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Inhalt der Sendung

Baumwolle und Holz wurden früher auf dem großen, stolzen Strom Nordamerikas transportiert, dem Mississippi. Heute sind die Dampfschiffe eine Attraktion für Touristen, die natürlich auch die Stadt des Jazz und Blues besuchen, New Orleans.

Schaufelraddampfer trugen früher Baumwolle, Zuckerrohr und Tabak zu den Häfen des Südens. Heute schippern sie Touristen zu den alten und neuen Attraktionen des großen Stroms. Der Mississippi, New Orleans und die zahlreichen prächtigen Plantation-Häuser stehen auf dem Programm eines jeden Südstaaten-Besuchers. Weniger Beachtung wird den Hütten der Sklaven geschenkt. Dabei brachte gerade die Arbeit der Unterdrückten auf den riesigen Feldern den Farmern den Wohlstand, den sie gerne zur Schau stellten. Hunderttausende aus den unterschiedlichsten Völkern Afrikas und der Karibik wurden nach Amerika verschleppt. Der Heimat entwurzelt, bildeten sie eine bunt zusammengewürfelte "Black Community". Im Spannungsfeld zwischen Herrenhaus und Sklavenhütte entstand der Blues. Corey Harris hat den Blues, steht im heutigen Amerika mit beiden Beinen auf dem Boden, ohne seine Wurzeln verloren zu haben. Das zeigt er nicht nur in seinen Liedern.

  • ein typischer SchaufelraddampferDampfschiffherrlichkeit am Mississippi
  • ein farbiger Mann spielt SaxofonNew Orleans - Keimzelle des Jazz und Blues

Details

Die Sendung beginnt mit einigen Eindrücken vom Mississippi, die viele von uns im Kopf haben: Baumwollplantagen, Sklaven als Plantagenarbeiter, Herrenhäuser, Blues-Musik, in diesem Fall verkörpert durch Corey Harris, einen jungen Bluesmusiker. Danach wird Oak Alley, ein prachtvolles Herrenhaus aus der Blütezeit des Sklaven- und Baumwollhandels vorgestellt. Oak Alley, heute ein Museums- und Veranstaltungsort, ist nicht nur wegen seiner neo-griechischen Bauweise berühmt, sondern vor allem wegen seiner Zufahrt, die von prächtigen Eichen gesäumt wird. Hier in Oak Alley findet alljährlich ein mit diesem Raum untrennbar verbundenes Spektakel statt. Unter dem Motto Living History können Touristen den Drill von nachgemachten Infanterie-, Artillerie- und Kavallerieregimentern beobachten. Den Höhepunkt stellt eine tägliche Schlacht dar, die hier während des Bürgerkrieges stattgefunden hat. Gegen Ende der Sendung wird dieser Bürgerkrieg, der zur Befreiung der Sklaven führte, ausführlicher berührt. Die Pracht und die Großzügigkeit der für den amerikanischen Süden typischen Herrenhäuser in Oak Alley wird erkennbar, nicht jedoch die Arbeit und die Pein der Sklaven aus Afrika, die zur Arbeit auf den Baumwollfeldern hierher geholt worden sind. Die Ursprünge unserer heutigen Rockmusik liegen sicherlich ebenfalls hier, was durch das nigerianische Sprichwort "Wenn Bäume gefällt werden sollen, musst du singen. Ohne Gesang ist das Buschmesser stumpf", zum Ausdruck gebracht wird. Die Arbeit auf den Baumwollfeldern ist eng mit Worksongs, mit dem Blues verknüpft.

Ein weiteres Bild, das die amerikanischen Südstaaten und insbesondere den Mississippi repräsentiert, sind die Schaufelraddampfer, auf denen früher Baumwolle, Zuckerrohr und Tabak zu den Häfen im Süden von Louisiana transportiert wurde. Diejenigen, die heute noch in Betrieb sind, dienen den Touristen für Besichtigungs- und Vergnügungsfahrten. Während einer Dampferfahrt wird deutlich, dass der Unterlauf des Mississippi heute im Wesentlichen von Raffineriestandorten umsäumt wird. Aufgrund immenser Vorkommen von Erdöl und Erdgas, aber auch von Sulphat und anderen für die Chemieindustrie wichtigen Rohstoffen, ist eine Anhäufung von 16 großen Raffinerien, darunter der größten der Welt, zu verzeichnen. Dementsprechend bedeutsam sind die Häfen in dieser Region, z.B. Baton Rouge und New Orleans. Hier werden nicht nur die petrochemischen Produkte umgeschlagen, sondern auch etwa die Hälfte des Getreides, das die USA ins Ausland exportieren. Dass diese wirtschaftlichen Aktivitäten nicht erst neuerer Zeit entspringen, zeigen alte Filmausschnitte, in denen der Baumwolltransport aus Alabama, aus Mississippi und aus Louisiana in Richtung Liverpool und Leeds gezeigt wird.

Die Stadt New Orleans ist das beredte Zeugnis für den Reichtum des Südens, die Baumwolle, die Sklaven und den Handel mit Dampfschiffen auf dem Mississippi. Aus diesem Grunde schließt sich ein Portrait der Stadt New Orleans an, die zwar eine wechselvolle und überall sichtbare Geschichte hat, ansonsten aber eine normale amerikanische Großstadt ist. Während einer Kutschfahrt durch verschiedene Stadtviertel von New Orleans streift der Zuschauer das French Quarter. Storyville, das berühmte Vergnügungsviertel der Jahrhundertwende, wird in Form von historischen Fotos dargestellt. Hier startete u.a. Louis Armstrong seine unvergleichliche Karriere. Damit ist auch ein Bogen zu Corey Harris geschlagen, einem heutigen Repräsentanten der für das Mississippi-Delta typischen Musik, dem Blues. Er sagt: "Wenn man auf seinem Instrument spielt, versucht man - das ist eine alte afrikanische Tradition - es menschlich klingen zu lassen. Ihm eine Stimme zu geben, die spricht. Das ist die höchste Ausdrucksform." Die Bluesmusik liegt mit ihren zwölf Takten zwischen den acht Takten der gebräuchlichsten Spiritualform und den europäischen 16- und 32-taktigen Liedformen. Die zwölf Takte des Blues zerfallen in drei viertaktige Perioden, wie z.B. hier:

Two-nineteen train took my baby away (A)
Two-nineteen took my baby away (A)
Two-seventeen brings her back some day (B)

Melodisch versuchen Bluessänger, möglichst schnell den höchsten Notenwert jeder Phrase zu erreichen und gleiten mit ihrer Stimme bis zum Ende der Phrase nach unten. Die Stimme wird in den drei Phrasen dreimal angehoben, es entstehen drei abwärts gerichtete Spannungsverläufe mit den blue notes als charakteristischen Intervallen. Der Blues spielt sich im wesentlichen zwischen drei Akkorden ab: Tonika, Dominante und Subdominante. Die zwölf Takte zerfallen in vier Takte Tonika (in der C-dur-Tonleiter C), zwei Takte Subdominante (F7), zwei Takte Tonika (C), zwei Takte Dominante (G7) und zwei Takte Tonika (C). Von T-Bone Walker stammt der Ausspruch: "Im Grunde gibt es nur einen einzigen Blues, das ist das zwölftaktige Schema. Du schreibst einfach neue Worte darüber, improvisierst etwas anderes und hast einen neuen Song."

Eine der Wurzeln der schwarzamerikanischen Musik wird in der Sendung genauer beleuchtet: der Voodoo-Kult, ursprünglich aus Togo und Nigeria stammend. In New Orleans hat im vorigen Jahrhundert Marie Laveau als Voodoo-Königin eine herausragende Rolle gespielt. Heute ist Voodoo-Charlie, einer ihrer Nachfolger, eine Touristenattraktion, der die Botschaft des Voodoo weitergeben möchte.

In der berühmten Bourbon Street sind in diversen Kneipen alle denkbaren Musikstile zu hören, selbstverständlich live: Jazz, Blues, Rhythm 'n' Blues, Soul, Rock 'n' Roll. Corey Harris tritt im Mermaidclub auf. In solch einer Umgebung waren all die berühmten Bluesmusiker zu Hause: Robert Johnson, Big Bill Broonzy, John Lee Hooker, Lightnin' Hopkins, Howling Wolf, Blind Lemon Jefferson, Sun House, Muddy Waters, B.B. King und andere. Harris meinst: "Wirklich guter Blues spricht Erfahrungen an, die sogar Leute, die du nie getroffen hast, sofort verstehen. Nur durch das Hören der Musik, des guten Blues, erfährst du etwas über das Gefühl, das der Song ausdrückt. Dazu muss man überhaupt nicht Englisch können, das fühlt man einfach. Blues ist ein Gefühl." Es ist klar, New Orleans ist immer noch eine wichtige Metropole der Musik.

Ein weiterer Schauplatz der Sendung ist die Stadt Vicksburg, die im amerikanischen Bürgerkrieg stark umkämpft war. Viele Historiker bezeichnen den amerikanischen Bürgerkrieg (1861-1865) als den ersten modernen Krieg, da erstmalig Panzerschiffe und Schnellfeuerwaffen eingesetzt wurden. Ein Ausschnitt aus dem Dokumentarfilm "The River" macht deutlich, welche verheerenden Folgen dieser Krieg hatte. Der Bürgerkrieg wird heute vielfach nicht nur unter dem Aspekt der Sklavenbefreiung betrachtet, sondern in erster Linie unter dem Aspekt einer wirtschaftlichen Auseinandersetzung zwischen den Nord- und den Südstaaten. Der Bluesmusiker Harris sieht die damalige Auseinandersetzung so: "Der Bürgerkrieg wurde nicht geführt, um die Sklaven zu befreien. Die Wirtschaft der Sklavenhalterstaaten des Südens war abhängig von den Sklaven. Abraham Lincoln wurde einmal gefragt, ob er den Krieg hätte gewinnen wollen, ohne die Sklaven zu befreien, wenn er es gekonnt hätte. Er sagte: "ja.""

Das Schicksal der nach dem Krieg Befreiten war nicht gerade rosig. Besonders tapfere Schwarze wurden als Buffalo Soldiers im Kampf der Weißen gegen die eingeborenen Indianer eingesetzt. Die meisten verarmten. Deren Lebensstandard ist in den Südstaaten noch heute weit von dem der Weißen entfernt. Harris' letztes Lied heißt demzufolge auch "Dass die Fische nicht mehr beißen" oder "Fish ain't bitin'".

  • ein grosses weisses HausPrächtige Plantation-Häuser
  • hetruntegekommen Hütten an einem FlussElend in den Sklavenhütten
  • eine erleuchtete Fussgängerzone
  • eine reich verzierte Häuserfront
  • ein Skelett
  • eine Frau steht an einer Maschine
  • ein Friedhofschild