dort ein Jahr später das erste Kaufhaus in Amerika errichten. Es war das erste kommerzielle Gebäude im Stile der italienischen Renaissance-Paläste. Die Fassade aus Marmor wurde von gusseisernen Säulen getragen. Neu entwickeltes Spiegelglas ließ die ersten Schaufenster entstehen, so dass in TriBeCa in kürzester Zeit die Mischung aus Gusseisen und Glas weitverbreiteter Standard wurde. Der Architekt James Bogardus benutzte Gusseisen erstmalig im Jahre 1848 für eine Fassade. Ein Meisterwerk, das ihm zugeschrieben wird, ist ein Handelshaus im venezianischen Stil an der Ecke Canal Street - Lafayette Street. Aufgrund der großen Nachfrage nach Gußeisen für Bauzwecke, befand sich eine Gießerei direkt im Viertel. Kommt man heute nach TriBeCa, spielt der Handel mit Lebensmitteln keine wesentliche Rolle mehr. Eines der wenigen hier übrig gebliebenen ist das vor 76 Jahren gegründete Handelshaus Harry Wils & Söhne. Steven Wils handelt in dritter Generation mit Lebensmittel, wobei das Sortiment den heutigen Bedürfnissen von Großküchen und noblen Restaurants angepasst wurde. Ein eindrucksvolles Zeugnis von New York als aufstrebendem Handelszentrum ist das Woolworth Building, das in der Sendung vorgestellt wird. Dessen Bauherr Frank W. Woolworth war für eine dramatische Veränderung der Skyline in Lower Manhattan verantwortlich. Bis kurz vor Ende des 19. Jahrhunderts hatten die Hochhäuser in New York lediglich 10 - 15 Geschosse. Woolworth hatte von Beginn an vor, seine Kaufhauskette mit einem besonders eindrucksvollen Hauptquartier zu krönen. Sein Architekt Cass Gilbert sollte das höchste Gebäude der Welt errichten, und zwar in neo-gotischem Stil. Im August 1911 wurde mit den Bauarbeiten für das 60 Stockwerke hohe Woolworth-Zentrum begonnen. Als es im Jahre 1913 fertig war, bezahlte Woolworth die Kosten in Höhe von 13,5 Millionen Dollar in bar. Aufgrund der Lobby, die in Form eines Kreuzes gestaltet ist, wurde das Woolworth-Hochhaus bald als Kathedrale des Handels bezeichnet.

Eine Grundvoraussetzung für den Bau von Hochhäusern war die Erfindung des Fahrstuhls von Elisha Graves Otis im Jahre 1857. 32 Jahre später brachte die Firma den ersten elektrisch betriebenen Fahrtstuhl auf den Markt, sodass es von da an kaum mehr Beschränkungen in der Höhe der Gebäude gab. Personen und Waren konnte man jetzt bequem auf und ab befördern. Im Flatiron, dem Bügeleisenhaus, einem weiteren sehr markanten Hochhaus in Lower Manhattan, benötigte der Fahrstuhl 1903 nur 25 Sekunden für die 20 Stockwerke. Eine weitere technische Erfindung, die sich enorm auf die Bauweise der Wolkenkratzer in New York auswirkte, war das Neonlicht. Damit bis zu diesem Zeitpunkt genügend Tageslicht in die Büroräume fallen konnte, durfte der Abstand zwischen Fenster und Flur nicht größer als 9 Meter sein. Dieses Maß konnte nach der Einführung von Neonröhren durchbrochen werden, was zu rechteckigen platzsparenden Hochhausklötzen wie dem Equitable führte. Um dennoch für Tageslicht unten auf New Yorks Straßen zu sorgen, wurde 1916 von der Stadt festgesetzt, dass die Hochhäuser Rücksprünge wie bei einem Hochzeitskuchen berücksichtigen mussten.

Einen weiteren Schwerpunkt in dieser Sendung bildet der um die Jahrhundertwende für New York bedeutsame Vergnügungspark Coney Island. Es sind interessante Aufnahmen von Attraktionen zu beobachten. Der Architekt Rem Kohlhaas vertritt die Ansicht, dass Coney Island zu der Zeit als Experimentierstube für die städtebauliche und architektonische Weiterentwicklung der Stadt New York galt. Im Luna Park wurden 1,3 Millionen Glühbirnen zur Beleuchtung verwendet. Die 1.200 Türme im Park spiegelten sich bald in der aufstrebenden Skyline von New York wider. Wozu man in New York fähig war, lässt sich am Beispiel des Empire State Building nachvollziehen. Dieser berühmte Wolkenkratzer, der in der Zeit von März 1930 bis November 1931 errichtet wurde, blieb bis zum Jahr 1970 das höchste Gebäude New Yorks und der Welt. Es erstreckt sich über 102 Stockwerke, ist 381m hoch (bis zur Antennspitze sind es 443,2m) und bietet heute etwa 15.000 Menschen einen Arbeitsplatz.

Gegen Ende der Sendung wird das jetzige Leben in TriBeCa geschildert. Drew Nieporent ist Chef einer Gruppe von Restaurants und anderer Geschäfte, die hier einen besonders guten Ruf haben. Der TriBeCa Grill, der sich im Gebäude einer ehemaligen Kaffeerösterei befindet, gehört zu den beliebtesten Speiselokalen in diesem Viertel. Dadurch wird der Charakterwandel von TriBeCa besonders deutlich. Für den Kaufmann Steven Wils besteht hier immer noch der kreative Geist aus den Anfängen. Es ist eine rege Nachfrage nach Wohnraum zu verzeichnen, Lofts, die Obergeschosse der ehemaligen Lagerhallen, sind besonders begehrt. Solange dieses Interesse an der Möglichkeit, in TriBeCa zu wohnen und zu leben, wach bleibt, wird sich zumindest das Äußere dieses historischen Stadtviertels von New York nicht allzu schnell verändern.

  • ein StadtbildTriBeCa
  • ein Gerüst
  • eine AchterbahnConey Island
  • blick an einem Gebäude empor
  • blick durch ein Glasdach
  • blick durch einen TorbogenArchitektur in New York City
  • eine grosse StatueFreiheitsstatue
  • ein Schild eines Geschäfts
  • ein dreieckiger WolkenkratzerFlatiron
  • drei MusikerDie Jazzmusiker Edwin, Bradley und Sanhandon