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Inhalt der Sendung

Hip-Hop wurde in den Straßen der Bronx Ende der 70er Jahre kreiert. Es handelt sich um Graffiti, Breakdance und Rap, eine Musik mit Botschaft: "Wir sind wer, hört uns zu, wir haben was zu sagen". Rap wurde zum CNN der Schwarzen, zur Buschtrommel der modernen Städte. Wenn heute KRSONE trommelt, kocht die Stimmung über. Und das, obwohl seine Parole Edutainment lautet, er Bildung als stärkste Waffe der Unterdrückten ansieht und Gewalt ablehnt. KRSONE beklagt, dass meist solche Bands gefördert werden, die Mord und Totschlag in den Mittelpunkt ihrer Songs stellen, Gras rauchen und verrückte Dinge tun. Auch im Fernsehen taucht immer nur die eine, die gewalttätige Seite der Bronx auf. Es sollten endlich einmal die kreativen Seiten ins Rampenlicht gerückt werden, meinen KRSONE, der Rapper, Elvis, der Tontechniker, und Kid Capri, der beste Scratcher der Bronx, übereinstimmend. Und genau diese Botschaft beherzigt der Film. Er macht aber auch klar, was Rap mit Muhammad Ali, James Brown, Martin Luther King und Malcolm X zu tun hat.

  • drei Männer reichen sich die HandElvis mit seiner Crew.
  • ein Basketball-Spiel auf der StrasseIm Sommer spielt sich das Leben in der Bronx auf der Straße ab.

Details

"Der Tatort ist die Straße, die Tatwaffe: Der Mund! Es ging (und geht) um Selbstbehauptungswillen, Status- und Konkurrenzkampf. Hip-Hop ist ein Lebensgefühl, ein Sammelbegriff all dessen, was Breakdance, Rap, Graffiti betrifft. Die Heimat des Hip-Hop ist die Bronx von New York. DJ Kool Herc, Sohn jamaikanischer Einwanderer, war der erste, der die Straßenschluchten der Bronx mit seinem Soundsystem, bestehend aus zwei Plattenspielern, einem Mischpult, Verstärker und überdimensionalen Boxen, erzittern ließ. Er drehte Scheiben der 70er und 60er, vor allem liebte er die instrumentalen Schlagzeugparts oder prägnante Rhythmuspassagen (break beats) diverser bekannter Soullegenden wie James Brown ... Mit einem zweiten Exemplar des gleichen Songs 'verlängerte' er diese Breakbeats zu einer endlosen Rhythmusorgie. Hercs Kollegen, wie Afrika Bambaataa und Grandmaster Flash, verfeinerten die Technik, indem sie auf dem zweiten Plattenteller rhythmisch eine weitere Scheibe unter der Abspielnadel hin und her bewegten, so dass ein perkussiv-quietschender Klangeffekt entstand (scratching). Abseits der Turntables ließ schließlich ein weiteres 'Gangmitglied' wahre Wortkanonaden los. Mit ihren 'Raps' verschafften sich diese Zeremonienmeister (Master of Ceremony ... oder Microphone Controller, kurz, MC) Gehör, zogen die vorübergehenden Passanten an und grenzten sich außerdem von anderen Gangs ab. Dazu wurde getanzt. Die jeweiligen Mitglieder (crews) rivalisierender Straßengangs im Schwarzen- und Puertorikaner-Ghetto demonstrierten nacheinander mit einem Ritual aus Drehungen, stakkatoartigen Zuckungen und einer unglaublichen Fußartistik ihren Frust, jugendlichen Übermut und Selbstbehauptungswillen. Dabei übertraf die Körpersprache dieses Breakdance bei weitem den reinen Bewegungsmechanismus. Dritter wichtiger Bestandteil nach Rap und Breakdance waren die Graffitis. Diese mit Sprühfarbe aufgetragenen Bilder an Häuserwänden, Mauern, U-Bahnzügen waren die sichtbaren Spuren der Ghetto-Kids. Meist in Form von tags (Namenskürzel des Sprayers oder der Gang) wurden so die Reviere abgesteckt." (Th. Steinberg, nach Text des Plattencovers von Magic Hip-Hop. The Real Classic. SONY 1997)

Die Sendung zeigt zum Auftakt Szenen aus dem "Tramps", dort wo der Blastermaster of Rap, KRS One, auftritt. Er setzt die kulturelle Bedeutung der Hip-Hop Kultur der Afro-Amerikaner auf eine Stufe mit den Errungenschaften Leonardo da Vincis. Hip-Hop ist für ihn ebenfalls Weltkultur, da viele Kulturkreise diese Musikrichtung und diesen Lebensstil übernommen bzw. für sich adaptiert haben. Als Beleg hören wir eine Rap-Version des deutschen Volksliedes Bi-Ba-Butzemann, die von Elvis, "the Pope" und Alfred Hochstrasser produziert wird. Von Elvis erfahren wir etwas vom Leben auf den Straßen der Bronx. Wir lernen Brian kennen, der sein Leben als Graffiti-Künstler verbringt. In diesem Zusammenhang ist interessant zu wissen, dass die New Yorker Polizei ganz besonders auf die tags der unterschiedlichen Banden achtet, um eventuell Bandenkriege vorhersehen und bekämpfen zu können.

Neben Musik und Graffiti ist Sport in der Bronx zu Hause, Basketball, Handball (nicht zu verwechseln mit unserem Handball, eher eine Art Tennis ohne Schläger) und Boxen. Die Sendung erinnert an den wohl bekanntesten und größten Boxer aller Zeiten, an Cassius Clay, alias Muhammad Ali. Er war in seiner Zeit dafür bekannt, dass er eine lockere Zunge hatte und seine Gegner bereits durch seine markigen Sprüche, häufig stark rhythmisierend vorgetragen, verunsichern wollte. Ein Gedicht über einen Kampf zwischen ihm und Sonny Liston zeugt davon auf eindrucksvolle Weise.

Das Scratching wird besonders gut vom jungen Kid Capri beherrscht. Er verdient seinen Unterhalt mit seiner Plattensammlung. Kid Capri verweist auf die Anfänge des Rap, auf James Brown mit seinem Slogan "Say it loud, I'm black and I'm proud", auf Afrika Bambaataa. Respekt ist für ihn und andere der zentrale Begriff, in den 60er Jahren bereits von Aretha Franklin in den Mittelpunkt gestellt. Diese Gedanken führen zurück in die 50er und 60er Jahre, als den Afro-Amerikanern noch grundlegende Rechte, insbesondere in den Südstaaten, verwehrt wurden. Folgerichtig wird der gewaltfreie Kampf von Dr. Martin Luther King und anderen gegen den Rassismus der Weißen, vor allem gegen die Attacken des Ku-Klux-Klan, aufgegriffen. Kings historische Rede (I have a dream) vom 28. August 1963 vor 250.000 Menschen vor dem Lincoln Memorial in Washington wird auszugsweise eingespielt. Elvis, "the Pope", beklagt heute noch, dass zu seiner Schulzeit die Behandlung der "schwarzen Geschichte" nur dem Monat Februar vorbehalten war, ansonsten die Geschichte der Weißen dominierte. Das habe sich heute geändert. Durch die Medien hätten afro-amerikanische Jugendliche ebenfalls Zugang zu allen möglichen Informationen.

Ein Blick auf den Audubon Palace rückt zwei Ereignisse in den Mittelpunkt. Zum einen wurde hier der radikale Führer der Schwarzen in den 60er Jahren, Malcolm X, zeitweise Gegenspieler von Martin Luther King, im Februar 1965 erschossen. Zum anderen erlebten die Jugendlichen hier eine wichtige Geburtsstunde des Rap, als im September 1976 erstmals Grandmaster Flash and the Furious Five u.a. mit dem Rap The Message auftraten. Reality ist ein Rap-Song, den KRS One spielt und auf diese Weise Einblicke in die Lebenssituation vieler afro-amerikanischer Jugendlicher gibt. Um Karriere zu machen, versuchen es einige mit Graffiti. Als positives Beispiel wird Zone vorgestellt, der sich seine Figur hat schützen lassen, um später einmal Spielwaren usw. zu produzieren

Im Gegensatz zu den Anfängen von Kommerzialisierung gibt es aber auch noch reine Street Rapper, die nachts am Straßenrand zu ihrem Ghettoblaster rappen, gerade so, wie diese Musikrichtung begonnen hat.

"Nachts sieht man hier an jeder Ecke Jugendbanden. Wo sind deren Eltern? Viele Kids haben keine Eltern, keine Familie. Die denken nicht lange nach und erschießen jemanden. Die denken auch nicht daran, dass dieser Jemand eine Familie hat, weil sie ja auch nie eine hatten. Wenn die jemanden erschießen, sehen sie nur einen Körper zu Boden fallen." Soweit Elvis, "the Pope" zum Thema Gewalt unter Jugendlichen auf den Straßen der Bronx. In der Sendung wird der Gangsta Rap, der Gewalt verherrlicht, am Rand thematisiert, die Bandenkriege zwischen Rappern aus New York bzw. dem Osten und denen in Los Angeles im Westen werden vernachlässigt.

Die Sendung endet mit einem Auftritt von KRS One, für den sich alle in der Samstagnacht entsprechend stylen. KRS One bezeichnet Bildung als die stärkste Waffe der Unterdrückten, ein positives Element der Hip Hop Kultur.

  • ein Basketball-spiel in einem HinterhofIm Sommer spielt sich das Leben in der Bronx auf der Straße ab.
  • eine S-bahn Unterführung in der BronxS-Bahn und Straße in der Bronx, häufig genutzt als Filmkulisse
  • ein GraffitiGraffity-Künstler verdienen inzwischen gutes Geld mit ihrer Kunst.
  • eine Gruppe junger Männer posieren
  • Blick durch einen Zaun auf einen Hinterhof